Martin Behm – Ingemein für den Römischen Kaiser zu beten.

1. Wie groß, o Gott ins Himmels Saal,
Spürt man dein Weisheit überall!
Eim jeden Ding sein Ordnung gibst,
Dieweil du nicht Unordnung liebst.

2. Die Engel und Erzengelein
Durch dich ihr Ordnung halten fein,
Ein jeder tut, was ihm gebührt,
Und allzeit dein Befehl vollführt.

3. Am Himmel stehn die Sterne schön,
Und all in guter Ordnung gebn,
Dass keins aus dieser lichten Schar
Weicht aus der Ordnung um ein Haar.

4. Die Sonn behält das Regiment,
Jeder Planet sich zu ihr wendt,
Sie übertrifft mit ihrem Schein
Die Sternen allsamt ingemein.

5. Solch Ordnung, die man droben spürt,
Wird hie auf Erden auch geführt,
Da kaiserliche Majestat
Den größten Glanz erlanget hat.

6. Wie Jesus ist der Engel Herr,
Die allezeit nach seim Begehr,
Und wie die Sonn am Himmel klar
Die andern Stern regieret gar:

7. Also von Gott den Vorzug hat
Die Kaiserliche Majestat
Vor Chur- und Fürsten allzugleich,
Vor Reichsstädt auch im ganzen Reich.

8. Die gegen ihn sich billig neigen,
Ihm Ohr und Dienste gern erzeigen;
Dem soll ein jeder ingemein
Nächst Gott allzeit gehorsam sein.

9. Herr Gott, erhalt die Ordnung fest,
Tu du beim Regiment das best,
Damit das Römisch Reich gemehrt
In guter Ruh bleib unversehrt.

10. Hilf, dass deins großen Namens Ehr
Gefördert werd durch reine Lehr,
Damit die werte Christenheit
Zunehmen möge weit und breit.

11. Dem Türken durch dein Allmacht steur
Und andern Feinden ungeheur,
So im Reich richten Unruh an,
Dass man nicht friedlich leben kann.

12. Hilf, dass sie Fürsten ingemein
Dem Kaiser gern gehorsam sein,
Sein Amtsbürd ihm gern helfen tragn
Und bei ihm Gut und Blut auch wagn.

13. Schaff, dass sein Hofrät allesamt
Bedenken ihr hochwichtig Amt
Und nach Gewissen raten guts,
Zu fördern den gemeinen Nutz.

14. Erhalt ihn bei gesundem Leib,
Und alles Übel von ihm treib,
Sein Leben ihm viel Jahr noch frist,
Denn Ändrung gar gefährlich ist.

15. Halt fest, dass weder sink noch weich
Das löblich Haus von Osterreich,
Bis Christ, der Stein, die alte Welt
Zerschmeisst, dass sie in Haufen fällt.

Amen.

Claudius, Matthias – Kron‘ und Scepter.

Die sind keine Menschen-Habe,
Wie die Rede geht,
Sind ursprünglich Himmel’s-Gabe,
Heiliges Gerät,

Damit Gott den König zieren,
Und fein sanft und still,
Durch ihn seine Welt berühren
Und sie segnen will.

Jeder König sei des hehren
Großen Rufes wert!
Doch dann muss er nichts begehren,
Was ein Mensch begehrt;

Muss nicht seine Wege wandeln,
Alles Eignen rein
Nur vor Gott und mit Gott handeln,
Sonst ist er nicht sein;

Muss, wie Gott zu allen Zeiten,
Nur barmherzig sein,
Und nur Licht und Recht ausbreiten;
Sonst ist er nicht sein;

Und durch jede seiner Taten,
Wo er das vergisst,
Hat er Gott den Herrn verraten
Dessen Bild er ist;

Und der Königliche Segen,
Licht und Kraft und Glück,
Kehrt zu dem, von dessentwegen
Er sein war, zurück;

Kehrt zurück – der Geist entflieget,
Weil ihm Leid geschah.
Und die große Leiche lieget
Zur Verwesung da.

Menschen Will‘ und Werk vergehet
Wie die Wahrheit spricht;
Was, mit Gott gereinigt, stehet
Das vergehet nicht;

Kann nicht überwunden werden,
Und muss ewig steh’n,
Wie im Bimmel so auf Erden,
Und die Welt wird seh’n:

Dass nicht Dünkel glücklich mache,
Gottesfurcht und Scheu
Ewiglich die große Sache
Aller Menschen sei.

Gerhardt, Paul – Ich danke dir demütiglich

Am 22. Sonntage nach Trinitatis.

Ich danke dir demüthiglich,
O Gott, mein Vater, daß du dich
Von  deinem Zorn gewendet,
Und deinen Sohn zur Freud‘ und Kron‘
Uns in die Welt gesendet.

Er ist gekommen, hat sein Blut
Vergossen und in solcher Flut
All‘ uns’re Sünd‘ ersticket.
Wer ihn nun faßt, wird aller Last
Benommen und erquicket.

Ich bitte, was ich bitten kann,
Herzlieber Vater, nimm mich an,
In diesen edlen Orden,
Der durch dies Blut gerecht und gut
Und ewig selig worden.

Laß meines Glaubens Aug‘ und Hand
Ergreifen dieses werthe Pfand
Und nimmermehr verlieren,
Laß dieses Licht mein Angesicht
Zum ew’gen Lichte führen.

Bereite meiner Seelen Haus,
Wirf allen Koth und Unflath aus,
Bau“ in mir deine Hütte,
Daß deine Güt‘ in mein Gemüth
All ihre Lieb‘ ausschütte.

Wenn ich dich hab‘, ist alles mein,
Du kannst nicht ohne Gaben sein,
Hast tausend Weg‘ und Weisen,
Dein‘ arme Heerd‘ auf dieser Erd‘
Zu nähren und zu speisen.

Gib mir, daß ich an meinem Ort
Allstets dich fürcht‘ in deinem Wort,
Und meinen Stand so führe,
Daß Glaub‘ und Treu‘ stets bei mir sei
Und all mein Leben ziere.

Gib‘ mir ein g’nügsam Herz und Sinn,
Denn das ist ja ein groß Gewinn,
In steter Andacht liegen
Und, wenn Gott gibt, was ihm beliebt,
Ihm lassen gerne g’nügen.

Das Wen’ge, das durch Gottes Gnad‘
Ein Frommer und Gerechter hat,
Ist vielmal mehr geehret,
Als alles Geld, davon die Welt
Mit frechem Herzen zehret.

Die Frommen sind dir, Herr, bewußt;
Du bist ihr‘, und sie deine Lust
Und werden nicht zu Schanden;
Kommt theure Zeit, find’t sich bereit
Ihr Brot in allen Landen.

Gott hat den, der ihn fürchtet, lieb,
Sieht zu, daß ihn kein Unfall trüb,
Hat Lust zu seinen Wegen;
Und wenn er fällt, steht Gott und hält
Ihn fest in seinem Segen.

Des Höchsten Auge sieht auf die,
Die auf ihn hoffen spät und früh,
Daß er sie schütz‘ und rette
Aus aller Noth, wenn sie der Tod
Auch selbst verschlungen hätte.

Herr, du kannst nichts als gütig sein,
Du wollest deiner Güte Schein
Uns und all‘ denen gönnen,
Die sich mit Mund und Herzensgrund
Allein zu dir bekennen.

Insonderheit nimm wohl in Acht
Den Fürsten, den du uns gemacht
Zu unser’s Landes Krone:
Laß immerzu sein Fried‘ und Ruh‘
Auf seinem Stuhl und Throne.

Halt‘ unser liebes Vaterland
In deinem Schooß und starker Hand,
Behüt‘ uns allzusammen
Vor falscher Lehr‘ und Feindesheer‘
Vor Pest und Feuersflammen.

Nimm all die Meinen eben war,
Treib‘, Herr, die böse Höllenschaar
Von Jungen und von Alten,
Das deine Heerd‘ hier zeitlich werd‘
Und ewig dort erhalten.

Paul Gerhard’s
geistliche Lieder.
Herausgegeben von
C. F. Becker
Leipzig
Georg Wigand’s Verlag.
1851

Conrad Huober – Ein Ermanlied zuo bitten

für die Oberkeit, Kirchendiener, Bekümmerten, Irrenden, Auch alles ander anligen der allgemeinen Christlichen Kirchen.

DIe Weil wir seind versamlet
im Namen JESU Christ,
Zu Bitten, was vns manglet
von Gott zu dieser frist,
So lasst vns recht erheben
die Hertzen über sich:
der Vatter will vns geben
die notdurft gnediglich.

So bitten erstlich eben
für alle Oberkeit,
Das wir gottselig leben
in Frid vnd Erbarkeit;
Der lieb Gott ihr verlihe
den recht Fürstlichen geist,
das sie mit rechter trewe
jhr schuldig pflicht jm leist.

Zu dir mit bitt wir fliehen
für alle Hirten gleich:
Di wölstu, HERR anziehen
mit krafft aus deinem Reich,
Das deine Schaaff auff erden
zerstrewet über al
durch sie versamlet werden
als bald in deinen Stal.

Wir bitten auch von hertzen
für all, so kranck vnd arm,
In ellend sind vnd schmertzen:
ihr aller dich erbarm,
Gib jhn die sünd zu rewen
mit ernstem hertzenleid,
so kan dein zucht gedeien
an ihn zur Seligkeit.

Des gleichen wir dich bitten
für die in jrthumb sein:
Dein Geist sie wöl entschütten,
zur Warheit leiten fein,
Das sie dich recht erkennen
mit Christo deinem Son,
vnd hertzlich Vatter nennen,
deim Wort geleben schon.

Auch welchen du hast geben
zu hangen Christo an,
der ja ihn ist das Leben,
die Warheit vnd die Baan:
Die sterck, das sie bezwingen
Sünd, Teuffel, Tod vnd Hell,
zur engen Pfort eindringen,
bewart an Leib vnd Seel.

Quelle

Georg der Fromme – GEnad mir, HERR, ewiger Gott

GEnad mir, HERR, ewiger Gott,
das mir kein not
geb ursach, das ich von dir fleuch!
Behüt mich, HERR, für falschem rath,
das himelbrod,
der seelen speis, mir nicht entzeuch!
Dein wort gib mir zu aller stund
durch lerers mund,
das ich vernim
meins HERren stim,
mich darein geb,
bis ich dir, HERR, mein geist auffgeb!

ORdnung zu machen gib mir lehr,
das auch dein ehr
dem gmeinen man hie werd bekand.
Mein underthan, HERR, zu dir ker,
damit sich mehr
die Christlich schar in meinem land.
Behüt uns, HERR, für falscher sect,
die sich jetzt regt
an manchem end,
dadurch wird geschend
der Christlich glaub!
Ach, HERR, deins worts uns nicht beraub!

GIb mir auch fried in dieser zeit,
das nicht durch streit
werd brüderliche lieb zertrent.
An dir nu all mein wolfart leit,
für has und neid
behüt mich, HERR, bis an mein end!
Dazu verleyh mir deinen sinn!
du weist, ich bin
noch fleisch und blut,
dasselbig thut
nach seiner weis:
dafür ich bitt mit gantzem vleis.

MARCK, sted und land befehl ich dir
aus trewer gir,
der ich sol pflegen hie auff erd.
Getrewe reth verordne mir,
daran man spürt,
das gericht und recht versehen werd
Nach rechter mas und billigkeit,
mit solchem bescheid,
das recht und gleich
werd arm und reich
geteilet mit:
des ich dich, HERR, von hertzen bitt.

GRAFen und die des Adels sein,
den gib auch ein,
das sie verstehn den rechten grund,
Und allzeit thun den willen dein
in rechtem schein,
das gib in, HErre, zu rechter stund,
Damit dein nam durch alle stend
werd hoch genent
bey jung und alt
in solcher gestalt,
durch all dein ehr
erhalt uns all in deiner lehr!

ZU dir hertzlich ich schrey und bit,
verlas mich nit
und leit mich, HERR, in deinem weg!
Teil mir vernunfft und weisheit mit,
nicht von mir trit,
all meiner hendel selber pfleg,
Das mich der feind nicht uberwind
mit listen geschwind,
der er sich vleist,
sein zorn beweist
und ist ergrimt:
dein zukunfft im sein gewalt benimbt!

BRANd doch für lieb dein Göttlichs hertz,
da du herwertz
gedachst an unser angst und not.
Denn solches war warlich kein schertz,
da du mit schmertz
willig auffnampst den bittern tod,
Damit des Vaters zorn verging,
da dich umbfieng
des todes angst;
bis vorhin lanst
verkündet war:
desselben frucht an mir nicht spar!

Denn ob ich, HERR, dein weg verlür
zur rechten thüg,
so gieng ich irr in meinem trit;
Sey mir dein bitters leiden für,
mein hertz anrür,
den rechten glauben teil mir mit,
Das ich behar bis an mein end:
wenn sich zutrent
mein seel und leib,
als denn vertreib
den feind von mir,
mein letztes end befehl ich dir.

BURCK fried gib uns in deinem thron!
nicht für ein lohn,
allein aus gnad erbarm dich mein.
Noch eins ich bit in diesem thon:
ach HERR! verschon,
las dir trewlich befohlen sein,
Meins brudern seel nim gnedig an:
du weist, ich kan,
im helffen nicht:
allein ich bit
umb gnad und huld:
vergib im, HERR, sein sund und schuld!
Amen.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer
Weitere Texte des Autoren in der Glaubensstimme

Behm, Martin – 15. November

Im Ton: Laßt uns Gottes Güte preisen.

Wenn ich bedenk die Güte,
So uns Gott stets beweist,
So freut sich mein Gemüthe,
Mein Leib und Seel ihn preist
In rechter Innigkeit.
Viel guts hat er bescheret,
Davon er uns ernähret.

Er giebt uns Holz zu feuern,
Wenns frostig ist und kalt,
Bestellt uns Ställ und Scheuern,
Ein reichen Unterhalt,
Getreid, Wild, Vieh und Schwein;
Wir nehmen Brod von Söllern,
Den Trank aus unsern Kellern,
Da wird der Most zu Wein.

Drum solln wir Gott dem Herren
So wohl dem Kaiser sein
Nun geben ohn Beschweren,
Was wir ihm schuldig sein.
Das helf uns Jesus Christ,
Daß wir Gott dienen alle,
Zu loben ihn mit Schalle
Hier und in jener Frist.

Amen.

Nöldeke – Martin Behemb’s geistliche Lieder