Benjamin Schmolck – Dennoch bleib ich stets an dir!

Dennoch bleib ich stets an dir,
Wenn mir alles gleich zuwider,
Keine Trübsal drückt in mir
Die gefasste Hoffnung nieder,
Dass, wenn alles bricht und fällt,
Dennoch deine Hand mich hält.

Leite mich nach deinem Rat,
Der wohl wunderlich geschiehet,
Aber endlich in der Tat
Auf die schönste Wohlfahrt siehet.
Denn du führst es wohl hinaus,
Sieht es gleich verkehret aus.

Nimm mich dort mit Ehren an,
Wenn ich gnug gekämpfet habe,
Führe mich die Lebensbahn
Zu dem Himmel aus dem Grabe.
Endlich zeige mir das Loos
In der Auserwählten Schoß.

Mag es doch indessen hier
Wunderlich mit mir ergehen,
Dennoch bleib ich stets an dir,
Dennoch will ich feste stehen.
Ich muss, Trotz sei aller Pein,
Dennoch, dennoch selig sein.

Johann Mühlmann – Christlicher Mut.

Wer Gott vertraut, hat wohlgebaut
Im Himmel und auf Erden;
Wer sich verlässt auf Jesum Christ,
Dem muss der Himmel werden.
Darum auf dich all Hoffnung ich
Ganz fest und steif tu setzen,
Herr Jesu Christ, mein Trost du bist
In Todesnot und Schmerzen.

Und wenn‘s gleich wär dem Teufel sehr
Und aller Welt zuwider:
Dennoch so bist du, Jesu Christ,
Der sie all schlägt darnieder.
Und wenn ich dich nur hab um mich
Mit deinem Geist und Gnaden:
So kann fürwahr mir ganz und gar
Wedr Tod noch Teufel schaden.

Dein tröst ich mich ganz sicherlich;
Denn du kannst mirs wohl geben,
Was mir ist not, du gtreuer Gott,
In diesm und jenem Leben.
Gib wahre Reu, mein Herz erneu,
Errette Leib und Seele.
Ach höre, Herr, dies mein Begehr
und lass mein Bitt nicht fehlen! Amen.

Ludwig Helmbold – Vertrauen auf Gott.

Von Gott will ich nicht lassen,
Denn er lässt nicht von mir;
Führt mich auf rechter Straßen,
Da ich sonst irret‘ sehr.
Er reicht mir seine Hand;
Den Abend und den Morgen
Tut er mich wohl versorgen,
Sei, wo ich woll im Land.

Wenn sich der Menschen Hulde
und Wohltat all verkehrt,
So findt sich Gott gar balde,
Sein Macht und Gnad bewährt;
Hilfet aus aller Not,
Errett von Sünd und Schanden,
Von Ketten und von Banden,
Und wenns auch wär der Tod.

Auf ihn will ich vertrauen
In meiner schweren Zeit:
Es kann mich nicht gerauen;
Er wendet alles Leid.
Ihm sei es heimgestellt;
Mein Leib, mein Seel, mein Leben
Sei Gott dem Herrn ergeben:
Er schaffs, wies ihm gefällt.

Es tut ihm nichts gefallen,
Denn was mir nützlich ist.
Er meints gut mit uns allen,
Schenkt uns den Herren Christ,
Ja seinen lieben Sohn.
Durch ihn er uns bescheret,
Was Leib und Seel ernähret:
Lobt ihn ins Himmels Thron.

Lobt ihn mit Herz und Munde,
Welchs er uns beides schenkt.
Das ist ein selig Stunde,
Darin man sein gedenkt;
Sonst verdirbt alle Zeit,
Die wir zubringen auf Erden:
Wir sollen selig werden
und bleibn in Ewigkeit.

Auch wenn die Welt vergehet
Mit ihrer stolzen Pracht,
Kein Ehr noch Gut bestehet,
Welchs vor war groß geacht;
Wir werden nach dem Tod
Tief in die Erd begraben:
Wenn wir geschlafen haben,
Will uns erwecken Gott.

Die Seel bleibt unverloren,
Geführt in Abrams Schoß:
Der Leib wird neu geboren,
Von aller Sünden los,
Ganz heilig, rein und zart,
Ein Kind und Erb des Herren;
Daran muss ihn nicht irren
Des Teufels listig Art.

Darum, ob ich schon dulde
Hie Widerwärtigkeit,
Wie ich auch wohl verschulde:
Kommt doch die Ewigkeit,
Ist aller Freuden voll;
Dieselb ohn einigs Ende,
Dieweil ich Christum kenne,
Mir widerfahren soll.

Das ist des Vaters Wille,
Der uns geschaffen hat;
Sein Sohn hat Guts die Fülle
Erworben und Genad;
Auch Gott der heilig Geist
Im Glauben uns regieret,
Zum Reich der Himmel führet:
Ihm sei Lob, Chr und Preis!

Johann Christoph Ruben – Wiegenlied.

Schlaf sanft und wohl, schlaf, liebes Kind,
Dieweil die Engel bei dir sind!
Sie sehen Gottes Angesicht:
Sie wachen hier und schlummern nicht.

Du schläfst und liegest weich dabei:
Dein Heiland lag auf Stroh und Heu,
Im finstern Stall, auf Holz und Stein:
Du liegst in deinem Wiegelein.

Dir störet niemand Schlaf und Ruh:
Ihm setzten tausend Feinde zu.
Du lebst ohn einigen Verdruss,
Da er das Elend leiden muss.

Gott segne deiner Mutter Schoß:
Nimm zu, gedeih und werde groß,
Fromm und an deiner Seelen reich,
An Weisheit deinem Jesu gleich.

Gott fülle dich mit Gnad und Licht,
Dass durch dich andern wohl geschieht,
Und werd ein Baum, der Schatten gibt:
Du Pflänzlein, treu von Gott geliebt.

Gott ist ein wahrer Kinderfreund,
Wenn sie der Weisheit Schüler seind,
So wohl, als sein Sohn Jesus Christ
Die Kinder segnet, herzt und küsst.

Sei, wie das traute Jesuskind,
Gerecht, getreu und fromm gesinnt:
Dies Kindlein ging die Tugendbahn
Und war den Eltern untertan.

Dein Gott verkläre für und für
Sein liebes Jesuskind in dir;
Dass deine Seel erkennt und fasst,
Was du am Kindlein Jesu hast.

Was Jesus ist und heißt und tut,
Das ist und tut er dir zu gut:
Dein großes Elend macht allein,
Dass er ein Kind, wie du, musst sein.

Wer es mit diesem Kinde hält,
Für diesen ist das Reich bestellt;
Der nimmt, er sei klein oder groß,
Mit ihm dort gleiches Erb und Loos.

Wie bald ist auf der Welt verricht,
Wozu uns unser Gott verpflicht:
Es ist noch um ein kurzes Nun
und um den letzten Schlaf zu tun.

Bald weckt uns der Posaunen Ton,
Bald steiget Christus auf den Thron
Und wer mit ihm hier in Gefahr,
Verachtet, arm und elend war.

Schlaf, liebes Kind, schlaf unbetrübt!
Wenn Gott Verstand und Jahre gibt,
So wachs im Geiste Tag und Nacht,
Bis dich Gott ewig selig macht. Amen.

Lampertus Gedicke – Gottes Führung die beste.

Wie Gott mich führt, so will ich gehn,
Ohn alles Eigenwählen:
Geschicht, was er mir ausersehn,
Wird mirs an keinem fehlen.
Wie er mich führt, so geh ich mit,
Und folge willig Schritt für Schritt
In kindlichem Vertrauen.

Wie Gott mich führt, so bin ich still
Und folge seinem Leiten;
Obgleich im Fleisch der Eigenwill
Will öfters widerstreiten.
Wie Gott mich führt, bin ich bereit
In Zeit und auch in Ewigkeit,
Stets seinen Schluss zu ehren.

Wie Gott mich führt, bin ich vergnügt,
Ich ruh in seinen Händen;
Wie er es schickt, und mit mir fügt,
Wie ers will kehrn und wenden,
Sei ihm hiermit ganz heimgestellt:
Er mache, wie es ihm gefällt,
Zum Leben oder Sterben.

Wie Gott mich führt, so geb ich mich
In seinen Vaterwillen.
Scheints der Vernunft gleich wunderlich:
Sein Rat wird doch erfüllen,
Was er in Liebe hat bedacht,
Eh er mich an das Licht gebracht;
Ich bin ja nicht mein eigen.

Wie Gott mich führt, so bleib ich treu
Im Glauben, Hoffen, Leiden.
Steht er mit seiner Kraft mir bei:
Was will mich von ihm scheiden?
Ich fasse in Geduld mich fest:
Was Gott mir widerfahren lässt,
Muss mir zum besten dienen.

Wie Gott mich führt, so will ich gehn,
Es geh durch Dorn und Hecken.
Von vornen lässt sich Gott nicht sehn;
Zuletzt wird ers aufdecken,
Wie er nach seinem Vaterrat
Mich treu und wohl geführet hat:
Dies sei mein Glaubensanker.

unbekannt – An Gottes Segen ist alles gelegen.

Alles ist an Gottes Segen
und an seiner Gnad gelegen
Über alles Geld und Gut.
Wer auf Gott sein Hoffnung setzet,
Der behält ganz unverletzet
Einen freien Heldenmut.

Der mich hat bisher ernähret
Und so manches Glück bescheret,
Ist und bleibet ewig mein.
Der mich wunderlich geführet
Und noch leitet und regieret,
Wird forthin mein Helfer sein.

Viel bemühen sich um Sachen,
Die nur Sorg und Unruh machen.
Und ganz unbeständig sind:
Ich begehr nach dem zu ringen,
Was Vergnügen pflegt zu bringen,
und man jetzt gar selten findt.

Hoffnung kann das Herz erquicken:
Was ich wünsche, wird sich schicken,
So es anders Gott gefällt.
Meine Seele, Leib und Leben
Hab ich seiner Gnad ergeben
und ihm alles heimgestellt.

Er weiß schon nach seinem Willen
Mein Verlangen zu erfüllen;
Es hat alles seine Zeit.
Ich hab ihm nichts vorzuschreiben:
Wie Gott will, so muss es bleiben:
Wann Gott will, bin ich bereit.

Soll ich hier noch länger leben,
Will ich ihm nicht widerstreben;
Ich verlasse mich auf ihn:
Ist doch nichts, das lang bestehet;
Alles Irdische vergehet
und fährt wie ein Strom dahin.

Aus dem 17. Jahrh.

unbekannt – Fange Alles mit Jesu an!

Fang dein Werk mit Jesu an:
Jesus hats in Händen;
Jesum ruf zum Beistand an:
Jesus wirds wohl enden.
Steh mit Jesu morgens auf,
Geh mit Jesu schlafen;
Führ mit Jesu deinen Lauf,
Lasse Jesum schaffen.

Morgens soll der Anfang sein,
Jesum anzubeten,
Dass er woll dein Helfer sein
Stets in allen Nöten.
Morgens, Abends und bei Nacht
Will er stehn zur Seiten,
Wenn des Satans List und Macht
Dich sucht zu bestreiten.

Wenn dein Jesus mit dir ist,
Lass die Feinde wüten:
Er wird dich vor ihrer List
Schützen und behüten.
Setz nur das Vertrauen dein
In sein Allmachtshände
und glaub sicher, dass allein
Er dein Unglück wende.

Wenn denn deine Sach also
Mit Gott angefangen:
Ei, so hat es keine Not,
Wirst den Zweck erlangen;
Es wird folgen Glück und Heil
Hier in diesem Leben,
Endlich wird dir Gott dein Teil
Auch im Himmel geben.

Nun Herr Jesu, all mein Sach
Sei dir übergeben:
Es nach deinem Willen mach
Auch im Tod und Leben.
All mein Werk greif ich jetzt an,
Jesu, in dei’m Namen;
Lass es doch sein wohlgetan!
Ich sprech darauf Amen.

Johann Kolross – Psalm 127 (modernisiert)

Psalm 127.

Wo Gott zum Haus nicht gibt sein Gunst,
So arbeit jedermann umsonst.
Wo Gott die Stadt nicht selbst bewacht,
So ist umsonst der Wächter Macht.

Vergebens, dass ihr früh aufsteht,
Dazu mit Hunger schlafen geht,
Und esst eur Brot mit Ungemach:
Denn wems Gott gönnt, gibt ers im Schlaf.

Nun End sein Erben unsre Kind,
Die uns von ihm gegeben sind:
Gleich wie die Pfeil ins Starken Hand,
So ist die Jugend Gott bekannt.

Es soll und muss dem gschehen wohl,
Der dieser hat sein Köcher voll;
Sie werden nicht zu Schand noch Spott,
Vor ihrem Feind bewahrt sie Gott.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn
Samt heilgem Geist in Einem Thron:
Welchs ihm auch also sei bereit
Von nun an bis in Ewigkeit.

Kolross, Johann – Der CXXVII. Psalm.

Titz, Johann Peter – Anweisung zum Lobe Gottes in der Stille.

Willst du in der Stille fingen
Und ein Lied dem Höchsten bringen:
Lerne, wie du kannst allein
Sänger, Buch und Tempel sein.

Ist der Geist in dir beisammen
Voller Eifer, voller Flammen;
Dieser Sänger ohne Mund
Tut Gott dein Begehren kund.

Ist dein Herz, als sichs gebühret,
Recht mit Andacht ausgezieret:
Dieses Buch dann bringet dir
Wort und Weisen gnug herfür.

Wo dein Leib vom Wust der Sünden
Rein und sauber ist zu finden:
Diesen Wohnplatz, dieses Haus
Sieht ihm Gott zum Tempel aus.

Kannst du so in Stille fingen,
Kannst du dies dem Höchsten bringen:
Dann wirst du dir selbst allein
Sänger, Buch und Tempel sein.

Benjamin Prätorius – Sei getreu bis an den Tod!

Sei getreu bis an das Ende,
Daure redlich aus den Kampf!
Leidest du gleich harte Stände,
Duldest du gleich manchen Dampf:
Ach, das Leiden dieser Zeit
Ist nicht wert der Herrlichkeit,
So dein Jesus dir will geben
Dort in jenem Freudenleben.

Sei getreu in deinem Glauben!
Baue deinen Seelengrund
Nicht auf zweifelhafte Schrauben;
Lasse den Gewissensbund,
So geschlossen in der Tauf,
Gott nicht wieder sagen auf!
Der ist gottlos und verloren,
Wer meineidig dem geschworen.

Sei getreu in deiner Liebe
Gegen Gott, der dich geliebt.
An dem Nächsten Gutes übe;
und ob er dich hat betrübt,
Denke: wie dein Heiland tat,
Als er für die Feinde bat,
So musst du verzeihen eben,
Soll Gott anders dir vergeben.

Sei getreu in deinem Leiden!
Lasse dich kein Ungemach
Und auch nichts von Jesu scheiden;
Murre nicht in Weh und Ach.
Hilft denn was die Ungeduld?
Ach! sie häufet nur die Schuld:
Der trägt leichter, wer das träget
Mit Geduld, was Gott aufleget.

Sei getreu in deinem Hoffen!
Hilft gleich Gott nicht, wie du willst,
Und hat bald ein Mittel troffen,
Dass dein Wünschen werd erfüllt:
Wisse, dass oft ist die Zeit,
Da er dir die Hand auch beut,
Da dein Ohren sind verstopfet,
Wenn er lang schon angeklopfet.

Drum getreu, getreu aushalten
Musst du deinem lieben Gott:
Ihn musst du es lassen walten,
Wenn du nicht willt haben Spott.
Rufe nur! Er ist schon hier;
Sein Herz bricht ihm gegen dir.
Rufe nur! Gott ist vorhanden;
Hoffnung macht ja nicht zu Schanden.

Sei getreu in deinem Herzen,
Hüte dich vor Joabs Kuss.
Denke: Judas leidet Schmerzen
Um den falschen Teufelsgruß.
Falschheit sei dein ärgster Feind;
Rede, was dein Herze meint.
Sei zwar flug in deinem Glauben,
Und doch ohne Falsch wie Tauben.

Sei getreu in allen Sachen!
Anfang, Mittel und das End
Lass nur Gott in allem machen,
Auf dass aller Zweck sich wend
Förderst hin zu Gottes Ehr,
Ja, du selbsten noch vielmehr
Wirst auf gutem Wege gehen,
Und die Sündenbahn abstehen.

Sei getreu in Todeskämpfen!
Fechte frisch den letzten Ruck;
Lass dich keinen Teufel dämpfen:
Ach! das ist der härtste Zug:
Wer alsdann mit Jesu ringt
Und das Sündenfleisch bezwingt,
Der gewisslich Lob ersieget
und die Lebenskrone krieget.