Luther, Martin – Sie ist mir lieb

Ein Lied von der Heiligen Christlichen Kirchen, aus dem 12. Kapitel Apokalypsis

1. Sie ist mir lieb, die werte Magd,
Und kann ihr nicht vergessen,
Lob, Ehr und Zucht von ihr man sagt,
Sie hat mein Herz besessen.
Ich bin ihr hold,
Und wenn ich sollt,
Groß Unglück han,
Da liegt nicht an.
Sie will mich des ergetzen
Mit ihrer Lieb und Treu an mir,
Die sie zu mir will setzen
Und tun all mein Begier.

2. Sie trägt von Gold so rein ein Kron,
Da leuchten inn zwölf Sterne,
Ihr Kleid ist wie die Sonne schon,
Das glänzet hell und ferne,
Und auf dem Mon
Ihr Füße stohn,
Sie ist die Braut,
Dem Herrn vertraut,
Ihr ist weh und muß gebären
Ein schönes Kind, den edlen Sohn
Und aller Welt einen Herren,
Dem sie ist unterton.

3. Das tut dem alten Drachen Zorn
Und will das Kind verschlingen,
Sein Toben ist doch ganz verlorn,
Es kann ihm nicht gelingen.
Das Kind ist doch
Gen Himmel hoch
Genommen hin
Und lässet ihn
Auf Erden fast sehr wüten.
Die Mutter muß gar sein allein,
Doch will sie Gott behüten
Und der recht Vater sein.

Luther, Martin – Das Vater Unser kurz und gut ausgelegt und in Gesangbuchweise gebracht.

Das Vater Unser kurz und gut ausgelegt und in Gesangbuchweise gebracht.

1. Vater unser im Himmelreich,
Der du uns alle heißest gleich
Brüder sein und dich rufen an
Und willst das Beten von uns han,
Gibt, daß nicht bet allein der Mund,
Hilf, daß es geh von Herzensgrund.

2. Geheiligt werd der Name dein,
Dein Wort bei uns hilf halten rein,
Daß wir auch leben heiliglich
Nach deinem Namen würdiglich.
Behüt uns, Herr, vor falscher Lehr,
Das arm verführet Volk belehr.

3. Es kommt dein Reich zu dieser Zeit
Und dort hernach in Ewigkeit.
Der heilig Geist uns wohnet bei
Mit seinen Gaben mancherlei.
Des Satans Zorn und groß Gewalt
Zerbrich, vor ihm dein Kirch erhalt.

4. Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich
Auf Erden und im Himmelreich.
Gib uns Geduld in Leidenszeit,
Gehorsam sein in Lieb und Leid,
Wehr und steur allem Fleisch und Blut,
Das wider deinen Willen tut.

5. Gib uns heut unser täglich Brot
Und was man darf zur Leibesnot,
Bhüt uns, Herr, vor Unfried und Streit,
Vor Seuchen und vor teurer Zeit,
Daß wir in gutem Frieden stehn,
Der Sorg und Geizes müßig gehn.

6. All unser Schuld vergib uns, Herr,
Daß sie uns nicht betrüben mehr,
Wie wir auch unsern Schuldigern
Ihr Schuld und Fehl vergeben gern.
Zu dienen mach uns all bereit
In rechter Lieb und Einigkeit.

7. Führ uns, Herr, in Versuchung nicht,
Wenn uns der böse Geist anficht,
Zur linken und zur rechten Hand
Hilf uns tun starken Widerstand,
Im Glauben fest und wohlgerüst
Und durch des heilgen Geistes Trost.

8. Von allem Übel uns erlös,
Es sind die Zeit und Tage bös,
Erlös uns vom ewigen Tod
Und tröst uns in der letzten Not.
Bescher uns auch ein seligs End,
Nimm unser Seel in deine Händ.

9. Amen, das ist: Es werde wahr.
Stärk unsern Glauben immerdar,
Auf das wir ja nicht zweifeln dran,
Das wir hiemit gebeten han.
Auf dein Wort in dem Namen dein,
So sprechen wir das Amen fein.

Luther, Martin – Verleih uns Frieden gnädiglich

„De Pacem Domine“, deutsch

Verleih uns Frieden, gnädiglich,
Herr Gott, zu unsern Zeiten.
Es ist doch ja kein ander nicht,
der für uns künnte streiten,
Denn du, unser Gott, alleine.

Erweiterung aus der „Form und ordnung Gaystlicher Gesang und Psalmen rc. (Straßburg) 1533

Verleych unns frieden gnedigklich,
Herr Gott, zu unsern zeyten,
Es ist doch hie kain ander nicht
der für uns künde streytten,
on dich, unser Gott, allayne.

Wann der du hailgen mut und rath,
auch rechte werck erschaffen thust,
Gib uns das hertz auß deiner gut
an deinem hailgen wort allain
mit festem glauben hangen thu.

Und das wir alle gsündigt han,
das wölst du unns nitt messen zu,
Sonder nach deiner barmhertzigkait
den zorn von uns wenden,
umb Jesus Christus willen.

Das bitt wir alle sampt zu gleych,
auff das wir zu unser zeyt
Durch deinen schutz unnd milte hand
vor feynden still unnd sicher
in deinem loben leben thun.

Luther, Martin – Vom Himmel hoch

Ein Kinderlied auf die Weihnacht Christi

1. Vom Himmel hoch da komm ich her,
Ich bring euch gute neue Mär,
Der guten Mär bring ich so viel,
Davon ich singen und sagen will.

2. Euch ist ein Kindlein heut geborn,
Von einer Jungfrau auserkorn,
Ein Kindelein so zart und fein,
Das soll eur Freud und Wonne sein.

3. Es ist der Herr Christ, unser Gott,
Der will euch führn aus aller Not,
Er will eur Heiland selber sein,
Von allen Sünden machen rein.

4. Er bringt euch alle Seligkeit,
Die Gott, der Vater, hat bereit,
Daß ihr mit uns im Himmelreich
Sollt leben nu und ewiglich.

5. So merket nu das Zeichen recht:
Die Krippen, Windelin so schlecht,
Da findet ihr das Kind gelegt,
Das alle Welt erhält und trägt.

6. Des laßt uns alle fröhlich sein
Und mit den Hirten gehn hinein,
Zu sehen, was Gott uns hat beschert,
Mit seinen lieben Sohn verehrt.

7. Merk auf, mein Herz, und sieh dorthin:
Was liegt doch in dem Krippelin?
Wes ist das schöne Kindelin?
Es ist das liebe Jesulin.

8. Bis willekomm, du edler Gast,
Den Sünder nicht verschmähet hast
Und kommst ins Elend her zu mir,
Wie soll ich immer danken dir?

9. Ach Herr, Du Schöpfer aller Ding,
Wie bist du worden so gering,
Daß du da liegst auf dürrem Gras,
Davon ein Rind und Esel aß.

10. Und wär die Welt vielmal so weit,
Von Edelstein und Gold bereit,
So wär sie doch dir viel zu klein,
Zu sein ein enges Wiegelein.

11. Der Sammet und die Seiden dein,
Das ist grob Heu und Windelein,
Darauf du König so groß und reich
Her prangst, als wärs dein Himmelreich.

12. Das hat also gefallen dir,
Die Wahrheit anzuzeigen mir,
Wie aller Welt Macht, Ehr und Gut
Vor dir nichts gilt, nichts hilft noch tut.

13. Ach, mein herzliches Jesulin,
Mach dir ein rein sanft Bettelin,
Zu ruhen in meins Herzen Schrein,
Daß ich nimmer vergesse dein.

14. Davon ich allzeit fröhlich sei,
Zu springen, singen immer frei
Das rechte Susaninne schon,
Mit Herzenslust den süßen Ton.

15. Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron,
Der uns schenkt seinen eingen Sohn,
Des freuen sich der Engel Schar
Und singen uns solch neues Jahr.

Luther, Martin – Vom Himmel kam der Engel Schar

Ein ander Christlied. Im vorigen Ton. (Vom Himmel hoch)

1. Vom Himmel kam der Engel Schar,
Erschien den Hirten offenbar,
Sie sagten ihn: Ein Kindlein zart,
Das liegt dort in der Krippen hart.

2. Zu Bethlehem in Davids Stadt,
Wie Micha das verkündet hat.
Es ist der Herre Jesus Christ,
Der euer aller Heiland ist.

3. Des sollt ihr billig fröhlich sein,
Daß Gott mit euch ist worden ein;
Es ist geborn eur Fleisch und Blut,
Eur Bruder ist das ewig Gut.

4. Was kann euch tun die Sünd und Tod?
Ihr habt mit euch den wahren Gott,
Laßt zürnen Teufel und die Höll,
Gotts Sohn ist worden eur Gesell.

5. Er will und kann euch lassen nicht,
Setzt ihr auf ihn eur Zuversicht.
Es mögen euch viel fechten an,
Dem sei Trotz, ders nicht lassen kann.

6. Zuletzt müßt ihr doch haben recht,
Ihr seid nu worden Gotts Geschlecht,
Des danket Gott in Ewigkeit,
Geduldig, fröhlich alle Zeit.

Amen.

Luther, Martin – Wär Gott nicht mit uns

Der 124. Psalm: „Nisi quia Dominus“

1. Wär Gott nicht mit uns diese Zeit,
So soll Israel sagen,
Wär Gott nicht mit uns diese Zeit,
Wir hätten mußt verzagen,
Die so ein armes Häuflein sind,
Veracht von so viel Menschenkind,
Die an uns setzen alle.

2. Auf uns ist so zornig ihrn Sinn,
Wo Gott hätt das zugeben,
Verschlungen hätten sie uns hin
Mit ganzem Leib und Leben,
Wir wärn als die ein FLut ersäuft
Und über die groß Wasser läuft
Und mit Gewalt verschwemmet.

3. Gott Lob und Dank, der nicht zugab,
Daß ihr Schlund uns möcht fangen.
Wie ein Vogel des Stricks kommt ab,
Ist unser Seel entgangen,
Strick ist entzwei und wir sind frei,
Des Herren Namen steht uns bei,
Des Gotts Himmels und Erden.

Luther, Martin – Was fürchst du, Feind Herodes, sehr

Der Hymnus „Hostis Herodes“ Im Ton „A solis ortus“

1. Was fürchst du, Feind Herodes, sehr,
Daß uns geborn kommt Christ, der Herr?
Er sucht kein sterblich Königreich,
Der zu uns bringt sein Himmelreich.

2. Dem Stern die Weisen folgen nach,
Solch Licht zum rechten Licht sie bracht.
Sie zeigen mit den Gaben drei,
Dies Kind Gott, Mensch und König sei.

3. Die Tauf im Jordan an sich nahm
Das himmelische Gotteslamm,
Dadurch, der nie kein Sünde tat,
Von Sünden uns gewaschen hat.

4. Ein Wunderwerk da neu geschah:
Sechs steinern Krüge man da sah
Voll Wassers, das verlor sein Art,
Roter Wein durch sein Wort draus ward.

5. Lob, Ehr und Dank sei dir gesagt,
Christ, geborn von der reinen Magd,
Mit Vater und den heilgen Geist,
Von nu an bis in Ewigkeit.

Luther, Martin – Wir glauben all an einen Gott

Das „Patrem“ zu deutsch

1. Wir glauben all an einen Gott,
Schöpfer Himmels und der Erden,
Der sich zum Vater geben hat,
Daß wir seine Kinder werden.
Er will uns allzeit ernähren,
Leib und Seel auch wohl bewahren,
Allen Unfall will er wehren,
Kein Leid soll uns widerfahren.
Er sorgt für uns, hüt und wacht,
Es steht alles in seiner Macht.

2. Wir glauben auch an Jesum Christ,
Seinen Sohn und unsern Herren,
Der ewig bei dem Vater ist,
Gleicher Gott von Macht und Ehren,
Von Maria, der Jungfrauen,
Ist wahrer Mensch geboren
Durch den heilgen Geist im Glauben
Für uns, die wir warn verloren,
Am Kreuz gestorben und vom Tod
Wieder auferstanden durch Gott.

3. Wir glauben an den heilgen Geist.
Gott mit Vater und dem Sohne,
Der aller Blöden Tröster heißt
Und mit Gaben zieret schone,
Die ganz Christenheit auf Erden
Hält in einem Sinn gar eben,
Hie all Sünd vergeben werden,
Das Fleisch soll auch wieder leben.
Nach diesem Elend ist bereit
Uns ein Leben in Ewigkeit.

Luther, Martin – Wohl dem, der in Gottes Furcht steht

Der 128. Psalm: „Beati omnes, qui timet dominum“ In Melodei so man singet das Lied S. Johannis Hus.

1. Wohl dem, der in Gottes Furcht steht
Und auf seinem Wege geht.
Dein eigen Hand dich nähren soll,
So lebst du recht und geht dir wohl.

2. Dein Weib wird in deim Hause sein
Wie ein Reben von Trauben fein
Und dein Kinder um deinen Tisch
Wie Ölpflanzen gesund und frisch.

3. Sieh, so reich Segen hangt dem an,
Wo in Gottes Furcht lebt ein Mann,
Von ihm läßt der alte Fluch und Zorn,
Den Menschenkindern angeborn.

4. Aus Zion wird Gott segnen dich,
Daß du wirst schauen stetiglich
Das Glück der Stadt Jerusalem,
Von Gott in Gnaden angenehm.

5. Fristen wird er das Leben dein
Und mit Güte stets bei dir sein,
Daß du sehen wirst Kindeskind
Und daß Israel Friede find.