Gerhardt, Paul – Wir singen dir, Immanuel

Wir singen dir, Immanuel,
du Lebensfürst und Gnadenquell,
du Himmelsblum und Morgenstern,
du Jungfraunsohn, Herr aller Herrn!
Halleluja!

Wir singen dir in deinem Heer
aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr,
daß du, o lang gewünschter Gast,
dich nunmehr eingestellet hast.
Halleluja!

Von Anfang, da die Welt gemacht,
hat so manch Herz nach dir gewacht,
dich hat gehofft so lange Jahr
der Väter und Propheten Schar.
Halleluja!

Vor andern hat dein hoch begehrt
der Hirt und König deiner Herd,
der Mann, der dir so wohl gefiel,
wann er dir sang auf Saitenspiel.
Halleluja!

„Ach, daß der Herr aus Zion käm
und unsre Bande von uns nähm!
Ach, daß die Hülfe bräch herein,
so würde Jakob fröhlich sein!“
Halleluja!

Nun, du bist hier, da liegest du,
hältst in dem Kripplein deine Ruh,
bist klein und machst doch alles groß,
bekleidst die Welt und kommst doch bloß.
Halleluja!

Du kehrst in fremder Hausung ein,
und sind doch alle Himmel dein;
du liegst an deiner Mutter Brust
und bist doch selbst der Engel Lust.
Halleluja!

Du hast dem Meer sein Ziel gesteckt
und wirst mit Windeln zugedeckt;
bist Gott und liegst auf Heu und Stroh,
wirst Mensch und bist doch A und O.
Halleluja!

Du bist der Ursprung aller Freud
und duldest so viel Herzeleid;
bist aller Heiden Trost und Licht,
suchst selber Trost und findst ihn nicht.
Halleluja!

Du bist der größte Menschenfreund,
doch sind dir so viel Menschen feind;
Herodes achtet dich für Greul
und bist doch nichts als lauter Heil.
Halleluja!

Ich aber, dein geringster Knecht,
ich sag es frei und mein es recht:
ich liebe dich, doch nicht so viel,
als ich dich gerne lieben will.
Halleluja!

Der Will ist da, die Kraft ist klein,
doch wird dir nicht zuwider sein
mein armes Herz, und was es kann,
wirst du in Gnaden nehmen an.
Halleluja!

Hast du doch selbst dich schwach gemacht,
erwähltest, was die Welt veracht’t;
warst arm und dürftig, nahmst vorlieb
da, wo der Mangel dich hintrieb.
Halleluja!

Du schliefst ja auf der Erden Schoß;
so war das Kripplein auch nicht groß;
der Stall, das Heu, das dich umfing,
war alles schlecht und sehr gering.
Halleluja!

Darum so hab ich guten Mut;
du wirst auch halten mich für gut.
O Jesulein, dein frommer sinn
macht, daß ich so voll Trostes bin.
Halleluja!

Und bin ich gleich der Sünde voll,
hab ich gelebt nicht, wie ich soll:
ei, kommst du doch deswegen her,
daß sich der Sünder zu dir kehr.
Halleluja!

Hätt ich nicht auf mir Sündenschuld,
hätt ich kein Teil an deiner Huld;
vergeblich wärst du mir geborn,
wenn ich nicht wär in Gottes Zorn.
Halleluja!

So faß ich dich nun ohne Scheu,
du machst mich alles Jammers frei,
du trägst den Zorn, du würgst den Tod,
verkehrst in Freud all Angst und Not.
Halleluja!

Du bist mein Haupt, hinwiederum
bin ich dein Glied und Eigentum
und will, so viel dein Geist mir gibt,
stets dienen dir, wie dirs beliebt.
Halleluja!

Ich will dein Halleluja hier
mit Freuden singen für und für
und dort in deinem Ehrensaal
solls schallen ohne Zeit und Zahl.
Halleluja!

Gerhardt, Paul – Warum willst du draußen stehen

Warum willst du draußen stehen,
du Gesegneter des Herrn?
Laß dir bei mir einzugehen
wohlgefallen, du mein Stern!
Du mein Jesus, meine Freud,
Helfer in der rechten Zeit,
hilf, o Heiland, meinem Herzen,
von den Wunden, die mich schmerzen.

Meine Wunden sind der Jammer,
Welchen oftmals Tag und Nacht
Des Gesetzes starker Hammer
Mir mit seinem Schrecken macht.
O der schweren Donnerstimm,
Die mit Gottes Zorn und Grimm
Also tief ins Herze schläget,
Daß sich all mein Blut beweget.

Dazu kommt des Teufels Lügen,
Der mir alle Gnad absagt,
Als müßt ich nun ewig liegen
In der Höllen, die ihn plagt:
Ja auch, was noch ärger ist,
So zermartert und zerfrißt
Mich mein eigenes Gewissen
Mit vergift’ten Schlangenbissen.

Will ich denn mein Elend lindern
und erleichtern meine Not
bei der Welt und ihren Kindern,
fall ich nur in neue Not:
da ist Trost, der mich betrübt,
Freude, die mein Unglück liebt,
Helfer, die mir Herzleid machen,
gute Freunde, die mein lachen.

In der Welt ist alles nichtig,
nichts ist, das nicht kraftlos wär.
Hab ich Hoheit, die ist flüchtig;
Hab ich Reichtum, was ists mehr
als ein Stücklein armer Erd?
Hab ich Lust, was ist sie wert?
was ists, das mich heut erfreuet,
das mich morgen nicht gereuet?

Aller Trost und alle Freude
ruht in dir, Herr Jesus Christ:
dein Erfreuen ist die Weide,
da man immer fröhlich ist.
Leuchte mir, o Freudenlicht,
ehe mir mein Herze bricht,
laß mich, Herr, an dir erquicken,
Jesus, komm, laß dich erblicken.

Freu dich, Herz, du bist erhöret,
jetzo zeucht er bei dir ein;
sein Gang ist zu dir gekehret,
heiß ihn nur willkommen fein
und bereite dich ihm zu,
gib dich ganz zu seiner Ruh,
öffne dein Gemüt und Seele,
klag ihm, was dich drück und quäle.

Siehest du, wie sich alles setzet,
Was dir vor zuwider stund?
Hörst du, wie er dich ergötzet
Mit dem zuckersüßen Mund?
Ei, wie läßt der große Drach
All sein Tun und Toben nach!
Er muß aus dem Vorteil ziehen
Und in seinen Abgrund fliehen.

Nun, du hast ein süßes Leben;
Alles, was du willst, ist dein.
Christus, der sich dir ergeben,
Legt sein Reichtum bei dir ein.
Seine Gnad ist deine Kron
Und du bist sein Hütt‘ und Thron.
er hat dich in sich geschlossen,
Nennt dich seinen Hausgenossen.

Seines Himmels güldne Decke
Spannt er um dich ringsherum,
Daß dich fort nicht mehr erschrecke
Deines Feindes Ungestüm.
Seine Engel stellen sich
Dir zur Seiten, wann du dich
Hier willst oder dorthin wenden,
Tragen sie dich auf den Händen.

Was du Böses hast begangen,
das ist alles abgeschafft;
Gottes Liebe nimmt gefangen
deiner Sünden Macht und Kraft.
Christi Sieg behält das Feld,
und was Böses in der Welt
sich will wider dich erregen,
wird zu lauter Glück und Segen.

Alles dient zu deinem Frommen,
was dir bös und schädlich scheint,
weil dich Christus angenommen
und es treulich mit dir meint.
Bleibst du dem nur wieder treu,
ists gewiß und bleibt dabei,
daß du mit den Engeln droben
ihn dort ewig werdest loben.

Gerhardt, Paul – Wie soll ich dich empfangen

Wie soll ich dich empfangen
und wie begegn’ ich dir,
o aller Welt Verlangen,
o meiner Seelen Zier?
O Jesus, Jesus, setze
mir selbst die Fackel bei,
damit, was dich ergötze,
mir kund und wissend sei.

Dein Zion streut dir Palmen
und grüne Zweige hin,
und ich will dir in Psalmen
ermuntern meinen Sinn.
Mein Herze soll dir grünen
in stetem Lob und Preis
und deinem Namen dienen,
so gut es kann und weiß.

Was hast du unterlassen
zu meinem Trost und Freud?
Als Leib und Seele saßen
in ihrem größten Leid,
als mir das Reich genommen,
da Fried und Freude lacht,
da bist du, mein Heil, kommen
und hast mich froh gemacht.

Ich lag in schweren Banden,
du kamst und machst mich los;
ich stand in Spott und Schanden,
du kommst und machst mich groß
und hebst mich hoch zu Ehren
und schenkst mir großes Gut,
daß sich nicht läßt verzehren,
wie irdisch Reichtum tut.

Nichts, nichts hat dich getrieben
zu mir vom Himmelszelt,
als dein getreues Lieben,
damit du alle Welt
in ihren tausend Plagen
und großen Jammerlast,
die kein Mund kann aussagen,
so fest umfangen hast.

Das schreib dir in dein Herze,
du hochbetrübtes Heer,
bei denen Gram und Schmerze
sich häufet mehr und mehr.
Seid unverzagt, ihr habet
die Hülfe vor der Tür;
der eure Herzen labet
und tröstet, steht allhier.

Ihr dürft euch nicht bemühen,
noch sorgen Tag und Nacht,
wie ihr ihn wollet ziehen
mit eures Armes Macht.
Er kommt, er kommt mit Willen,
ist voller Lieb und Lust,
all Angst und Not zu stillen,
die ihm an euch bewußt.

Auch dürft ihr nicht erschrecken
vor eurer Sündenschuld;
nein, Jesus will sie decken
mit seiner Lieb und Huld.
Er kommt, er kommt den Sündern
zum Trost und wahren Heil,
schafft, daß bei Gottes Kindern
verbleib ihr Erb und Teil.

Was fragt ihr nach dem Schreien
der Feind und ihrer Tück?
Der Herr wird sie zerstreuen
in einem Augenblick.
Er kommt, er kommt, ein König,
dem alle Macht und List
der Feinde viel zu wenig
zum Widerstande ist.

Er kommt zum Weltgerichte,
zum Fluch dem, der ihm flucht,
mit Gnad und süßem Lichte
dem, der ihn liebt und sucht.
Ach komm, ach komm, o Sonne,
und hol uns allzumal
zum ewgen Licht und Wonne
in deinen Freudensaal.

Gerhardt, Paul – Die Zeit ist nunmehr da

Die Zeit ist nunmehr nah‘,
Herr Jesu! du bist da.
Die Zeichen, die den Leuten
Dein‘ Ankunft sollen deuten,
Die sind, wie wir gesehen,
In großer Zahl geschehen.

Was soll ich denn nun thun?
Ich soll auf dem beruhn,
Was du mir hast verheißen:
Daß du mich wollest reißen
Aus meines Grabes Kammer
Und allem andern Jammer.

Ach, Jesu! wie so schön
Wird mir’s alsdann ergeh’n?
Du wirst mit tausend Blichen
Mich durch und durch erquicken,
Wann ich hier von der Erde
Zu dir mich schwingen werde.

Ach! was wird doch dein Wort,
O süßer Seelenhort,
Was wird doch sein dein Sprechen,
Wenn dein Herz aus wird brechen,
Zu mir und meinen Brüdern,
Als deines Leibes Gliedern?

Werd‘ ich dann auch vor Freud‘
In solcher Gnadenzeit
Den Augen ihre Zähren
Und Thränen können wehren,
Daß sie mir nicht mit Haufen
Auf meine Wangen laufen?

Was für ein schönes Licht
Wird mir dein Angesicht,
Das ich in jenem Leben
Werd‘ erstmal sehen, geben?
Wie wird mir deine Güte
Entzücken mein Gemüthe!

Dein‘ Augen, deinen Mund,
Den Leib, der noch verwund’t,
Da wir so fest auf trauen,
Das werd‘ ich alles schauen;
Auch innig, herzlich grüßen
Die Mahl‘ an Händ‘ und Füßen.

Dir ist allein bewußt
Die ungefälschte Lust
Und edle Seelenspeise
In deinem Paradeise;
Die kannst du wohl beschreiben,
Ich kann nicht mehr als gläuben.

Doch, was ich hier gegläubt,
Das steht gewiß, und bleibt
Mein Theil, dem gar nicht gleichen
Die Güter aller Reichen:
All and’res Gut vergehet,
Mein Erbtheil, das bestehet.

Ach, Herr! mein schönstes Gut,
Wie wird sich all mein Blut
In allen Adern freuen,
Und auf das Neu‘ erneuen,
Wenn du mir wirst mit Lachen
Dein‘ Himmelsthür‘ aufmachen?

Komm her, komm und empfind‘,
O auserwähltes Kind!
Komm,. schmecke, was für Gaben
Ich und mein Vater haben!
Komm, wirst du sagen, weide
Dein Herz in ew’ger Freude!

Ach du so arme Welt!
Was ist dein Gold und Geld,
Hier gegen diesen Kronen
Und mehr als gold’nen Thronen,
Die Christus hingestellet
Dem Volk, das ihm gefället?

Hier ist der Engel Land,
Der sel’gen Seelen Stand,
Hier hör‘ ich nichts als singen,
Hier seh‘ ich nichts als springen,
Hier ist kein Kreuz, kein Leiden,
Kein Tod, kein bittres Scheiden.

Halt‘ ein, mein schwacher Sinn,
Halt‘ ein, wo denkst du hin?
Willst du, was grundlos, gründen?
Was unbegreiflich, finden?
Hier muß der Witz sich neigen
Und alle Redner schweigen.

Dich aber, meine Zier,
Dich laß ich nicht von mir,
Dein will ich stets gedenken,
Herr, der du mir wirst schenken
Mehr, als mit meiner Seelen
Ich wünschen kann und zählen.

Ach! wie ist mir so weh‘,
Eh‘ ich dich aus der Höh‘
Her sehe zu uns kommen:
Ach, daß zum Heil der Frommen,
Du meinen Wunsch und Willen
Noch möchtest heut‘ erfüllen!

Doch, du weißt deine Zeit;
Mir ziemt nur, stets bereit
Und fertig da zu stehen,
Und so einher zu gehen,
Daß alle Stund‘ und Tage
Mein Herz mich zu dir trage.

Dieß gib, Herr, und verleih‘,
Auf daß dein‘ Huld und Treu‘
Ohn‘ Unterlaß mich wecke;
Daß mich dein Tag nicht schrecke,
Da unser Schreck auf Erden
Soll Fried‘ und Freude werden.

Paul Gerhard’s
geistliche Lieder.
Herausgegeben von
C. F. Becker
Leipzig
Georg Wigand’s Verlag.
1851

Gerhardt, Paul – Ich hab oft bei mir selbst gedacht

Ich hab‘ oft bei mir selbst gedacht,
Wenn ich den Lauf der Welt betracht’t,
Ob auch das Leben dieser ERd‘
Uns gut sei und des wünschens werth?
`Und ob nicht der viel besser thu‘,
Der sich fein zeitlich legt zur Ruh‘?

Denn, Lieber, denk‘ und sage mir:
Was für ein Stand ist wohl allhier,
Dem nicht sein‘ Angst, sein Schmerz und Weh‘
Alltäglich über’m Haupte steh‘?
Ist auch ein Ort, der Kummers frei
Und ohne Klag‘ und Thränen sei?

Sieh unsers ganzen Lebens Lauf:
Ist auch ein Tag von Jugend auf,
Der nicht sein‘ eig’ne Qual und Plag‘
Auf seinem Rücken mit sich trag‘?
Ist nicht die Freude, die uns stillt,
Auch selbst mit Jammer angefüllt?

Hat einer Glück und gute Zeit,
Hilf Gott! wie tobt und zürnt der Neid!
Hat einer Ehr‘ und große Würd‘,
Ist, der vor andern ist geehrt,
Vor andern auch dabei beschwert!

Ist einer heute gutes Muth’s,
Ergötzt und freut sich seines Gut’s,
Eh‘ er’s vermeint, fährt sein Gewinn
Zusammt dem guten Muthe hin:
Wie plötzlich kommt ein Ungestüm
Und wirft die großen Güter üm?

Bist du dann fromm und fliehst die Welt
Und liebst Gott mehr als Gold und Geld,
So wird dein Ruhm, dein Schmuck und Kron‘
In aller Welt zu Spott und Hohn.
Denn wer der Welt nicht heucheln kann,
Den sieht die Welt für albern an.

Nun es ist wahr, es steht uns hier
Die Trübsal täglich vor der Thür,
Und find’t ein jeder überall
Des Kreuzes Noth und bitt’re Gall:
Sollt‘ aber drum der Christen Licht
Ganz nichts mehr sein? Das glaub‘ ich nicht.

Ein Christe, der an Christo klebt
Und stets im Geist und Glauben lebt,
Dem kann kein Unglück, keine Pein
Im ganzen Leben schädlich sein:
Geht’s ihm nicht all’zeit, wie es soll,
So ist ihm dennoch all’zeit wohl.

Hat er nicht Gold, so hat er Gott,
Fragt nichts nach böser Leute Spott,
Verwirft mit Freuden und verlacht,
Der Weolt verkehrten Stolz und Pracht.
Sein‘ Ehr‘ ist Hoffnung und Geduld,
Sein‘ Hoheit ist des Höchsten Huld.

Es weiß ein Christ und bleibt dabei,
Daß Gott sein Freund und Vater sei;
Er hau‘, er brenn‘, er stech‘, er schneid‘,
Hier ist nichts, das uns von ihm scheid‘,
Je mehr er schlägt, je mehr er liebt,
Bleibt fromm, ob er uns gleich betrübt.

Laß alles fallen, wie es fällt,
Wer Christi Lieb‘ im Herzen hält,
Der ist ein Held und bleibt besteh’n,
Wenn Erd‘ und Himmel untergeh’n,
Und wenn ihn alle Welt verläßt,
Hält Gottes Wort ihn steif und fest.

Des Höchsten Wort dämpft alles Leid
Und kehrt’s in lauter Lust und Freud‘,
Es nimmt dem Unglück alles Gift,
Daß, ob’s uns gleich verfolgt und trifft,
Es dennoch unser Herze nie
In allzu großes Trauren zieh.

Ei nun! so mäß’ge deine Klag‘!
Ist dieses Leben voller Plag‘,
Ist’s dennoch, an der Christentheil,
Auch voller Gottes Schutz und Heil.
Wer Gott vertraut und Christum ehrt,
Der bleibt im Kreuz auch unversehrt.

Gleich wie das Gold durch’s Feuer geht
Und in dem Ofen wohl besteht,
So bleibt ein Christ durch Gottesgnad‘
Im Elendsofen ohne Schad‘.
Ein Kind bleibt seines Vaters Kind,
Ob’s gleich des Vaters Zucht empfind’t.

Drum, liebes Herz, sei ohne Scheu,
Und sieh auf deines Vaters Treu‘.
Empfind’st du auch hier seine Ruth‘,
Er meint’s nicht bös‘, er ist dir gut;
Gib dich getrost in seine Händ‘,
Es nimmt zuletzt ein gutes End‘.

Leb‘ immerhin, so lang‘ Er will!
Ist’s Leben schwer, so sei du still,
Es geht zuletzt in Freuden aus:
Im Himmel ist ein schönes Haus,
Da, wer nach Christo hier gestrebt,
Mit Christi Engeln ewig lebt.

Paul Gerhard’s
geistliche Lieder.
Herausgegeben von
C. F. Becker
Leipzig
Georg Wigand’s Verlag.
1851

Gerhardt, Paul – Ich danke dir demütiglich

Am 22. Sonntage nach Trinitatis.

Ich danke dir demüthiglich,
O Gott, mein Vater, daß du dich
Von  deinem Zorn gewendet,
Und deinen Sohn zur Freud‘ und Kron‘
Uns in die Welt gesendet.

Er ist gekommen, hat sein Blut
Vergossen und in solcher Flut
All‘ uns’re Sünd‘ ersticket.
Wer ihn nun faßt, wird aller Last
Benommen und erquicket.

Ich bitte, was ich bitten kann,
Herzlieber Vater, nimm mich an,
In diesen edlen Orden,
Der durch dies Blut gerecht und gut
Und ewig selig worden.

Laß meines Glaubens Aug‘ und Hand
Ergreifen dieses werthe Pfand
Und nimmermehr verlieren,
Laß dieses Licht mein Angesicht
Zum ew’gen Lichte führen.

Bereite meiner Seelen Haus,
Wirf allen Koth und Unflath aus,
Bau“ in mir deine Hütte,
Daß deine Güt‘ in mein Gemüth
All ihre Lieb‘ ausschütte.

Wenn ich dich hab‘, ist alles mein,
Du kannst nicht ohne Gaben sein,
Hast tausend Weg‘ und Weisen,
Dein‘ arme Heerd‘ auf dieser Erd‘
Zu nähren und zu speisen.

Gib mir, daß ich an meinem Ort
Allstets dich fürcht‘ in deinem Wort,
Und meinen Stand so führe,
Daß Glaub‘ und Treu‘ stets bei mir sei
Und all mein Leben ziere.

Gib‘ mir ein g’nügsam Herz und Sinn,
Denn das ist ja ein groß Gewinn,
In steter Andacht liegen
Und, wenn Gott gibt, was ihm beliebt,
Ihm lassen gerne g’nügen.

Das Wen’ge, das durch Gottes Gnad‘
Ein Frommer und Gerechter hat,
Ist vielmal mehr geehret,
Als alles Geld, davon die Welt
Mit frechem Herzen zehret.

Die Frommen sind dir, Herr, bewußt;
Du bist ihr‘, und sie deine Lust
Und werden nicht zu Schanden;
Kommt theure Zeit, find’t sich bereit
Ihr Brot in allen Landen.

Gott hat den, der ihn fürchtet, lieb,
Sieht zu, daß ihn kein Unfall trüb,
Hat Lust zu seinen Wegen;
Und wenn er fällt, steht Gott und hält
Ihn fest in seinem Segen.

Des Höchsten Auge sieht auf die,
Die auf ihn hoffen spät und früh,
Daß er sie schütz‘ und rette
Aus aller Noth, wenn sie der Tod
Auch selbst verschlungen hätte.

Herr, du kannst nichts als gütig sein,
Du wollest deiner Güte Schein
Uns und all‘ denen gönnen,
Die sich mit Mund und Herzensgrund
Allein zu dir bekennen.

Insonderheit nimm wohl in Acht
Den Fürsten, den du uns gemacht
Zu unser’s Landes Krone:
Laß immerzu sein Fried‘ und Ruh‘
Auf seinem Stuhl und Throne.

Halt‘ unser liebes Vaterland
In deinem Schooß und starker Hand,
Behüt‘ uns allzusammen
Vor falscher Lehr‘ und Feindesheer‘
Vor Pest und Feuersflammen.

Nimm all die Meinen eben war,
Treib‘, Herr, die böse Höllenschaar
Von Jungen und von Alten,
Das deine Heerd‘ hier zeitlich werd‘
Und ewig dort erhalten.

Paul Gerhard’s
geistliche Lieder.
Herausgegeben von
C. F. Becker
Leipzig
Georg Wigand’s Verlag.
1851

Gerhardt, Paul – Alle, die ihr, Gott zu ehren

1. Alle, die ihr, Gott zu ehren,
unsre Christlust wollt vermehren,
eya, eya,
Seht und hört vor allen Dingen
Gottes Mutter fröhlich singen
bei dem Kripplein ihres Sohnes:
Eya, eya,
Schlaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, liebes Jesulein!

2. Schlaf, du großer Weltberater,
Bräutigam, Sohn und selbst auch Vater,
eya, eya,
Bett und Lager, das dich trägt,
und hab ich dir zurecht gelegt,
schlaf, du schönes Kindlein!
Eya, eya,
Schlaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, trautes Herzelein!

3. Schlaf, mein Krönlein! Licht und Leben,
was dir lieb, willl ich dir geben,
eya, eya,
Schlaf, du Ausbund aller Gaben,
laß dich speilen, laß dich loben
bei der armen Krippen hier!
Eya, eya,
Schlaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, du mein Ehr und Ruhm!

4. Schlaf, o bestes aller Güter,
schlaf, o Perle der Gemüter,
eya, eya,
Schlaf, mein Trost, dem nichts zu gleichen,
Milch und Honig muß dir weichen,
schlaf, du edler Herzensgast!
Eya, eya,
Schaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, werte Lilienblum!

5. Schlaf, o Kind, den Gott erkoren,
schlaf o Schatz, den ich geboren,
eya,eya,
Schlaf, du frommer Seelen Weide,
schlaf, du frommer Herzen Freude,
schlaf, du meines Leibes Frucht!
Eya, eya,
Schlaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, allersüßstes Lieb!

6. Ich will dir dein Bettlein zieren,
ganz mit Blumen überführen,
eya, eya,
Schlaf, du Luft, die wir erwählen,
schlaf, du Paradeis der Seelen,
schlaf, du wahres Himmelsbrot!
Eya, eya,
Schlaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, Heiland aller Welt!

Gerhardt, Paul – Tapfre Leute soll man loben

1. Tapfre Leute soll man loben,
Und was Tugend hat erhoben,
Hebt auch billig unser Fleiß.
Laß, was schnöd ist, unten liegen,
Was die Welt hat überstiegen,
Deme bleibt sein Ruhm und Preis.

2. Also wer, was andre haben
Von des edlen Himmels Gaben,
Weiß gebührlich anzuziehen,
Dem gebührt vor andern allen,
Daß zu seinem Wohlgefallen
Harf und Sotten sich bemühn.

3. Er, Herr Sturm, pflanzt Palmenbäume;
Billig, daß hier keiner Säume,
Ihm ein Ehr und Dank zu tun.
Ich kann nichts mehr als nur bitten,
Daß er stets mög in der Mitten
Aller Tugendpalmen ruhn.

Gerhardt, Paul – Unter allen, die da leben


1. Unter allen, die da leben,
Hat ein jeder seinen Fleiß
Und weiß dessen Frucht zu geben;
Doch hat der den größten Preis,
Der dem Höchsten Ehre bringt
Und von Gottes Namen singt.

2. Unter allen, die da singen
Und mit wohlgefaßter Kunst
Ihrem Schöpfer Opfer bringen,
Hat ein jeder seine Gunst;
Doch ist der am besten dran,
Der mit Andacht singen kann.

Gerhardt, Paul – Ich weiß, daß mein Erlöser lebt

Melodie: Herr, straf‘ mich nicht in deinem Zorn.

Ich weiß, daß mein Erlöser lebt,
Das soll mir niemand nehmen.
Er lebt, und was ihm widerstrebt,
Das muß sich endlich schämen.
Er lebt fürwahr, der starke Held,
Sein Arm, der alle Feine fällt,
Hat auch den Tod bezwungen.

Des bin ich herzlich hoch erfreut,
Und habe gar kein Scheuen,
Vor dem, der alles Fleisch zerstreut
Gleichwie der Wind die Spreuen:
Nimmt er gleich mich und mein Gebein
Und scharrt uns in die Gruft hinein,
Was kann er damit schaden?

Mein Heiland lebt, ob ich nun werd‘
In’s Todes Staub mich strecken,
So wird er mich doch aus der Erd‘
Hernachmals auferwecken;
Er wird mich reißen aus dem Grab,
Und aus dem Lager, da ich hab‘
Ein kleines ausgeschlafen.

Da werd‘ ich eben diese Haut,
Und eben diese Glieder,
Die jeder itzo an mir schaut,
Auch was sich hin und wieder
Von Adern und Gelenken find’t
Und meinen Leib zusammen bind’t,
Ganz richtig wieder haben.

Zwar alles, was der Mensche trägt,
Das Fleisch und seine Knochen,
Wird, wenn er hin sich sterben legt,
Zermalmet und zerbrochen
Von Maden, Motten und was mehr
Gehöret zu der Würmer Heer,
Doch soll’s nicht stets so bleiben.

Es soll doch alles wieder steh’n
In seinem vor’gen Wesen;
Was niederlag, wird Gott erhöh’n,
Was umkam, wird genesen,
Was die Verfaulung hat verheert
Und die Verwesung ausgezehrt,
Wird alles wiederkommen.

Das hab‘ ich je und je gegläubt
Und faß ein fest Vertrauen:
Ich werde den, der ewig bleibt,
In meinem Fleische schauen,
Ja, in dem Fleische, das hier stirbt
Und in dem Stank und Koth verdirbt,
Da werd‘ ich Gott in sehen.

Ich selber werd‘ in seinem Licht
Ihn seh’n und mich erquicken,
Mein Auge wird sein Angesicht
Mit großer Lust erblicken,
Ich werd‘ ihn mir seh’n, mir zur Freud‘
Und werd‘ ihm dienen ohne Zeit,
Ich selber und kein Fremder.

Trotz sei nun allem, was mir will
Mein Herze blöde machen;
Wär’s noch so mächtig, groß und viel,
Kann ich doch fröhlich lachen:
Man treib‘ und spanne noch so hoch
Sarg, Grab und Tod, so bleibet doch
Gott, mein Erlöser, leben.