Bartholomäus Ringwald – Ein Gebet nach dem Evangelio am 5. Sonntag nach Trinitatis.

Im Ton: Run freut euch, Iiebe Christen gmein.

1. HErr , gib uns, was uns selig ist,
Mehr wolln wir nicht begehren,
Und hilf, dass wir ohn Hinterlist
Uns fein aufrichtig nähren,
Und jederzeit der Gaben dein
Recht brauchen und zufrieden sein
Mit dem, was du bescherest.

2. Ei, HErr, gib nur die Seligkeit,
Das ist das Allerbeste.
Wir sind doch hie ein kleine Zeit
Nichts anders, wie die Gäste.
Eh mans versieht, sind wir dahin,
Wohl dem, der da in seinem Sinn
Ist auf dein Wort gestorben. Amen.

Bartholomäus Ringwaldt – Ein Gebet nach dem Evangelio am Tage St. Johannis des Täufers.

Im Ton: Nun freut euch, liebe Christen gmein.

1. Wir danken dir, du frommer Gott,
Und tun dich herzlich loben,
Dass du den Fluch der zehn Gebot
Aus Gnad hast aufgehoben
Und aufgericht ein neuen Bund
In Christo, der uns macht gesund
An Leib und auch an Seele

2. Send uns getreue Lehrer zu,
Die Christum offenbaren,
Und uns vor falschen Zungen tu
Genädiglich bewahren,
Dass wir erlangen jene Freud
So uns dein Sohn mit Bitterkeit
Des Todes hat erworben.

3. Hilf auch durch deinen heilgen Geist,
Dass wir uns dessen freuen,
Und unser Leben allermeist
Im Gnadenbund verneuen,
Und dir allhie ohn Furcht und Scheu
Im Glauben als sein Rinder treu
Zu allen Zeiten dienen. Amen.

Bartholomäus Ringwaldt – Ein Gebet nach dem Evangelio am andern Sonntage nach Trinitatis.

Im Ton: Wär Gott nicht mit uns diese Zeit.

1. O Gott, der du im letzten Teil
Der Welt aus lauter Gnaden
Uns Heiden lasst zu deinem Heil.
Durchs Evangelium laden
Und willst, dass wir an deinen Sohn
Solln glauben und des Himmels Thron
In seinem Blut erlangen.

2. Hilf, dass wir solch hoch Abendmahl
Mit aller Freud annehmen
Und uns in diesem Jammertal
Desselben ja nicht schämen,
Sondern das Herz gar hängen dran
Und lieber Gut und Blut verlan,
Denn deinen Tisch der Gnaden.

3. Gib, dass wir solche Wohltat dein
Vor allen Dingen fassen
Und uns der Erden falschen Schein
Nicht mehr gelieben lassen,
Als wohl ihr viel tun in der Welt,
Die Acker, Ochsen, Haus und Geld
Über dem Himmel heben.

4. Lass uns der Welt nur als zur Not
Gebrauchen in dem Leben,
Aber aufs süße Himmelsbrot
Die größte Achtung geben,
Daran uns denn zu aller Frist
Das beste Teil geladen ist.
Wohl dem, der das erwählet! Amen.

Bartholomäus Ringwaldt – Ein Gebet nach dem Evangelio am Tage Corporis Christi, Joh. 6.

Im Ton: O Jesu, der du selig macht die bußfertigen Sünder.

Hilf Christe, dass wir fruchtbarlich
Dein Testament empfangen,
An deim Verdienst ganz festiglich
Mit wahrem Glauben hangen,
Und dankbar sein
Dem Leiden dein,
Dein Auferstehn verkünden
Mit wahrer Reu der Sünden,
Auch uns gar fein
Wie Brüderlein,
Stets wohl begehn
Und feste stehn
In Angst und schweren Leiden,
Bis wir einmal
Vom Jammertal
Auf dich fein sanft abscheiden. Amen.

Bartholomäus Ringwaldt – Ein Gebet zum heilgen Geist.

Im Ton: Nun freut euch, liebe Christen gmein.

1. Gott heilger Geist, hilf uns mit Grund
Auf Jesum Christ zu schauen,
Damit wir in der letzten Stund
Auf seine Wunden bauen,
Die er für uns nach Gottes Rat
Am‘ heilgen Kreuz empfangen hat
Zu Tilgung unsrer Sünde.

2. Durchs Wort in unsre Herzen schein
Und tu uns neu gebären,
Dass wir als Gottes Kinder rein
Vom bösen Wandel kehren
Und in dir bringen Früchte gut
So viel, als unser blöder Mut
In diesem Fleisch kann tragen.

3. In Sterbensnöten bei uns steh
Und hilf uns wohl verscheiden,
Dass wir fein sanft aus allem Weh
Hinfahren zu der Freuden,
Die uns der fromme Vater wert
Aus lauter Gnaden hat beschert
In Christo, seinem Sohne. Amen.

Bartholomäus Ringwaldt – Das Evangelium am Pfingstmontage.

Im Ton: Nun freut euch, lieben Christen gmein.

1. Also hat Gott die ganze Welt
Aus sonder Gnad geliebet,
Dass er für sie nicht Gut und Geld,
Noch etlich Engel gibet,
Sondern ihm gleich ein‘ hoh Person,
Sein zarten eingebornen Sohn,
Von Ewigkeit gezeuget.

2. Der hat den schweren Adamsfall
In seiner Menschheit müssen
Dem Vater sein zu Wohlgefall
Am Holz des Kreuzes büßen,
Auf dass ein jeder, der sich fest
Im Glauben auf sein Blut verlässt,
Das ewig Leben habe.

3. Ist das nicht lieb übr alle Lieb,
Die nicht steht auszudenken,
Dass Gott für seine Feind und Dieb
Lässt seinen Sohn erhenken
Und gibt den Erben für den Knecht,
Auf dass er auch in ihm gerecht
Und selig möge werden?

4. Denn Gott hat sein Sohn nicht gesandt,
Dass er die Menschen richte,
Sondern dass er mit starker Hand
Sie von der Sünd aufrichte
Und wieder bring ins Paradies,
Daraus sie Luzifer verstieß
Aus Neid mit seinen Lügen.

5. Wer nun an diesen Heiland gut,
So und der Vater geben,
Von ganzem Herzen gläuben tut,
Der hat das ewig Leben
Und ist ein heilig Gotteskind,
Das hie und dort Genade findt
Und kann den Tod nicht schmecken.

6. Wer aber Christo nicht vertraut,
Sein Lehr und Amt verachtet,
Und auf sein frei Vermögen baut,
Nach Menschensatzung trachtet,
Der ist gericht und schon verlorn,
Denn er gläubt nicht dem eingeborn
Sohn Gottes und Marien.

7. Das ist der tollen Welt Gericht,
Verdammnis, Schand und Schade,
Dass sie veracht des Himmels Licht
Und angebotne Gnade,
Will ihr von Sünd nicht helfen lan,
Bleibt willig auf der finstern Bahn
Und hat nur Lust zum Argen.

8. Sie hat das Licht und will doch nicht
Die Finsternis verlassen,
Derhalben tut ihr Angesicht
Der Sonnen Klarheit hassen
Und ist derselben bitter feind,
Auf dass ihr‘ Werk, so böse seind,
Nicht dürfen Straf erdulden.

9. Wer aber sich der Wahrheit fleißt,
Sich kennt und Christi Leiden,
Der kömmt herfür in seinem Geist
Tut falsche Lehr vermeiden,
Und lässt klar sehn vor jedermann,
Dass sein‘ Werk sind durch Gott getan
Und nicht im Fleisch ohn Glauben.

(Schlussgebet.)

Hilf, du getreuer Vater gut,
Dass wir dein Lieb erkennen,
Und dich nach frommer Kinder Mut
Herzlieber Vater nennen,
Darneben folgen deinem Rat
Und unsern Glauben mit der Tat
Uns Feind und Freund beweisen. Amen.

Bartholomäus Ringwaldt – Ein Gebet zum heiligen Geist.

Im Ton: Es ist das Heil uns kommen her.

1. O heilger Geist, du höchstes Gut,
In Gott die dritt Persone,
Der du ausgehst in gleichem Mut
Vom Vater und dem Sohne,
Bist wahrer Gott von Ewigkeit
Und wirst von aller Christenheit
Geehrt und angebetet.

2. Wir bitten dich, zeig uns doch an
Durch dein‘ gesalbten Knechte,
Was Gott der Vater hat getan
Beim menschlichen Geschlechte
In Jesu Christo, deinem Sohn,
Den er aus Lieb vom Himmelsthron
Uns Armen hat gesendet.

3. Mach uns dasselb Gehemnis klar,
Erleucht Herz, Mut und Sinne.
Dass wir den Schatz erfinden gar,
Der heimlich steckt darinne,
Und dessen uns getrösten fein,
Wenn wir in großen Ängsten sein,
Im Leben oder Sterben.

4. Bring uns die Weisheit in Verstand,
So uns sonst ist verborgen,
Dass wir getrauen Gottes Hand,
Den lassen für uns sorgen
Und ihn vollbringen, was er hat
In uns nach seinem guten Rat
Zu wirken angefangen.

5. Versiegel uns in seiner Gnad,
Dass wir sie recht erkennen,
Und Jesum Christum früh und spat
Ein HERRN des Lebens nennen,
So wohl ihn herzlich rufen an
Und seine Lehr vor jedermann
Bis in den Tod bezeugen.

6. Führ uns mit deiner Kraft gewiss
In einem neuen Leben,
Auf dass wir ja kein Ärgernis
Empfangen oder geben,
Weder mit Lehr, noch bösem Rat,
Sondern den Glauben mit der Chat
Vor aller Welt beweisen.

7. Teil uns dein Gnad all Stunden mit,
Salb uns mit deinem Öle,
Dazu mit Seufzen uns vertritt
Und tröst die arme Seele
Im Kreuz mit deiner süßen Gunst
Und gib uns wahre Gottesbrunst,
Einander recht zu lieben.

8. Verleih uns auch ein frischen Mut
Und hilf uns ernstlich kämpfen,
Dass wir die Welt und unser Blut
Mit ihrer Reizung dämpfen,
Und endlich selig schlafen ein,
Wenn unsre Stund wird kommen sein
Von hinnen abzuscheiden. Amen.

Bartholomäus Ringwaldt – Ein Gebet nach dem Evangelio am Sonntage Exaudi.

Im Ton: Wo Gott der Herr nicht bei uns hält.

1. HErr Christ, der du ja haben willt,
Dass wir in diesem Leben
Des Glaubens halb nach deinem Bild
Am Kreuz auch sollen schweben,
Verleih uns doch Geduld dazu,
Die Schwachheit in uns heilen tu
Und stärke deine Brüder.

2. Sieh HErr, wir sind nur Fleisch und Blut
Ganz ungeschickt zum Fragen;
Menschlich Vermögen zappeln tut
Und kann nicht mehr, als klagen.
Steh uns mit deinem Geiste bei,
Geduld und Glaubenskraft verleih,
Aus deinem Kelch zu trinken.

3. Wolln wir doch nach dem Geiste gern
um deinet willen leiden;
Tu uns nur Herz und Mut beschern
Beständig abzuscheiden.
Sei selber unser starker Grund
Und hilf uns in der letzten Stund
Den Tod wohl überwinden. Amen.

Bartholomäus Ringwaldt – Ein Gebet nach dem Evangelio am Sonntage Vocem Jucunditatis

Ein Gebet nach dem Evangelio am Sonntage Vocem Jucunditatis1Rogate.

Im Ton: Nun freut euch liebe Christen gmein.

1. Herr Christ, der du befohlen hast,
Ohn Unterlass zu beten,
Und sprichst, dass wir in Kreuzeslast
Zum Vater sollen treten
Und ihn getrost anrufen fein
Auf dein Verdienst im Namen dein,
So wird er uns erhören.

2. Wir bitten deine Majestat
In diesem armen Leben,
Weil dir der Vater alles hat
Vollkommen übergeben,
Und dass du aus geneigtem Mut
Eim jeden, der ihn ehren tut,
In dir sollst Hülf erzeigen:

3. Erhalt uns in der Wahrheit dein,
So du uns hast gegeben,
Und lass uns ungesondert sein,
Wie am Weinstock die Reben,
Auf dass wir eins sein jeder Frist,
Wie du mit deinem Vater bist
Im Wesen und im Willen.

4. Send uns auch deinen Tröster zu,
Bis wir von hinnen scheiden,
Auf dass er uns vertreten tu
Mit Seufzen, wenn wir leiden.
Denn sieh, wir schwachen Menschenkind
Nicht stark noch klug genugsam sind,
Zu beten, wie wir sollten.

5. Durch diesen deinen Freudengeist
Den Glauben in uns gründe
Und unser Herz zum allermeist
In deiner Lieb entzünde,
Dass wir vermögen unser Blut,
So oft, als es von Nöten tut,
Um deinet willn vergießen.

6. Verleih uns auch des Leibes Teil,
Die Frucht des Landes segen,
Gib frommer Herrschaft Glück und Heil,
Gut Sonnenschein und Regen;
Vor Unfried, Pest und teurer Zeit,
Vor Wasser, Brand und großem Leid
Bewahre deine Brüder.

7. Den kranken Menschen Hülf beweis,
Tröst all betrübte Herzen,
Sie mit dem Brot des Himmels speis
Und lindre ihre Schmerzen;
Hilf allen Christen überall
Und nimm sie aus dem Jammertal
Zu dir in deine Ruhe. Amen.

Bartholomäus Ringwaldt – Ein Gebet nach dem Evangelio am Tage Philippi et Jacobi, Joh. 14.

Im Ton: Nun freut euch, liebe Christen gmein.

1. Christe, des Vaters Bild und Glanz,
Sein Meinung, Will und Herze,
Der du in deiner Menschheit ganz
Für uns des Todes Schmerzen
Auf dich genommen und damit
Erworben einen freien Tritt
Uns Armen zu dem Vater.

2. Hilf, dass wir glauben dir allein,
Von deinem Wort nicht weichen,
Auf dass wir in den Himmel ’nein
Zu deinem Vater schleichen,
Wo du uns Wohnung, Ruh und Rast
Durch seinen Tod erworben hast,
Und durch dein Auferstehen.

3. Gib, dass wir solches glauben fest,
Kein Gfahr darüber scheuen,
Und dieses Schatzes uns aufs Best
In diesem Elend freuen,
Bis dass wir solche Herrlichkeit
Dort werden bis in Ewigkeit
Einnehmen und besitzen. Amen.