Aemilia Juliana, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt – Nun der Winter ist vergangen

Nun der Winter ist vergangen,
Eis, Schnee, Regen ist vorbei;
Gott will seine Kron‘ anfangen
Wiederum zu binden neu;
Was der Frost und Schnee bedecket,
Gott zu uns’rer Lust erwecket:
Gott schließt selbst die Erde auf
Und streut seinen Segen drauf.

Recht mein Herz und Aug sich weidet
Hier seh ich die Lilien an,
Mehr als königlich gekleidet,
Dort die grün beblümte Bahn.
Fels und Wälder gleichsam lachen,
Lustig sich die Vögel machen.
Mich erfreut die grüne Saat
Und was Aug und Knospen hat.

Nun, mein Gott, sei hoch gepriesen
Für das, was mir deine Güt,
Hat erzeiget und bewiesen;
Habe Dank für Blum und Blüt,
Für das Gras und grünen Samen,
Wie es nur mag Namen haben;
Für die ganze Frühlingszeit
Habe Dank in Ewigkeit.

Krön uns fort mit deinem Segen
Und mit Gnade ob uns walt;
Gib Sonn, früh und späte Regen,
Das Gewies’ne uns erhalt;
Lass durch Jesus Blutvergießen,
Es in Frieden uns genießen,
Und dabei mit Herz und Sinn
Denken stets, wo du bist, hin.

Lass, mein Gott, mich zu dir ziehen
Jedes Stämm- und Blümelein,
Dass ich möge mich bemühen
Mit dem kleinsten Gräselein
Dich, den Schöpfer, hoch zu preisen
Und, wie mir’s die Vöglein weisen,
Dir bei Früh- und Abendszeit
Lobzusingen sei bereit.

Lass mich gleich den edeln Reben,
Die recht tränen itz’ger Zeit,
Buß- und Liebestränen geben,
Triefen von Barmherzigkeit;
Lass mich Glaubensfrüchte geben,
In dem Baum des Lebens leben
Und als eine schöne Blum‘
Blühen in dem Christentum.

Lass bei Blüt und Grünen denken:
Macht Gott neu, was tot dalag,
Wird er mir das Leben schenken
Wiederum am jüngsten Tag.
Mein Gebein wird wieder grünen,
Meinem Gott im Himmel dienen
Und genießn viel mehr Lust,
Als der ganzen Welt bewusst.

Claudius, Matthias – Der Frühling. Am ersten Mai-Morgen

Heute will ich fröhlich fröhlich sein,
Keine Weis‘ und keine Sitte hören;
Will mich wälzen, und für Freude schrei’n,
Und der König soll mir das nicht wehren;

Denn er kommt mit seiner Freuden Schar
Heute aus der Morgenröte Hallen,
Einen Blumenkranz um Brust und Haar
Und auf seiner Schulter Nachtigallen;

Und sein Antlitz ist ihm rot und weiß,
Und er träuft von Tau und Duft und Segen
Ha! mein Thyrsus sei ein Knospenreis,
Und so tauml_ ich meinem Freund entgegen.