Carl Gerok – Ps. 84,2-3

Herz, mein Herz, welch sanfte Lust
Hegst du heut‘ in stiller Brust?
Aug, mein Aug, welch mildes Glück
Strahlet dein verklärter Blick?
Ist’s das holde Himmelblau?
Ist’s die bunte Blumenau?
Ist’s der Vögel Morgenpsalm?
Ist’s der Tau auf Gras und Halm?
Schön ist meines Gottes Welt,
Blumenflur und Himmelszelt,
Süß das Wehn der Morgenluft,
Rosenglanz und Nelkenduft.
Aber was mich fröhlich macht,
Heut‘ ist’s mehr als Erdenpracht,
Heut‘ ist meines Herren Tag!
Selig, wer es fassen mag.
Süßer noch als Vogelsang
Tönt mir heute Glockenklang,
Sanfter weht als Frühlingswind
Friede Gottes um sein Kind.
Heut im schmucken Kämmerlein
Kehrt mein Heiland bei mir ein,
Heut im schönen Gotteshaus
Teilt man Himmelsgüter aus.
Wie der Tau sich niedersenkt,
Kraut und Blumen milde tränkt,
So mit Gottes Wort und Geist
Wird die Seele heut‘ gespeist.
Wie die Lerche jubiliert,
Jubelnd sich im Blau verliert,
Also steigt mein brünstig Herz
Heut in Andacht himmelwärts.
Sei willkommen, Tag des Herrn,
Friedensengel, Morgenstern,
Labequell im Wüstensand,
Glockenlaut vom Heimatland!
Nachgeschmack vom Paradies,
Draus die Sünde mich verstieß,
Vorgefühl der Himmelsrast
Nach der Erde Müh und Last!
Tröst auch heute die betrübt,
Sammle was im Herrn sich liebt,
Löse die gebunden sind,
Locke das verlorne Kind!
Bringe der verstörten Welt
Einen Gruß vom Himmelszelt,
Ruf auch mir vom Vater zu:
Heil dir, Gottes Kind bist du!

Heinrich Puchta – Sonntag

Tag über alle Tage,
Geschenk aus Gottes Hand!
Mit jedem Glockenschlage
Bringst du ein Segenspfand.
Du Tag voll Licht und Sonne,
Der Gott gehört allein,
Du Morgen voller Wonne,
Sollst mir willkommen sein!“

Herr Jesu, deinen Namen
Sprech‘ ich anbetend aus,
Und freudig sage Amen
Dazu dies ganze Haus.
Du bist der Mund der Wahrheit,
Du bist des Lichtes Quell.
Von deiner stillen Klarheit
Wird dieser Tag so hell.

Das ist die schöne Stunde,
Da du bist aufgewacht;
Da hat die beste Kunde
Das Morgenrot gebracht.
Davor muss jeder Kummer
Und jede Angst vergeh’n,
Aus jedem Todesschlummer
Das Leben aufersteh’n.

Das ist der große Morgen,
Da sich der Geist genaht,
Mit seiner Kraft verborgen
Zu deinen Jüngern trat;
Mit Feu’r und Flammenzungen
Mit Sturm und Windesbraus,
Und ist nicht mehr verklungen
Seitdem in deinem Haus.

Herr und Fürst des Lebens,
O heil’ger Geist des Lichts!
Mein Mühen ist vergebens,
Mein Sorgen ist für nichts.
Ein einz’ger Tag ist deine,
Und dieser einz’ge Tag
Tut mehr an der Gemeine,
Als alle Welt vermag.

Nun lass vom Himmel fallen
Den frischen Gnadentau!
Nun fülle deine Hallen,
Lass grünen Feld und Au!
Lass jedes Herz erkennen
Dein Werk und deinen Ruhm,
Lass jeden Leuchter brennen.
In deinem Heiligtum.

Nun soll dein Tempel glänzen
Von neuer Siegesbeut;
Mit jungen Ehrenkränzen
Sei dein Altar bestreut.
Es fülle sich von innen
Das Haus mit Opferduft,
Der Rauch von seinen Zinnen
Steig auf in klare Luft.

Herr! sieh mit Wohlgefallen
Heut‘ auf dein Volk herab.
Herr! neige dich zu Allen
Mit deinem Hirtenstab.
Heut‘ soll es allerorten,
Dass jeder lesen mag,
Geschrieben steh’n mit Worten:
Geheiligt sei dein Tag! (Heinrich Puchta)

Gotthard Schuster. – Worte eines scheidenden Kindes an seine Eltern.

Ihr Eltern, gute Nacht! nun geht es an ein Scheiden:
Ich fahr zu Jesu hin in seine Himmelsfreuden,
Zu Jesu, welcher mich in Ewigkeit anlacht.
Ach weinet, weinet nicht, ihr Eltern! Gute Nacht!

Ihr Eltern, gute Nacht! Hört auf, um mich zu klagen,
Da jetzt mein zarter Leib wird in das Grab getragen:
Wisst, dass die Seele ist zur Himmelsruh gebracht.
Ach weinet, weinet nicht, ihr Eltern! Gute Nacht!

Ihr Eltern, gute Nacht! Sehr herrlich ist zu wohnen
Im schönen Himmelsschloss, da man erblicket Kronen,
Die Gott den Frommen hat aus Gnaden zugedacht.
Ach weinet, weinet nicht, ihr Eltern! Gute Nacht!

Ihr Eltern, gute Nacht! Muss ich euch schon verlassen,
So werdet ihr mich doch mit Herzenslust umfassen,
Wenn Gott mit euch und mit der Welt ein Ende macht.
Ach weinet, weinet nicht, ihr Eltern! Gute Nacht!

Ihr Eltern, gute Nacht! Die Angst und Marterstunden
Die sind in dieser Welt nun völlig überwunden;
Mein Leib schläft sanft, bis dass er wiederum erwacht.
Ach weinet, weinet nicht, ihr Eltern! Gute Nacht!

Gottfried Hoffmann – Beim Begräbnis eines Kindes.

Zeuch hin, mein Kind, denn Gott selbst fordert dich
Aus dieser argen Welt.
Ich leide zwar; dein Tod betrübet mich:
Doch weil es Gott gefällt,
So unterlag ich alles Klagen
und will mit stillem Geiste sagen:
Zeuch hin, mein Kind!

Zeuch hin, mein Kind! der Schöpfer hat dich mir
Nur in der Welt geliehn.
Die Zeit ist aus, darum befiehlt er dir
Jetzt wieder fortzuziehn.
Zeuch hin! Gott hat es so versehen:
Was dieser will, das muss geschehen!
Zeuch hin, mein Kind!

Zeuch hin, mein Kind! im Himmel findest du,
Was dir die Welt versagt;
Denn nur bei Gott ist wahrer Trost und Ruh,
Da wird kein Schmerz erfragt.
Hier müssen wir in Ängsten schweben:
Dort kannst du ewig fröhlich leben.
Zeuch hin, mein Kind!

Zeuch hin, mein Kind! wir folgen alle nach,
So bald es Gott befiehlt.
Du eilest fort, eh dein Herz Ungemach
In spätern Jahren fühlt.
Wer lange lebt, steckt lang in Leide:
Wer frühe stirbt, kommt bald zur Freude.
Zeuch hin, mein Kind!

Zeuch hin, mein Kind! die Engel warten schon
Auf deinen frommen Geist.
Du siehest auch, wie Gottes lieber Sohn
Dir schon die Krone weist.
Nun wohl! dein Seelchen ist entbunden,
Du hast im Herren überwunden.
Zeuch hin, mein Kind!

Albert Knapp – Was bleibt?

Der Glaube bleibt! früh weintest, glaubtest du,
Von Jesu Geist regiert;
Drum hat dich früh Gerechtigkeit
Und Ruh und edler Mut geziert.
Du fandest ihn, der Sünder sühnet,
Aus dessen Kreuz das Leben grünet.
Der Glaube bleibt!

Die Liebe bleibt! er, der uns Arme liebt,
Gab dir sein Lieben auch;
Drum hast du uns erquickt und nicht betrübt
Bis zu dem letzten Hauch.
Dein Heiland hat dich nun gerettet,
Doch ewig an uns festgekettet.
Die Liebe bleibt!

Die Hoffnung bleibt! aus Lieb und Glaube dringt
Sie wunderstark empor,
Hebt sich mit Adlersflügeln auf, und schwingt
Sich durch des Himmels Tor.
So hat dein Hoffen auch gesieget,
und ob der Leib im Grabe lieget:
Die Hoffnung bleibt!

Einst wird der Glaub ein Schaun der Herrlichkeit;
Der Hoffnung wird ihr Teil,
Dass sie geharret in der Prüfungszeit;
Sie erbt das volle Heil.
Doch Liebe bleibt, was sie gewesen:
Ein süßes, wandelloses Wesen.
Die Liebe bleibt!

Die Liebe bleibt! o Jesu, dort im Licht
Der Himmel schwebest du,
und wendest doch dein huldvoll
Angesicht uns auf der Erde zu!
In dir sind Eins all deine Lieben,
Sei’s hier im Todestal, sei’s drüben.
Die Liebe bleibt!

Carl Johann Philipp Spitta. – Am Ziele eines Erdenpilgers.

Am Grabe stehn wir stille
Und säen Tränensaat,
Des lieben Pilgers Hülle,
Der ausgepilgert hat.

Er ist nun angekommen,
Wir pilgern noch dahin,
Er ist nun angenommen,
Der Tod war ihm Gewinn.

Er schaut nun, was wir glauben
Er hat nun, was uns fehlt,
Ihm kann der Feind nichts rauben,
Der uns versucht und quält.

Ihn hat nun als den Seinen
Der Herr dem Leid entrückt,
Und während wir hier weinen,
Ist er so hoch beglückt.

Er trägt die Lebenskrone
Und hebt die Palm empor,
Und singt vor Gottes Throne
Ein Lied im höhern Chor.

Wir armen Pilger gehen
Hier noch im Tal umher,
Bis wir ihn wiedersehen
Und selig sind, wie er.

Heinrich Albert. – Der geendigte Kampf. (2. Tim. 4,7)

Einen guten Kampf hab ich
Auf der Welt gekämpfet;
Denn Gott hat genädiglich
All mein Leid gedämpfet,
Dass ich meines Lebens Lauf
Seliglich vollendet,
und die arme Seel hinauf
Gott dem Herrn gesendet.

Forthin ist mir beigelegt
Der Gerechten Krone,
Die mir wahre Freud erregt
In des Himmels Throne:
Forthin meines Lebens Licht,
Dem ich hier vertrauet,
Nämlich Gottes Angesicht
Meine Seele schauet.

Dieser schnöden bösen Welt
Kümmerliches Leben
Mir nun länger nicht gefällt.
Drum ich mich ergeben
Meinem Jesu, da ich bin
Jetzt in lauter Freuden:
Denn sein Tod ist mein Gewinn,
Mein Verdienst sein Leiden.

Gute Nacht! ihr meine Freund,
Alle meine Lieben!
Alle, die ihr um mich weint,
Last euch nicht betrüben
Diesen Schritt, den ich nun tu
In die Erde nieder.
Schaut: die Sonne geht zur Ruh,
Kommt doch morgen wieder!

Christian Weise – Jesus das letzte Wort.

Gottlob! es geht nunmehr zum Ende,
Das meiste Schrecken ist vollbracht:
Mein Jesus reicht mir schon die Hände,
Mein Jesus, der mich selig macht.
Drum lasst mich gehn, ich reise fort,
Denn Jesus ist mein letztes Wort.

Was fragt ihr viel nach meinem Glauben?
Ich glaube, dass mich Jesus liebt,
Kein Tod soll mir die Freude rauben,
Wenn Jesus Trost und Leben gibt.
Ich fahre wohl, und weiß den Ort,
Denn Jesus ist mein letztes Wort.

Die Hoffnung hat mich nie betrogen,
Ich bin auf seinen Tod getauft,
Da hab ich Jesum angezogen,
Da hat er mich vom Tod erkauft:
Drum Jesus bleibt mein Heil und Hort,
Sein Name sei mein letztes Wort.

Wiewohl die Sünde mich will kränken,
Wer ist, der ohne Tadel lebt?
Allein ich darf an Jesum denken,
Der mich in seinen Tod begräbt:
So komm ich an den Lebensport
Und Jesus bleibt mein letztes Wort.

Mein Jesus hat den Tod bezwungen;
Als er am Kreuze selbst verschied,
Da ward mein Tod zugleich verschlungen,
Er ist mein Haupt, ich bin sein Glied.
Was Jesus hat, das hab ich dort,
Drum sei er auch mein letztes Wort.

Gedenkt mir nicht an eitle Sachen,
Der Höchste sorget für die Welt;
Befehlt es ihm, er wirds wohl machen,
Dass Licht und Recht den Play behält.
Gott wende Jammer, List und Mord
Durch Jesum, als mein letztes Wort.

Nun freuet euch, es geht zum Ende,
Mein Jesus heißt der letzte Ruhm;
Wie fröhlich klopf ich in die Hände,
Wo bleibst du doch, mein Eigentum?
Ach, Jesus, Jesus sei mein Wort!
Nun schweig ich still und fahre fort.

Johann Siegfried. – Selige Heimfahrt im Frieden Gottes.

Ich hab mich Gott ergeben,
Dem liebsten Vater mein.
Hier ist kein Immer – Leben;
Es muss geschieden sein.
Der Tod kann mir nicht schaden:
Er ist nur mein Gewinn.
In Gottes Fried und Gnaden
Fahr ich mit Freud dahin.

Mein Weg geht jetzt vorüber:
Welt, was acht ich dein?
Der Himmel ist mir lieber;
Da muss ich trachten ein,
Mich nicht zu sehr beladen,
Weil ich wegfertig bin.
In Gottes Fried und Gnaden
Fahr ich mit Freud dahin.

Ach, sel‘ge Freud und Wonne
Hat mir der Herr bereit,
Da Christus ist die Sonne,
Leben und Seligkeit!
Was kann mir doch nun schaden,
Weil ich bei Christo bin?
In Gottes Fried und Gnaden
Fahr ich mit Freud dahin.

Gesegn euch Gott, ihr Meinen,
Ihr Liebsten allzumal!
Um mich sollt ihr nicht weinen:
Ich weiß von keiner Qual.
Den rechten Port noch heute
Nehmt ja fleißig in Acht!
In Gottes Fried und Freude
Fahrt mir bald all hernach.

Sigismund Weingärtner. Vertrauen auf Gott in der letzten Not.

Auf meinen lieben Gott
Trau ich in Angst und Not.
Der kann mich allzeit retten
Aus Trübsal, Angst und Nöten;
Mein Unglück kann er wenden:
Steht all‘s in seinen Händen.

Ob mich mein Sünd anficht,
Will ich verzagen nicht:
Auf Christum will ich bauen
Und ihm allein vertrauen;
Ihm tu ich mich ergeben
Im Tod und auch im Leben.

Ob mich der Tod nimmt hin,
Ist Sterben mein Gewinn,
Und Christus ist mein Leben;
Dem tu ich mich ergeben.
Ich sterb heut oder morgen:
Mein Seel wird er versorgen.

O mein Herr Jesu Christ,
Der du so g‘duldig bist
Für mich am Kreuz gestorben:
Hast mir das Heil erworben,
Auch uns allen zugleiche
Das ewig Himmelreiche!

Erhöre gnädig mich,
Mein Trost, das bitt ich dich:
Hilf mir am letzten Ende,
Nimm mich in deine Hände,
Dass ich selig abscheide
Zur ew‘gen Himmelsfreude.

Amen zu aller Stund‘
Sprech ich aus Herzensgrund.
Du wollest uns tun leiten,
Herr Christ, zu allen Zeiten:
Auf dass wir deinen Namen
Ewiglich preisen. Amen.

(Vers 5 ist ein späterer Zusatz)