Gottfried Arnold – Verborgenes Leben.

Bei’m Herrn ist Amt und Pflicht genug,
Obwohl kein Schein und Heucheltrug
Ein Weltgeräusche machet.
Der Mensch, der ganz verborgen ist,
Mit sanftem, stillem Geist gerüst’t,
Und schlafend immer wachet,
Ist köstlich, wenn auch schweigt der Mund;
Er lebt mit Gott im Herzensgrund.

Ein Auge, das verschlossen steht,
Und, schaut nur Gottes Majestät,
Ist stets im Licht erhoben,
Denn wo des Fleisches Trieb erliegt‘,
Da wird Welt, Sünd‘ und Tod besiegt,
Dass wir den Höchsten loben.
Wer alles Andern sich begibt,
Von dem wird Gott gar still geliebt.

Sprich, was mehr Gott und Menschen dient,
Als, wenn die reine Liebe grünt
In Christi neuem Leben;
Wenn sie mit Opfer und Gebet
Die wahre Frucht der Buße sät,
Und Garben dann kann geben,
Die Niemand auf dem Acker häuft,
Wenn er im eignen Willen läuft?

Drum senk‘ ich mich in Christi Ruh,
Tu‘ schlafend doch kein Auge zu,
Das Herz muss immer wachen.
Man mag mich nennen stumpf und träg,
Dass ich mein Pfund ins Schweißtuch leg:
Er wird’s doch endlich machen,
Dass Jeder, der Ihn ganz begehrt,
Zu Seiner Gottesruh‘ sich kehrt.

Gottfried Arnold – Ermunterung der Gottesgemeine.

Ihr Zionstöchter, die ihr nicht
In Babylon mehr steht,
Und ohne falsches Sektenlicht
Dem reinen Lamm nachgeht:

Kehrt eures Glaubens Munterkeit
Zu Salems König hin!
Ihr wisst, wie sich sein Herz erfreut
An einem treuen Sinn.

Was Welt und Fleisch dem Geist vorlegt,
Das achtet nur für Kot,
Und was sich außer Jesu regt,
Dem seid und bleibet tot!

Lasst euren Leib ganz lichte sein,
Die Lampen brennend stehn;
Das Öl muss sein bereit und rein,
Wollt ihr den Bräutigam seh’n!

Schaut! ist nicht hoch, von Wunderart
Die Krone seiner Pracht,
Die der erhöhten Menschheit ward
Zur Herrlichkeit gemacht?

Wie schmücket nun der Geist Ihn nicht
Auf Seinen Hochzeittag,
Daran Ihm keine Lust gebricht
Nach Leiden, Tod und Schmach!

Wie mächtig ist der neue Bund,
Seitdem des Geistes Kraft
Ihm, der vom Grabe auferstund,
Viel tausend Siege schafft!

Jerusalem, die Mutterstadt,
Für die der Geist uns zeugt,
Und die uns auferzogen hat,
Gepfleget und gesäugt,

Mehrt immer ihrer Kinder Zahl,
Und krönet Gottes Sohn
Mit tausend Kronen überall
Zu der Erlösung Lohn.

Wir freuen uns mit Ihm zugleich,
So oft ein Edelstein,
Durch Aufnahm‘ in das Gnadenreich
Der Kron‘ gesetzt wird ein.

Wir warten Sein, und wollen nun
Bis an den Hochzeittag
In Lieb‘, Geduld und Glauben ruhn,
Der uns vollenden mag!

Gottfried Arnold – Vernichtung der alten Kreatur.

Zerreißt ihr Bande meiner Sinnen!
Verschwindet und gebt bald die Flucht!
Es muss nun alle Macht zerrinnen,
Die mich noch plaget und versucht.
Die Zeit ist da, Gott steckt das längst gewünschte Ziel,
Dass ich die Fessel nicht, als wie zuvor, mehr fühl.

Drum weicht! mein Vater heißt euch ziehen
Ins tiefe, dunkle Höllenreich!
Ihr sollt den Geist nicht mehr bemühen
Der werden darf den Engeln gleich.
Ach, nun soll feine Lust, kein sündiges Begehren
Mir meiner Seele Ruh‘ und tiefen Frieden stören!

O Herr, mach‘ mich von Eitelkeiten
Entfremdet, los und ganz befreit,
Dass ich in Dir stets könne meiden
Die Stricke der Vergänglichkeit,
Und mit des Geistes Feu’r, wie Simson seine Stricke,
Verbrennen Geiz und Neid, Stolz, Pracht und Fleischestücke!

Du aber, überblieb’ner Samen
Der Schlange, findest hier nicht Raum!
Ich sage Dir in Jesu Namen:
Fleuch, wie vorm Meereswind ein Schaum!
Triumph! der Sieg ist mir durch Jesu Kraft gelungen!
Lob sei dir, Siegesfürst, in Ewigkeit gesungen!

Gottfried Arnold – Verborgenheit des innern Lebens.

Verborgenheit!
Wie ist dein Meer so weit,
Und wundertief! – ich kann es nicht ergründen.
Man weiß kein Maß, noch Ziel, noch End‘ zu finden,
So lang man steht in der Vergänglichkeit;
Verborgenheit!

Die Herrlichkeit,
Die Du hast allbereit
Hier Kindern Deiner Liebe beigeleget,
Ist wundervoll. Wer dies Geheimnis heget,
Der trägt in sich auch bei der herbsten Zeit
Die Herrlichkeit.

Du selber bist
Der Brunn, der ihnen ist
Im tiefsten Geist zum ew’gen Heil entsprungen;
Durch Dich ist jedes heil‘ge Wert gelungen,
Weil alles Lichtes Quell (das weiß ein Christ)
Du selber bist!

Des Glaubens Kraft
Viel Wunder in uns schafft,
Davon ein Heuchler nichts weiß zu erraten;
Der blöde Sinn stößt sich an Heldentaten,
Indem er nur nach Wort und Schatten gafft,
Und nicht nach Kraft.

Der Liebe Band
Ist Vielen unbekannt!
Wie regnet sich ein Geiziger im Stillen,
Wenn Geld hingibt ein Christ mit frohem Willen!
Das macht: er kennt nicht Gottes Wunderhand
Und Liebesband.

Wie schnaubt und schilt
Laodicäa’s Bild,
Wo sich das Feuer Philadelphias findet,
Wo Lauigkeit und Eigenheit verschwindet,
Wo man des falschen Urteils Maß erfüllt,
Und schmäht und schilt!

Ein Sinnentier
Muss wohl verstummen hier,
Ja, Hören, Seh’n und allen Witz verlieren;
Vernunft kann nicht das Schiff allhie regieren.
Den Ausspruch tut davon zur Ungebühr
Das Sinnentier.

Darum versteckt
Der Herr, was Er erweckt;
Die Kinder hält Er immerdar verborgen,
Die doch kein künftig Zorngericht besorgen,
Bis endlich Gott die Herrlichkeit entdeckt,
Die Er versteckt.

So wandelt Er
Im Heiligtum einher
Mit leisem Schritt, Der kann Ihn nicht vernehmen,
Wer sich nicht ganz zur Einfalt will bequemen.
Wer aber ganz als Kind sich gibet hin,
Der fühlet Ihn.

Welch ew’ge Freud‘
Ist Denen nicht bereit,
Die Gott zur Ehre führt durch Spott und Schande!
Der Glaube reißt auch durch die stärksten Bande,
Und Du, Du führst ihn zu der Seligkeit,
Verborgenheit!

Gottfried Arnold – Nur Jesus im Innern.

Auge deiner Glieder!
Stärke deiner Brüder!
Licht der dunkeln Kerzen,
Spiegel reiner Tugend,
Meister unsrer Jugend,
Leben unsrer Herzen!

Du rufst unsre Sinnen,
Augen zu gewinnen,
Besser uns zu kennen,
Was in uns geleget,
Tief in uns gepräget,
Und doch nicht zu nennen.

Ist nicht selbst sein Wesen,
Jesus, uns erlesen
Durch des Vaters Güte,
Ganz in uns zu bleiben,
Und zu Gott zu treiben
Unser träg Gemüte

Willst Du in den Deinen,
Die Dich einzig meinen,
Nicht sein ausgeboren,
Eins mit ihnen werden
Weil doch sonst auf Erden
Alles ist verloren?

Soll dein hoher Name,
Als der Senfkornsame,
Nicht in uns sich senken,
Wurzeln und ausbreiten,
Herz und Sinn bereiten,
Sonst an Nichts zu denken?

Willst Du nicht bereiten
Solche Kostbarkeiten,
Dass man Gut und Habe
Und sein eigen Leben
Freudenvoll soll geben
Um solch edle Gabe?

Drum gib mir zu sehen,
Herr, was mir geschehen,
Was in mich geleget,
Was dein Liebessiegel
In des Herzens Spiegel
Wesentlich gepräget.

Lass dies Bild mir stehen
Stets vor’m Geist, zu sehen,
Was ich in Dir habe,
Und wie mir nichts fehle,
Wenn ich Dich erwähle,
Brunnquell aller Gabe!

Wachse fort, und stärke
In mir deine Werke
Durch der Liebe Kräfte,
Nichts ohn‘ Dich zu lieben,
Nur in Dir zu üben
Geistliche Geschäfte!

Lass mich nicht umgaffen
Nach entfernten Waffen:
Witz und Kraft zum Siege
Außer Dir zu finden!
Alles lass verschwinden,
Gib mir Du Genüge!

So lern‘ ich mich kennen,
Dich mein Alles nennen,
Weil Du in mir bleibest
Und dein Lustspiel weiter,
Wo der Himmel heiter,
Täglich in mir treibest.

So kommt aus dem Bronnen
Alles Heil geronnen:
Der wird in mir geben
Weisheit, Kraft, Vermögen;
Herrlichkeit und Segen,
Ja, das ew’ge Leben!

Gottfried Arnold – Siegeskraft der himmlischen Liebe.

Du, Liebe, bist mein Sieg im Streit!
Sonst weiß ich keine rechte Waffen;
Du, Du bist einzig mir bereit,
Das Alte wieder neu zu schaffen.
Das glaubt ich nie, bis deine Tat,
O Liebe, mich’s gelehret hat.

Wie manchen Kampf, wie manche Pein
Hast siegreich Du in mir beendet!
Wenn ich mit Tränen, Seufzen, Schrei’n,
Zum Thron der Liebe mich gewendet,
Da wich das ganze Höllenheer,
Als ob’s vom Blitz zerstäubet wär‘.

Ich weiß auch ferner keinen Rat,
Als Lieb‘ und immer neue Liebe:
Die lehrt mich fein mit Kraft und Tat,
Dass ich zum Sieg mich liebend übe;
Denn über mich und eigne Lieb?
Siegt Nichts, als Christi Liebestrieb.

Das weiß ich wohl, drum senk‘ ich mich
Ganz in dein Liebs- und Friedensleben,
O Sohn des Vaters, dass ich mich
Daraus hinfort nie will begeben.
Wenn Gott die Lieb‘ in uns ergeußt,
Dann triumphieret unser Geist.

Mein Glaube jauchzet Ja dazu,
Und Gottes Liebe will es zeigen;
So senk‘ ich mich in ihre Ruh,
Und werde froh das Ziel erreichen,
Wo Du, o Jesusliebe, bist,
Und Gott in Allen Alles ist!

Er hat mir seinen Liebesgeist
Versprochen und ins Herz gegeben;
Der ist’s, der sichre Proben weist,
Und in uns will als Tempeln leben.
Darum tobt, ihr Feinde! G’nug, dass ich
In Gottes Lieb‘ bleib‘ ewiglich!

Gottfried Arnold – Das beste Gut.

Die rechte Liebe zielt auf Tugend,
Sie kennet keinen falschen Schein;
Sie zieht auch in der zarten Jugend
Bei gottgelass’nen Herzen ein.
Wer seinen Sinn vor Allem Gott ergibt,
Von Solchem wird das beste Gut geliebt.

Das tröstet reichlich sein Gemüte,
Wenn er auch noch so einsam ist,
Weil stets ein Glanz von Gottes Güte
Das wohlgeübte Herz begrüßt.
Die Liebe scheut den größten Kummer nicht,
Warum? weil sie das liebste Gut verspricht.

Wo aber die verkehrten Sinnen
Auf eitle Torheit sind bedacht,
Da muss wohl Lieb und Trost zerrinnen,
Und was die Seele vor sich bracht;
Warum? Man hat die Vielheit zwar erwählt,
Wo bei der Lust das ein’ge Gut doch fehlt.

So wenig als der Sonne Blicken
Jemals kann ohne Wärme sein,
So wenig kommt auch ohn‘ Erquicken
Das höchste Gut gezogen ein.
Drum wer sich treu nach diesem Gut umsieht,
Der bleibe dann um Alles unbemüht!

Gottfried Arnold – Um Jesu Hirtenpflege.

Vergiss mein nicht, dass ich Dein nicht vergesse,
Dass ich beständig meine Pflicht ermesse,
Herr; gegen Dich! – Erinnre stets mein Herz
Der unzählbaren, teuren Lieblichkeiten,
Die Du mir ungesucht hast wollen zubereiten!
Du wirst, was mir hinfort gebricht,
Vergessen nicht.

Verlier‘ mich nicht, mein Hirt, aus deinen Armen,
Aus deinem Schoß, aus deiner Huld Erbarmen,
Von deiner Weide, die mein Herz erquickt!
Aus deinem Führen, Locken, Warnen, Sorgen,
Das ich bei Dir genieß‘ vom Abend bis zum Morgen,
So lang dein Stab sein Amt verricht’t!
Verlier‘ mich nicht!

Verlass mich nicht, mein Herr und bester Lehrer,
Bei der Gefahr so vieler Friedensstörer!
O wache selbst und lass dein Liebspanier
Mich rings umher mit tausend Schilden decken,
Dass keines Feindes Macht und Heer mich kann erschrecken!
Dein Auge leite mich im Licht;
Verlass mich nicht!

Verstoß mich nicht! doch wie fannft Du verstoßen,
Du, dessen Augen für die Sünder flossen,
Du, dessen Herz für uns am Kreuze brach?
Dein Mitleid heißt Dich gern die Schwachen tragen;
Wer wollte, Herr, bei Dir an der Vollendung zagen,
Da Dir dein Herz vor Liebe bricht?
Verstoß mich nicht!

Vergiss auch nicht, Herr, deine Reichsgenossen,
für die dein Blut in voller Kraft geflossen;
O fasse sie mit deiner Liebesmacht!
Gib dass dein Volk sich deiner bald erfreue,
Und Jeglicher Dir stift ein Denkmal deiner Treue!
Ja, lass uns unsre teure Pflicht
Vergessen nicht!

Vergiss mein nicht! und wer kann Dich vergessen?
Man kann ja das Geheimnis nicht ermessen!
Das wir in Dir, und Du in uns willst sein!
Wie sollt ich nicht an Dich, Du an mich denken,
Da Du mich willst in Dich, und Dich in mich versenken?
Du wirst mich ewiglich, mein Licht,
Vergessen nicht!

Gottfried Arnold – Das Regiment der göttlichen Weisheit.

Der Weisheit Licht glänzt immerzu,
Und treibt den müden Sinn zur Ruh‘;
Steigt ihre Kraft in uns herauf,
So fördert sie den schwachen Lauf.

Ihr Glanz ist ohne Dunkelheit;
Wenn uns ihr süßer Strahl erfreut,
So muss die Nacht selbst lichte sein;
Bei ihr bricht nicht mehr Finstres ein.

Man schaut bei ihr den ganzen Tag,
Auch wider alle Hitz und Plag‘.
Den Schatten einer Wolkensäul‘;
Ihr Feuer dienet Nachts zum Heil.

Sie geht in allen Dingen für
Dem, der ihr nachgeht mit Begier;
Man geht bei ihr frei aus und ein,
Und darf getrost und fröhlich sein.

Die schwersten Lasten macht sie leicht,
Wenn man sich zum Gehorsam beugt;
Sie stillt auch oft der Feinde Wut
Durch’s Leiden mit vergnügtem Mut.

Die Freunde hegt ihr sanfter Schoß
Und macht sie alles Kummers los;
Dann gießt sie überfließend ein
Zum Trost auf Myrrhen süßen Wein.

Macht Jesu Lieb‘ nicht völlig frei
Von der Affekten1Ein Affekt ist eine Gemütserregung oder ein Gefühl, das durch äußere Anlässe oder innere psychische Vorgänge ausgelöst wird. Sklaverei?
Der ist’s, der was besiegen kann,
Der ihre Zucht nimmt redlich an!

Ihr Umgang ist voll Lieblichkeit,
Licht ist ihr prächtig Hochzeitkleid,
Ihr Brautschmuck ew’ge Lieb‘ und Lust;
Kein Makel ist ihr mehr bewusst.

Um sie zu ringen, ist nicht hart,
Weil sie sich willig offenbart
Den Freunden, die ihr Herz und Sinn
Nach ihrem Willen lenken hin.

Geh‘ auf, du gold’ner Liebesstern,
In uns, und leuchte nimmer fern!
Leucht‘ hell, dass uns dein frohes Licht
Auf unsern Wegen mangle nicht!

Erhebe den gedrückten Geist
Aus Allem, was Verwirrung heißt;
Komm‘, ord’ne uns’re Liebsbegier
Durch festen Zug allein‘ nach Dir!

Erfreu‘ die Deinen um so mehr,
Je mehr die Feinde stürmen her;
Sei deiner Kinder Lohn und Schild,
Und was Du sonst uns werden willt!

Gottfried Arnold – Durchbruch zum Sieg.

Dein Erbe, Herr, liegt vor Dir hier,
Und will durch’s Blut des Lammes werden
Ein Opfer, das geheiligt Dir,
Erkauft sei von der Last der Erden.
Hast Du uns nicht erlöst von Feindeshand?
Warum sind wir so vielfach noch gebannt?

Wir waren wie verirrte Schaf,
In uns war Höll‘ und Tod verschlungen;
Des Feindes Pfeil die Herzen traf,
Der Schlange Gift hatt uns durchdrungen.
Da lagen wir, erkannten selbst uns nicht,
Noch die Gefahr, verdüstert, ohne Licht.

Nun mach‘ Dich kund, o Jesu, bald
In uns, des Vaters Werk zu enden,
Dass Du kraft deiner Knechtsgestalt
Des Feindes Kerker mögest wenden!
Bestraf‘, zertritt, zerknirsch‘ und treib‘ ihn aus,
Befreie ganz von ihm dein Tempelhaus!

Ach, Herr des Lebens, zeige Dich
Mit voller Stärke in den Deinen,
Die Tag und Nacht schrei’n ängstiglich
Bis Du als Retter wirst erscheinen!
Wir halten an, bis dass dein Jawort schallt,
Und Freiheit gibt von langer Feindegewalt.

O dass wir unser Leben nicht
Lieb hätten auch bis in das Sterben!
O wär‘ der Kampf schon ausgericht’t
Durch Christi Blut von seinen Erben!
Du Herzog, führe aus den schweren Krieg!
Wir glauben, dass in Dir nichts ist, als Sieg.

Es müsse Heil und Macht und Kraft
Dir, Gott, und deinem Christus werden,
Der Den aus deinen Himmeln schafft,
So uns und seiner Weide Herden
Verklagt vor Dir! – Herr, räch‘ uns an dem Feind!
Wir geben Dir den Ruhm, als unsrem Freund!

Halt uns nur enge, bis uns mag
Die Tauf im Geist und Feu’r durchziehen!
Wir wollen an dem Gnadentag
Mit blut’gem Kampf uns selber fliehen,
Und steh’n vor Dir entblößt, rein, arm und frei,
Dass nichts vom Feind mehr zu betasten sei!

So geh’n wir durch die enge Tür,
Die Du vor uns wollst offen geben,
Zu dringen mit Gewalt zu Dir,
Genießend das Erlösungsleben,
Das uns dein Opfertod an unsrer Statt
Im Heiligtum vor Gott errungen hat.

Ja, Amen, Jesu, treuer Zeug‘!
Wer dürstet, glaubt; wer glaubt, empfähet;
Wer nimmt, der hat dein Freudenreich,
Weil er mit heller Lampe gehet;
So kommt man in des Bräutigams Hochzeithaus:
Da ist die Lieb‘, die teilt nur Liebe aus!

Noch Eins, Herr, bitten wir von Dir;
Dass, wenn der Sieg ist ausgeboren,
Der Arg‘ uns ferner nicht berühr‘,
Und ewig hab‘ sein Recht verloren.
Nach solchem Sieg soll dein Volk williglich
Im heil’gen Schmuck dir opfern ewiglich.