Schirmer, Michael – Ach mein geliebtes Jesulein

Ach mein geliebtes Jesulein,
mein theurer Schatz, mein Trost allein,
du Stiller meiner Schmerzen;
ach komm, ach komm, kehr‘ bei mir ein,
komm, laß dein Ruhe-Bettlein seyn
den Abgrund meines Herzens,
daß ich deiner stets gedenke,
mich nicht lenke,
noch mich wende,
kommt herbei mein Lebens-Ende.

Ehr‘ Reichthum, Hoheit, Gut und Geld,
und was sonst in der schnöden Welt,
mag keine Lust mir bringen;
mein ganzes Herz erfreuet sich,
wenn ich, mein Jesu, denk‘ an dich,
wenn ich von dir kann singen;
drum ich nur dich
such‘ und ehre,
ach vermehre
meinen Willen;
was du willst, hilf mir erfüllen.

Gelobt sey Gott im höchsten Thron,
gelobt sey Jesus Gottes Sohn,
daß er zum Heil geboren,
uns, die wir elend und gering,
hat nun der Schöpfer aller Ding‘
zum Himmelreich erkoren.
Klinget, singet!
nun soll werden
Fried‘ auf Erden,
und in allen
uns ein herzlich Wohlgefallen.

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832

Schmolck, Benjamin – Ach Jesu, nimm mein Herz von mir

Ach Jesu, nimm mein Herz von mir,
nur deine soll es seyn;
nichts mehr begehr‘ ich sonst von dir,
als deinen Gnadenschein.

Umfasse mich mit deiner Huld,
reich‘ mir so Herz als Hand,
so bleib‘ ich ewig in der Schuld
und du mein Unterpfand.

Laß mir nichts Angenehmers seyn
als deine Liebesgluth,
vor dieser weichet alle Pein,
denn sie macht alles gut.

Nimm mich der Welt und gieb mich dir,
schreib‘ dich in meine Brust,
ein himmlisch Herze sey in mir,
ergötzt durch deine Lust.

Hab‘ ich dich nur, so kann mein Geist
recht wohl vergnüget seyn;
ich suche nichts was irdisch heißt,
nur, Jesu, dich allein.

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832

Lau, Samuel – Muth im Kampfe

Ach Herr, du wollst die Wehmuth stillen,
und meinen Geist mit Trost erfüllen,
damit sich stets mein ganzer Will‘
in dein erbarmend Herz verhüll‘.

Du weißt es ja, daß ich dich liebe,
und mich in deiner Führung übe;
doch siehst du auch der Feinde List,
die meinem Ziel entgegen ist.

O Jesu, laß mich auf dich sehen,
mein Seufzen kannst du nicht verschmähen,
du stärkest mich in allem Streit,
so sieg‘ und überwind‘ ich weit.

Drum kann mir nichts auf dieser Erden
unüberwindlich mächtig werden;
warum? ich streite nicht allein;
so kann ich kühn und ruhig seyn.

Wirst du mir deine Kräfte geben,
in deiner Gnade stets zu leben;
so jauchz‘ ich bei der Allmacht Schutz,
und biete allen Feinden Trutz.

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832

Zehner, Samuel – Gebet

Ach Gott! gieb du uns deine Gnad‘,
daß wir all‘ Sünd‘ und Missethat
bußfertiglich erkennen,
und glauben fest an Jesum Christ,
der unsre Hülf‘ und Meister ist,
wie er sich selbst thut nennen.

Hilf, daß wir auch nach deinem Wort
gottselig leben immerfort,
zu Ehren deinem NAmen,
daß uns dein guter Geist regier‘,
auf ebner Bahn zum Himmel führ‘
durch Jesum Christum, Amen.

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832

Schmolck, Benjamin – Ach! daß wir Friede sollten hören,

Ach! daß wir Friede sollten hören,
in unsers Gottes Heiligthum,
so wird uns keine Furcht bethören,
denn Gott ist unser Sieg und Ruhm.
Wir stimmen ein mit unserm Liede:
du Friedefürst, gieb Friede, Friede!

Laß Güt‘ und Treue sich begegnen,
es küsse Fried‘ und Recht sich hier,
laß Sieg und Glück vom Himmel regnen,
auf Erden wachse Treu‘ herfür.
Wir stimmen ein mit unserm Liede:
du Friedefürst, gieb Friede, Friede!

So singt man in gerechten Hütten,
so klingt, was deinen Ruhm erhöht;
du wirst mit Gutem uns beschütten,
daß unser Land im Wachsthum steht.
Wir stimmen ein mit unserm Liede:
du Friedefürst, gieb Friede, Friede!

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832

Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Abba! Vater!

Abba! Vater! der du dich
immer so an mir bewiesen,
sey von mir herzinniglich
für dein Vaterherz gepriesen,
das viel mehr an mir gethan,
als der treuste Vater kann.

Nirgends hat’s ein Kind so gut,
als in deiner treuen Pflege.
Wer es weiß, wie sanft sich’Äs ruht,
so man dir im Schooße läge,
der ließ‘ alldes andre seyn,
wär‘ ein Kind, und legt‘ sich drein.

Abba! ruft mein Herz in mir.
Und dein Geist, der dich verkläret,
schreit im Innersten zu dir:
Abba! Vater! sei geehret!
richte kindlich meinen Sinn
zu dem Vaterherzen hin!

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832

Schmolck, Benjamin – Komm, du Heiden Heiland, an

Komm, du Heiden Heiland, an,
der den Himmel aufgethan
und auf Erden Friede bringt,
daß man Hosianna singt.

Komm und kehre bei uns ein,
dui sollst unser König seyn.
Unsre Herzen sind dein Thron,
Gottes und Maria’s Sohn.

Gott im Fleisch geoffenbart,
doch nicht nach des Fleisches Art,
sondern über die Vernunft,
durch des Geistes Ueberkunft.

Mensch, zu aller Menschen Heil,
an dir nehmen Alle Theil,
denn du bist der ganzen Welt
als der Heiland vorgestellt.

Gott mit uns, Immanuel,
den ich innig mir erwähl‘,
du kommst in dies Thränenthal,
sey willkommen tausendmal.

Herz und Kirche steh’n bereit
und wir werfen Zweig und Kleid
unter deine Füße hin;
eile, bei uns einzuzieh’n.

Wir empfangen deinen Gruß
durch der Liebe heißen Kuß
und wir schwören, dir allein
im Gehorsam treu zu seyn.

Glaube, Lieb‘ und Hoffnung sind
dir zu Ehren angezünd’t,
diese Fackeln tragen wir
deiner hohen Ankunft für.

Nimm uns auf in deinen Schooß,
mach‘ uns von den Banden los,
welche das Gewissen trägt
und uns Satan angelegt.

Baue unter uns dein Reich,
mach‘ uns dir im Wandel gleich,
tödt‘ in uns des Fleisches Kraft,
daß der Geist viel Früchte schafft.

Pflanz‘ uns deine Demuth ein,
laß uns voller Sanftmuth seyn.
Legst du eine Last uns auf,
leg‘ auch deinen Segen drauf.

Endlich, o du Lebensfürst!
wenn du wiederkommen wirst,
will ich Hosianna schrei’n,
das wird Hallelujah seyn.

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832

Weisse, Michael – Verilla Regis

DIe Propheten han propheceyt
vnd geschrieben vor langer zeyt,
Wie Jesus Christus Leyden würd
vnd auff sich laden vnser bürd.

Die haben jn im Geyst gesehn,
ee es hie leyblich ist geschehn,
Für vnser missethat geplagt,
wie Esaias hat gesagt.

Ey, welch ein wunderlich geschicht!
Gott schonet seines Sones nicht,
Er straffet jn für vnser schuld
vnd er leydets als mit gedult!

Wir waren all in Gottes zorn
vnd als irrende schaff verlorn:
Nu wird sein Son für vns verwundt
vnd vnser seel dadurch gesundt!

Die Sonne verbirgt jren schein,
es spalten auff Felsen vnd Stein,
Die erd erbebt vor seinem Blut,
dauon sich auch manch Grab auffthut.

Bewaynen wir nach seinem rath
vns selbest vnd nicht seinen Todt,
Denn wir, so gantz elend vnd schwach,
seind jm des Leydens ein vrsach.

O schawen wir den Bischoff an,
der vnser sünd versönen kan
Vnd vns füren jns Himelreych
denn jm ist, noch wird niemandt gleych.

Nicht mit Bocks oder Kelber blut
versönet er des Vatern mut,
Sonder mit seinem eignen blut
macht er all vnser sachen gut.

Bleybet Priester inn ewigkeyt,
bestettiget mit Gottes eyd,
Vnd gibt nach Melchisedechs weyß
den Hungrigen geystliche Speyß.

Ein solcher Bischoff war vns not,
der nicht mehr förchten darff den tod,
Der auch vnser schwacheit versucht,
vnschuldig sey vnd vnuerflucht.

O Christe, setz dein bittern Todt
für vnser sünd vnd missethat,
Sey mit deinem opffer vor Gott
vnser versöner frü vnd spat.

Wackernagel

Horn, Johann – Von der Geburt Jesu Christi

In dulci iubilo

LOb Got, du Christenheit,
danck jm mit grosser freud,
Vnsers hertzen wonne
ist vns geboren heut
vnd leuchtet wie die Sonne
in dieser tunckeln zeyt,
Durch sein werdes wort
scheynt vnser höchster hort.

Ey groß wünderlich ding:
ein Junckfraw schwanger gieng,
Gebar den Emanuel,
den Heyland aller welt,
vom Engel Gabriel
die Botschafft dargestelt,
Wie durch des Geystes krafft
blieb jre Junckfrawschafft.

Gott hat sich verhalten
vnd seinen gesalbten
Nach sein wort gegeben,
welches herrligkeyt
wird ewigklich bleyben
vnd mit barmhertzigkeyt
Die seinen regieren,
sie leyten vnd füren.

O welch ein grosses Heyl,
ein schön lieblich erbteyl
Hast du, Herr, den deinen
bereyt inn deinem Son!
des sich die Engel frewen,
dich ehrn im höchsten thron,
Wünschen frid auff erden,
ein freude den menschen.

Aller freundtlichster Herr,
nach dir verlangt vns sehr,
Wir müsten verderben
mit allem vnserm thun,
nu hast du vns erworben
ewige freud vnd wunn
Auß barmhertzigkeyt,
o tieffe miltigkeyt!

Ey nu, Herr Jesu Christ,
der du mensch worden bist
Inn so grosser armut
dich willig geben hast
vnd in solcher demut
vom Teuffel vns erlöst:
Laß nicht verloren sein
an vns die wolthat dein!

O warer mensch vnd Gott,
tröst vns inn aller not,
Hilff durch deine güte
zu der newen geburt,
vernew vnser gemüte,
das wir mit dir auch dort
Die Kron der herrligkeyt
geniessen inn ewigkeyt! Amen.

Wackernagel

Sachs, Hans – Der zehend Psalm Dauid, hoch zuo singen.

vt quid domine recessisti longe.

HErr, warumb trittest du so ferr,
verbirgst dich zu erbarme?
Der gotloß vberhandt nimbt seer,
sich muß leyden der arme!
Der gotloß seyn mutwillen yebt
nach seym fürnemen, wie jm liebt,
Rhümbt sich des wie jn luste.

Vnd der yetzig sich selbs segnet
vnd lestert Got den Herre,
Weyl des gotlosen zorn fortgeht,
fragt er nach niemand mere,
All sein anschleg sind on Gott,
deyne gericht sind jm eyn spot,
er handelt trutzigklichen.

In seynem hertzen er da spricht:
mein Reich geth nit zu grunde,
Es wirdt nit haben not, er dicht,
vol fluches ist seyn munde,
Vnter seyner zung ist mühe, arbeyt,
sitzt auff der lawre alle zeyt,
Erwürgt die vnschuldigen.

Seine augen die haben acht
auff den ellenden hauffen,
Er lawrt im verborgen der nacht,
wie ein Löw thut der strauffen,
Auff das er den ellenden hetz
vnd zeucht jn darnach in sein netz,
Wenn er jn hat erhaschet.

Den armen er schlecht, felt vnd krümbt,
mit gwalt thut er jn pressen,
In seynem hertzen er sich rhümbt,
sam hab Got sein vergessen,
Des armen not gar alle sandt:
O Herr, stehe auff, erheb dein handt,
Vergiß nicht des ellenden!

Warumb lestert der gotloß Got
vnd spricht in seinem hertzen:
Du fragst nicht nach der armen noth
vnd schawst doch iamer, schmertzen,
Das man disr in dein hend geb auff,
das wirt auch thun der arme hauff,
Du bist der waysen helffer.

Den arm des gotlosen zerbrich
vnd such sein grimmen bösen,
So wirstu finden schnelligklich
nymmer seyn gotloß wesen.
Der Herr ist Küng ewigkleich,
on endt, ewig so werdt seyn reich,
Die heyden wern vmb kummen.

O herre Got, du hörest zu
der ellenden verlange,
Ir hertz schreyt zu dir spat vnd fru,
dein or merck auff ir gsange!
Dem armen waysen schaff du recht,
den der Tyrann lang hat durchächt
Mit freuel hie auff erden!

 

Wackernagel