Gerhardt, Paul – Weint, und weint gleichwohl nicht zu sehr

1. Weint, und weint gleichwohl nicht zu sehr,
Denn was euch abgestorben,
Ist wohl daran und hat nunmehr
Das beste Teil erworben!
Es ist hindurch ins Vaterland,
Nachdem der harte schwere Stand,
Der hier war, überstanden.

2. Hier sind wir auf der wilden See
Im Sturm und tiefen Fluten,
Da gehts uns, daß vor Ach und Weh
Das Herze möchte bluten.
Sobald der Mensch ins Leben tritt,
Sobald kommt auch die Trübsal mit
Und folgt ihm auf dem Fuße.

3.Da ist kein Kind so zart und klein,
Es muß sein Leiden tragen:
Ein jedes hat sein Angst und Pein,
Kanns oft nicht von sich sagen;
Und wenns auch gleich noch etwas spricht,
So bleibt doch drum das Elend nicht
Von seines Leibes Gliedern.

4. Kommts auf die Bein und wächst herzu,
Lernt schwarz und weiß verstehen,
So merks, was man auf Erden tu,
Wie Menschen werke gehen,
Sieht lauter Böses, gar nichts Guts,
Darüber wirds betrübtes Muts
Und fängt sich an zu grämen.

5. Hilft endlich Gott zur vollen Kraft
Und reifen Mannesjahren,
Tritts in den Stand, da man was schafft,
Da kanns denn recht erfahren,
Wie alles so voll Mühe sei:
Und hat doch selten mehr dabei
Als wenig gute Stunden

6. Das alles sieht der Vater an,
Die Mutter nimmts zu Herzen,
Und niemand ist, der helfen kann;
Da kommen denn die Schmerzen,
Die häufen sich ohn Unterlaß
Und halten stets die Augen naß
Bei Eltern und bei Kindern.

7. Drum laßts Gott machen, wie er will!
Er weiß die besten Weisen.
Wer balde kommt zu seinem Zeil,
Der darf nicht ferne reisen;
Und wer bei Zeit wird ausgespannt,
Der darf des Jammers schweren Stand
Nicht allzu lange ziehen.

8. Was unser Welt ist zugedacht,
Darf euer Kind nicht schmecken;
Es schläft und ruht, bis Gottes Macht
Es wieder wird erwecken.
Und wann ihr kommt ins Himmels Saal,
So wird euch Kinder Zahl
Mit großer Lust empfangen.

9. So schlaf nun wohl, du herzes Kind,
Doch tröste Gott die Deinen,
Wann jetzt ihr Herz und Auge rinnt,
Und kehr ihr bittres Weinen
Zu seiner Zeit, die er bestellt,
Auf Weis und Art, die ihm gefällt,
In Freund und süßes singen.

Gerhardt, Paul – Wer selig stirbt, stirbt nicht

1. Wer selig stirbt, stirbt nicht!
Ein guter Tod gedeiht zum Leben
Und macht die Seel in Freuden schweben
Vor Gottes Angesicht.
Laß alles fallen und vergehen,
Wer Christo stirbt, bleibt ewig stehen.

2. Da sehts oft vielen an:
Herrn Preuneln aber ists gelungen,
Der hat mit Christo durchgedrungen,
Ist nun sehr herrlich dran.
In Christo, sprach er, sei mein Ende,
Dem geb ich mich in seine Hände.

3. Herr Jesu, du bist mein!
Du hast dich selber mir geschenket.
Auch bin ich dir ganz eingesenket,
Und leb und sterbe dein.
Und soll kein Kreuz, kein Schmerz, kein Leiden
Ja uns soll auch der Tod nicht scheiden.

4. Und damit ging er hin!
Heißt das nun nicht recht selig sterben?
Wer kann doch immermehr verderben
Bei so gestaltem Sinn?
Wer hier in Christo wohl gewesen,
Wird dort bei Christo wohl genesen.

5. Drum weinet nicht zu viel,
Ihr, die Herr Preunel hat geliebet:
Denn der, an dem ihr euch betrübet,
Hat sein erwünsches Ziel.
Laßt vielmehr diesen Seufzer hören:
Gott woll auch uns so sterben lehren!

Gerhardt, Paul – Wer unterm Schirm des Höchsten sitzt

1. Wer unterm Schirm des Höchsten sitzt,
Der ist sehr wohl bedecket,
Wenn alles donnert, kracht und blitzt,
Bleibt sein Herz ungeschrecket;
Er spricht zum Herrn: Du bist mein Licht,
Mein Hoffnung, meine Zuversicht,
Mein Turm und starke Feste,
Du rettest mich vons Jagers Strick
Und treibst des Todes Netz zurück
Und schützest mich aufs beste.

2. Frisch auf, mein Herz! Gott stärket dich
Mit Kraft auf allen Seiten;
Schau her, wie seine Flügel sich
Ganz über dich ausbreiten!
Sein Schirm umfängt und deckt dich gar,
Sein Schild fängt auf, was hie und dar
Von Pfeilen fleugt und tobet:
Der Schild ist Gottes wahres Wort,
Der Schirm ist, was der stocke Hort
Versprochen und gelobet.

3. Wenn dich die schwarze Nacht umgibt,
Kannst du fein sicher schlafen,
Des Tages bleibst du unbetrübt
Von deines Feindes Waffen.
Die Peste, die im Finstern schleicht,
Und des Mittages umherkreucht,
Wird von dir obgeführet;
Und wenn gleich tausend fallen hier,
Und zehentausend hart bei dir,
Bleibst du doch unberühret.

4. Hingegen wirst du Lust und Freud
An deinen Feinden sehen,
Wenn Ihnen alles Herzeleid
Vom Höchsten wird geschehen;
Wer Gott verläßt, wird wiederum
Verlassen und mit großem Grimm
Zu seiner Zeit geschlagen;
Du aber, der du bleibst bei Gott,
Findst Gnad und darfst in keiner Not
Ohn Hilf und Trost vertagen.

5. Kein Übels wird zu deiner Hütt
Eingehn und dir begegnen,
Gott wird all deine Tritt und Schritt
Auf deinen Wegen segnen:
Denn er hat seiner Engelschar
Befohlen, daß sie vor Gefahr
Dich ganz genau bewahren,
Daß dein Fuß möge sicher sein
Und nicht vielleicht an einen Stein
Zu deinem Schaden fahren.

6. Du wirst auf wilden Leuen stehn
Und treten auf die Drachen;
Du wirst ihr Gift und scharfe Zähn
In deinem Sinn verlachen.
Das machts, daß Gott will bei dir sein,
Der spricht: Mein Knecht begehret mein,
So will ich ihm beispringen:
Er kennet meines Names Zier,
Drum will ich ihm auch nach Begier
Mein Hilf und Rettung bringen.

7. Er ruft mich an, so will ich ihn
Ganz gnädig erhören;
Wenn sein Feind auf ihn aus will ziehn,
So will ich stehn und wehren.
Ich will reißen aus dem Tod
Und noch erlittner Angst und Not
Mit großer Ehr ergetzen;
Ich will ihn machen Lebens satt
Und, wenn er gnug gelebet hat,
Ins ewge Heil versetzen.

Gerhardt, Paul – Wie ist so groß und schwer die Last

1. Wie ist so groß und schwer die Last,
Die du uns aufgeleget hast,
O aller Götter Gott!
Gott, der du streng und eifrig bist
Dem, der nicht fromm und heilig ist.

2. Die Last, die ist die Kriegsflut,
So jetzt die Welt mit totem Blut
Und heißen Tränen füllt;
Es ist das Feur, das hitzt und brennt,
So weit fast Sonn und Mond sich wendt.

3. Groß ist die Last, doch ist dabei
Dein starker Schutz und Vatertreu
Uns gar nicht unbekannt:
Du strafst, und mitten in dem Leid
Erzeigst du Lieb und Freundlichkeit.

4. Wir unsers Teils sind dir verpflicht´t
Dafür, daß du dein Heil und Licht
Uns niemals ganz versagt;
Viel andre hast du abgelohnt,
Uns hast du ja noch oft verschont.

5. Wie manchmal hat sich hier und dar
Ein großes Wetter der Gefahr
Um uns gezogen auf;
Dein Hand, die Erd und Himmel trägt,
Hat Sturm und Wetter beigelegt.

6. Wie oftmals hat bei Tag und Nacht
Der Feinde List und große Macht
Uns, deine Herd umringt;
Du aber, o du treuer Hirt
Hast unserm Wolf zurückgeführt.

7. Viel unsrer Brüder sind geplagt,
Von Haus und Hof dazu verjagt:
Wir aber haben noch
Beim Weinstock und beim Feigenbaum
Ein jeder seinen Sitz und Raum.

8. Sieh an, mein Herr, wie Stadt und Land
An vielen Orten ist gewandt
Zum tiefen Untergang;
Der Menschen Hütten sind zerstört,
Die Gotteshäuser umgekehrt.

9. Bei uns ist ja noch Polizei,
Auch leisten wir noch ohne Scheu
Dem Herren seinen Dienst;
Man lehrt und hört ja fort und fort
Alltäglich bei uns Gottes Wort.

10. Wer dieses nun nicht will verstehn,
Läßts in die Luft und Winde gehn
Und bei so hellem Licht
Nicht Gottes Gnad und Güt erkennt,
Der ist fürwahr durchaus verblendt.

11. O frommer Gott, nimm von uns hin
Solch Unvernunft, richt unsern Sinn,
Daß wir zur Dankbarkeit
Mit Lobgesang und süßem Ton
Uns finden stets vor deinem Thron.

12. Nicht unserm Werk, nicht unserm Tun,
Allein dir, dir, o Gnadenbrunn,
Gebührt all Ehr und Ruhm.
Wir haben Zorn und Tod verschuldt,
Du zahlest uns mit Lieb und Hulld.

13. Laß diese Lieb, als eine Glut,
In uns entzünden Herz und Mut,
Gib engeliche Brunst,
Daß alle unsre Äderlein
Zu singen dir bereitet sein.

14. Laß auch einmal nach so viel Leid
Uns wieder scheinen unsre Freud,
Des Friedens Angesicht,
Das mancher Mensch noch nie einmal
Geschaut in diesem Jammertal.

15. Sind wir nichts wert, so sieh doch an
Die, so kein Unrecht je getan,
Die kleinen Kinderlein;
Solln sie denn in der Wiegen noch
Mittragen solches schweres Joch?

16. Erbarm dich, o barmherzigs Herz,
So vieler Seufzer, die Schmerz
Uns aus dem Herzen zwingt.
Du bist ja Gott uns nicht ein Stein,
Wie kannst du denn so harte sein?

17. Wir sind an bösen Wunden krank,
Voll Eiter, Striemen, Kot und Stank,
Du Herr bist unser Arzt!
Geuß ein, geuß ein dein Gnadenöl,
So wird geheilet Leib und Seel.

18. Nun, du wirsts tun, das glauben wir,
Obgleich noch wenig scheinen für
Die Mittel in der Welt.
Wenn alle Menschen stille stehn,
Dann pflegt dein Helfen anzugehn.

Gerhardt, Paul – Wie lang, o Herr, wie lange soll

1. Wie lang, o Herr, Wie lange soll
Dein Herze mein vergessen?
Wie lange soll ich Jammers voll
Mein Brot mit Tränen essen?
Wie lange willst du nicht
Mir dein Angesicht
Zu schauen reichen dar?
Willst du denn ganz und gar
Dich nun vor mir verbergen?

2. Wie lange soll die Trauerhöhl
In Sorgen ich besitzen?
Wie lange soll mein arme Seel
In diesem Bade schwitzen?
Soll ich denn alle Tag
Immer lauter Plag,
Die Welt im Gegenteil
Nur immer lauter Heil
Nach ihrem Wunsche habe?

3. Ach, schaue doch von deinem Saal
Und siehe, wie ich leide!
Mein Herzensweh und große Qual
Ist meiner Feinde Freude.
Herr, mein getreuer Hort,
Hör an meine Wort,
Die ich, duch Trübsal hier
Gepresset, schütt herfür;
Laß dein erweichen!

4. Erleuchte meiner Augen Licht,
Mit deinem Gnadenwinke,
Damit ich in dem Tode nicht
Entschlafe noch versinke!
Gib, daß die böse Rott
Nicht treib ihren Spott
Aus mir und meinem Fall,
Als hätt ich überall
Verspielet und verloren.

5. Ich steh und hoffe steif und fest
Darauf, daß du die Deinen
Nicht endlich untergehen läßt.
Kannsts auch nicht böse meinen;
Obs gleich bisweilen scheint,
Als wärst du uns feind
Und gänzlich abgewendt,
So find ich doch behend
Dein Vaterherze wieder.

6. Mein Herze lacht für großer Freud,
Wann ich bei mir bedenke,
Wie herzlich gern in boser Zeit
Dein Herz sich zu uns lenke.
Der Herr ist frommes Muts,
Tut uns nichts als Guts.
Das ist mein Lobgesang,
Den ihm zum Ehrendank
Ich hier und dort will singen.

Gerhardt, Paul – Wohl dem Menschen, der nicht wandelt

1. Wohl dem Menschen, der nicht wandelt
In gottloser Leute Rat!
Wohl dem, der nicht unrecht handelt
Noch tritt auf der Sünder Pfad:
Der der Spötter Freundschaft fleucht
Und von ihren Stühlen weicht,
Der hingegen herzlich ehret
Was uns Gott vom Himmel lehret.

2. Wohl dem, der mit Luft und Freuden
Das Gesetz des Höchsten treibt
Und hier, als auf süßer Weiden,
Tag und Nacht beständig bleibt:
Dessen Segen wächt und blüht
Wie ein Palmbaum, den man sieht
Bei den Flüssen an der Seiten
Seine frischen Zweig ausbreiten.

3. Also, sag ich, wird auch grünen,
Wer in Gottes Wort sich übt,
Luft und Sonne wird ihm dienen,
Bis er reiche Früchte gibt.
Seine Blätter werden alt
Und doch niemals ungestalt.
Gott gibt Glück zu seinen Taten,
Was er macht, muß wohl geraten.

4. Aber wen die Sünd erfreuet,
Mit dem gehts viel andres zu:
Er wird wie die Speu zerstreuet
Von dem Wind im schnellen Nu.
Wo der Herr sein Häuflein richt´t,
Da bleibt kein Gottloser nicht.
Summa: Gott liebt alle Frommen,
Und wer bös ist, muß umkommen.

Gerhardt, Paul – Zweierlei bitt ich von dir

1. Zweierlei bitt ich von dir,
zweierlei trag ich dir für,
dir, der alles reichlich gibt,
was uns dient und dir bleibet
gib mein Bitten, das du weißt,
Eh ich sterb und sich mein Geist
aus des Lebensbanden reißt.

2. Laß mich aber, o mein Heil,
Lüge und Abgötterei.
Armut, das die Maße bricht,
Allzu Arm und allzu Reich
ist nicht gut, stürzt beides gleich
unsre Seel ins Sündenreich.

3. Laß mich aber, o mein Heil,
nehmen mein bescheiden Teil
und beschere mir zur Not
hier mein täglich Bissen Brot.
Ein kein wenig, da der Mut
und ein gut Gewissen ruht,
ist fürwahr ein großes Gut.

4. Sonsten möcht im Überfluß
ich empfinden Überdruß,
dich verleugnen, dir zum Spott
Fragen: `Wer ist Herr in Frechheit voll
Weiß oft nicht, wann ihm ist wohl,
Wie es sich erheben soll?´

5. Wiederum wenns stehet bloß
und die Armut wird zu groß,
wird es untreu, stiehlt und stellt
nach des Nächsten Gut und Geld,
tut Gewalt, brauch Ränk und List,
ist mit Unrecht ausgerüst´t,
fragt gar nicht, was christlich ist.

6. Ach, mein Gott, mein Schatz mein Licht,
dieser keines ziemt mir nicht:
beides schändet deine Ehr,
beides stürzt ins Höllenmeer.
Drum so gib mir Füll und Hül!
Also, wie dein Herze will,
nicht zu wenig, zu viel.

Gerhardt, Paul – O Haupt voll Blut und Wunden

O Haupt voll Blut und Wunden,
voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden
mit einer Dornenkron,
o Haupt, sonst schön gekrönet
mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber höchst verhöhnet,
gegrüßet seist du mir!

O edles Angesichte,
davor das Reich der Welt
erschrickt und wird zu nichte,
wie bist du so entstellt,
wie bist du so erbleichet!
Wer hat dein Augenlicht,
dem sonst kein Licht mehr gleichet,
so schmachvoll zugericht’t?

Die Farbe deiner Wangen,
der roten Lippen Pracht
ist hin und ganz vergangen;
des blassen Todes Macht
hat alles hingenommen,
hat alles hingerafft,
und daher bist du kommen
von deines Leibes Pracht.

Nun, was du, Herr, erduldet,
ist alles meine Last,
ich hab es selbst verschuldet,
was du getragen hast.
Schau her, hier steh ich Armer,
der Zorn verdienet hat;
gib mir, o mein Erbarmer,
den Anblick deiner Gnad.

Erkenne mich, mein Hüter,
mein Hirte, nimm mich an!
Von dir, Quell aller Güter,
ist mir viel Guts getan;
dein Mund hat mich begabet
mit wunderbarem Trost,
dein Geist hat mich gelabet
mit reicher Himmelskost.

Ich will hier bei dir stehen,
verachte mich doch nicht;
von dir will ich nicht gehen,
wenn dir dein Herze bricht;
wenn dein Haupt wird erblassen
im letzten Todesstoß,
alsdann will ich dich fassen
in meinen Arm und Schoß.

Es dient zu meinen Freuden
und kommt mir herzlich wohl,
wenn ich in deinem Leiden,
mein Heil, mich finden soll.
Ach möcht ich, o mein Leben,
an deinem Kreuze hier
mein Leben von mir geben,
wie wohl geschähe mir!

Ich danke dir von Herzen,
o Jesus, liebster Freund,
für deines Todes Schmerzen,
da dus so gut gemeint.
Ach gib, daß ich mich halte
zu dir und deiner Treu,
und wenn ich einst erkalte,
in dir mein Ende sei.

Wenn ich einmal soll scheiden,
so scheide nicht von mir;
wenn ich den Tod soll leiden,
so tritt du dann herfür;
wenn mir am allerbängsten
wird um das Herze sein,
so reiß mich aus den Ängsten
kraft deiner Angst und Pein.

Erscheine mir zum Schilde,
zum Trost in meinem Tod
und laß mich sehn dein Bilde
in deiner Kreuzesnot.
Da will ich nach dir blicken,
da will ich glaubensvoll
fest an mein Herz dich drücken:
wer so stirbt, der stirbt wohl.

Gerhardt, Paul – O Herz des Königs aller Welt

1. O Herz des Königs aller Welt,
Des Herrschers in dem Himmelszelt,
Dich grüßt mein Herz mit Freuden.
Mein Herze, wie dir wohl bewußt,
Hat seine größte und höchste Lust
An dir und deinem Leiden.
Ach wie bezwang und drang dich doch
Dein edle Lieb, ins bittre Joch
Der Schmerzen dich zu geben,
Da du dich neigtest in den Tod,
Zu retten aus der Todesnot
Mich und mein armes Leben.

2. O Tod, du fremder Erdengast,
Wie warst du so ein herbe Last
Dem allersüß’ten Herzen!
Dich hat ein Weib der Welt gebracht,
Und machst dem, der die Welt gemacht,
So unerhörte Schmerzen.
Du meines Herzens Herz und Sinn,
Du brichst und fällst und stirbst dahin,
Wollst mir ein Wort gewähren:
Ergreif mein Herz und schleuß es ein
In dir und deiner Liebe Schrein.
Mehr will ich nicht begehren.

3. Mein Herz ist kalt, hart und betört
Von allem, was zur Welt gehört,
Fragt nur nach eiteln Sachen.
Drum, herzes Herze, bitt ich dich,
Du wollest dies, mein Herz und mich,
Warm, weich und sauber machen.
Laß deine Flamm und starke Glut
Durch all mein Herze, Geist und Mut
Mit allen Kräften dringen;
Laß deine Lieb und Freundlichkeit
Zur Gegenlieb, Herr, jeder Zeit
Mich armen Sünder bringen.

4. Erweitre dich, mach alles voll,
Sei meine Ros und riech mir wohl,
Bring Herz und Herz zusammen;
Entzünde mich durch dich und laß
Mein Herz ohn‘ End und alle Maß
In deiner Liebe flammen.
Wer dieses hat, wie wohl ist dem,
In dir zu ruhn ist angenehm,
Ach niemand kann’s g’nug sagen.
Wer dich recht liebt, ergibt sich frei,
In deiner Lieb und süßen Treu
Auch wohl den Tod zu tragen.

5. Ich ruf aus aller Herzensmacht
Dich, Herz, in dem mein Herze wacht,
Ach laß dich doch errufen!
Komm, beug und neige dich zu mir
An meines Herzens arme Tür
Und zeuch mich auf die Stufen
Der Andacht und der Freudigkeit;
Gib, daß mein Herz in Lieb und Leid
Dein eigen sei und bleibe,
Daß dir es dien an allem Ort
Und dir zu Ehren immerfort
All seine Zeit vertreibe.

6. O Herzens Ros, o schönste Blum,
Ach wie so köstlich ist dein Ruhm,
Du bist nicht auszupreisen.
Eröffne dich, laß deinen Saft
Und des Geruchs erhöhte Kraft
Mein Herz und Seele speisen.
Dein Herz, Herr Jesu, ist verwundt,
Ach tritt zu mir in meinen Bund
Und gib mir deinen Orden.
Verwund auch mich, o süßes Heil,
Und triff mein Herz mit deinem Pfeil,
Wie du verwundet worden.

7. Nimm mein Herz, o mein höchstes Gut,
Und leg es hin, wo dein Herz ruht,
Da ist’s wohl aufgehoben;
Da geht’s mit dir, gleich als zum Tanz,
Da lobt es deines Hauses Glanz
Und kann’s doch nicht g’nug loben.
Hier setzt sich’s, hier gefällt’s ihm wohl,
Hier freut sich’s, daß es bleiben soll.
Erfüll, Herr, meinen Willen,
Und weil mein Herz dein Herze liebt,
So laß auch, wie dein Recht es gibt,
Dein Herz mein Herze stillen.