Johann Olearius – Gott ist und bleibt der Wundermann,

Gott ist und bleibt der Wundermann,
der Viel aus Wenig machen kann;
wer Gott vertraut, dem mangelt’s nicht;
denn Gott weiß wohl, was dir gebricht.

2. Wenn dir wird alle Hülf versagt,
wenn Angst und Not dich drückt und plagt,
so schrei zu ihm: er lässt dich nicht,
weil sein Wort Trost und Hülf verspricht.

3. Wenn er will helfen, muss geschwind
dir dienen Wasser, Luft und Wind,
ein Bröcklein Brot aus Gottes Hand
tut mehr als dein Witz und Verstand.

4. Drum, wenn dein Tun will nirgend fort,
so halt dich fest an Gottes Wort;
trau‘ nur auf ihn, er sorgt für dich
hier zeitlich und dort ewiglich.

Johann Olearius – Gott fährt mit Jauchzen auf

Gott fährt mit Jauchzen auf und mit Posaunen Klange;
Viel tausend Engel sind sein Wagen mit Gesange;
die Wolken heben ihn als Schöpfer hoch empor.
Triumph, Triumph, Triumph! singt ihm der Engel Chor.

2. Der Heiland setzet sich zu seines Vaters Rechten
mit großer Herrlichkeit. O, wohl uns, armen Knechten,
trotz Teufel und der Welt, trotz aller Feinde Macht,
weil er zugegen ist, und mächtig für uns wacht.

3. Wohlan, du brichst die Bahn, du bist uns vorgegangen,
wir sehen dir noch nach, Herr Jesu! mit Verlangen;
lass unser Herz nach dir, mein Schatz! gerichtet sein,
dass wir auch dermaleinst zum Himmel gehen ein.

Heinrich Cäsar – In dieser Abendstunde

In dieser Abendstunde
Will ich, o Herr, dir nahn:
Ich lob‘ aus Herzensgrunde,
Was du an mir getan;
Nimm, Herr, mein Beten an!

Ich gebe dir die Ehre,
Mein treuer Herr und Gott!
Hilf, dass ich sie vermehre
In Freud‘ und aller Not,
Auch endlich in dem Tod.

Ich rühme deine Gaben
Und bitte ferner dich:
Woll’st Leib und Seele laben;
Der Sünde Macht zerbrich,
So schlaf‘ ich sicherlich.

Einst werde ich mit Wonne
Dort lieblich schauen an
Dich, Jesu, meine Sonne,
Und nach der Pilgerbahn
Dich ewig umfahn.

Eh‘ ich von hinnen fahre,
Bitt‘ ich, o treuer Gott!
Mich väterlich bewahre
Vor bösem, schnellem Tod;
Hilf mir aus aller Not!

Zu bringen Lob und Ehre,
Bin ich dir, Herr, bereit;
Den schwachen Glauben mehre,
Dann lass mich nach der Zeit
Eingehn zur Herrlichkeit.

Johann Friedrich Mudre – Werde Licht, Du Volk der Heiden

Werde Licht, Du Volk der Heiden
Werde Licht, Jerusalem!
Dir geht auf ein Glanz der Freuden
Vom geringen Bethlehem.
Er, das Licht und Heil der Welt,
Christus hat sich eingestellt.

2. Ehe dieses Licht erschienen,
Das die Völker wünschten, lag
Dicke Finsternis auf ihnen;
Doch uns scheinet lichter Tag
Und ein strahlenvoller Stern
Führt uns sicher zu dem Herrn.

3. Aber ach! Von deinem Volke
Wirst du, Heiland, nicht erkannt,
Und des Irrtums finstre Wolke
Überschattet noch kein Land;
Über Salem strahlt dein Licht,
Aber Salem kennt Dich nicht.

4. Weise kommen anzubeten,
Auch Herodes fragt nach dir,
Aber fragt nur, dich zu töten,
Wo du seist, voll Blutbegier;
Gern vergösse seine Wut,
du Herr der Welt, dein Blut!

5. Ach verwerfet doch ihr Sünder,
Den nicht, der euch retten kann;
Kommt und werdet Gottes Kinder.
Betet euren König an!
Eilt zu ihm und säumet nicht,
Macht euch auf und werdet Licht!

6. Nun wir eilen mit Verlangen
Dich zu ehren, sind bereit
Dich, o Heiland, zu empfangen;
Zeig uns deine Herrlichkeit!
Unsre Kniee beugen sich,
Unser Glaub‘ umfasset dich.

7. Auf des Lebens Pfad geleite
Täglich uns dein Geist und Wort;
Gib uns Mut zum guten Streite,
Daß wir siegen fort und fort,
Stets an deiner Seite gehn,
Nie verzagend stille stehn.

18. In des Leidens Finsternissen
Leucht uns deines Trostes Licht!
Ach, in unsern Kümmernissen,
Jesu, ach, verlass uns nicht,
Bis uns in der Ewigkeit
Deines Lichtes Glanz erfreut.

9. Wandern wir im finstern Tale
Endlich näher hin ans Grab,
Dann sei unser Licht und strahle
Himmelstrost auf uns herab,
Daß wir ohne Furcht und Grau’n
Unserm Tod entgegenschau’n.

Joachim Lange – O Jesu süßes Licht

Weise : O Gott du frommer Gott.

O Jesu süßes Licht
nun ist die Nacht vergangen,
nun hat dein Gnadenglanz
aufs Neue mich umfangen.
Nun ist was an mir ist
vom Schlafe aufgeweckt
und hat nun in Begier
zu dir sich ausgestreckt.

2. Was soll ich dir denn nun
mein Gott für Opfer schenken?
Ich will mich ganz und gar
in deine Gnad einsenken,
mit Leib, mit Seel, mit Geist,
heut diesen ganzen Tag.
Das soll mein Opfer sein,
weil ich sonst nichts vermag.

3. Drum siehe da mein Gott,
da hast du meine Seele.
Sie sei dein Eigentum,
mit ihr dich heut vermähle
in deiner Liebeskraft.
Da hast du meinen Geist,
darinnen wollst du dich
verklären allermeist.

4. Da sei denn auch mein Leib
zum Tempel dir ergeben,
zur Wohnung und zum Haus.
Ach allerliebstes Leben,
ach wohn, ach leb in mir,
beweg und rege mich.
So hat Geist Seel und Leib
mit dir vereinigt sich.

5. Dem Leibe hab ich jetzt
die Kleider angeleget,
lass meiner Seelen sein
dein Bildnis eingepräget
im güldnen Glaubensschmuck,
in der Gerechtigkeit,
so allen Seelen ist
das rechte Ehrenkleid.

6. Mein Jesu schmücke mich
mit Weisheit und mit Liebe,
mit Keuschheit und Geduld
durch deines Geistes Triebe.
Auch mit der Demut mich
vor allem kleide an.
So bin ich wohl geschmückt
und köstlich angetan.

7. Lass mir dich diesen Tag
stets vor den Augen schweben.
Lass dein Allgegenwart
mich wie die Luft umgeben,
auf dass mein ganzes Tun
durch Herz durch Sinn und Mund
dich lobe inniglich
mein Gott zu aller Stund.

8. Ach segne was ich tu,
ja rede und gedenke.
Durch deines Geistes Kraft
es also führ und lenke,
dass alles nur gescheh
zu deines Namens Ruhm,
und dass ich unverrückt
verbleib dein Eigentum.

Johann Christoph Fröbing – Herr! vor dem die Engel knieen

1. Herr! vor dem die Engel knieen
Und in sel’ger Andacht glühen;
Herr, dem Sonne, Mond und Sterne
Willig dienen nah und ferne;
Herr von unzählbaren Reichen,
Großer König ohne gleichen:
Du vergönnst auch mir zu beten,
Kindlich vor dich hinzutreten.

2. Alles darf ich dir bekennen,
Darf im Sohn dich Vater nennen,
Und du blickst, wie Väter pflegen,
Mir voll Lieb‘ und Huld entgegen;
Hörst, was ich von dir begehre,
Trocknest meines Jammers Zähre,
Gibst mir, noch vor meinem Flehen,
Über Bitten und Verstehen.

3. O so höre, Vater, höre,
Was ich demutvoll begehre:
Lass mich inniglich entbrennen,
Dich zu suchen, zu erkennen,
Daß mich, wo ich bin und lebe,
Deine Herrlichkeit umschwebe,
Und ich dich in Freud‘ und Schmerzen
Immer trag‘ in meinem Herzen!

4. Er, der für uns wollte sterben
Zur Erlösung vom Verderben,
Jesus, bleibe meine Freude,
Dass ich nie von ihm mich scheide.
Mag der Weltsinn auch das Sehnen
Meines Herzens stolz verhöhnen:
Halt mich fest in diesem Glauben,
Lass mir nichts dies Kleinod rauben.

5. Deinen Geist, der Schwachen Führer,
Gib auch mir, Gott, zum Regierer,
Dass ich keinen Pfad erwähle,
Drauf ich meines Ziels verfehle;
Daß ich treu nach Wahrheit ringe,
Jede Sündenlust bezwinge,
Christlich froh sei, christlich leide,
Christlich fromm auch einst abscheide.

6. Willst du, Herr, zum Geistesleben
Auch noch Erdengut mir geben:
Gib Gesundheit, Mut und Kräfte,
Segen zum Berufsgeschäfte,
Dass ich, Dürstige zu laben,
Immer mög‘ ein Scherflein haben,
Und dass Liebe, Fried‘ und Treue
Mich bei deinem Volk erfreue.

Joachim Lange – Herr, wann wirst du Zion bauen,

Herr, wann wirst du Zion bauen,
Zion, die geliebte Stadt,
Die sich dir ergeben hat?
Ach, soll sie nicht einmal schauen
Ihre Mauern aufgericht’t?
Ja, der Herr verlässt sie nicht!

2. O wann wird die Stimm‘ erschallen,
Da man rufet überall
In der Auserwählten Zahl:
Babel, Babel ist gefallen,
Die mit ihrer stolzen Pracht
Alle Welt zum Fall gebracht!

3. Höre, wie dein Zion klaget
Unter Babels Dienstbarkeit,
Jetzt in dieser finstern Zeit!
Doch, du wirst den, der sie plaget,
Stürzen bald durch deine Macht,
Und vertilgen Babels Pracht.

4. Drücke uns dein heil’ges Siegel
An die Stirne, an die Hand,
Dir zu Ehren, uns zum Pfand,
Dass wir uns durch Glaubensflügel
Können schwingen himmelan,
Da uns niemand schaden kann.

5. Zeichne mit dem heil’gen Zeichen
Uns, dein Volk, dein Eigentum,
Treuer Jesu, höchster Ruhm!
So muß Satan von uns weichen,
Und der Mensch der Sünde flieht,
Wo er deine Siegel sieht.

6. O wie wird dein Volk dich ehren,
Wann es nun entrissen ist
Babels Stolz, des Tieres List!
Deinen Ruhm wird es vermehren,
Und in alle Ewigkeit
Dich zu loben sein bereit.

7. Zion, sei denn unbetrübet!
Die Erquickungszeit ist da,
Und des Herren Hilf ist nah‘.
Selig, der sich ihm ergibet,
Und vor seinem Heiland kann
Siegeslieder stimmen an!

Gerhard Tersteegen – Von dem gebenedeieten Namen JEsu.

Von dem gebenedeieten Namen JEsu.

1.

JEsus-Nam, du höchster Name,
Dem sich Erd und Himmel beugt;
Der aus GOttes Herzen kame,
Und in GOttes Herz uns zeucht;
Ich ersink in Demut hier,
Innigst beug ich meine Knie;
Ich will mit der Engel Chören
Diesen großen Namen ehren.

2.

JEsus-Nam, du Lebensbrunne,
Lieblich kühlend Wässerlein;
Aus der Angst wird Freud und Wonne,
Wann du fleuß’st ins Herz hinein:
Ach eröffne dich im Grund
Und durchfleuß mich alle Stund:
Dass die dürre Herzenserde
Recht erquickt und fruchtbar werde.

3.

JEsus-Nam, du sanftes Öle,
Liebesbalsam voller Kraft;
Ohne dich bleibt meine Seele
Stets in GOttes Zorn verhaft:
Außer dir ist Angst und Not,
Furcht und Zweifel, Fluch und Tod;
Wer in dir, o Liebe, wohnet,
Bleibt vor allem Zorn verschonet.

4.

JEsus-Nam, mich ganz durchsüße,
Mach mein krankes Herz gesund:
Sanfte Liebe, komm, durchfließe
Meine Kräfte, meinen Grund,
Dass ich sanft, gelassen, klein
Und geschmeidig möge sein;
Dass man mög‘ aus meinem Wesen
Deine süße Liebe lesen.

6.

JEsus-Nam, du liebster Name,
Himmels-Manna, Seelenbrot,
Speise, die vom Himmel kame,
Schau, ich leide Hungersnot:
In dich liebster Nam allein
Kehr ich die Begierden ein;
Gib dich mir, du Gnadenfülle,
Meinen tiefen Hunger stille.

6.

JEsus-Nam, du Kraft der Schwachen,
Meiner Seelen Aufenthalt;
Alle Höllenpforten krachen,
Wann der Nam im Herzen schallt:
O du sichres Schloß der Ruh,
Nimm mich ein und deck mich zu;
Da kann mich kein Feind mehr finden,
Da muß alle Furcht verschwinden.

7.

JEsus-Nam, du Perl der Seelen,
O wie köstlich bist du mir!
Dich will ich zum Schatz erwählen;
Was ich wünsch, ist ganz in dir,
Gnade, Kraft und Heiligkeit,
Leben, Ruh und Seligkeit:
Dieser Name, dieser neue
Ewig meine Seel erfreue.

8.

JEsus will die Sünd‘ vergeben:
JEsus macht von Sünden rein;
JEsus gibt das ew’ge Leben;
JEsus will nur JEsus sein:
du schönes JEsus- Wort!
JEsu, laß mich hier und dort,
Mit gebücktem Geist den Namen
Ewiglich anbeten, Amen.

Nikolaus Freiherr von Zinzendorf – Wer den Herren Jesum

Wer den Herren Jesum
Nicht recht innig liebet,
Und doch zu verstehen giebet,
Dass er’s Kreuz erwählet,
Und ein Christe heißet,
Und mit guten Werken gleißet:
Solcher Mann
Ist im Bann,
Und hat Fluch und Wehe
Ordentlich zur Ehe.

2. Wer den Heiland liebet,
und für’s Haupt erkennet,
Und sich Glied am Leibe nennet,
Und will sich entziehen,
Wenn das Haupt sich reget,
Und den Leib ihm nach beweget:
Der verdirbt
Und er stirbt,
Wie die dürren Blätter
Bei dem rauhen Wetter.

3. Sollen und nicht wollen,
Das ist eine Schande
In dem ew’gen Vaterlande.
Will man ehrlich bleiben,
Und vor Gottes Herden
Nicht ein böser Bube werden,
Muss man sich
Lediglich
Dem zum Knecht ergeben,
Dem sie Alle leben.

4. Spricht ein Ton zum Töpfer:
Was willst du für Sachen
Aus mir oder mit mir machen?
So verwirrt ist eines,
Das sich nicht geschaffen,
Und doch will in’s Weite gaffen,
Oder nur
Von der Spur,
Die zum Ziel soll führen,
Nebenaus spazieren.

5. Darum war der Juden
Heilige Regierung
Und noch so beglückte Führung
Nur ein prächtig’s Elend,
Ein gelehrter Jammer
Und geschmückte Marterkammer,
Weil man da
Doch nichts sah,
Als ein ewigs Sollen
Ohne Kraft und Wollen.

6. Aber unsre Schule
Bei dem liebsten Meister
Ist ein Glück für edle Geister.
Was er uns befiehlet,
Das sind lauter Sachen,
Die man gerne wollte machen,
Und die man
Machen kann.
Drum ist nichts so heiter,
Als ein Jesus-Streiter.

7. Wir sind keine Sklaven,
Sondern freie Diener
Von dem blutigen Versühner,
Der uns zwingen könnte,
Und nicht will vor Liebe,
Sondern fordert Herzenstriebe.
Aber dies
Ist gewiß:
Seiner Liebe Dringen
Kann am besten zwingen.

8. Geht dann wohlgemut,
Wollt und könnt in Allem,
Was dem Lamme wird gefallen,
Und zu allem Andern
Seid durchaus nicht tüchtig;
Haltet eure Gnade wichtig;
Geht im Sinn
Christi hin
Auf dem Gnadenpfade,
Munter und gerade.

Johann Ernst Greding – Der am Kreuz ist meine Liebe

Der am Kreuz ist meine Liebe,
Er allein in dieser Welt!
Ach, wenn Er’s doch ewig bliebe,
Der mir jetzt so wohl gefällt;
Nun es bleibe fest dabei,
Und mir jede Stunde neu,
Sei es heiter, sei es trübe:
Der am Kreuz ist meine Liebe!

Zwar es ist mir unverborgen
Dieser Liebe Kampf und Müh‘;
Schmach, Verfolgung, Not und Sorgen,
Kreuz und Trübsal bringet sie.
Ja, wenn der Geliebte will,
Ist kein bitt’rer Tod zu viel;
Doch es gehe noch so trübe :
Der am Kreuz ist meine Liebe!

Lieber wähl‘ ich diese Plage
Und der Liebe schweren Stand,
Als die sichern, guten Tage
Und der Ehre eiteln Tand.
Heiß ich immerhin ein Tor,
Schmeichle mir die Welt ins Ohr
Dass ich ihre Lust mitübe:
Der am Kreuz ist meine Liebe!

Aber wisst ihr meine Stärke
Und was mich so mutig macht,
Daß mein Herz des Fleisches Werke
Und des Satans Grimm verlacht?
Lieb‘ ist stärker als der Tod!
D’rum so fürcht‘ ich keine Not,
Die mich schrecke und betrübe,
Der am Kreuz ist meine Liebe!

Diese Liebe lohnet endlich,
Führet uns ins Vaterhaus,
Ist zur letzten Zeit erkenntlich,
Und teilt Kränz‘ und Kronen aus,
Ach, dass Macht von Oben doch
Jedes Herz auf Erden noch
Freudig zu bekennen triebe:
Der am Kreuz ist meine Liebe!