Vespasius, Hermann – Zart schöne Junckfruw, gedenck vnd schow

ZArt schöne Junckfruw, gedenck vnd schow,
dat sick dyn leue in steder öue
na Christo seer do krencken;
Neen row lath dick, so lange dath sick
syne ögelyn syn mit gnaden schyn
jegen dy fründtlick doen wencken;
Alß denn hefft dicch gantz kkrefftichlich
syne leue vnd gunst beseten:
darum schow an, wat he dy ghan,
dyner werdt he nicht vörgheten.

Dyn Roter Mundt tho aller stundt
heb wol in hoedt, denn idt nicht goedt
so alle tydt tho schertzen;
Idt is jo recht, dat Christus secht:
vele goder wordt ghan jümmer vordt
vth einem reinen Harten.
Keer wedder bald, vnde dy endtholvt
veel schertz vnd der glyken:
och, schöne Junckfruw, vp CHRIstum trüw
vnde do van ehm nicht wyken!

Dyn leue, segg ick, an ehm nich brick,
efft dn schön Gewaldt hedst mannichfualdt
vnd kundst vele böses schaffen!
Heb goedt gebeer, bewar dyn Eher,
so heffstu loff in aller proff
vnd werdt dy Nemandt straffen.
Ergryff dyn gern Christ dynem HERR
vnd syner leue geuangen,
tho aller stundt van Harten grundt
drag stetz na ehm vörlangen.

Quelle

Tauler, Johannes – Eyn cantilene der selen, die von lieben gewunt ist.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

O edel sele, halt dich frey,
bezwinge deyn vsser sinne,
Vnd nempt deyns selbs mit fleysse war,
was dir allermeist sy inne:
Dz dreib auß mit aller macht,
als lieb als dir deyn got ye wart,
ob du jn begerst befinden.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

O edel sele, won in dir
vnd halt dich frey mit fleisse,
Wan freyheitt ist so theur schatz,
sie macht den geyst so reiche.
So wer den schatz sol befinden,
der muß frembder mynnen vrlob geben,
so mach ers woll erlingen.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

Gots mynne die ist so zart,
sie leest sich dem nit finden,
Dem frembde mynne besessen hat,
der gewint jr nummer kunde.
Got wilt die seel alleine han,
der wilt er auch sich selber gen,
das sie jn sol befinden.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

Eya, keert euch in den spegell klar
vnd sehet, wie er euch meynet,
Da solt jr finden offenbar,
wie jr jm syt vereynet,
Ach senckt euch in den diefen grunt
des tages me dan tausent stunt,
so wirt euch seyner kunt.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

So wer den spegel duck ansehett,
der vintt da hertzen wunne,
Vnd wirt ouch menger sorgen quyt,
da gebertt sich ware mynne.
Die wunnigklich dreifelicheit
die luchtet in der inwendigkeyt
vnd senckt sich in zu grunde.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

Der grundt, der da ist nameloß
vnd ist auch bloß von beilden,
Da wirt der geist auch formeloß,
ob in der gotheit milde.
Och der minneliche blick,
da wird der geist so inn gestickt,
das er seyns selbst geet vnden.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden. Amen.

Quelle

Silberrad, Marie Clara von – Mein König, den die Liebe

1.) Mein König, den die Liebe
Herab zu mir in’s Elend zieht.
Mit wundervollem Triebe
Bist du stets um mein Heil bemüht.
Du willst nicht, dass ich sterbe,
Dich jammert meine Not.
Damit ich nicht verderbe,
Erwählst du Schmach und Tod,
Verlässt des Himmels Freuden,
Nimmst an dich Fleisch und Blut,
Nur um recht viel zu leiden
Der Welt und mir zu gut.

2.) O segensvolle Zeiten,
Wo ich mich dran erinnern kann.
Du kommst, mit tausend Freuden
Stimm ich mein Hosianna an!
Dir sing ich meine Psalmen.
Mit frohem Geist und Sinn
Streu ich dir auch die Palmen
Des Glaubens freudig hin.
Herr, höre nur mein Lallen,
Du wollst es nicht verschmähn.
Eil, lass es dir gefallen,
Mich gnädig anzusehn!

3.) Erhabner Ehrenkönig!
Komm, zieh in meinem Herzen ein.
Die ganze Welt, wie wenig
Wird sie in meinen Augen sein,
Wenn du mit deinem Segen,
Mein Helfer, zu mir eilst.
Von deiner Liebe wegen
Mir Rat und Trost erteilst,
Wenn die erfreute Seele
In deiner Liebe ruht,
Und du, den ich erwähle,
Stärkst mir dazu den Mut!

4.) Ganz sei es dir ergeben,
Dies Herz, das stets nach dir sich sehnt.
Für dich nur soll es leben.
Und immer mehr der Welt entwöhnt,
Sei dies nur sein Vergnügen,
Recht still, o Seelenfreund,
In deinem Schoß zu liegen
Und, fest mit dir vereint,
Im Glauben nie zu wanken.
Auch, wenn dies Herz einst bricht,
Halt ich dich in Gedanken
Und lass dich ewig nicht.

5.) Wohl mir! Du kommst gegangen.
Sieh her, ich öffne Tor und Tür.
Mit brünstigem Verlangen
Erwartet dich mein Geist allhier.
Es wallt dir schon entgegen
Die Seele, die dich liebt
Und dir in deinen Wegen
Sich gern und kindlich übt.
Vor dir werf ich mich nieder
Und bete gläubig an,
Weil ich durch dich nun wieder
Voll Freuden jauchzen kann.

6.) O wenn ich dich nur habe,
Immanuel, was fehlt mir dann?
Dann acht‘ ich keine Gabe,
Die Erd‘ und Himmel geben kann.
Dann bin ich hoch erhoben,
Zugleich geehrt und reich,
Kind Gottes hier und droben,
Den reinen Engeln gleich.
Dann ist des Himmels Wonne
Und jene Krone mein.
Ein Strahl von dieser Sonne
Verdunkelt jeden Schein.

7.) Hilf, Herr, lass wohl gelingen.
Hilf, Helfer, meiner Schwachheit auf.
Gib Wollen und Vollbringen,
Und fördre selbsten meinen Lauf.
Dass ich nur dir gefalle,
O meiner Seelen Glück!
Und kindlich vor dir walle
In jedem Augenblick,
Dass ich dir untertänig
Und stets gehorsam sei.
Ja, Herr, mein Gott, mein König!
Dir schwör ich ew’ge Treu.

8.) Wenn du dereinst erscheinest,
Umgeben mit der Engel-Schar
Und dann dein Volk vereinest,
Das dir schon hier ergeben war.
Dann blick ich voller Freuden
Auf dich, mein König, hin.
Mich kann nichts von dir scheiden,
Weil ich der Deine bin.
Nichts ist, dass mich erschrecket,
Weil dein Verdienst mich schützt:
Der Herr ist’s, der mich decket,
Der auf den Wolken sitzt!

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832

Schmolck, Benjamin – Liebe zu Gott

Ach! wenn ich dich, mein Gott, nur habe,
nach Erd‘ und Himmel frag‘ ich nicht.
Nichts ist, das meine Seele labe,
als du, mein Gott, mein Trost und Licht!
Rühmt sich die Welt mit ihrer Lust,
ohn‘ dich ist mir kein Trost bewußt.

Soll Leib und Seele mir verschmachten,
ich hoffe doch getrost auf dich;
nichts will ich alle Plagen achten,
an dir allein erquick‘ ich mich,
regt sich auch alles wider mich,
es bleibt dabei, ich liebe dich.

Hab‘ ich nur dich, so hab‘ ich Alles,
was meine Seele wünschen kann;
acuh fürcht‘ ich mich gar keines Falles,
liebst du mich nur, was ficht mich an?
drum spricht mein Herz: du bist mein Theil,
in dir ist meiner Seelen Heil.

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832

Eva von Thiele-Winkler – Lieben und Leiden

Das Leiden ist vom Lieben
Auf Erden nicht zu trennen,
Willst du das Lieben üben,
Lernst du das Leiden kennen.
Willst du das Leiden meiden,
So wird die Lieb vergehen,
Das Lieben und das Leiden
Muss hier zusammenstehen.

Es ist das Opferleben
Der Liebe wahres Wesen.
Wer sich nicht selbst will geben,
Wird nie den andern lösen.
Die Liebe fühlt die Schmerzen,
Sieht sie den andern leiden,
Sie kann aus ihrem Herzen
Des Nächsten Not nicht scheiden.

Die Liebe muss beim Wandern
Die Last der Brüder tragen,
Sie duldet für den Andern,
Lässt sich für andre schlagen.
Sie sieht mit tiefen Qualen
Rings um sich das Verderben.
Sie stirbt zu vielen Malen,
Sieht sie die andern sterben.

Nach Samariter Weise
Beugt sie sich tief hernieder,
Und findet auf der Reise
Des Herrn verlor’ne Brüder.
Sie trägt mit Liebesarmen
Sie in des Heilands Hürde,
Und legt in sein Erbarmen
Die schmerzhafte Bürde.

Mag auch das arme Leben
An fremdem Weh verbluten,
Ertrinkende zu heben,
Selbst sinken in den Fluten, —-
Was tut’s? Wenn nur die Liebe
Bis in den Tod kann lieben!
Wenn man dem heil’gen Triebe
Nur immer treu geblieben!

Dann werden grosse Fluten
Doch nimmer löschen können
Die heissen Flammengluten,
Die in der Seele brennen,
Die sich am Opferherde
Von Golgatha entzünden,
Und diese arme Erde
Mit Gottes Herz verbinden.

Darum lieber solche Schmerzen
Als alles Glück der Erden,
Und lieber Weh im Herzen
Als lieb- und leidlos werden.
Einst wird die Stunde kommen,
Da trennt sich Lieb vom Leide
Und, alles Weh entnommen,
Liebt sie in ew’ger Freude.

Rappard-Gobat, Dora – Durch Leiden zur Herrlichkeit

unbekannt – Gott ist mein Heil

HErtzlich lieb hab ich dich, mein Gott,
mein Hort, auff den ich trawe,
Vnd mein Erretter in der not,
mein Fels, darauff ich bawe:
Mein Sterck vnd Burg allein du bist,
darauff ich mich verlasse,
Mein Schild und Schutz dein Wort mir ist,
welchs ich im glauben fasse.

Gott ist mein Heil und Lebens krafft,
mein Horn, darauff ich trotze,
Sein Gnaden wort mein sterck vnd safft,
mein hoffnung ich drauf setze.
Gott ist mein Schatz vnd Glaubens liecht,
mein hülff vnd trost alleine,
Meins hertzen freud vnd zuuersicht,
der Welt gunst acht ich kleine.

HErr Gott hilff mir, das ich dich kan
von hertzen Vater nennen,
Vnd Christum, deinen lieben Son,
im glauben recht erkennen,
Das sein Blut mich vom Tod erlost,
mir bracht das ewig Leben.
HErr Jhesu Christ, dein hülff vnd trost
mir allzeit wollest geben.

Gott heilger Geist, dein gnad verley,
das ich dis wort behalte,
Das mein glaub nicht sey Heucheley,
die lieb auch nicht erkalte.
Gott, du heilge Dreyfaltigkeit,
dein krafft mich wöll bewaren,
Vnd sterck meins Fleisches blödigkeit,
wenn ich von hinn sol fahren.

Wackernagel – Kirchenlied

Tersteegen, Gerhard – Verborgne Gottesliebe du

1.) Verborgne Gottesliebe du,
O Friedensreich, so schöne.
Ich seh von ferne deine Ruh‘
Und innig dahin sehne.
Ich bin nicht stille, wie ich soll,
Ich fühl, es ist dem Geist nicht wohl,
Weil er in dir nicht stehet.

2.) Es lockt mich zwar dein sanfter Zug
Verborgentlich zur Stille,
Doch kann ich ihm noch nicht genug
Mich lassen, wie mein Wille.
Ich werd durch mancherlei gestört
Und unvermerkt davon gekehrt.
So bleibet meine Plage.

3.) Dass du in mir dich meldest an,
Ich zwar als Gnad‘ bekenne,
Doch weil ich dir nicht folgen kann,
Ich’s billig Plage nenne.
Ich hab von ferne was erblickt.
O Liebe, könnt ich unverrückt
Nur deiner Spur nachgehen!

4.) Mein eignes Wirken nutzet nicht,
Die Liebe davor fliehet.
Ein allzu frei und stark Gesicht
Macht, dass sie sich entziehet.
O Liebe, setze mich in Ruh,
Schließ selber meine Augen zu,
Dass ich dich in mir sehe!

5.) Was ist es mehr, was hindert mich,
Dass ich nicht ein kann gehen
In deine Ruhe wesentlich
Und darin feste stehen?
Es ist dir ja, o Liebe, kund,
Ergründe du den tiefsten Grund
Und zeig die Hindernisse!

6.) Ist etwas, das ich neben dir
In aller Welt sollt lieben,
Ach, nimm es hin, bis nichts in mir
Als du seist überblieben!
Ich weiß, ich muss von allem los,
Eh‘ ich in deinem Friedensschoß
Kann bleiben ohne Wanken.

7.) Entdeck, mein Gott, die Eigenheit,
Die dir stets widerstrebet,
Und was noch von Unlauterkeit
In meiner Seele lebet!
Soll ich erreichen deine Ruh,
So muss mein Aug‘ gerade zu
Dich meinen und ansehen.

8.) O Liebe, mach mein Herze frei
Von Überlegen, Sorgen,
Den eignen Willen brich entzwei
Wie sehr er steckt verborgen!
Ein recht gebeugt, einfältig Kind
Am ersten dich, o Liebe, find’t.
Da ist mein Herz und Wille.

9.) Ach nein, ich halte nichts zurück,
Dir bin ich ganz verschrieben,
Ich weiß, es ist das höchste Glück,
Dich lauterlich zu lieben.
Hilf, dass ich nimmer weiche nur
Von deiner reinen Liebesspur,
Bis ich den Schatz erreiche!

10.) Indessen zieh zu aller Stund,
Lass mich zu dir mich kehren,
Herr, rede du im Seelengrund,
Da lass mich stets dich hören.
Ach, setze mit Maria mich
Zu deinen Füßen inniglich!
Dies Eins will ich erwählen.

Tersteegen, Gerhard – Noch dennoch will ich lieben dich

1. Noch dennoch will ich lieben dich,
Du liebenswürdig’s Wesen,
Du bist und bleibst es ewiglich,
Den ich zum Schatz erlesen.
Lässt du mich gleich in Dürre stehn,
Kann ich dein Angesicht nicht sehn,
Noch dennoch will ich lieben.

2. Noch dennoch will ich lieben dich
Und meinen recht von Herzen,
Zwar steh ich jetzt so jämmerlich
Entblößt in innern Schmerzen;
Du bist und bleibst die Liebe doch,
Drum will ich auch dich lieben noch
In allen dunklen Wegen.

3.Noch dennoch will ich sünd’gen nicht,
Wie sehr die Sünden wüten;
Ob mir gleich Gnad‘ und Kraft gebricht,
Du kannst mich doch behüten.
Zwar will der Feind mich wickeln ein,
Doch sagt mein tiefster Wille: nein!
Und will sich doch nicht geben.

4. Noch dennoch will ich nimmermehr
Zur Kreatur mich kehren
Und, fiel es mir auch noch so schwer,
Nicht fremden Trost begehren.
Dies ist mein Wille, wie du weißt,
Doch wo du mir nicht Hilfe leist‘,
Kann ich ihn ja nicht halten.

5. Noch dennoch will ich dienen dir,
Soviel ich kann in allen,
Noch dennoch will ich für und für
Dir trachten zu gefallen;
Ich suche nicht, was mich ergötzt,
Werd‘ ich geheiligt nur zuletzt,
So acht‘ ich keine Leiden.

6. Noch dennoch will ich ehren dich
In allen meinen Nöten,
Die Himmelsscharen beugen sich
Und auch dich jetzt anbeten;
Dies freuet mich zu aller Stund‘,
Dies gönn‘ ich dir von Herzensgrund,
Mein Gott, ich Wurm der Erden.

7. Noch dennoch hoff‘ ich stets auf dich,
Wenn du gleich töten wolltest
Und hier in diesem Leben mich
Auch nimmer trösten solltest;
Mach mich durchs Leiden nur bereit,
Dass ich dich kann in Ewigkeit
Beschauen, lieben, loben!

8. Noch dennoch will ich meine Seel‘
Dir ewig überlassen,
Dein Wohlgefallen ich nur wähl‘,
Dich will ich machen lassen;
Tu mit mir alles, was du willt!
Mein Herzenswunsch ist g’nug gestillt,
Wenn du nur wirst verkläret.

9. Du bist und bleibst das höchste Gut,
So muss ich doch dich nennen,
Dies will ich mit getrostem Mut
Vor aller Welt bekennen.
Ihr Kreaturen, liebet ihn,
Ein jeder sei ein Seraphin!
Gott ist die Lebensquelle.

Tersteegen, Gerhard – Für dich sei ganz mein Herz und Leben

1.) Für dich sei ganz mein Herz und Leben,
Mein süßer Gott und all mein Gut!
Für dich hast du mir’s nur gegeben,
In dir es nur und selig ruht.
Hersteller meines schweren Falles,
Für dich sei ewig Herz und alles!

2.) Ich liebt und lebte recht im Zwange,
Wie ich mir lebte ohne dich.
Ich wollte dich nicht, ach so lange.
Doch liebtest du und suchtest mich,
Mich böses Kind aus bösem Samen,
Im hohen, holden Jesusnamen.

3.) Dein’s Vaterherzens tiefste Triebe
In diesem Namen öffnen sich.
Ein Brunn‘ der Freude, Fried‘ und Liebe,
Quillt nun so nah, so mildiglich.
Mein Gott, wenn’s doch der Sünder wüsste!
Sein Herz alsbald dich lieben müsste.

4.) Ich bete an die Macht der Liebe,
Die sich in Jesu offenbart.
Ich geb mich hin dem freien Triebe,
Wodurch ich Wurm geliebet ward.
Ich will, anstatt an mich zu denken,
In’s Meer der Liebe mich versenken.

5.) Wie bist du mir so zart gewogen,
Und wie verlangt dein Herz nach mir!
Durch Liebe sanft und tief gezogen
Neigt sich mein Alles auch zu dir.
Du traute Liebe, gutes Wesen,
Du hast mich und ich dich erlesen.

6.) Ich fühl’s, du bist’s, dich muss ich haben,
Ich fühl’s, ich muss für dich nur sein.
Nicht im Geschöpf, nicht in den Gaben,
Mein Leben ist in dir allein.
Hier ist die Ruh‘, hier ist Vergnügen,
Drum folg ich deinen selgen Zügen.

7.) Ehr sei dem hohen Jesusnamen,
In dem der Liebe Quell entspringt,
Von dem hier alle Bächlein kamen,
Aus dem der Sel’gen Schar dort trinkt!
Wie beugen sie sich ohne Ende,
Wie falten sie die frohen Hände!

8.) O Jesu, dass dein Name bliebe
Im Grunde tief gedrücket ein.
Möcht deine süße Jesusliebe
In Herz und Sinn gepräget sein!
Im Wort, im Werk und allem Wesen,
Sei Jesus und sonst nichts zu lesen!

Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – So ist denn nun die Hütte

1.) So ist denn nun die Hütte,
Mein Freund, für dich erbaut!
Komm her! Ist meine Bitte,
Komm! Rufet deine Braut.
Komm, Auserwählter, komme,
Besuche deine Magd!
Erfreue deine Fromme,
Die fleißig nach dir fragt!

2.) Das Kreuz, die Schmach der Leiden,
Die deine Boten sind,
Empfange ich mit Freuden
Als liebes Angebind‘.
Wo Jesus herrscht und wohnet,
Da ist der Freiheit Haus.
Dort, wo die Liebe thronet,
Weicht Schmerz und Mühsal aus.

3.) Reist aus, entzückte Sinnen,
Steigt auf, die Lieb‘ ist nah!
Geht, geht von ihr von hinnen,
Der Bräutigam ist da!
Auf, eilet ihm entgegen
In dieser Mitternacht!
Mit Ruh’n und Schlafenlegen
Wird schlimm die Zeit verbracht.

4.) Er ist’s, der mich erworben,
Er, der gelitten hat,
Er, der für mich gestorben,
Der Herr von Rat und Tat,
Der mein Erlöser heißet,
Immanuel, der Mann,
Der Höll‘ und Tod zerschmeißet, –
Triumph, der zieht heran!

5.) Unendlich süße Wonne!
Wie überströmst du mich!
Du Licht der Gnadensonne,
Wie strahlst du süßiglich!
Ich bin’s nicht wert, ich Armer,
Die Lieb‘ ist allzu gut,
Zu gut ist mein Erbarmer,
Der also an mir tut!

6.) Bin ich denn nun die Hütte
Und du bist selbst in mir,
So hab‘ ich meine Bitte,
Die Lieb‘ ist mein Panier.
So scheide Himmel, Erde,
Und was geschaffen heißt,
Wenn ich die Hütte werde
Für Gottes reinen Geist!