Gerhardt, Paul – Weg, mein Herz mit dem Gedanken,

Aus Lukas 15

1. Weg, mein Herz mit dem Gedanken,
als ob du verstoßen wärst!
Bleib in Gottes Wort und Schranken,
da du anders reden hörst.
Bist du bös und ungerecht,
ei, so ist Gott fromm und schlecht;
hast du Zorn und Tod verdienet
sinke nicht, Gott ist versühnet

2. Du bist wie die andern alle
angesteckt mit Sündengift,
welches Adam mit dem Falle
samt der Schlangen hat gestift’t.
Aber so du kehrst zu Gott
und dich besserst, hat’s nicht not:
Sei getrost, Gott wird dein Flehen
und Abbitten nicht verschmähen.

3. Er ist ja kein Bär noch Leue,
der sich nur nach Blute sehnt;
sein Herz ist zu lauter Treue
und zur Sanftmut angewöhnt.
Gott hat einen Vatersinn,
unser Jammer jammert ihn,
unser Unglück ist sein Schmerze,
unser Sterben kränkt sein Herze.

4. So wahrhaftig als ich lebe,
will ich keines Menschen Tod,
sondern daß er sich ergebe
an mich aus dem Sündenkot.
Gottes Freud ist’s, wenn auf Erd
ein Verirrter wiederkehrt,
will nicht, daß aus seiner Herde
das Geringst‘ entzogen werde.

5. Kein Hirt kann so fleißig gehen
nach dem Schaf, das sich verläuft;
solltst du Gottes Herze sehen,
wie sich da der Kummer häuft,
wie es dürstet, ächzt und brennt
nach dem, der sich abgetrennt
von ihm und auch von den Seinen,
würdest du vor Liebe weinen.

6. Gott, der liebt nicht nur die Frommen,
die in seinem Hause seind,
sondern auch die ihm genommen
durch den grimmen Seelenfeind,
der dort in der Hölle sitzt,
und der Menschen Herz erhitzt
wider den, der, wenn sich reget
sein Fuß, alle Welt beweget.

7. Dennoch bleibt in Liebesflammen
sein Verlangen allzeit groß,
ruft und locket uns zusammen
in den weiten Himmelsschoß.
Wer sich nun da stellet ein,
suchet frei und los zu sein
aus des Satans Reich und Rachen,
der macht Gott und Engel lachen.

8. Gott und alles Heer hoch droben,
dem der Himmel schweigen muß,
wenn sie ihren Schöpfer loben,
jauchzen über unsre Buß;
aber was gesündigt ist,
das verdeckt er und vergißt,
wie wir ihn beleidigt haben,
alles, alles ist vergraben.

9. Kein See kann sich so ergießen,
kein Grund mag so grundlos sein,
kein Strom so gewaltig fließen,
gegen Gott ist alles klein,
gegen Gott und seine Huld,
die er über unsre Schuld
alle Tage lässet schweben
durch das ganze Sündenleben.

10. Nun, so ruh und sei zufrieden,
Seele, die du traurig bist!
Was willst du dich viel ermüden,
da es nicht vonnöten ist?
Deiner Sünden großes Meer,
wie dir’s scheinet, ist nicht mehr
(gegen Gottes Herz zu sagen)
als was wir mit Fingern tragen.

11. Wären tausend Welt‘ zu finden,
von dem Höchsten zugericht,
und du hättest alle Sünden,
die darinnen sind, verricht’t,
wär es viel, doch lange nicht
so viel, als das volle Licht
seiner Gnaden hier auf Erden
dadurch könnt erlöschet werden.

12. Mein Gott, öffne mir die Pforten
solcher Gnad und Gütigkeit,
laß mich allzeit allerorten
schmecken deine Süßigkeit!
Liebe mich und treib mich an,
daß ich dich, so gut ich kann,
wiederum umfang und liebe,
und ja nun nicht mehr betrübe.

Gerhardt, Paul – Sei fröhlich alles weit und breit

1. Sei fröhlich alles weit und breit,
Was vormals war verloren,
Weil Heut der Herr der Herrlichkeit,
den Gott selbst auserkoren
zum Sündenbüßer, der sein Blut
am Kreuz vergossen uns zu gut,
vom Tod ist auferstanden.

2. Wie schön hast du durch deine Macht,
du wilder Feind des Lebens,
Den Lebensfürsten umgebracht:
Dein Stachel ist vergebens
durch ihn geschossen, schnöder Feind,
du hättest wahrlich wohl gemeint,
er würd im Staube bleiben.

3. Nein, nein! Er trägt sein Haupt empor,
ist mächtig durchgedrungen
durch deine Bande, durch dein Tor,
Ja hat im Sieg verschlungen
dich selbst, daß, wer an ihn nur glaubt,
von dir jetzt ein Gespötte treibt,
und spricht : Wo ist dein Stachel?

4. Denn deine Macht, die ists dahin
und keinen Schaden bringet
dem, der sich stets mit Herz und Sinn
zu diesem Fürsten schwinget.
Der fröhlich spricht: Ich leb, und ihr
sollt mit mir leben für und für,`
weil ich es euch erworben.

5. Der Tod hat keine Kraft nicht mehr,
ihr dürfet ihn nicht scheuen,
ich bin sein Siegesfürst und Herr,
des sollt ihr euch erfreuen.
Dazu so bin ich euer Haupt,
drum werdet ihr, wenn ihr mir glaubt,
als Glieder mit mir leben.

6. Der Höllen Sieg, der ist auch mein,
ich habe sie zerstöret,
Es darf nicht fürchten ihre Pein,
Wer mich und mein Wort höret.
Und weil des Teufels Macht und List
Gedampft, sein Kopf zertreten ist,
mag er ihm auch nicht schaden.

7. Nun Gott sei Dank, der uns den Sieg
durch Jesum hat gegeben
und uns den Frieden für den Krieg
und für den Tod das Leben
erworben, der die Sünd und Tod,
Welt, Teufel, Höll und was in Not
uns stürzet, überwunden.

Gerhardt, Paul – Schaut, welch ein Wunder stellt sich dar

Schaut, welch ein Wunder stellt sich dar!
die schwarze Nacht wird hell und klar;
ein großes Licht bricht dort herein,
ihm weichet aller Sterne Schein.

Es ist ein rechtes Wunderlicht
und gar die alte Sonne nicht,
weils wider die Natur die Nacht
zu einem hellen Tage macht.

O schauet hin! Des Himmels Heer,
das bringt uns jetzt die Freudenmär,
wie sich nunmehr hab eingestellt
zu Bethlehem das Heil der Welt.

O Gütigkeit! Was lange Jahr
sich hat der frommen Väter Schar
gewünscht und sehnlich oft begehrt,
des werden wir von Gott gewährt.

Schaut hin! Dort liegt im finstern Stall,
des Herrschaft gehet überall.
Das Wort, so bald im Anfang war
bei Gott, selbst Gott, das lieget dar.

Dies ist die rechte Freudenzeit,
weg Trauern, weg, weg alles Leid!
Trotz dem, der ferner uns verhöhnt!
Gott selbst ist Mensch, wir sind versöhnt.

Es hat mit uns nun keine Not,
weil Sünde, Teufel, Höll und Tod
zu Spott und Schanden sind gemacht
in dieser großen Wundernacht.

O selig, selig alle Welt,
die sich an dieses Kindlein hält!
Wohl dem, der dieses recht erkennt
und gläubig seinen Heiland nennt.

Es danke Gott, wer danken kann,
der unser nimmt so hoch sich an
und sendet aus des Himmels Thron
uns, seinen Feinden, seinen Sohn.

Drum stimmt an mit der Engel Heer:
Gott in der Höhe nun sei Ehr,
auf Erden Frieden jederzeit
den Menschen Wonn und Fröhlichkeit.

Gerhardt, Paul – Sei wohl gegrüßet, guter Hirt

Sei wohl gegrüßet, guter Hirt,
Und ihr, o heil’gen Hände
Voll Rosen, die man preisen wird
Bis an des Himmels Ende.
Die Rosen, die
Ich mein allhie,
Sind deine Mal und Plagen,
Die dir am End
In deine Händ
Am Kreuze sind geschlagen.

2. Du zahlst mit beiden Händen dar
Die edlen roten Gülden
Und bringst die ganze Menschenschar
Dadurch aus allen Schulden.
Ach laß von mir,
O Liebster, dir
Dies‘ Hände herzlich drücken
Und mit dem Blut,
Das mir zugut
Vergossen, mich erquicken

3. Wie freundlich tust du dich doch zu
Und greifst mit beiden Armen
Nach aller Welt, in Lieb und Ruh
Uns ewig zu erwarmen.
Ach Herr, sieh hier,
Mit was Begier
Ich Armer zu dir trete!
Sei mir bereit
Und gib mir Freud
Und Trost, darum ich bete.

4. Zeuch allen meinen Geist und Sinn
Nach dir und deiner Höhe;
Gib, daß mein Herz nur immerhin
Nach deinem Kreuze stehe,
Ja daß ich mich
Selbst williglich
Mit dir ans Kreuze binde
Und mehr und mehr
Töt und zerstör
In mir des Fleisches Sünde.

5. Ich herz und küsse wiederum
Aus rechten, treuen Herzen,
Herr, deine Händ und sage Ruhm
Und Dank für ihren Schmerzen;
Darneben geb
Ich, weil ich leb,
In diese deine Hände
Herz, Seel und Leib,
Und also bleib
Ich dein bis an mein Ende.

Gerhardt, Paul – Warum machte solche Schmerzen

1. Warum machte solche Schmerzen,
warum machte solche Pein,
Der von unbeschnittnem Herzen,
dir, herzliebstes Jesulein,
Mit Beschneidung, da du doch
frei von des Gesetzes Joch.
Weil du, einem Menschenkinde
zwar gleich, doch ganz ohne Sünde?

2. Für dich darfst du dies nicht dulden,
du bist ja des Bundes Herr,
Unsre, unsre große Schulden,
die so grausam, die so schwer
Auf uns liegen, daß es dich
jammert Herz und inniglich,
Die trägst du ob, uns zu retten,
die sonst nichts zu zahlen hätten.

3. Freut, ihr Schuldner, euch deswegen,
ja, sei fröhlich alle Welt,
Weil Heut anhebt zu erlegen
Gottes Sohn das Lösegeld;
Das Gesetz wird Heut erfüllt,
Heut wird Gottes Zorn gestillt.
Heut macht uns, so sollten sterben,
Gottes Blut zu Gottes Erben.

4. Wer mag recht die Gnad erkennen?
Wer kann dafür dankbar sein?
Herz und Mund soll stets dich nennen
unsern Heiland, Jesulein!
Deine Güte wollen wir
nach Vermögen preisen hier,
Weil wir in der Schwachheit wollen;
dort soll daß dein Lob erschallen

Gerhardt, Paul – Was alle Weisheit in der Welt

1. Was alle Weisheit in der Welt
bei uns hier kaum kann lallen,
das läßt Gott aus dem Himmelszelt
in aller Welt erschallen:
Daß er alleine König sei,
hoch über alle Götter,
Groß, mächtig, freundlich, fromm und treu,
der Frommen Schutz und Retter,
ein Wesen drei Personen.

2. Gott Vater, Sohn und heilger Geist
heißt sein hochheilger Name,
so kennt, so nennt, so rühmt und preist
ihn der gerechte Same,
Gott Abraham, Gott Isaak,
Gott Jakob, den er liebet,
Herr Zebaoth, der Nacht und Tag
uns alle Gaben gibet
und Wunder tut alleine.

3. Der Vater hat von Ewigkeit
den Sohn, sein Bild, erzeuget;
Der Sohn hat in der Füll der Zeit
im Fleische sich gezeiget.
Der Geist geht ohne Zeit herfür
vom Vater und vom Sohne,
mit beiden gleicher Ehr und Zier,
gleich ewig, gleicher Krone
und ungeteiler Stärke.

4. Sieh hier, mein Herz, das ist mein Gut,
dein Schatz, dem keiner gleichet!
Das ist dein Freund, der alles tut,
Was dir zum Heil gereichet,
Der dich gebaut nach seinem Bild,
für deine Schuld gebüßet,
Der dich mit wahrem Glauben füllt
und all dein Kreuz durchsüßet
mit seinen heilgen Worten.

5. Erhebe dich! Steig zu ihm zu
und lern ihn recht erkennen!
Denn solch Erkenntnis bringt dir Ruh
und macht die Seele brennen
in reiner Liebe, die uns nährt
zum ewigen Freundenleben,
Da, was allhier kein Ohr gehört.
Gott wird zu schauen geben
den Augen seiner Kinder.

6. Weh aber dem verstockten Heer,
das sich hier selbst verblendet,
Gott von sich stößt und seine Ehr
auf Kreaturen wendet!
Dem wird gewiß des Himmels Tür
einmal verschlossen bleiben;
Denn wer Gott von sich treibt allhier,
den wird er dort auch treiben
von seinem heilgen Throne.

7. Ei nun so gib, du großer Held,
Gott Himmels und der Erden,
daß alle Menschen in der Welt
zu dir bekehret werden.
Erleuchte, was verblendet geht,
bring wieder, was verirret,
Reiß aus, was uns im Wege steht
und freventlich verwirret
die Schwachen in dem Glauben.

8. Auf daß wir also allzugleich
zur Himmelspforte dringen
und dermaleinst in deinem Reich
ohn alles Ende singen,
Daß du alleine König seist
hoch über alle Götter,
Gott Vater, Sohn und heilger Geist,
der Frommen Schutz und Retter,
ein Wesen drei Personen.

Gerhardt, Paul – Was soll ich doch, o Ephraim

1. Was soll ich doch, o Ephraim,
Was soll ich aus dir machen?
Der du so oftmals meinen Grimm
Hast pfleget zu verlachen?
Soll ich dich schützen, Israel?
Soll ich dir deine frohe Seel
Hinfürder noch bewahren?
Aus welcher doch von Jugend auf
Ein solcher großer Sündenhauf
Ohn alle Scheu gefahren.

2. Sollt ich nicht billig deiner Tat
Und Leben gleich mich stellen?
Und dich wie Adama fällen?
Sollt ich nicht billig meine Glut
Auf dein verfluchtes Gut und Blut
Wie auf Zeboim schütten?
Dieweil du ja mein Wort und und Bahn
Hast ärger noch, als sie getan,
Bis hieher überschritten.

3. Ja, billig sollt dich dahin
In alles Herzleid senken,
Allein es will mir nicht zu Sinn,
Ich hab ein anderes Denken;
Mein Herze will durchaus nicht dran,
Daß es dir tu, wie du getan,
Es brennt für Gnad und Liebe;
Mich jammert dein von Herzen sehr
Und kann nicht sehen, daß das Heer
Der Höllen dich betrübe.

4. Ich kann und mag nicht, wie du wohl
Verdienet, dich verderben;
Ich bin und bleib Erbarmens voll
Und halte nichts vom Sterben:
Denn ich bin Gott, der treue Gott,
Mitnichten einer aus der Rott
Der bösen Adamskinder,
Die ohne Treu und Glauben seind
Und werden ihren Feinden Feind
und täglich größre Sünder.

5.So bin ich nicht, das glaube mir,
Und nimme recht zu Gemüte,
Ich bin der Heilge unter dir,
Der ich aus lauter Güte
Für meine Feinde in den Tod
Und in des bittern Kreuzes Not
Mich als ein Lamm begeben;
Ich, ich will tragen deine Last,
Die du dir, Mensch gehäufet hast,
Auf daß du mögest leben.

6. O heilger Herr, o ewges Heil,
Versöhner meiner Sünden,
Ach, heilge mich und laß mich teil
In, bei und an dir finden!
Erwecke mich zur wahren Reu
Und gib, daß ich dein edle Treu
Im festen Glauben fasse;
Auch töte mich durch deinen Tod,
Damit ich allen Sündenkot
Hinfort von Herzen hasse.

Gerhardt, Paul – Was trauerst du, mein Angesicht

1. Was trauerst du, mein Angesicht,
Wann den Tod hörst nennen?
Sei ohne Furcht: Er schadt dir nicht,
Lern ihn nur recht erkennen.
Kennst du den Tod,
So hats nicht Not,
All Angst wird sich zertrennen.

2. Vor erste, Zeuch die Larve ab
Der alten roten Schlangen:
Sieh an, daß sie kein Gift mehr hab,
Es ist ihr angefangen
Durch Jesum christ,
Der vor uns ist
Ins Grab und Tod gegangen.

3. Ja Herr, du tratst ihm an das Herz,
Brachst seines Stachels Spitzen:
Nunmehr ist er lauter Scherz
Und kann uns gar nicht ritzen
Dein edles Blut
Dämpft seine Glut,
Dein Flammen zwingt sein Hitzen.

4. Die Sünde war des Todes Kraft,
Die uns zum sterben triebe,
Nun ist die Sünd all abgeschafft
Durch Christi Treu und Liebe;
Ihr Ernst und Macht
Ist matt gemacht;
Trotz daß sie uns betrübe.

5. Die Sünd ist tot, Gott ist versöhnt,
Durch seines Sohnes Dulden,
Der Grimm ist hin, den wir verdient
Mit unsers Lebens Schulden;
Der vor war Feind,
Ist nunmehr Freund
Voll süßer Gnad und Hulden.

6. Bist du denn Freund, so kannst du mich,
Mein Gott, ja nicht umbringen:
Dein Vaterherze laßet sich
Zum Mord und Tod nicht dringen.
Wer sich befindt
Dein Erb und Kind,
Ist frei von bösen Dingen.

7. Das aber Vater tust du wohl,
Wann uns die Trübsal kränket,
Wann wir des Lebens satt und voll
Des Jammers, der uns tränket,
Daß dann dein Hand
Ans Vaterland
Uns aus den Fluten lenket.

8. Wann sich das starke Wetter regt,
Davon die Höhen halten,
Wann deines Zornes Donner schlägt,
Daß Berg und Tal erschallen:
So trittst du zu
Und bringst zur Ruh
Uns, die dir wohlgefallen.

9. Wann unsre Feinde um uns her
Uns bringen in die Mitten,
Wann Ottern, Löwen, Wölf und Bär
Ihr Gift auf uns ausschütten:
Nimmst du dein Schaf,
Bringst in den Schlaf
Bei dir in deiner Hütten.

10. Wann diese Welt gibt bösen Lohn,
Dem, der dich treulich ehret,
So sprichst du: Komm zu mir, mein Sohn,
Hier hab ich, was dich nähret:
Lust, Ehr und Freud,
Die keine Zeit
In Ewigkeit verzehret.

11. Alsbald schließt der Engelschar
Mit Freud in ihrem Bogen
Und nehmen unsrer Seelen wahr,
Die, wann sie ausgeflogen,
In ihre Hut
Mit stillem Mut
Zu Gott kommt angezogen.

12. Der Herr empfänget seine Braut
Und spricht: Sei mir willkommen!
Du bists, die ich mir anvertraut,
Komm, wohne bei den Frommen,
Die ich vor dir
Anher zu mir
Aus jener Welt genommen.

13. Du hast behalten Glaub und Treu
Im Herzen, da ich wahre:
So geb und leg ich dir nun bei
Die schöne Freudenkrone.
Ich bin dein Heil,
Dein Erb und Teil,
Tritt her meinem Throne.

14. Hier trockn ich deiner Augenflut,
Hier still ich deine Tränen,
Hier setzt sich in dem höchsten Gut
Dein Seufzen, Klag und Sehnen;
Dein Jammermeer
Wird niemand mehr,
Als nur in Freud, erwählen.

15. Hier kleid ich meiner Christenzahl
Mit reiner weißer Seide;
Hier springen sie im Himmelsaal,
Und ist nicht, der sie neide;
Hier ist kein Tod,
Kein Kreuz und Not,
Das gute Freunde scheide.

16. Ach, Gott mein Herr, was will ich doch
Mich vor dem Tode scheuen?
Er ists ja, der mich von dem Joch
Des Elends will befreien:
Er nimmt mich aus
Dem Marterhaus,
Das kann mich nicht gereuen.

17. Der Tod, der ist mein Rotes Meer,
Dadurch auf trocknem Sande
Dein Israel, das fromme Heer,
Geht zum Gelobten Lande,
Da Milch und Wein
Stets fleußt herein
Wie Ström in ihrem Rande.

18. Er ist das güldne Himmelstor
Und des Eliä Wagen,
Darauf mich Gott zum Engelchor
Gar bald wird lassen tragen,
Wann er, der Letzt
Und Erste, setzt
Ein End an meinen Tagen.

19. O süße Lust, o edle Ruh,
O frommer Seelen Freude,
Komm, schleuß mir meine Augen zu,
Daß ich mit Fried abscheide
Hin, da mein Hirt
Mich leiten wird
Zur immergrünen Weide.

20. Daselbst wird er mit vollem Maß,
Was hier gefehlt, einbringen:
Dafür wird ihm ohn Unterlaß
Sein Alleluja klingen,
Das will auch ich
Ihm williglich
Eine nach dem andern singen.

Gerhardt, Paul – Wohl dem, der den Herren scheuet

1. Wohl dem, der den Herren scheuet
Und sich fürcht´t vor seinem Gott,
Selig, der sich herzlich freuet,
Zu erfüllen sein Gebot!
Wer den Höchsten liebt und ehrt,
Wird erfahren, wie sich mehrt
Alles, was in seinem Leben
Ihm vom Himmel ist gegeben.

2. Seine Kinder werden stehen
Wie die Rosen in der Blüt,
Sein Geschlecht wird einhergehen
Voller Gnad und Gottes Güt;
Und was diesen Lieb erhält,
Wird der Herrscher aller Welt
Reichlich und mit vollen Händen
Ihnen in die Häuser senden.

3. Das gerechte Tun der Frommen
Steht gewiß und wanket nicht:
Sollt auch gleich ein Wetter kommen,
Bleibt doch Gott der Herr ihr Licht.
Tröstet, stärket, schützt und macht,
Daß nach ausgestandner Nacht
Und nach hochbetrübtem Weinen
Freud und Sonne wieder scheinen.

4. Gottes Gnad, Huld und Erbarmen
Bleibt den Frommen immer fest.
Wohl dem, der die Not der Armen
Sich zu Herzen gehen läßt
Und mit Liebe Gutes tut:
Den wird Gott, das höchste Gut,
Gnädiglich in seinen Armen
als ein liebster Vater wärmen.

5. Wenn die schwarzen Wolken blitzen
Vor dem Donner in der Luft,
Wird er ohne Sorgen sitzen
Wie ein Vöglein in der Kluft.
Er wird bleiben ewiglich,
Auch wird sein Gedächtnis sich
Hier und da auf allen Seiten
Wie die edlen Zweig ausbreiten.

6. Wenn das Unglück an will kommen,
Das die rohen Sünder plagt,
Bleibt der Mut ihm unbenommen
Und das Herze unverzagt:
Unverzagt, ohn Angst und Pein
Bleibt das Herze, das sich fein
Seinem Gott und Herrn ergibet
Und die, so verlassen, liebet.

7. Wer Betrübte gern erfreuet,
Wird vom Höchsten hoch ergetzt,
Was die milde Hand ausstreuet,
Wird vom Himmel wohl ersetzt;
Wer viel gibt, erlanget viel.
Was sein Herze wüscht und will,
Das wird Gott mit gutem Willen
Schon zu rechter Zeit erfüllen.

8. Aber seines Feindes Freude
Wird er untergehen sehn;
Er, der Feind, für großem Neide
Wird zerbeißen seine Zähn,
Er wird knirschen und mit Grimm
Solches Glück mißgönnen ihm
Und doch damit gar nicht wehren,
Sondern sich nur selbst verzehren.

Gerhardt, Paul – Wie der Hirsch im großem Dürsten

1. Wie der Hirsch im großem Dürsten
Schreiet und frisch Wasser sucht,
Also sucht dich Lebensfürsten
Meine Seel in ihrer Flucht;
Meine Seele brennt in mir,
Lechzet, dürstet, trägt Begier
Nach dir, o du süßes Leben,
Der mir Lieb und Seel gegeben.

2. Ach, wann werd ich dahin kommen,
Daß ich Gottes Angesicht,
Das gewünschte Licht der Frommen,
Schau mit meiner Augen Licht!
Meine Tränen sind mein Brot
Tag und Nacht in meiner Not,
Wann mich schmähen meine Spötter:
Wo ist nun dein Gott und Retter?

3. Wenn ich dann des inne werde,
Schütt ich mein Herz bei dir aus,
Wollte gerne mit der Herde
Deiner Kinder in dein Haus;
Ja, in dein Haus wollt ich gern
Gehen und dir, meinem Herrn,
In der Schar, die Opfer bringen,
Mit erhabner Stimme singen.

4. Was bist du so hoch betrübet
Und voll Unruh, meine Seel?
Harr auf Gott, der herzlich liebet
Und wohl siehet, was dich quäl.
Ei, ich werd ihm dennoch hier
Fröh danken, daß er mir,
Wenn mein Herz ich zu ihm richte,
Hilft mit seinem Angesichte.

5. Mein Gott, ich bin voller Schande,
Meine Seele voller Leid,
Darum denk ich dein im Lande
Bei dem Jordan an der Seit,
Da Hermonim hoch herfür
Und hingegen meine Zier,
Zion, ein klein wenig steiget
Und dir Kron und Zepter neiget.

6. Deines Zornes Fluten sausen
Mit Gewalt auf mich daher;
Dein Gericht und Eifer brausen
Wie das tiefe weite Meer;
Deine Wellen heben sich
Hoch empor und haben mich
Mit ergrimmten Wasserwogen
Fast zu Grund hinabgezogen.

7. Gott der Herr hat mir versprochen,
Wenn es Tag ist, seine Güt,
Und wann sich die Sonn verkrochen,
Heb ich zu ihm mein Gemüt,
Spreche: `Du mein Fels und Stein,
Gegen welchen alles klein,
Dem ich in dem Schoß gesessen,
Warum hast du mein vergessen!

8. Warum muß ich gehn und weinen
Über meiner Feinde Wort?
Es ist mir in meinen Beinen
Durch und durch als wie ein Mord,
Wenn sie sagen: `Wo ist nun
Dein Gott und sein großes Tun?
Davon, wenn du sicher lagest,
Du so viel zu rühmen pflagest.

9. Was bist du so hoch betrübet
Und voll Unruh, meine Seel?
Harr auf Gott, der herzlich liebet
Und wohl siehet, was dich quäl!
Ei, ich werd ihm dennoch hier
Fröhlich danken für und für,
Daß er meinem Angesichte
Sich selbst gibt zum Heil und Lichte.