Johannes Baptista von Albertini – Unzähmbare Mutterliebe

Unzähmbare Mutterliebe,
Die im Auge naß und trübe,
Wie im hellen heitern Blicke,
Rastlos trägt der Kindlein Glücke!
Feuerflammen, Mordgefahren,
Wasserflutben, Reih’n von Jahren,
Tausend Meilen, tausend Kämpfen
Beutst Du Trotz, wer mag Dich dämpfen?

2. Sel’ge Ewigkeit, verkünd‘ es:
„Kann die Mutter ihres Kindes
Je vergessen? kann Erbarmen
Weichen aus der Mutter Armen?“
„Ob es könnte“ spricht die Liebe
„Nimmer weichen meine Triebe!
Nie kann meine Kraft veralten,
Niemals meine Brust erkalten!“

Friedrich Adolf Lampe – O Liebesgluth, wie soll ich dich

O Liebesgluth, wie soll ich dich
Nach Würdigkeit besingen?
Dein ew’ger Abgrund muß ja mich,
Du tiefe See, verschlingen!
Es flammet Gottes Herrlichkeit,
Es brennt die ganze Ewigkeit;
Bleibt noch mein Herz erkaltet?

2. Der in sich selbst vergnügte Gott,
Das allerreinste Wesen,
Hat sich die schnöde Sünder-Rott
Zu lieben auserlesen.
Schweig still, Vernunft, gib Gott die Ehr‘!
Gott wollt‘ unendlich lieben mehr,
Als du begreifen solltest.

3. O Liebe, die Gott seinen Sohn
Aus seinem Schoß genommen!
Er ist von dem gestirnten Thron
Zu uns herab gekommen.
Sein Mangel, Knechtschaft, Kreuz und Grab
Sie malen uns vor Augen ab,
Wie stark Gott lieben könne!

4. Was war die Welt, die Schlangenbrut,
Die sich nicht mehr ließ zähmen,
Daß sie Dir, o Du Höchstes Gut,
Dein Kleinod sollte nehmen?
Was war ich mehr als Belial
Und dessen Engel allzumal,
Die Du zum Abgrund stießest?

5. Hör‘ auf zu grübeln, glaub‘ allein,
Kannst du dies Meer nicht gründen,
So wirf dich blindlings da hinein,
Mit allen deinen Sünden!
Laß Dem dein Herze sein gewährt,
Der dir sein ganzes Herz beschert,
Gib Herz für Herz zum Opfer.

6. O, liebster Vater, nimm mich bin,
Gib Kraft mir, Dich zu lieben!
Herz und Begierden, Muth und Sinn,
Sie seien Dir verschrieben.
Vertilg‘ in mir all‘ arge Lust,
Laß ewig nichts in meiner Brust,
Als deine Liebe glühen!

Johann Christian Zimmermann – Heilig ist dein ganzes Wesen,

Heilig ist dein ganzes Wesen,
Und kein Böses ist an Dir!
Ewig bist Du so gewesen,
Und so bleibst Du für und für.
Was Dein Wille wählt und thut,
Ist untadelhaft und gut,
Und mit deines Armes Stärke
Wirkst Du stets vollkommne Werte.

2. Herr! Du willst, daß deine Kinder
Deinem Bilde ähnlich sei’n.
Nie besteht vor Dir der Sünder,
Denn Du bist vollkommen rein;
Du bist nur der Frommen Freund,
Allen Bösen bist Du feind,
Wer beharrt in seinen Sünden,
Kann vor Dir nicht Gnade finden.

3. Uns von Sünden zu erlösen,
Gabst Du deinen Sohn dahin;
O, so reinige vom Bösen
Durch Ihn unsern ganzen Sinn!
Gib uns, wie dein Wort verheißt,
Gib uns deinen guten Geist!
Daß Er unsern Geist regiere
Und in alle Wahrheit führe.

Rambach, Johann Jakob – Gerechter Gott, vor dein Gericht

Gerechter Gott, vor dein Gericht
Muß alle Welt sich stellen,
Und sich vor deinem Angesicht
Ihr Urtheil lassen fällen.
Du schaust von deinem hohen Thron
Ohn‘ alles Ansehn der Person
Auf alle Menschenkinder.

2. Du bist des Satans Werken feind,
Und hassest gottlos Wesen;
Der ist gewißlich nicht dein Freund,
Der sich zum Zweck erlesen,
Was dein gerecht Gesetz verbeut,
Und der sich wahrer Heiligkeit
Von Herzen nicht befleißet.

3. Es bleibet, was die Bosheit thut,
Von Dir nicht ungerochen;
Ein Abgrund voller Qual und Gluth
Wird denen zugesprochen,
Die sich mit Sündenlust befleckt,
Ja, deine Hand ist ausgestreckt,
Sie hier bereits zu strafen.

4. Der Untergang der ersten Welt,
Die aus der Art geschlagen,
Das Feuer, das auf Sodom fällt,
Egyptens lange Plagen
Und andre Wunder deiner Macht
Bezeugen, wann dein Zorn erwacht,
Wie Du nach Werken lohnest.

5. Bleibt hier viel Böses unbestraft,
Viel Gutes unbelohnet,
So kommt ein Tag der Rechenschaft,
Der keines Sünders schonet;
Da wird sich die Gerechtigkeit,
Die Jedem die Vergeltung beut,
Am herrlichsten beweisen.

Carl Bernhard Garve – Gott, Allweiser, wer bin ich

Gott, Allweiser, wer bin ich,
Deine Weisheit auszugründen?
Halm und Sonne rühmen Dich,
Jeder Wurm kann Dich verkünden;
Doch welch‘ Auge kann ersehen
Gottes Tiefen, Gottes Höhen?

2. Deiner Welten weites All
Jauchzt im unermeßnen Kreise,
Aller Himmel Wiederhall
Jauchzt zurück: der Herr ist weise!
Und in seiner Weisheit Händen
Ruhn getrost der Himmel Enden.

3. Und der Mensch, der Erdenstaub,
Will den Rath des Höchsten richten?
Selbst des leisen Lüftchens Raub,
Will er Gottes Ernten sichten?
In sein Maß den Himmel pressen?
Gott an seiner Spanne messen?

4. Was Dein weiser Rath beschleußt,
Wohl uns! kann kein Thor verhindern.
Walte Du, und sei gepreist,
Herr, von Deiner Weisheit Kindern!
Ob sie’s oft nicht fassen mögen,
Dennoch, all‘ Dein Thun ist Segen.

5. Ew’ge Weisheit, rede Du!
Auf dein Zeugniß darf ich bauen,
Führe mich dem Himmel zu!
Deiner Führung darf ich trauen;
Bist Du heute mir verborgen,
Dich verklärt der nächste Morgen.

6. Einst durchschau ich sonnenhell
Deines Waltens Segensfüllen,
Und in deinem ew’gen Quell
Wird des Geistes Durst sich stillen.
Meine Weisheit sei, auf Erden
Weise durch dein Wort zu werden.

Carl Bernhard Garve – Wie groß, wie herrlich ist mein Glück

Wie groß, wie herrlich ist mein Glück
Schon hier im Prüfungsleben!
Ich darf den frohen Kindesblick,
Mein Gott, zu Dir erheben,
Und ob ich Staub bin, lächelst Du
Mir deinen Vaterfrieden zu.
O Himmel auf der Erde!

2. Wer bin ich Aermster, daß Du mein
Auf Deinem Thron gedenkest,
Und mir die Macht, Dein Kind zu sein,
Durch Jesum Christum schenkest!
Wie fühlt mein Wesen sich gestärkt!
Dir blieb auch ich nicht unbemerkt,
Ich ward Dein Kind, Dein Erbe.

3. Was ist der Erde Last und Gram,
Was sind nun alle Leiden,
Seit sie mein Bruder auf sich nahm
Und gab mir Himmelsfreuden?
Das Herz verschmachtet mir nicht mehr,
Denn überall und rund umher
Fließt Thau des Friedens Gottes.

4. Ich steh‘ im Glanz des Gnadenthrons
Froh, wie der Engel einer.
Vergess‘ ein Mutterherz des Sohns,
Sein Herz vergißt nicht meiner.
Er leitet mich mit milder Hand
So zart am unsichtbaren Band,
Als führt er mich alleine.

5. Ja, Gutes und Barmherzigkeit
Umfangen hier mein Leben.
Mein Herz darf schon in dieser Zeit
Am Vaterherzen kleben.
Mit Gottes Haus und Erbgeschlecht
Genieß ich hier schon Kindesrecht,
Bis ich’s dort voll genieße.

Behm, Martin – Ich weiß, daß Gott ein Eifrer ist

Ich weiß, daß Gott ein Eifrer ist,
Sein Zorn wie Feuer die Kinder frißt,
Wird auch an Kindern ausgeschütt
Wohl bis ins dritt und vierte Glied,
Wenn Eltern Sünd und Schanden treiben,
Darin ohn Buß halsstarrib bleiben.

Nun bin ich auch durch Sünd befleckt,
Drum mich der göttlich Eifer schreckt,
Mein Sünden kann ich nicht verhehln,
Die mich bei Tag und Nacht sehr quäln,
Wenn ich sie gleich verschweigen will,
So ist nicht mein Gewissen still.

Mein Sünd rauscht wie ein Wasserflut
Und brennt doch wie ein Feuersglut.
Sie klagt mich an vor Gotts Gericht
Und über mich das Urtheil spricht,
Dringt drauf, ich sei verdammt zur Höll,
Zu leiden Pein an Leib und Seel.

Sollt mirs nicht großen Schmerzen bringen
Und manche heiße Zähr auszwingen?
Freilich ists mir die größte Plag,
Kein größern Kummer ich sonst trag:
Ich kann nicht still noch ruhig sein
Vor meines Herzens Angst und Pein.

Nun ist mirs ja von Herzen leid,
Weil ich durch Sünd von Gott bin weit.
Wo soll ich armer Sünder hin,
Weil ich so hoch geängstet bin?
Wer will mich armen Menschen schützn,
Wenn Gottes Zorn thut gräulich blitzn?

Herr Jesu Christ, du bist der Mann,
Zu dem die Sünder Zuflucht han,
Weil du für uns getragen hast
Des Kreuzes Pein und Todeslast,
Die Sünd gedämpft und Gott versühnt
Und uns das Himmelreich verdient.

Du rufst den Sündern allzumal,
Ihn Hülf zu thun vom Sündenfall;
Du reichst ihn freundlich beide Händ
Beim Wort und theuern Sacrament,
Sagst, wer an dich gläubt, der soll lebn,
Ihm sind sein Sünden all vergebn.

Drum komm ich auch, o Herr, vor dich:
Ich bitt, schau mich an gnädiglich,
Vernimm mein Noth, gewähr mein Bitt,
Weil ich vor dir mein Herz ausschütt.
Zu dir allein in dieser Welt
Hab ich mein Hoffnung ganz gestellt.

Gleichwie ein Hirsch nachm Schlangenstreit
Nach frischem Wasser gellt und schreit,
So ruft mein arme Seel nach dir,
Nach deim Trost steht all mein Begier:
Vor Gottes Grimm und Zorn mich deck,
Und tröst mich, daß ich nicht erschreck.

Mein Sünd hat zwar kein Maß noch Ziel,
Doch ist bei Gott der Gnaden viel;
Du hast mir Heil und Hülf erworben,
Mach gut, was an mir ist verdorben.
Vom Unflath mach mich schön und rein,
Daß ich mög Gott gefällig sein.

Das Zornfeuer dämpf, daß michs nicht brenn,
Daß ich nicht ins Verderben renn;
Errett mich, daß ich nicht versink,
Noch in der Sünden Pfuhl ertrink;
Versühn den Grimm, nur Frieden schaff,
Daß mich der Satan nicht hinraff.

Mein Kräfte stärk, mein Seel mir lab,
Daß ich durch dich Erquickung hab;
Dein Gnad all mein Gebrechen heil,
Daß mich der Tod nicht übereil;
Im Tod mein Glauben stärk und mehr,
Daß ich dich mit mein Sterben ehr.

Wenn du wirst kommen zum Gericht,
So weis mich nicht von deim Gesicht,
Bedeck und dämpf mein Sünden gar,
Daß sie nicht werden offenbar,
Laß all mein Sünd verborgen sein
Vor Engeln und Erzengelein.

Sprich mich von allen Sünden frei,
Daß ich gerecht und selig sei.
In deim Gericht mich nicht verdamm,
Verstoß mich nicht zur höllschen Flamm;
Mein Leib und Seel in Himmel heb,
Daß ich bei dir in Freuden leb.

Amen.