Wie steht ihr allhie und wartet mein
Und meint, ich soll euer Vorsinger seyn?
Soll ich denn nun singen, so hört mir zu:
In dem Gesetz ist weder Rast noch Ruh.
Das Gesetz richtet nichts denn Zoren an
Und kein Mensch lebet, der es halten kann.
Nun muß es dennoch erfüllet seyn,
Darum schickt Gott seinen Sohn herein.
Derselbig ist worden unser Schild,
Er hat des Vaters großen Zorn gestillt.
Denn er hat dem Gesetz genug gethan
Vor jedermann, der nur glauben kann.
Es hat ihn kostet sein rosenfarbes Blut,
Am Kreuz trug ers alls uns zu gut.
Des saget Lob und Dank in Ewigkeit,
Daß er uns behüte vor allem Leid. Amen
Tag: 6. April 2013
Unbekannt – Ergebung in Gottes Willen (Was mein Gott will)
WAs mein Gott will, das geschehe allzeit,
sein wil der ist der (aller)beste.
Zu helffen den er ist bereit,
die an jn glauben feste.
Er hilfft auß not
der fromme Gott,
er tröst die Welt mit massen.
Wer Gott vertrawt,
fest auff jn bawt,
den wil er nicht verlassen.
Gott ist mein trost, mein zuuersicht,
mein hoffnung und mein leben.
Was mein Gott wil, das mir geschicht,
wil ich nicht wider streben.
Sein wort ist war,
denn all mein harr,
er selbest hat gezelet;
Er hüt unnd wacht
stets für uns tracht,
auff das uns gar nichts fehle.
Nun muß ich (armer) Sünder von dieser Welt
hinfaren in Gottes willen,
Zu meinem Gott, wens jm gefelt,
wil ich jm halten stille.
Mein arme seel
ich Gott befehl
in meiner letzten stunden:
Du frommer Gott,
Sünd, Hell und Todt
hast du mir uberwunden!
Noch eins, Herr, wil ich bitten dich,
du wirst mirs nicht versagen:
Wenn mich der böse Geist anficht,
laß mich, Herr, nicht verzagen,
Hilff und auch wehr,
ach Gott, mein Herr,
zu ehren deinen Namen.
Wer das begert,
der wirdt gewert,
drauff sprech ich frölich Amen!
Unbekannt – Kürzlich hab ich mich bsunnen
„Ein schön geistlich lied zuo Gminden gemacht in großer triebsal.“
Im ton: Ich stuond an einem morgen.
1 Kürzlich hab ich mich bsunnen
in meines herzens grund,
daß ich mit meinem munde
mein briedern mache kund,
wie alle welt ietz toben tuot
wider die gottes knechte;
man raubt inen leib und guot!
2 Got tet auß gnaden sechen
auf aller menschen kind;
groß lob wir im verjechen:
wir waren alle blind,
sein heiligs wort er zu uns sandt;
dem solen wir auch glauben,
ablegen allen tant.
3 Das wort teten bekenen
vil leit in deutschem land,
liesen sich christen nenen,
vermainten, ir sind und schand
sol inen unverwisen sein,
es wär gnug an den worten;
sie fierten ein guten schein.
4 Darnach tet es sich siegen,
da es Gott daucht rechte zeit,
sein wort kan nit betriegen,
wie Esaias schreibt,
es tut sein werk vollenden schon,
nit lär es wider keret,
es fiert auf rechte ban,
5 last nit zu schanden werden,
die herzlich trauen drauf,
die man auf diser erden
schmechet mit dem widertauf,
als ob sie wären gefallen ab,
von Gott abtrinig worden,
bekert zum Belial.
6 Die doch von herzen begeren,
was Gott geboten hat,
und mit der tat bewären,
o vil Gott sein gnad zu lat,
mießen ietz wiedertaufer sein!
O Gott, tu uns erretten,
die sach ist ainig dein!
7 Willig tun sie verzeichen
von herzen iederman,
den armen sie gern leichen
und hoffen nicht darvon;
füer ire feind sie bitten tun,
das hab ich wol gesechen,
in ires todes stund.
8 Kürzlich ist es geschechen,
daß man sie bewäret hat,
iren glauben hat man gsechen
zuo Gmindt wol in der stat;
ob wol der feind sucht manchen list,
daß er sie möcht ab fueren,
im nit gelungen ist.
9 Einen knaben teten sie fachen,
der was umb sechzechen jar,
mit im den turen machten,
ist kund und offenbar,
daß er darinen gelegen ist
ganz hörtiglich gefangen
gar nachent ein jares frist.
10 Noch blib er unbeweget,
als oft man zuo im kam.
Zuo im wurden geleget
noch andere sechs christen man,
gefangen umb ir leben frei;
den herren teten sie loben –
der ist in gstanden bei.
11 Als es nun zeit ist gwesen,
auß diser welt zuo gan,
hat man inen vorglesen,
ob sie darvon wolten stan;
so sollten sie unbekumert sein,
zuo iren weib und kinden
widerumb keren haim.
12 Frölich teten sie jechen
zuo iren feinden gschwind:
„Wir haben Gott ergeben,
weib und auch unser kind;
der selbig sie wol erneren kan,
des haben wir kein zweifel,
wir wollen willig dran.“
13 Es kam auch her geritten
zuom knaben in den ring
ein edler, tet in bitten
und sprach: „Mein liebes kind,
ste du von disem irtumb ab,
ein pfriend wil ich dir geben
und dich allweg bei mir han.“
14 „Solt ich mein leben lieben,
und Gott darumb verlan,
auß disem creuz mich schieben?
es stuond mir übel an.
Dein guot uns beiten nit helfen mag;
ich wil eins bößern warten,“
sprach der jung unverzagt.
15 „In meines vaters reiche,
der mich erwelet hat,
werden all ding wol gleiche,
darumb so laß darvon!
der mich all zeit erhalten hat;
dem wil ich ghorsam laisten
ietz in der letzsten not.
16 „Zuo dem wir sollen schreien
auß unsers herzens grund,
daß er uns gnad verleiche,
wan es nun darzuo kumbt,
ja wan wir solten schaiden ab,
daß wir von im nit weichen,
erlangen die ewig kron.“
17 In dem wart angefangen
von trumen ein groß getön.
mit spießen und mit stangen
war es ein großes hör;
dem vater aufgeopfert ward
das bluot seiner gerechten,
wie ers verortnet hat.
18 Das alles ist ergangen,
das sag ich euch fir war,
da man hat angefangen
zelen ain und dreißig jar
und auch finfzechen hundert damit,
nach gepurt Christi des herren,
der halt uns in seinem frid!
Unbekannt – Kyrie Paschale, deutsch
(Aus dem Val. Bapstschen Gesangbuche von 1545, L Nro. LX.)
KYrie,
Gott, aller welt schöpffer und Vater,
Eleyson!
Christe,
war Gott und mensch geborn,
der du für uns trugest Gottes zorn,
Eleyson!
Kyrie,
Heiliger geist mit Vater und Son ein Gott,
Eleyson!
Kyrie,
hilff uns, das wir in solchem glauben rein
dich anbeten allein
und bleiben die diener dein.
Eleyson!
Unbekannt – Mich rewt und klag
Im thon, Ich rew und klag.
Gedruckt zu Nürnberg, durch Friderich Gutknecht
MIch rewt und klag meine junge tag,
so ich unnutz hab verzeret
In üppigkeit, das ist mir leid,
Gottes wort nicht baß hab geleret,
In welchem wort mein trost und hort
ligt gantz und gar verborgen,
derhalb will lehrn, zum Wort mich kern,
es hilfft auß allen sorgen.
Das wort ist war, hell, lauter, klar,
es kan noch mag nicht liegen.
Wer jm fast glaubt, ist Gott sein haupt,
der Tod kan jn nicht trieben.
Erfürt auß pein zu Christo hinein,
der für uns hat geliten,
auch selbst verheist durch seinen Geist,
so wir im glauben biten.
On unterlaß will bitten baß,
biß Gott mich thut erhören,
Denn er ist trew, gibt gnad und rew,
das thu ich täglich spüren.
Wens ubel gat, beger ich gnad,
und laß jn mit mir walten,
obs fleisch wol felt, den Geist erhelt,
last er nicht gar erkalten.
unbekannt – O Herre Gott
A. H. Z. W.
1528
Nach V. Babst Geystl. Lieder. Leipz. 1545. 8. Nr. 1. Bogen Q. S. 2-5 Die Chiffre über dem Liede nach dem angeblichen, von Serpilius eingesehen „Original“. S. dessen Prüfung des Hohensteinischen Gesangbuchs S. 497. Olearius Ev. Liederschatz I, S. 125. schließt aus einer Andeutung bei Cyr. Spangenberg Arelsspiegel II, 20, daß P. Speratus der Verfasser sein könne.
O Herre Gott,
Dein göttlich Wort
Ist lang verdunkelt blieben,
Bis durch dein Gnad
Uns ist gesagt,
Was Paulus hat geschrieben.
Und andere
Apostel mehr
Aus deim göttlichen Munde;
Das danken dir
Mit Fleiß, daß wir
Erlebet han die Stunde,
Daß es mit Macht
An Tag ist bracht,
Wie klärlich ist für Augen.
Ach Gott, mein Herr,
Erbarm dich der,
Die dich noch itzt verlaugnen
Und achten sehr
Auf Menschen Lehr,
Darin sie doch verderben.
Deins Worts Verstand
Mach ihn bekannt,
Daß sie nicht ewig sterben.
Willt du nu fein
Gut Christen sein,
So mußt du erstlich glauben,
Setz dein Vertrau,
Darauf fest bau
Hoffnung und Lieb im Glauben
Allein durch Christ
Zu aller Frist,
Dein Nächsten lieb darneben,
Das Gwissen frei,
Rein Herz dabei,
Das kein Creatur kann geben.
Allein, Herr, du
Mußt sölches thun,
Doch gar aus lautern Gnaden.
Wer sich deß tröst,
Der ist erlöst,
Und kann ihm niemand schaden.
Ob wöllten gleich
Papst, Kaiser, Reich
Sie und dein Wort vertreiben,
Ist doch ihr Macht
Gen dir nichts gacht;
Sie werdns wol lassen bleiben.
Hilf, Herre Gott,
In dieser Noth,
Daß sich die auch bekehren,
Die nichts betrachtn,
Dein Wort verachtn
Und wöllens auch nicht lehren.
Sie sprechen schlecht,
Es sei nicht recht,
Und habens nie gelesen,
Auch nie gehort
Das edle Wort.
Ists nicht ein teuflisch Wesen?
Ich gleub gwiß gar,
Daß es sei wahr,
Was Paulus uns thut schreiben:
Ehe muß geschehn,
Daß alls vergeh,
Dein göttlich Wort soll bleiben
In Ewigkeit,
Wär es auch leid
Viel hartverstockten Herzen;
Kehrn sich nicht umb,
Werden sie drumb
Leiden gar großen Schmerzen.
Gott ist mein Herr;
So bin ich der,
Dem Sterben kömmt zu gute,
Dadurch uns hast
Aus aller Last
Erlöst mit deinem Blute.
Das dank ich dir;
Drumb wirst du mir
Nach deinr Verheißung geben,
Was ich dich bitt,
Versag mirs nit
Im Tod und auch am Leben.
Herr, ich hoff je,
Du werdest die
In keiner Noth verlassen,
Die dein Wort recht
Als treue Knecht
Im Herzn und Glauben fassen;
Giebst ihn bereit
Die Seligkeit
Und läßt sie nicht verderben.
O Herr, durch dich
Bitt ich, laß mich
Fröhlich und willig sterben.
Amen.
Unbekannt – Psalm 112.
Teutsch Kirchen ampt mit lobgesengen rcx. Getruckt by Wolff Köpphel. Straßburg 1525.
O jr knecht, loben den herren,
sein namen sollen jr eren,
Er ist lobsam gar wyt und breit
von jtzund biß in ewigkeyt.
Von vffgang hoch der sonnen schein
biß obent lobt den namen syn,
Uber alles volck der herr du bist,
dein eer über all hymmel ist.
Er wont so hoch, wer ist im gleich?
sicht herab in erd und himelreych,
Vom staub der erd macht er auffston
und auch vom kot den armen man.
Das er jn setz den fürsten gleich
und von ewig in seinem reych,
Macht wz unfruchtbar ist im huß
ein muter viler kinder Druß.
Eer dem vater, sun, heilgen geist,
der uns sein gnad in ewig leyst!
Unbekannt – Lebt friedsam, spricht Christus der Herr
Scheidelied der Täufer
Lebt friedsam, spricht Christus der Herr
Zu seinen Auserkoren.
Geliebte, nehmt dies für ein‘ Lehr
Und wollt sein‘ Stimm gern hörn:
Das ist gefeit
Zu eim Abscheid
Von mir, wollt fest drin stehen,
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch
Bis wir zur Freud eingehen.
Ein Herzensweh mir überkam
Im Scheiden über d’Maßen,
Als ich von euch mein Abschied nahm,
Und damals mußt verlassen.
Mein Herz war bang,
Beharrlich bang,
Es bleibt noch unvergessen:
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Wie sollt ich euch vergessen.
Nach dem Wesen Christi euch doch halt‘,
Gleichwie ihrs habt empfangen:
Gebaut auf’m Grund zu rechter G’stalt,
Sein‘ Wegen wollt anhangen.
Darin besteht
Mein Rath, weils geht
Auf ein Scheiden sehr traurig:
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Bis an mein End gedaurig 1).
Es ist ja kund und offenbar
Wie friedsam wir zusammen
Gelebt han und einmüthig gar,
Gemäß dem Christusnamen:
Als Kinder Gotts, Lieblich guts Muths,
Da that mir weh das Scheiden.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Gotts Lob mehr auszubreiten.
Mein liebste Freunde, mancher Thran 2)
Ist mir um euch entfallen:
Dies hat die Lieb zu euch gethan,
Ihr bleibt auch mit euch allen
In Tag und Nacht
In mein‘ Obacht,
Der Herr woll euch bewahren.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Wollt nichts an Tugend sparen!
Und ihr Väter wollt tapfer sein,
Die Gemeine Gotts versorgen,
Die euch nun ist befohlen sein,
Auf daß ihr unverborgen
Die Ehrenkron
Zu einem Lohn
Auf eurem Haupt mögt tragen.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Um Gottes Wohlbehagen.
Seid klug und unterthänig fort
Ihr Jungen all im Leben:
In Eintracht, christlichem Accord3),
Wollt‘ nach dem Besten streben.
Habt eure Freud
In dieser Zeit
Stets im Gesetz des Herren.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Lebt doch nach Gotts Begehren!
Kommts doch von meinest Herzens Grund,
Mit Thränen ists gesungen:
Im Herzen bleibet doch gesund,
Ihr Alten und ihr Jungen:
Hüt‘ euch für Zwist,
Vor Satans List
Woll euch der Herr befreien.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Bis wir uns ewig freuen.
Gelobt sei Gott um dies sein Werk,
Das er kräftig gelenket:
Geht ihr zu dem Gebete sterk,
Dann meiner auch gedenket,
Im Beten rein,
Daß Gott allein
Mich wölle wohl berathen.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Gott wohn‘ euch bei in Gnaden!
—-
1) dauerhaft
2) Träne
3) Übereinstimmung
Unbekannt – Van Edler ardt, Geistlick vörandert,
Von dem Kindeken Jesu.
(„Nye Christlike Gesenge unde Lede, up allerley ardt Melodien, der besten, olden, Düdeschen Leder. rc. Dörch Hermannum Vestpasium, Predyger tho Stade P. K. 1571.“ klein 8°, Nro. CVII, unter den Liedern „van fremen Christen gemakett“.)
VAn Edler art gebaren wardt
ein Kindlyn klein tho Bethlehem
van einer Magdt, dedt Godt behagt:
Syn nham is groß, wil maken loeß
uns armen all, de Adams vall
vördoruen hefft thor ewyger qwal.
Dith is de Heldt, ded alles erheldt,
des Abraham gelaffde Saem,
in dem allein gesegent syn
All, de up Erdt syn Gades werdt:
de butem ehm wiln Salich syn,
de möthen all thor ewygen pyn.
O JEsu Christ, mein heil du bist!
in dy allein schal schal jümmer syn
myn Herdt und moth und alles goedt!
Wat nicht in dy werdt geuen my,
vhar alles hen, idt is neen gewin,
all goedt und heil schaltu my syn! Amen.
Viebahn, Georg von – Dem Ziele zu
Dem Ziele zu! Es naht die Stunde,
wenn wir Dich sehn, dem wir geglaubt.
O sel’ges Wort, gewisse Kunde,
dass nichts aus Deiner Hand uns raubt!
Ob Sonnenschein, ob Sturmeswehn,
bald werden wir Dein Antlitz sehn.
Bis hin zum Ziel – Du hast’s versprochen –
willst Du, Herr Jesus, bei uns sein.
Nie hast Du je Dein Wort gebrochen:
Du bleibst bei uns; denn wir sind Dein.
Ja, Du wirst immer mit uns gehn,
bis wir Dich selbst, Herr Jesus, sehn.
Bis hin zum Ziel: Der Erde Leiden,
sie sind nicht wert der Herrlichkeit,
die an uns wird in ew’gen Freuden
dort offenbart nach kurzer Zeit.
Schnell wird die Nacht vorübergehn,
der Morgen naht, da wir Dich sehn.
Bis hin zum Ziel: Die Meilen schwinden;
der Glaube siegt in Kampf und Streit.
In Dir ist Kraft zum Überwinden,
Du trägst durch jede Schwierigkeit.
So lass in Deiner Kraft uns gehn,
bis bald wir Dich, Herr Jesus, sehn.
Dem Ziele zu! Im Friedenshafen
läuft bald das Schifflein droben ein;
ob Du, Herr, kommst, ob wir entschlafen,
wir werden jubelnd bei Dir sein;
wir werden dankend vor Dir stehn,
wir werden Dich verherrlicht sehn!