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Schlagwort: Armut

Tauler, Johannes – Lob der Armut

Tauler, Johannes – Lob der Armut

Mein eigen lohn und alles gut
Hab ich willig vffgeben,
Mir leüchtet ein nichts den armut,
Die soll auch mein wol pflegen;
In allen landen ist mein theil,
Mein Reich ist vngemessen,
Armut ist mir vmb dwelt nit feil,
Die mein bald würd vergessen.

Wa ich bin komm ist mir bereit
Mein trincken vnd mein essen,
Mancher mensch gibt mirs in der zeit,
Der sichs nit hät vermessen.
Dauon ich bin gar sofgenfrey,
Mit kömmer vnbeladen,
Vff anders baw, sey wa ich sey,
Dz ist vff Gottes gnaden.

Wir dörffen doch nit Irre gahn,
Der weg ist vns gebawnet;
Christus vff erden hats gethan,
Er vns darzu vermanet.
Sein Apostel vnd lehrer lroß,
Die weisen vns behende
Durch vil geduld in armut bloß,
Auch in ein thieff ellende.

Wöllen wir doch von armut recht
Singen, so müßn wir eben
Betrachten, dz die armut schlecht
Vor Gott nichts gilt im leben.
Sie sey dan auch durch liebe rein,
Allein vmb Christi willen.
Armut des geists, die gilt allein,
Thut liebe werck erfüllen.

Es ist armut ein freyes pfand,
Wöllen wir es nun lösen,
Armut deß geists durch liebe band
Auch meidung alles bösen
Müssen wir han; welches erhelt
In Einigkeit all frommen.
Durch leiden, schmach in dieser welt,
Mögen wir baldt zukommen.

All die armut geliebet han,
Die hat man ser getrücket,
Leiden gehört noch armut ahn,
Damit sie sich wol schm´ücket.
Christus hats vns auch vorgesagt,
Drumb sol Ich nit verzagen,
Armut manchen in himmel tragt
Durch Christi hilff eriagen.

Dieweil armuth den rhume hat,
Wie vns Christus thut leeren,
Ob man die schänd an alle statt,
Zur armut wil mich keeren.
Armut ist mir lieber dan Goldt,
Ich will die nitt verkauffen,
Der mir vmb Reichthumb nemmen wolt,
Von dem wölt ich weg lauffen.

Doch sollen vnuerachtet sein
All gnedig gottes gaben,
Ob ir vil seind reich in gemein,
Hauß, hoff vnd äcker haben,
die sollen drauff sich lassen nitt,
Zergencklich mag nit bleiben,
Ir gut den armen theilen mitt,
Nur Gott seim gut zuschreiben.

Der hie nicht hat, auch nichts begert,
Ist frey von allen sorgen,
Gott ihn alltag so vil beschert,
Daß keiner ihn darff borgen.
Wer voran tracht nach Gottes reich,
Dem wirt alles zufallen,
Er hat mit Gott all ding zugleich,
Christus alles in allen.