Waldis, Burcard – Psalm CL.

Ein Lob- und Dankpsalm, daß Gott sein Kirch erhält, den Herren Christum und sein Wort uns geben hat.

Lobt Gott in seinem Heiligthum,
Ihr Christen hie auf Erden,
Sagt ihm Lob, Dank Preis, Ehr und Ruhm,
Sein Wort verbreit muß werden,
Sein Wunderthat, dadurch er hat
Sein Macht uns wollt beweisen,
Sein Herrlichkeit zu preisen,

Daß er Christ, seinen lieben Sohn,
Für unser Sünd hat geben,
Durch den wir Gnad beim Vater han,
Durch seinen Tod das Leben,
Von Sünden fein die Gwissen rein
Fröhlich für Gott zu treten,
Abba zum Vater beten,

Daß solchs sein Wort verkündet werd
Bei allen Menschen Kinden,
Sich vom Anfang zum End der Erd
All Völker zu ihm finden.
Was Athem hat, laß solche Gnad
Mit Lob und Dank erklingen
Und Halleluja singen.

Waldis, Burcart – Psalm XXIII.

Eine Weissagung vom Reich Christi, und daß ihn alle Welt annehmen solle.

Gott Lob, daß wir die Gottes Kraft
In aller Welt jetzt sehen;
Sein Wille das Evangeli schafft,
Und müssens lan geschehen.
Ob man jetzt tob und machs auch grob,
Schaffts dennoch seinen Willen.
Man lauf, man renn, man köpf, man brenn,
Wirds gwißlich niemand stillen;
Es muß sein Lauf erfüllen.

All, die sich aber geben drein
Und lassens fröhlich walten,
Sollen von Sünden werden rein
Und durch dasselb erhalten.
Die ihre Herz nit dort hinwärts
Nach loser Lehre biegen,
Nit sein bereit zu falschem Eid,
Die werden dadurch siegen,
Sünd, Tod und Hell betriegen.

Sie sölln den Segen von dem Herrn
Und Grechtigkeit empfangen.
Gott wird sein Heil an den vermehrn,
Die darnach thut verlangen.
Des Herrn Geschlecht bleibt allzeit recht,
Die seinem Wort nachjagen,
Thut ihn zu Stund sein Willen kund,
Wann ihm fleißig nachfragen;
Niemand wird sie verklagen.

Darumb, ihr Herrn, wöllt wacker sein,
Eur Thor macht hoch und weite.
Es zeucht der Ehrenkönig rein,
Der mächtig ist im Streite.
Ob Jemand zagt, weiter nachfragt,
Wollt ihn halten verdächtig,
Dem sagen wir, daß sich drauf verlaß,
Er ist der König mächtig,
Im Streit stark, gwaltig, prächtig.

Drumb thut frisch fröhlich auf eur Thor,
Es soll euch sein ohn Schaden;
Der Ehrenkönig ist davor,
Er kommt mit eitel Gnaden.
Fragt weiter nicht und seid bericht,
Er ist der Ehrenkönig,
Der rechte Gott von Zebaoth;
Werd ihm nit widerspännig
Und seid ihm unterthänig.

Deß dankn wir Gott für solche Gnad
Und wölln an ihm nit zagen,
Der uns so hoch begnadet hat
Jetzt in den letzten Tagen
Durch Jesum Christ, der für uns ist
Zum Opfer übergeben,
Vergoß sein Blut uns alln zu gut,
Auf daß wir in ihm leben,
Ewig in Freuden schweben.

Walter, Johann – Herzlich lieb hab ich dich, mein Gott.

Herzlich lieb hab ich dich, mein Gott,
Mein Hort, auf den ich traue,
Und mein Erretter in der Noth,
Mein Fels, darauf ich baue.
Mein Stärk und Burg allein du bist,
Darauf ich mich verlasse;
Mein Schild und Schutz dein Wort mir ist,
Welchs ich im Glauben fasse.

Gott ist mein Heil und Lebens Kraft,
Mein Horn, darauf ich trotze;
Sein Gnaden Wort mein Stärk und Saft;
Mein Hoffnung ich drauf setze.
Gott ist mein Schatz und Glaubens Licht,
Mein Hilf und Trost alleine,
Meins Herzen Freud und Zuversicht;
Der Welt Gunst acht ich kleine.

Herr Gott, hilf mir, daß ich dich kann
Von Herzen Vater nennen,
Und Christum, deinen lieben Sohn,
Im Glauben recht erkennen,
Daß sein Blut mich vom Tod erlost
Mir bracht das ewig Leben.
Herr Jesu Christ, dein Hilf und Trost
Mir allzeit wollest geben.

Gott heilger Geist, dein Gnad verleih,
Daß ich dies Wort behalte,
Daß mein Glaub nicht sei Heuchelei,
Die Lieb auch nicht erkalte.
Gott, du heilge Dreifaltigkeit,
Dein Kraft mich wöll bewahren
Und stärk meins Fleisches Blödigkeit,
Wenn ich von hin soll fahren.

Weisse, Michael – Christus in leiblicher Person

CHristus jnn leiblicher person
ist imm himmel vor Gottes thron,
Das zeigt die schriefft so klerlich an,
das auch kein Christen leugnen kann.

Aber mit seim heiligen geist
begabt er sein volck allermeist,
Richtet sein auserwelten an,
das sein wort jnn ihn hafften kan.

Nimpt sie durch seine boten auf,
unnd versichert sie mit der tauff,
Ja auch mit seinem testament,
das er ihn günstig sey on end.

Die menschen, durch Christum erkaufft
unnd jnn seine warheit getaufft,
Seind edler denn das testament,
welchs er doch seinen leichnam nennt.

Denn er verordnets jhn zu dienst,
daß ihnen zeuget sein verdienst,
Yhnen zu dienst leid er den todt,
trit auch yhnen zu dienst für Got.

Ihnen giebet er grossen preis,
wiel auch, das man yhn gunst beweiß,
Ja auch dienen die sacrament
und was man creaturen nennt.

Wer anders leert, der jrret ser
wider Christum und seine leer
Und ist gewies ein falsch prophet,
wenn er gleich wunderzeichen thet.

Das sacrament bleibt wein und brot
und wirt nicht verwandelt inn Got,
Es wirt wol leib und blut genant,
hat aber geistlichen verstandt.

Christi leib und blut, blos und schlecht,
macht niemanden vor Got gerecht,
Aber der geist inn seiner krafft
giebt vielen dörren hertzen saft.

Der Herr redet an manchem ort
durch gleichnis und verborgne wort:
Solt mans dann als fleischlich verstehn,
so müst der glaub zu boden gehn.

Die ersten Christen glaubten recht
und entpfingen wirdig und schlecht
Das testament nach Christi leer,
beweysten yhm nicht Gotlich ehr.

Ey, last unns auch des gleichen thun
und got bieten durch seinen sohn,
Das er uns das verleihen wolt
und bewaren inn seiner huld!

Weisse, Michael – O Gott Vater, gebenedeyt in ewigkeyt

O Gott Vater, gebenedeyt in ewigkeyt
sih heut an durch deine barmhertzigkeyt,
Wie so vil Feind nach unsrem leben stehn
und sehr listig mit uns umbgehn.

Der böse Feind geht on unterlaß umb uns her,
brummet als ein grimmiger Löw und Beer,
Thut fleyt, das er uns lebendig verschling,
fellet inn jrrthumb und Todtsünd.

Wo er durch sich selbst an uns nichts schaffen kan,
so geht er und hetzet alle Welt an,
Das sie mit freuel deine gnad veracht
und sich mit grimm an dein volck macht.

So lest auch das fleysch unsrem geyste keine rhu,
sonder richtet jm vil ungemach zu,
Krieget mit jm und wil sein Herre sein
und der förchtet ewige pein.

Diesem Geyst, der mit dem Fleysche kempfft alle zeyt
und inn nöten umb beystandt zu dir schreyt,
Verleyh krafft, das er jm nicht unterlig,
sonder frey uberwind und sieg.

Unser feind ist Sathan, Fleysch, Welt und Antichrist,
wider welches giefft, grimm und arge list
Unser geyst tag und nacht zu streytten hat:
o thu jm beystandt, herre Gott.

O leg uns den thewren harnisch der warheyt an,
das wir sicher wandlen auff deiner ban!
Sterck uns im glauben, lieb und zuuersicht,
das uns nicht schad der bösewicht!

O Herr, laß dich milt und barmhertzig erfinden
und hilff, das wir herrschen allen sünden,
Dem bösen Feind und seinem gantzen heer,
deinem Namen zu lob und ehr.

Amen singen wir eintrechtig auß hertzen brunst;
o Vater, du wöllest auß lieb und gunst
Durch Jesum Christum, deinen lieben Son,
uns allzeyt hülff und beystandt thun.

Weisse, Michael – Der Tag bricht an

DEr tag bricht an und zeyget sich;
o Herre Gott, wir loben dich,
Wir dancken dir, du höchstes gut,
das du uns die nacht hast behüt!

Bitten dich auch, behüt uns heut,
denn wir seind alhie bilgersleut,
Steh uns bey, thu hülff und bewar,
das uns keyn ubel widerfar!

O regier uns mit starcker handt,
auff dz dein werck in uns erkannt,
Dein Namen durch glaubreych geberd
in uns Heylig erweyset werd.

Hilff, das der Geyst zuchtmeyster bleyb,
das arge fleysch so zwing und treyb,
Das sichs nicht so gar ungestüm
erheb und ewiglich verthum.

Sterck jn, das er all ubel schwech,
des fleysches mut und willen brech,
Das sichs nicht inn wollust ergeb
und wie vorhyn inn sünden leb.

Versorg uns auch, o Herre Gott,
auff diesen tag nach aller not,
Teyl uns deinn milten segen aus,
denn unser sorg richtet nichts auß.

Gib deinn segen auff unser thun,
fertig unser arbeyt und lohn
Durch Jesum Christum, deinen Son,
unsern Herren für deinem thron. Amen.

Weisse, Michael – Abendlied

DIe Sonne wird mit jrem schein
eine weyl ytzt nicht bey uns sein:
O Gott, du unbegreyfflich liecht,
weych du nur von uns armen nicht!

Zu dir steht unser zuuersicht
auff dich ist unser thun gericht,
Und wenn du uns liessest faren
so könd uns niemands bewaren.

Denn der Feind haben wir sehr vil,
die auff uns schiessen wie zum zil,
Und wenn wir on dich entschlieffen,
so hetten sie uns ergriffen.

Wir opffern uns dir gantz und gar,
o Vater, nimm heynt unser war,
Das uns die Feind nicht verzeren
weyl wir uns nicht können wehren.

Gesegne uns inn deinem Son,
on welchen wir nichts können thun,
Gib, das unser hertz bey dir bleyb
und morgen deins lobes mer treyb.

Ey nu, Gott Vater und schöpffer,
nimm an unser abent opffer
Durch Jesum Christum, deinen Son,
unsern mitler vor deinem thron! Amen.

Zwick, Johannes – Ein anders gsang uff den Uffarttag.

ICh gloub in Gott, den vatter min,
ouch sin einigen sone,
Und hoff, das ich dardurch söll syn
erlößt von sünd on wone.
Ich gloub, wie Christus zhimmel gfarn,
das er mich werd herab bewarn,
biß er mich zu jm nemme.

Ich gloub, das er zur rechten hand
des vatter sitz mit gwalte;
Er ists, der bricht des tüffels band,
das er die sinen bhalte.
O Herre Gott, o Jesu Christ,
bhür uns die hand zu aller frist,
züch uns zu dir inn himmel.

Ich gloub ouch, das er mit der zyt,
glych wie er ufgestigen,
Werd wider kommen: ist nit wyt,
wiewol die stund verschwigen,
Die zeichen aber wüssend wir,
vilycht sind sy verloffen schier,
ee das wirs recht bedencken.

Die wält hats alles für ein schimpff,
wie vil sy rümpt mit worten,
Allein das sy jrn sünden glimpff,
Gott geb, wo dhelle porten,
Sy denckt nit an den grossen tag,
ob er sy treff mit wee und klag,
da rüw und buß verloren.

Hüt halt mans fest der himmelfart
durch Christum unsern Herren,
Noch haltend vil die widerpart,
dies zyt mit schand verzeeren,
Das hochzyt kleid hand sy nit an,
sy werden aber dencken dran,
was wir yetz hand gesungen.

Gott wöll, das unser hertz und mund
mit warheit zsamen stimme
Unnd gdenckind all der letsten stund,
was sich der selben zimme,
Das unns die wolcken tragind ouch
mit Christo in den himmel hoch,
hilff Gott, das wirs erfarind.

Zwick, Johannes – Die acht Säligkeiten.

CHristus mit sinen jüngern gieng
uff einen berg gar hoch, anfieng
Zu leeren mit sim heilgen mund,
was doch der säligkeit grund. Kyrieleison.

Sälig sind die ja geistlich arm,
damit sich jren Gott erbarm,
In demut wandlend willigklich,
drum ghörends in Gottes rych. Kyrieleison.

Die leid tragend umb alls unrecht,
zelt Christus ouch zum sälgen gschlächt,
Sy werdend tröst und wol bewart,
so wältlich fröud zhelle fart. Kyrieleison.

Sälig sind die eins senfften gmüt,
welchs dliebe für alls zytlich bhüt,
Sy handlend alls mit glimpff unnd füg,
drumb wirdt jn hie und dört gnug. Kyrieleison.

Sälig sind ouch, den es darumb
zethun ist, das sy werdind frumb,
Die hungert, daß möcht recht zugen:
Gott wirts nit ungspyset lon. Kyrieleison.

Sälig sind die barmhertzigen,
dens nächsten not thut anligen:
Inn wirdt ouch Gott barmhertzig syn,
für wenig zaln grossen gwün. Kyrieleison.

Wol den, die sind von hertzen rein
und suchend nicht dann Gott allein,
On trug, on falsch und glychßnery,
drumb werdends Gott sehen fry. Kyrieleison.

Ouch wirts gut hon unnd sälig syn,
der selbs frid halt, und legt sich dryn,
Das zfriden kommend alle fynd,
der ist fürwar Gottes kind. Kyrieleison.

Sälig sind die wend glouben recht
und werdend dannocht darumb gschmächt:
Nun frölich dran! man hats gewont,
doch lats gott nit unbelont. Kyrieleison.

Diß sind die stuck der säligkeit,
zu läben in der ghorsamkeit,
Wie dann ußwyset Christus leer,
zesuchenn Gotts lob und eer.

Wie torecht ist die sündtlich wält,
die dsäligkeit by gut und gält
Wil suchen, unnd gedenckt nit dran,
daß doch nit lang wirt beston.