Spangenberg, Cyriacus – Der Hymnus „Conditor alme syderum“.

O HERR GOtt, Schöpffer aller Stern,
ein ewigs Liecht der Glaubigen!
HERR Christ, der gantzen Welt Heiland,
laß unser bitt dir sein bekannt!

Gar hart es dir zu wider war,
daß wir solten verderben gar,
Drumb halffstu der verlornen Welt
durch ein Artzney, von dir bestellt.

Da nu erfüllet war die Zeit,
gleich als ein Breutgam wol bereit
Tratstu her auß der Kammer dein,
auß der Jungfrawen Leib so rein.

Für deiner grossen Macht allhie
sich biegen müssen alle knie
Auff erden unnd ins Himmels Thron,
die müssen all seyn unterthan.

Die Sonn den Nidergang bewart,
der Mond behellt sein bleichlet art,
Die Sterne leuchten hell und klar,
lauffen gantz richtig wunderbar.

Wir bitten dich, HERR JEsu Christ,
der du ein Richter künfftig bist,
Behüt uns all in dieser Zeit
fürs bösen feindes list und neid!

Lob, Ehr, Krafft, Ruhm unnd Preiß sey thon
GOtt Vatter und seim lieben Sohn,
Darzu dem Tröster heilgen Geist
von nun an biß in ewigkeit!

unbekannt – Die zehen gebot unseres herren.

Anfang des sechzehnten Jahrhunderts.

Aus einer Breslauer Handschrift.

EInen got den sol wir eren,
bei seinem namen nummere sweren,
got haben lieb von herzen grund,
sein namen nicht eitel nemen in mund.
Got genade uns.

Den heiligen tag halten feier und here,
vater und muter die sol wir eren,
nieand morgen ist gottes bevelen,
auch nieant das seine stelen.
Got genade uns.

In unkeuscheit mit nicht leben,
falsch gezeugniß auch nicht geben,
eines anderen egenoß nicht begeren,
fremdes gutes und ere emperen.
Got genade uns.

Das sein al die zehen gebot,,
daß wir sie halten, das helfe uns got,
so sein wir freilich unverloren:
halte wir sie, got lat sein zoren.
Got genade uns.

Eher wir von hinnen scheiden,
verleih uns allen reu und leide,
durch dein marter und sterben am kreuze
gnade, herre, und derbarm dich heute.
Got genade uns.

unbekannt – Die sieben Tagzeiten.

Anfang des sechzehnten Jahrhunderts.

Einzelner Druck, mit zwei andern Liedern zusammen, 3 Bl. 4°. Siehe H. Hoffmann Geschichte d. deutsch. Kirchenliedes S. 192. Vergl. Nr. 153.

Zur mettenzeit gefangen ward
des vaters weisheit feine,
Das ist der gotlich ware Christ
in seiner menscheit reine;
Verraten, verkauft er do wart
den juden, die mit schalle
schlugen seinen leichnam zart,
seine jünger flohen alle.

Zur primzeit gefüret ward
Jesus vor Pilaten,
Die große falscheit ward fürgekart,
sie war auf in geraten.
Sie schlugen jm halsschläge hart,
sein augen sie jm verunden,
sie spien an sein antlitz zart,
sie schlugen jm vil wunden.

Zur teciezeit spottlich gekleidt,
in purpur und in seiden,
Do rief zumal die judischeit:
am kreuze sol er leiden.
Ein dornekron sein heubt durchgrub,
geschach von unser schulde,
den tramen auch seiner achseln trug,
den tod den mußt er dulden.

Zur sechsten zeit genagelt ward
an das kreuze mit schalle.
So jn von herzen dursten ward,
tränchten sie jn mit galle.
Zwen schächer hiengen sie neben jn,
den ward er gleich geachtet,
das gab der muter traurigen sin,
verfemert und verschmachtet.

Zur none rief der süße Christ:
heli! mit ellende,
Vater, nimm in diser vrist
mein geist in deine hände!
Ein ritter in sein seiten stach
mit einem scharfen spere;
darnach groß erdbeben geschach,
die sonn ward scheine lere.

Jesus vom kreuz genommen ward
zur vesperzeit in leide,
Klägelich tät seine muter zart,
sie tät sam sie wolt verscheiden.
Ein sulchen tod gelitten hat
unsers lebens erzteie,
der eren kron er niderlag
von sünden also freie.

Zur completzeit begraben ward
in trüber handelunge
Der heilige leichnam gottes zart,
des lebens hoffenunge;
Mit salben gut bewart man jn,
die schrift die ward verendet:
den tod nim, mensche, in deinen sin,
so wird dein leid verwendet.

Waldis, Burkard – Psal. CXXXIII. Ecce quam bon.

Ein Ermanung zur eynigkeyt, wie Gott glück und segen darzus geben wölle.

HUbsch ist das Regiment gefaßt
in geystlich weltlich ständen,
Wo einer tregt des andern last
und sich an allen enden
Der reiche man hertzlich nimbt an
des ellenden und armen
und leßt sich sein erbarmen.

Das ist köstlich und wolgethan,
wie der balsam thut fliessen
Herab von dem haupt Aaron,
thut seinen bart begiessen
Und sich außbreyt rab in sein kleyd,
so ist die lieb auch mechtig
bei den brüdern einträchtig.

Wie der taw felt vom Hermon rab,
die berg Zion thut netzen,
So steigt die lieb auch auff und ab,
das traurig zu ergetzen,
Ein ander liebt, den feyl vergibt,
zur wider lieb erwecket,
des nechten schand bedecket.

Wanns bei den Christen so zugeht,
freuntlich beinander wonen,
Das Regiment in friden steht,
sie einander verschonen,
Daselbst wont Gott mit voller gnad,
verheyßt und wil auch geben
segen und seligs leben.

Dafür solln wir jm dankbar sein
und seinen Namen loben,
Daß Er allhie sein Christlich gmein
gar reichlich thut begoben,
Durch Christum werdt, der hie auff erdt
ist für uns all gestorben,
die seligkeyt erworben.

Weisse, Michael – Victime Pascali laudes

SIngen wir frölich alle sampt,
lobend unser Osterlamb!

Christus, unschuldig befunden,
ward als ein Lamb gebunden
und am Creutz gestochen,
nicht zubrochen.
Der tod wolt dz leben dempffen,
fieng an, mit jm zu kempffen
und ward uberwunden
und verschlungen.

Christus steyg zur Hellen
inn die untersten stellen,
da die Altuäter gefangen
sein warteten mit grossem verlangen.
Da grieff er den feind an
und band den gerüsten man,
nam jm seinn harnisch und haußrat
und sieget als ein gewaltiger Gott.

Nu ist er vom Tod erstanden und lebet inn klarheyt,
teylet mit uns seine gnade und warheyt.
O Christe, des Todes und der Hellen uberwinder,
erbarm dich heut aller armen Sünder!

Hilff, das sie von sünden auffstehn
und inn ein newes leben gehn! Alleluja!

Weisse, Michael – SO last uns den leyb behalten

SO last uns den leyb behalten
und Gott seiner Seelen walten,
Er allein wird sie versorgen
nach seinem Radt, uns verborgen

Do hoffen wir und vertrawen,
das wir uns noch werden schawen,
Wenn wir erstehn von der erden
und für Gericht tretten werden.

Nu schlaff, biß dir Gott und allen
seine Posaun lest erschallen,
Das offentlich werd gelesen,
was hie heymlich ist gewesen.

Gott helff uns, das wir alle gleich
jm glauben leben tugentreich,
Darnach frölich von hinnen gehn
und für seinem richtstul wolstehn. Amen.

Weiße, Michael – Nun lasst uns den Leib begraben (modernisiert)

1.) Nun lasst uns den Leib begraben
Und daran kein‘ Zweifel haben,
Er werd‘ am Jüngsten Tag aufsteh’n
Und unverweslich hervorgeh’n.

2.) Erd‘ ist er und von der Erden,
Wird auch zu Erd‘ wieder werden
Und von der Erd‘ wieder aufsteh’n,
Wenn Gott’s Posaune wird angeh’n.

3.) Sein‘ Seel‘ lebet ewig in Gott,
Der sie allhie‘ aus lauter Gnad‘
Von aller Sünd‘ und Missetat
Durch seinen Sohn erlöset hat.

4.) Sein Jammer, Trübsal und Elend
Ist kommen zu ei’m sel’gen End‘.
Er hat getragen Christi Joch,
Ist g’storben und lebet doch noch.

5.) Die Seel‘ lebet ohn‘ alle Klag‘,
Der Leib schläft bis an‘ Jüngsten Tag,
An welchem Gott ihn verklären
Und ewig Freud‘ wird gewähren.

6.) Hie‘ ist er in Angst gewesen,
Dort aber wird er genesen,
In ewiger Freud‘ und Wonne
Leuchten wie die helle Sonne.

7.) Nun lassen wir ihn hie‘ schlafen
Und geh’n all heim uns’re Straßen,
Schicken uns auch mit allem Fleiß,
Denn der Tod kommt uns gleicherweis.

8.) Das helf uns Christus, unser Trost,
Der uns durch sein Blut hat erlöst
Von’s Teufels G’walt und ew’ger Pein.
Ihm sei Lob, Preis und Ehr‘ allein!

Weisse, Michael – ES geht daher des tages schein

ES geht daher des tages schein,
o Brüder, last uns danckbar sein
Dem gütigen und milten Gott,
der uns diese nacht bewart.

Last uns Gott bitten diese stund,
hertzlich singen mit gleychem mund,
Begeren, das er uns auch wolt
bewaren heut inn seiner huld.

Sprechend: O Gott von ewigkeyt,
der du uns auß barmhertzigkeyt
Mit deiner grossen krafft und macht
bewaret hast inn dieser nacht:

Du woltest uns durch deinem Son
an diesem tag auch hülffe thun,
Die feind uns nicht lassen fellen,
so unsren seelen nach stellen.

O Herre Gott, nimm unser war,
sey unser wechter immerdar,
Unser schützherr und regierer,
ja auch König und heerfürer.

Wir opffern uns dir, Herre Gott,
das du unser hertz, wort und that
Woltest leyten nach deinem mut,
das für dir sey außbündig gut.

Das sey dir heut inn deinem Son
zum frü opffer für deinem thron,
Darauff wir nu zu deinem lob
mögen geniessen deiner gab. Amen.

Witzstat von Wertheim, Hans – Ein Geistlich lied aus dem Eilfften Capitel Matthei.

KUmpt her zu mir, spricht Gottes sun,
al die jr seyt beschwäret nun,
mit sünden fast beladen,
Ir jungen, alten, fraw und man!
ich will euch geben, was ich han,
und heylen ewern schaden.

Meinn joch ist süß, mein bürd ist ring,
wers nach mir tregt inn dem geding,
dz er der hell entweyche,
Ich will jms trewlich helffen tragn,
mit meiner hilff würt er erjagn
das ewig himmelreiche.

Was ich hab thon und glitten hie
inn meinem leben, spat und frü,
dz solt ir auch erfüllenn.
Ja, was der mensch denckt, redt unnd thut,
das kumpt jm alles zrecht unnd zgut,
wens gschicht nach Gottes willen.

Gern wolt die welt auch sälig sein,
wenn nur nit wer die schmach und peyn,
die alle Christen leiden:
So kan unnd mags nit anders sein,
darumb ergib dich willig drein,
wer ewig peyn wil meiden!

All Creatur bezeüget das,
wwas lebt im wasser, lufft und graß,
durch lyden muß sich enden.
Wer dann inn Gottes nam nit wil,
der muß zu letst ins Teüffels zyl
mit schwerem gwissen lenden.

Heut ist der mensch schön, jung und lanck,
morgen so ist er tödtlich krank,
alsbald so muß er sterben:
Gleich wie ein blumen auff dem feld,
also würdt pracht unnd breng der welt
inn einem huy verderben.

Die welt erzittert ob dem tod:
wann einer ligt inn letster not,
da wil er erst frumm werden:
Einer schafft diß, der ander das,
und er sein selber stätz vergaß,
die weyl er lebt auff erden.

Und wenn er nymmer leben mag,
so hebt er an ein grosse klag,
wil sich erst Gott ergeben:
Ich förcht fürwar, die göttlich gnad,
die er allzeit verspottet hat,
werd schwerlich ob jm schweben.

Was hilfft den reychen sein grosses gut?
was hilfft den jungen sein stoltzer mutt?
er muß auß disen meyen:
Wenn einer geb die gantzen welt,
silber und gold unnd alles gelt,
noch muß er an den reyen!

Was hilfft den glerten seinn grosse kunst?
der weltlich pracht ist gar umb sunst,
wir müssen alle sterben!
Wer sich in Christum nit ergeyt,
dieweil er noch in gnaden zeyt,
ewig muß er verderben!

Darumb so merckt, jr lieben kind,
die yetzund Gott ergeben sind,
laßt euch die müh nit rewen:
Halt stätz am heylgen Gottes wort,
dz ist der seelen höchster hort,
Gott wirts euch schon betrewen.

Schawt, dz jr guts umb übels gebt,
schawt, das jr hie unschuldig lebt,
laßt euch die welt nit äffen:
Gebt Gott den rach und alle ehr,
den engen steyg geht ymmer her,
Gott würt die welt fein straffen.

Wenn es euch gyng nach fleysches mut,
mit gunst und gsund und grossem gut,
gar bald würdt jr erkalten:
Darumb schickt Gott euch trübsal her,
damit das fleysch gezüchtigt werd,
zweiger freüd erhalten.

Ist euch das creütz so bitter schwer,
gedenckt, wies hellisch feüre wer,
darin die welt muß rinnen,
Mit leib und seel das leyden sein
on underlaß die ewig pein
und kan doch nit verbrinnen!

Drumb werden wir nach diser zeyt
mit Christo haben ewig freüd,
daran soll wir gedencken.
Kein zungen dz außsprechen kan,
die glori und den ewig lon,
den uns der Herr wirt schenken!

Und was der ewig gwaltig Gott
inn seinem geyst versprochen hat,
geschworen bey seim namen,
Des helt und gibt er gwiß fürwar:
der helff uns an der Engel schar
durch Jesum Christum, Amen!

Witzstat von Wertheim, Hans – Ein Christenlich lied von der gfärlichkeyt diser welt.

(Einzelner Druck durc h Hans Guldenmundt, in 8°. Münchener Bibliothek)

SO wöl wirs aber heben an
ein newes lied zusingen,
Die prophecey zeyt uns an
so kümerliche dinge,
Darinn ich treülich warnen thu,
die warheyt muß ich jehen,
es hat doch niemandts glauben dran,
biß wirs vor augen sehen.

O Got in deinem höchsten thron,
nit laß uns yetzt abschrecken
Von dem Euangelio,
thu uns vom schlaf auffwecken:
Der schlaff ist die gerechtigkeyt,
die leyt yetzund verporgen,
als uns die heylige gschrifft aneigt,
drumb steht die welt in sorgen.

Hab eben acht, auff Christum tracht,
laß dich yetz nit betriegen!
Es tringt daher mit manchem gfer,
die warheyt thut nit liegen;
Hoher gwalt ist offt zerspalt,
ist stehn in gfar und sorgen,
weyß nit, wenn kumbt des unfalls stundt
mit straff heut oder morgen.

Gedult ist noch ein Dugent hoch
kan sich in armut fügen;
Ey, ist doch ye reych niemand hie,
denn der sich last benügen;
Wo geltsucht ist, da vil geprist,
wil nicht ermessen werden,
kein rhu noch trew wont yetzundt bey,
dann geytz auff diser erden.

Byß wol benügt, was dir Gott fügt,
und thu dich selbs anschawen;
Bedenck dich recht, wie unnütz knecht
wir sein vor Gottes augen;
Groß trug und gfar den armen beschwärt,
bleybt nicht unbelonet:
als baldt nun kumbt dis todtes stund,
so wird niemands verschonet.

Wilt du bey Got dein wonung han
und seinen hymel erben,
So halt dich stets auff seiner ban,
mit Christo muß du sterben;
Du must dein hertz, es gilt kein schertz,
mit gnatzem leyb und leben,
dein hab und gut, auch syn und muth
gentzlich in Gott ergeben.

On alle forcht und zweiffels art
solst dich seins willens halten,
In frey bekennen ungespart
unnd jn darnach laß walten;
Greyffs dapffer an, du mus doch dran,
ker dich an niemants wüten,
dein creütz nit meydt, auff Christum streyt,
Got wirdt dich wol behüten!

Bracht, Adel, gwalt, sterck unnd kunst,
mag dich zu Gott nit bringen,
Es stinckt vor jm unnd ist umbsunst:
nach demut solt du ringen!
Die welt veracht, auff Christum tracht,
das macht dich frölich lauffen
auffs Heeren stra0ß all zyl und maßß
das heyst als ubel lassen.

Hast du Gott lieb und kenst sein sun,
als du dich rümbst mit worten,
So solt auch seinen willen thun
auff erd an allen orten.
Hie hilfft kein gloß, die gschrifft ist bloß,
ich kans nit anders lesen:
wilt du sein frumm, du must kurtz umb
der welt lust widerstreben.

Ja, spricht die welt, es ist nit not;
solt ich mit Christo leyden?
Er leit doch selbst für mich den todt,
nun zeyg ich auff sein kreyden:
Er zalt für mich, das selb glaub ich,
damit ist auß gerichtet!
O bruder mein, ich sprich nicht nein,
dein Creütz du nit vergisse!

Wer sein Creütz nymbt und volgt Christum nach,
thut allzeit von jm lernen,
Für den selben hat er geliten den todt,
der wirdt auch mit jm leben;
Wer an jn glaubt und ist getaufft,
den hat Christus erlöset,
und bleibt darbewy in diser zeyt,
den wil er ewig trösten!

Witzstat von Wertheim, Hans – Der geystlich Buchsbaum

**Von dem streyte des fleysches wider den geyst.**

(Einzelner Druck, 4 Blätter in klien 8°., Nürnberg durch Jobst Gutknecht, mit dem Liede “ O Gott, verley mir dein genad“ Johann Sanffdörffers zusammen; unter dem Titel zwei kleine Holzschnitte, die Kreuztragung und Kreuzigung darstellend)

NUn hörend zu, jr Christen leut,
wie leyb und seel ghenander streyt:
Allhie auff erd in diser zeyt
hand sie ein stettigs kriegen,
ains mag vom andern fliehen.

Der leyb der spricht, Ich bin gesundt,
ich hab noch vil der gutten stundt:
Ee mir das trawrig alter kumpt
will ich in freuden leben,
nach leyblich lusten streben.

Die seele spricht, Ich radt dirs nicht!
Ach, förchst du nit Gots strengs gericht?
Du hast dich in der tauff verpflicht,
nach Gottes willn zuleben,
seim wort nit wider streben.

Der leyb spricht, Ich bin stoltz und fein
mit gutten gsellen beim külen wein,
Da will ich frisch und frölich sein
mit singen springen tantzen,
wils wagen auff die schantzen!

Die seele spricht, Denck an Reichen man,
der sich nam zeytlichs wollusts an!
Der must mit leyb und seel daruon,
ward in die hell begragen,
als Christus selb thut sagen.

Der leyb spricht, Was acht ich der sag!
ich hab vor mir noch manchen tag,
Darinn ich mich wol bessern mag
und mich von sünden keren,
wenn sich mein trawrn thut meren.

Die seel spricht, Du hast kein gwalt,
du seyest gleich jung oder alt,
Gott hat dich in eim augenplick gefalt,
den abend und den morgen,
die stund ist dir verborgen.

Der leyb spricht, Es sey frü oder spat,
ich siehe vor mir die weltlich rot,
Ein yeder tracht nach zeytlichem rath:
darnach will ich auch streben,
die weyl ich hab das leben.

Die seel spricht, Es kumpt die zeyt,
das leyb und seel vonnander scheydt:
Was hilfft dich dann dein grosser geyt?
du must zu Aschen werden,
dann du bist gemacht auß erden.

Der leyb der spricht, Du machst mir bang.
erst mich nach ewiger freud verlangt!
Christus helff mir zum anefang,
das mich zum vatter bkeren,
mein trawren will sich meren.

Die seel die spricht, Ich treyb kein schertz:
Gott fordert ein zerknürstes hertz!
Der leyb muß hie absterben durch schmertz,
dann er ist zeytlich geboren,
den würmen außerkoren.

Der leyb der spricht, O Gott, mein Herr,
hilff das ich mich durch Christum bker!
O heyliger geyst, mein glauben mer!
Hilff mirs zeytlich erleyden,
mich tröst in ewiger freuden!

Die seele spricht, Nun hab ich recht,
wiewol ich bin ein unnütz knecht.
O Gott, du bist allein gerecht.
Löß mich vons teuffels banden,
drumb du am Creutz bist ghangen!

Also hat dises lied ein endt.
Gott wolt, das yeder sein hertz erkendt
Und sich von sünden zu Christo wendt;
so würd er zu uns keren,
die ewig freud bescheren.