unbekannt – Ein gsang zuo Gott umb vil gaaben zun besserung

O Allmächtiger Herre Gott,
wir bittend durch dins kindes tod,
das du verlyhen wöllest
Din Göttlich gnade, huld und gunst,
das wir lernind die rechte kunst,
so du din geist zustellest,
Das wir das irdisch achten ring
und haben lieb himlische ding,
den lastren dapffer widerstan,
den tugenden starck hangen an:
ach Gott, hie müst du selbs uff dhan!

Nun hilff, das wir verwillgen nit
den anfechtungen, und damit
ell eer der wält verachten;
Vermyden des lybs lustbarkeit,
auch unsre sünd unns seyend leid,
beweinen die volbrachten;
Bös ursachen verhüten wol,
was zwyfel hat nit irren sol,
kein fräuel urtheil vun uns hab,
schädlich gewonheit stellen ab:
das ist allein din Göttlich gaab!

Mer bittend wir mit gantzem flyß:
der unuolkommen gebräch und wyß
leer uns mit dild gern tragen,
Was ouch nit bessern können wir,
das selbig alls befelhen dir;
und dann in unsren tagen
Gütlich annemmen zytlich straaff,
ynbrünstigklich uns bessrung schaff
und das din thür erkouffte härd
verharr in gutem hie uff erd
und ewigklich dort sälig werd!

Wirtenberg, Graf Jörg von – DAs ich nit kan sünd lan

Ein klaglied wider fleisch und bluot, das Gott helffen und raaten wöll.

(„Nüw gsangbüchle rc. Getruckt zuo Zürych by Christoffel Froschauer, Im JAr D.M.XL.“ in 8°. Seite CCXXXIIII)

DAs ich nit kan sünd lan,
ist mir ein last, krenckt vast
beid lyb und seel, darumb ich wil
mim Gott die schwachheit klagen,
Als minem Herrn, hilfft gern,
gibt gnad und gunst – – –
daruff ich truw und endlich buw,
wie kü+nd ich dann verzagen?
Der gloub erhelt und stelt
mir Christum dar klar uffs best, gantz vest,
daruff wil ich mich lassen,
uff solcher ban styff stan,
den alten Adam massen.

Sey du nit feer, min Herr!
das werck ist din, nit min!
ich bin zu schwach, du mich starck mach,
mit nicht kan ich sunst enden.
Du mit mir teil din heil
unnd ewigs wort, min hort,
ouch das es läb und widersträb,
was sich von dir wil wenden,
Uff das din pryß mit flyß
in mir din leer, eer groß werd uff erd
und nimmermer thu wancken:
darzu mich leit, bereit,
so wil ich dir, Herr, dancken.

Min Gott, erhalt, tröst bald!
erzeig mir gnad, hilff, raat!
leer mich die wält, jr gut und gält,
umb dint willn übergeben.
Die stund bringts end, behend
volgt bald der tod mit not,
fallt hin wies loub, zergadt wie stoub:
was ist min fleischlich läben?
O JEsu Christ, du bist
des läbens wär, stäg: hilff mir zu dir!
der für mich hast gelitten,
verrert din blut, mir zgut,
tod, tüfel überstritten.

Savonarola, Girolamo – Lebe tief in unsern Seelen

Lebe tief in unsern Seelen,
Die wir, Jesu, dir befehlen.

Euer Sehnen, euer Denken,
Eure Seelen waschet rein,
Lernet heim zur Liebe lenken
Von der Erde eitlem Schein.
In der Buße stillem Weinen
Tretet eurem König bei;
Anders müsset ihr erscheinen
Und im Innern werden neu.

Wollet ihr ihn walten lassen
Gnadenvoll in eurer Brust,
Euer Grollen, euer Hassen
Wandelt um in Lieb und Lust.
Lasset eure Wuth vergehen,
Machet euch an Frieden reich,
Wie ihn Jesus will ersehen,
Wie im Himmel, so in euch.

Selig ist das Kind der Gnade,
Dem die blinde Welt nichts gilt,
Dem auf seinem engen Pfade
Deiner Freude Bronnen quillt.
Wie um Spreu und Rauch und Dornen
Nur ein Herz dich lassen mag,
Dem du immer leuchtest vornen
In den süßen Freudentag!

Vor die Wuth des alten Drachen
Stelle dich, du sanftes Lamm.
Deinen Löwen laß erwachen
Kampfbereit in Juda’s Stamm.
Ein Aegypten ist die Erde,
Und ein Pharao ihr Haß
Ist der Treuen Noth und Fährde,
Seit sie, Herr, dein Blut vergaß.

Aber droben, droben hallet,
Treuer Hirte, noch dein Preis,
Deiner Frommen Liebe schallet
Dir entgegen bang‘ und leis,
Und in ihren Kummernächten
Haben sie dein Licht gesehn.
Zieh herein mit deinen Mächten
In ihr Herz; vernimm ihr Flehn!

Rapp – Die erwecklichen Schriften Savonarolas

Hiller, Philipp Friedrich – Außer Christo thut man Sünde

Mel.: O Jerusalem, du schöne.

1.
Außer Christo thut man Sünde; Christus ist zur Heiligung.
Wenn ich Mängel an mir finde, Dient’s mir doch zur Förderung;
Weil ich glaubig in Ihm bin, Bin ich heilig auch durch Ihn.

2.
Werke, die wie Wunder scheinen, Sind doch außer Ihm nicht groß;
Aber die veracht’tsten kleinen Haben doch in Ihm ein Loos.
Uns’re Mängel deckest Du, Jesu, mit der Liebe zu.

3.
Dieses ist mein Wunsch auf Erden: Laß mich nur in Dir allein,
Was ich thu’, erfunden werden, So wird Alles heilig sein.
Denn der Vater machte Dich Auch zur Heiligung für mich.

4.
Vater, Dir gebührt die Ehre; Jesu, Dir gebührt der Ruhm;
Was ich außer Christo wäre, Wär’ ich noch im Heidenthum.
Vater, stell’ im Himmel Dir Mich in Jesu heilig für!

Hiller, Philipp Friedrich – Pflanzen der Gerechtigkeit

Mel.: Mache dich, mein Geist etc.

1.
Pflanzen der Gerechtigkeit Müssen reichlich tragen;
Denn Gott wird zu seiner Zeit Nach den Früchten fragen;
Ist die Frucht, Die Er sucht, Nicht am Baum zu schauen,
Wird er abgehauen.

2.
Bloße Früchte der Natur Sind nur faule Früchten;
Denn ein böses Herz kann nur Böses thun und dichten;
In das Licht Taugt es nicht, Aber zum Verbrennen
Wird es Gott erkennen.

3.
Nur durch Jesum Christum soll Alles dieß geschehen,
Daß die guten Bäume voll Guter Früchte stehen.
Was durch Ihn Ich nicht bin, Das hält keine Probe,
Ist nicht Gott zum Lobe.

4.
Jesu, mache mich mit Dir Inniglich verbunden;
Denn da wird gewiß an mir Auch die Frucht gefunden;
Mach’ mich rein, Daß ich fein Viele Früchte trage
Bis zu Deinem Tage.

5.
Also wird Gott Preis und Ruhm Einst von Seinen Gaben
Auch an mir, dem Eigenthum Seines Sohnes, haben,
Wenn alsdann Ich auch kann In der neuen Erden
Eingesetzet werden.

Hiller, Philipp Friedrich – Vernunft malt ihre Werke

Mel.: HErr Jesu, Gnadensonne.

1.
Vernunft malt ihre Werke Mit allen Farben fein; Sie wirkt aus eig’ner Stärke, Der Glaube soll nicht sein;
Der Heuchler rühmt die Strenge; Der Weltwitz schatzt der Menge Nur das, was ehrbar, ein.

2.
Doch ist’s bei allem Scheine Ganz ohne Grund gedacht; Denn Christus ist alleine zur Heiligung gemacht.
Wie soll vor Gottes Augen Ein Thun des Menschen taugen, Der Seinen Sohn veracht’t?

3.
Des Glaubigen Geschäfte Ist, daß er Jesum liebt, Der Willen und auch Kräfte Zum Heiligleben gibt;
Von Seinem Geist gedrungen, Nicht vom Gesetz gezwungen, Wird Gutes ausgeübt.

4.
Gott, gib mir, Du kannst’s geben, Ein Herz, das nur bemüht, Daß es die Kraft zum Leben Allein aus Christo zieht!
Was nützt’s, wenn ich mich färbe, Und Gott nichts, wenn ich sterbe, An mir von Christo sieht!

Gerhardt, Paul – Was soll ich doch, o Ephraim

1. Was soll ich doch, o Ephraim,
Was soll ich aus dir machen?
Der du so oftmals meinen Grimm
Hast pfleget zu verlachen?
Soll ich dich schützen, Israel?
Soll ich dir deine frohe Seel
Hinfürder noch bewahren?
Aus welcher doch von Jugend auf
Ein solcher großer Sündenhauf
Ohn alle Scheu gefahren.

2. Sollt ich nicht billig deiner Tat
Und Leben gleich mich stellen?
Und dich wie Adama fällen?
Sollt ich nicht billig meine Glut
Auf dein verfluchtes Gut und Blut
Wie auf Zeboim schütten?
Dieweil du ja mein Wort und und Bahn
Hast ärger noch, als sie getan,
Bis hieher überschritten.

3. Ja, billig sollt dich dahin
In alles Herzleid senken,
Allein es will mir nicht zu Sinn,
Ich hab ein anderes Denken;
Mein Herze will durchaus nicht dran,
Daß es dir tu, wie du getan,
Es brennt für Gnad und Liebe;
Mich jammert dein von Herzen sehr
Und kann nicht sehen, daß das Heer
Der Höllen dich betrübe.

4. Ich kann und mag nicht, wie du wohl
Verdienet, dich verderben;
Ich bin und bleib Erbarmens voll
Und halte nichts vom Sterben:
Denn ich bin Gott, der treue Gott,
Mitnichten einer aus der Rott
Der bösen Adamskinder,
Die ohne Treu und Glauben seind
Und werden ihren Feinden Feind
und täglich größre Sünder.

5.So bin ich nicht, das glaube mir,
Und nimme recht zu Gemüte,
Ich bin der Heilge unter dir,
Der ich aus lauter Güte
Für meine Feinde in den Tod
Und in des bittern Kreuzes Not
Mich als ein Lamm begeben;
Ich, ich will tragen deine Last,
Die du dir, Mensch gehäufet hast,
Auf daß du mögest leben.

6. O heilger Herr, o ewges Heil,
Versöhner meiner Sünden,
Ach, heilge mich und laß mich teil
In, bei und an dir finden!
Erwecke mich zur wahren Reu
Und gib, daß ich dein edle Treu
Im festen Glauben fasse;
Auch töte mich durch deinen Tod,
Damit ich allen Sündenkot
Hinfort von Herzen hasse.

Gerhardt, Paul – Wohl dem Menschen, der nicht wandelt

1. Wohl dem Menschen, der nicht wandelt
In gottloser Leute Rat!
Wohl dem, der nicht unrecht handelt
Noch tritt auf der Sünder Pfad:
Der der Spötter Freundschaft fleucht
Und von ihren Stühlen weicht,
Der hingegen herzlich ehret
Was uns Gott vom Himmel lehret.

2. Wohl dem, der mit Luft und Freuden
Das Gesetz des Höchsten treibt
Und hier, als auf süßer Weiden,
Tag und Nacht beständig bleibt:
Dessen Segen wächt und blüht
Wie ein Palmbaum, den man sieht
Bei den Flüssen an der Seiten
Seine frischen Zweig ausbreiten.

3. Also, sag ich, wird auch grünen,
Wer in Gottes Wort sich übt,
Luft und Sonne wird ihm dienen,
Bis er reiche Früchte gibt.
Seine Blätter werden alt
Und doch niemals ungestalt.
Gott gibt Glück zu seinen Taten,
Was er macht, muß wohl geraten.

4. Aber wen die Sünd erfreuet,
Mit dem gehts viel andres zu:
Er wird wie die Speu zerstreuet
Von dem Wind im schnellen Nu.
Wo der Herr sein Häuflein richt´t,
Da bleibt kein Gottloser nicht.
Summa: Gott liebt alle Frommen,
Und wer bös ist, muß umkommen.