Philipp Spitta – Es wird mein Herz mit Freuden wach

Es wird mein Herz mit Freuden wach,
ein Segenstag ist dieser Tag;
da ruft’s mit hellem Klang hinaus:
Komm heut in deines Gottes Haus!

Am Tage, da er reden will,
tu auf dein Herz und halt dich still;
da er an dir sein Werk will tun,
laß deiner Hände Werke ruhn!

Heut hält der Herr ein offnes Haus,
da teilt dem Hungrigen er aus
sein teures Wort, das Lebensbrot;
wer das genießt, dem schad’t kein Tod.

Heut wird der gute Sämann gehn,
den edlen Samen auszusäh’n,
der in den Herzen, da er haft’t,
vielfältig edle Früchte schafft.

Heut führt der treue Hirt ins Tal
die Schaf’ und Lämmer allzumal
zu guter Weid’ an rechter Stell’,
auf grüner Au, zum frischen Quell.

Heut ist der Arzt, der Wundermann,
der allen Schaden heilen kann,
mit Hilf’ in Rat und Tat bereit
für jede Wunden, Schmerz und Leid.

Das ist ein Tag, ein Segenstag,
da wird mein Herz mit Freuden wach,
und lieblich klingt der Ruf hinaus:
Komm heut in deines Gottes Haus!

Philipp Spitta – O Vaterhand, die mich so treu geführet;

O Vaterhand, die mich so treu geführet;
o Vaterauge, das mich treu bewacht;
o Vaterherz, das meine Bitte rühret,
und das mit ew’ger Liebe mein gedacht!

Du wollest mich denn ferner treulich leiten,
daß ich den graden Weg zum Himmel geh’,
und mich zum ew’gen Leben zubereiten,
es sei durch Lieb’ und Leid, durch Wohl und Weh.

O mein Erlöser, der für mich gestorben,
und der mich Gott erkauft mit seinem Blut,
der mir Vergebung aller Schuld erworben,
daß nun mein Herz im Frieden Gottes ruht!

Du wollest mich denn immer mehr erlösen,
von allen Banden völliger befrein,
bei aller List und aller Macht des Bösen
der Held, durch den ich endlich siege, sein.

0 Heil’ger Geist, der du mit sanftem Triebe
mich strafest, tröstest, treibst und beten lehrst,
der du den Gottesfrieden und die Liebe,
die Hoffnung und den Glauben mir bescherst!

Regiere mich und drücke mir den Stempel
der Gotteskindschaft in die Seele ein,
und laß mich meines Gottes heil’ger Tempel
voll Stille, voll Gebet und Andacht sein!

Philipp Spitta – Wohl uns, der Vater hat uns lieb

Wohl uns, der Vater hat uns lieb
und wird an uns gedenken
und uns aus väterlichem Trieb,
was wir bedürfen, schenken!
Was fehlt uns doch
nun weiter noch,
da wir zum Vater haben
den Geber aller Gaben?

Wenn wir ohn’ Geld und Schätze gleich
die weite Welt durchzögen,
so ist doch unser Vater reich
an Liebe und Vermögen.
Wir sorgen nicht,
daß uns gebricht
auf unsrer Lebensreise
die Kleidung und die Speise.

Er, der so viel an uns gewandt
zu unserm Heil und Leben,
der zu uns seinen Sohn gesandt
und für uns hingegeben,
der so geneigt
sich Sündern zeigt —
wie sollte der denn minder
versorgen seine Kinder?

Wie können wir doch allezeit
frei vor sein Antlitz treten,
um Hilf’ in Not, um Trost in Leid,
um alles zu ihm beten!
Er hört uns an,
er will und kann
und wird uns gern gewähren,
was wir von ihm begehren.

Wie steht uns doch sein Vaterherz
in Jesu Christo offen!
Da fliehn wir hin, wenn uns ein Schmerz
und Unfall hat betroffen.
0, und da ruht
sich’s sanft und gut,
da ist man wohlgeborgen
und ledig allen Sorgen!

Und meint ihr, daß vor Tod und Gruft
uns bange sei und grause?
Nein, wenn uns unser Vater ruft,
so gehn wir gern nach Hause.
Da ist es doch
viel besser noch!
Oft seufzt man aus der Tiefe:
Ach, wenn der Vater riefe!

Er hat uns lieb: das ist genug,
uns ewiglich zu freuen;
er hat uns lieb: das ist genug.
Wir kennen ihn, den Treuen,
und wollen auch
nach Kinderbrauch
uns unablässig üben,
von Herzen ihn zu lieben.

Philipp Spitta – Wandle leuchtender und schöner

Wandle leuchtender und schöner,
Ostersonne, deinen Lauf;
denn dein Herr und mein Versöhner
stieg aus seinem Grabe auf.

Als das Haupt er sterbend beugte,
bargst du dich in mächtgem Flor;
doch jetzt komm hervor und leuchte,
denn auch er stieg längst empor.

Erde, breite deinen Frieden
unter deinem Himmel aus;
denn dein Herr ist nicht geschieden,
er zerbrach des Todes Haus.

Deine starken Felsen bebten,
als er seinen Geist verhaucht;
grüße nun den Neubelebten,
wonnevoll in Licht getaucht!

Doch du selber, meine Seele,
sag, wie feierst du den Tag,
da der Herr des Grabes Höhle
mit gewalt’gem Arm durchbrach?

Feierst du sein Auferstehen
auch in rechter Osterfreud’?
Kann man an dir selber sehen,
welch ein hoher Festtag heut?

Bist du mit ihm auferstanden
aus der Sünde Todesnacht?
Hast du dich von ihren Banden
losgerungen, frei gemacht?

Oder liegst du noch verborgen
und in deinen Sünden tot?
Kündet deinen Ostermorgen
noch kein helles Morgenrot?

0 dann laß dich nicht bedecken
länger mehr die finstre Nacht!
Sieh, dein Herr ist, dich zu wecken,
von dem Tode auferwacht!

Komm, vom Schlaf dich zu erheben,
komm, der Fürst des Lebens ruft,
wache auf zum neuen Leben,
steig herauf aus deiner Gruft!

Sieh, er reicht dir hilfreich, gnädig
die durchbohrten Hände hin,
macht dich der Betäubung ledig,
weckt mit Liebesruf den Sinn!

Keine Strafe sollst du scheuen,
darum bleibe nicht zurück,
raff dich auf, dich zu erfreuen
an des neuen Lebens Glück!

Steig empor zum neuen Leben;
denn du schliefest lang genug.
Kraft zum Leben wird dir geben,
der für dich den Tod ertrug.

Fang nur an, erst aufzustehen,
fühlst du dich auch noch so matt;
der wird dir zur Seite gehen,
der dich auferwecket hat.

O bedenke und erwäge,
wie du gehn magst, nicht so lang;
solch Bedenken macht nur träge,
macht dich mehr noch schwach und krank.

Keine Hilfe wird versagen
er, wenn du nur erst begannst,
wird dich auf den Armen tragen,
wo du selbst nicht gehen kannst.

Sieh, dein Herr Ist auferstanden,
daß du könntest auferstehn,
aus der Sünde Haft und Banden
in die schönste Freiheit gehn!

Willst du ihm dich nur ergeben,
streift er deine Ketten ab,
und du siehst dein altes Leben
hinter dir als leeres Grab.

Philipp Spitta – Herr, des Tages Mühen und Beschwerden

Herr, des Tages Mühen und Beschwerden
machtest du durch deine Nähe leicht.
Bleib bei mir, da es will Abend werden;
bleib bei mir, da sich der Tag geneigt!
Wie am Tag du stärkend bei mir weiltest,
o so tritt am Abend auch herzu;
wie du meine Müh’ und Arbeit teiltest,
o so teile segnend meine Ruh’!

Sieh, es dräut mir jetzt kein läst’ger Störer,
in dem Stübchen bin ich ganz allein,
kann jetzt ungestört dein stiller
Hörer und dein aufmerksamer Schüler sein.
Sprich du selbst mir einen Abendsegen;
denn dein Segenswort hat Segenskraft,
ist ein milder, kühler Abendregen
für das Herz, von Tagesmüh’ erschlafft.

Ach, wie ohne dich, o Herr, der Abend
mich so kalt und unbefriedigt läßt!
Doch durch dich ist er so süß, so labend,
ist ein Feierabend, ist ein Fest;
voll von segensreicher Herzenslabe
wird mir dann erst abendlich zumut;
wenn ich dich am Tagesende habe,
dann ist mit dem Ende alles gut.

Komm denn nach des Tages lautem Leben,
komm, du reicher Gast, kehr bei mir ein,
Heil zu spenden, Schulden zu vergeben,
Ruhe, Fried’ und Freude zu verleihn!
Des vergangnen Tages Wunden, Schmerzen heile,
lindre und verbanne du,
und laß mich zuletzt an deinem Herzen finden
eine sanfte, nacht’ge Ruh’!

Philipp Spitta – Du reicher Gott und Herr

Du reicher Gott und Herr, von dem ich alles habe,
du ew’ger Lebensquell, draus ich mich täglich labe,
ich brächte gern einmal auch eine Gabe dir;
nur weiß ich selbst nicht, was. Drum bitt’ ich: sag es mir!

„Gib mir, o Sohn, dein Herz!“ So sprichst du; ach, das meine,
mein Herz, das willst du, Herr? Mein Herz, das ich beweine,
mein armes, schwaches Herz, von Sünd’ und Lust der Welt,
von Zagheit und von Trotz so unrein, so entstellt?

Das forderst du von mir vor allen andern Gaben?
Hier ist es, wie es ist, mein Herz, du sollst es haben.
O mache du es rein, o mache du es neu,
o mach es dir zur Ehr’ bis in den Tod getreu!

Philipp Spitta – Des Christen Kreuz

Des Christen Schmuck und Ordensband,
Das ist das Kreuz des Herrn;
Und wer erst seinen Werth erkannt,
Der trägt es froh und gern.

Man nimmt’s mit Demuth, trägt’s mit Lust,
Und achtet’s für Gewinn,
Doch trägt man es nicht auf der Brust,
O nein, man trägt es drin.

Und wenn’s auch schmerzt und wenn’s auch drückt,
Bleibt man doch glaubensvoll,
Man weiß ja wohl, wer’s uns geschickt,
Und was es wirken soll.

Man trägt es auch nur kurze Zeit,
Nur als ein Unterpfand
Für das zukünft’ge Ehrenkleid
Im Lieben Vaterland.

Spitta, Philipp – Vollendet hat der Tag die Bahn

1. Vollendet hat der Tag die Bahn,
sein Licht der Abend ausgetan
und überall die dunkle Nacht
die Zeit der Ruhe hergebracht.
O reicher Gott, nun segne du
uns diese Nacht zu guter Ruh.

2. Was du uns Gutes hast beschert,
wie du uns heut versorgt, ernährt,
in aller Fährlichkeit beschützt,
uns zugewendet was uns nützt:
wir danken dafür inniglich,
und Herz und Lippen preisen dich.

3. Was aber Übles wir getan,
das rechne uns aus Gnad nicht an!
Wir klagen dir´s mit Reu und Schmerz
und zeichnen unser Haus und Herz
mit deines lieben Sohnes Blut
zu Glaubenstrost und Glaubensmut.

4. Nun gib uns Ruhe, die erquickt,
nach der das müde Auge blickt.
Des Wächters Hut und Wachsamkeit,
der Tor und Riegel Festigkeit,
das Lager, weich und warm und dicht:
das alles gibt die Ruhe nicht.

5. Hälst du nicht selbst im Herzen auf
der Sorge und Gedanken Lauf,
so fährt er aufgeregt einher
wie ein vom Sturm bewegtes Meer,
und manche Stunde stiller Nacht
wird Ruhe suchend hingebracht.

6. Drum bring du unser Herz in Ruh
und schließ uns bald die Augen zu;
mit deiner Güte decke uns,
zur rechten Zeit erwecke uns.
Dann sei dir unser Dank gebracht
für dein Geschenk, die gute Nacht!

Text: Philipp Spitta (1801–1859)
Melodie: Leipzig 1539  (Vater unser im Himmelreich)
Quelle: GB Württemberg 1912. Nr. 83

Karl Johann Philipp Spitta – Du, dess‘ Zukunft einst erflehten

1.) Du, dess‘ Zukunft einst erflehten
Tausende in Israel:
Du bist unter uns getreten,
Christus und Immanuel!
O, der teuren Gnadenzeit!
Nun ist allen Heil bereit,
Nun soll keiner hilflos klagen,
Keiner hoffnungslos verzagen.

2.) Sel’ge Zeit! O, wie vor Alters
Man nach Dir Verlangen trug, –
Wie die Saiten seines Psalters
David so voll Sehnsucht schlug, –
Wie nach Dir einst ausgeschaut,
Sich gesehnet still und laut
Unter Seufzen und Gebeten
Die Gerechten und Propheten!

3.) Gott sei Dank! Nun ist geschehen,
Nun aus Gnaden uns gewährt,
Was so viele hier zu sehen
Und zu hören einst begehrt.
Gotes Rat ist nun enthüllt
Und zu unserm Heil erfüllt
Jetzt der Väter heiße Bitte:
Christus ist in unsrer Mitte!

4.) Aber der der Welt erschienen,
Wie vom Vater er gesandt,
Wandelt mitten unter ihnen,
Vielen fremd und unbekannt.
Unbeachtet lässt man Ihn
Seinen Weg vorüberziehn.
Ruft er, will man ihn nicht hören,
Lässt in Sünden sich nicht stören.

5.) Und Er klopft an manche Pforte,
Suchet Eingang hier und dort,
Grüßt sie mit holdsel’gem Worte,
Doch man weist Ihn schnöde fort.
Wer nicht fühlt, was ihm gebricht,
Dem gefällt der Helfer nicht.
Wer nicht in sein Herz will gehen,
Lässt den Heiland draußen stehen.

6.) Kennt ihr Ihn, der, uns zu retten,
Von dem Thron des Vaters kam,
Und damit wir Frieden hätten,
Unsre Strafe auf sich nahm?
Lebt ihr als Sein Eigentum
Ihm zur Ehre und zum Ruhm?
Seid ihr auch schon angeschrieben
Unter denen, die Ihn lieben?

7.) Ließt ihr Ihn das Herz gewinnen?
Nahmt ihr euch sein sanftes Joch?
Ist sein Reich bei euch darinnen
Oder widerstrebt ihr noch?
Sagt, wem dient ihr überall:
Christo oder Belial?
O, singt Christo: Hosianna!
Er allein hat Lebensmanna.

8.) Hosianna, sei willkommen,
Christe, kehre bei uns ein!
Du sollst von uns aufgenommen,
Herzlich aufgenommen sein.
Sieh, zum Eingang öffnen wir
Freudig unsre Herzen Dir.
Komm denn, komm darin zu wohnen,
Ja, als König drin zu thronen!

9.) Ach, es hat uns nur zu lange
Schon die Sünde übermocht,
Und mit unbesiegtem Zwange
Leib und Seele unterjocht.
Wie war aller Kampf und Krieg
Gegen sie doch ohne Sieg!
Du nur kannst uns von dem Bösen
Ganz und ewiglich erlösen.

10.) Drum, wie Dir das Reich verheißen,
Nimm das Reich bei uns auch ein.
Denn dem Starken uns entreißen,
Kann der Stärkere allein.
Mach uns selig, Gottes Sohn,
Sammle deiner Liebe Lohn,
Bis Dir untertänig werden
Alle Reiche hier auf Erden!

Spitta, Carl Johann Philipp – Laß mich fest stehn auf dem einen Grunde

Laß mich fest stehn auf dem einen Grunde,
Herr, der mir zu meinem Heil bereit,
Den das heil’ge Wort aus deinem Munde
Offenbart in dieser Gnadenzeit:
Jesus Christus ist ins Fleisch gekommen,
Hat die Sündenschuld auf sich genommen,
Von der Last die Sünder zu befrein;
Hat sein Leben in den Tod gegeben,
Daß die Todeswürd’gen möchten leben
Glaubend hier, dort schauend selig sein.

Wirke selbst in mir den festen Glauben
An dies Heil, das du gegründet, Gott!
Laß ihn nie mir eigne Zweifel rauben,
Nie der Menschen blinden Hohn und Spott,
Laß wie Petrus offen mich gesstehen:
Du bist Christus! Wohin sollt‘ ich gehen,
Lebensworte find‘ ich nur bei dir!
Laß wie Paulus mich nur dahin streben,
Daß du durch den Glauben mögest leben,
Ganz allein im treuen Herzen mir.

Ach, entzünd und laß dann nie erkalten
Jene Liebe, die gekrönt mit Heil,
Doch wie die geringste Magd zu walten
Sich erwählt als ihr bescheidnes Teil;
Die mit sanften und bescheidnen Mienen
Selig ist im Glauben, froh im Dienen,
Still im Leiden, dauernd in Geduld,
Alles trägt und glaubet, hofft und duldet,
Sich zu allem Guten hält verschuldet
Für den Reichtum deiner Gnad‘ und Huld.

Und so laß mich glaubend, liebend geben
Wie ein Kind, geführt von deiner Hand,
Wie ein Held dem Bösen widerstehen,
Selbst erliegend leisten Widerstand;
Und doch nie mich rühmen, nein, nichts weiter,
Als vor dir ein Kind sein, still und heiter;
Ungefangen von der Lust der Welt,
Fest auf deine Treue mich verlassen,
Dich so lang mit Glaubensarmen fassen,
Bis im Tod der Glaubensschleier fällt.