Gerhardt, Paul – Wer unterm Schirm des Höchsten sitzt

Gerhardt, Paul – Wer unterm Schirm des Höchsten sitzt

1. Wer unterm Schirm des Höchsten sitzt,
Der ist sehr wohl bedecket,
Wenn alles donnert, kracht und blitzt,
Bleibt sein Herz ungeschrecket;
Er spricht zum Herrn: Du bist mein Licht,
Mein Hoffnung, meine Zuversicht,
Mein Turm und starke Feste,
Du rettest mich vons Jagers Strick
Und treibst des Todes Netz zurück
Und schützest mich aufs beste.

2. Frisch auf, mein Herz! Gott stärket dich
Mit Kraft auf allen Seiten;
Schau her, wie seine Flügel sich
Ganz über dich ausbreiten!
Sein Schirm umfängt und deckt dich gar,
Sein Schild fängt auf, was hie und dar
Von Pfeilen fleugt und tobet:
Der Schild ist Gottes wahres Wort,
Der Schirm ist, was der stocke Hort
Versprochen und gelobet.

3. Wenn dich die schwarze Nacht umgibt,
Kannst du fein sicher schlafen,
Des Tages bleibst du unbetrübt
Von deines Feindes Waffen.
Die Peste, die im Finstern schleicht,
Und des Mittages umherkreucht,
Wird von dir obgeführet;
Und wenn gleich tausend fallen hier,
Und zehentausend hart bei dir,
Bleibst du doch unberühret.

4. Hingegen wirst du Lust und Freud
An deinen Feinden sehen,
Wenn Ihnen alles Herzeleid
Vom Höchsten wird geschehen;
Wer Gott verläßt, wird wiederum
Verlassen und mit großem Grimm
Zu seiner Zeit geschlagen;
Du aber, der du bleibst bei Gott,
Findst Gnad und darfst in keiner Not
Ohn Hilf und Trost vertagen.

5. Kein Übels wird zu deiner Hütt
Eingehn und dir begegnen,
Gott wird all deine Tritt und Schritt
Auf deinen Wegen segnen:
Denn er hat seiner Engelschar
Befohlen, daß sie vor Gefahr
Dich ganz genau bewahren,
Daß dein Fuß möge sicher sein
Und nicht vielleicht an einen Stein
Zu deinem Schaden fahren.

6. Du wirst auf wilden Leuen stehn
Und treten auf die Drachen;
Du wirst ihr Gift und scharfe Zähn
In deinem Sinn verlachen.
Das machts, daß Gott will bei dir sein,
Der spricht: Mein Knecht begehret mein,
So will ich ihm beispringen:
Er kennet meines Names Zier,
Drum will ich ihm auch nach Begier
Mein Hilf und Rettung bringen.

7. Er ruft mich an, so will ich ihn
Ganz gnädig erhören;
Wenn sein Feind auf ihn aus will ziehn,
So will ich stehn und wehren.
Ich will reißen aus dem Tod
Und noch erlittner Angst und Not
Mit großer Ehr ergetzen;
Ich will ihn machen Lebens satt
Und, wenn er gnug gelebet hat,
Ins ewge Heil versetzen.

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