Zwick, Johannes – Ein anders gsang uff den Uffarttag.

ICh gloub in Gott, den vatter min,
ouch sin einigen sone,
Und hoff, das ich dardurch söll syn
erlößt von sünd on wone.
Ich gloub, wie Christus zhimmel gfarn,
das er mich werd herab bewarn,
biß er mich zu jm nemme.

Ich gloub, das er zur rechten hand
des vatter sitz mit gwalte;
Er ists, der bricht des tüffels band,
das er die sinen bhalte.
O Herre Gott, o Jesu Christ,
bhür uns die hand zu aller frist,
züch uns zu dir inn himmel.

Ich gloub ouch, das er mit der zyt,
glych wie er ufgestigen,
Werd wider kommen: ist nit wyt,
wiewol die stund verschwigen,
Die zeichen aber wüssend wir,
vilycht sind sy verloffen schier,
ee das wirs recht bedencken.

Die wält hats alles für ein schimpff,
wie vil sy rümpt mit worten,
Allein das sy jrn sünden glimpff,
Gott geb, wo dhelle porten,
Sy denckt nit an den grossen tag,
ob er sy treff mit wee und klag,
da rüw und buß verloren.

Hüt halt mans fest der himmelfart
durch Christum unsern Herren,
Noch haltend vil die widerpart,
dies zyt mit schand verzeeren,
Das hochzyt kleid hand sy nit an,
sy werden aber dencken dran,
was wir yetz hand gesungen.

Gott wöll, das unser hertz und mund
mit warheit zsamen stimme
Unnd gdenckind all der letsten stund,
was sich der selben zimme,
Das unns die wolcken tragind ouch
mit Christo in den himmel hoch,
hilff Gott, das wirs erfarind.

Hermann, Nikolaus – Christ fuhr gen Himmel.

Christ fuhr gen Himmele,
Was sandt er uns herwiedere?
Seinen heiligen Geist
Zu Trost der armen Christenheit.
Kyrieleis.

Er sitzt zus Vaters Rechten,
Da theilt er aus sein Knechten
Seines Geists Gab und Gnad,
Daß uns kein Sünd noch Teufel schad.
Kyrieleis.

Von dannen wird er kommen,
Zu richten Bös und Frommen
Herrlich mit großer Gwalt,
Wie er auffuhr in solcher Gstalt.
Kyrieleis.

Auf sein Zukunft wir hoffen,
Die Zeit ist schier verloffen,
Der jüngste Tag ist nicht weit,
Des freut sich alle Christenheit.
Kyrieleis.

Amen.

Ledderhose – Nikolaus Hermans und Johannes Mathesius geistliche Lieder

Zwick, Johannes – Auf diesen Tag bedenken wir,

Andenken an Christi Himmelfahrt

Auf diesen Tag bedenken wir,
Daß Christus z‘ Himmel g’fahren,
Und danken Gott aus höchster b’gier,
Mit Bitt‘, er woll‘ bewahren
Uns arme Sünder hie uff Erd‘,
Die wir von wegen mancher G’färd
Ohn‘ Hoffnung hond kein’n Troste.
Halleluja Halleluja

Drum sey Gott‘ Lob! Der Weg ist g’macht,
Und steht der Himmel offen.
Christus schleußt uff mit großem Pracht;
Vorhin war’s all’s verschlossen.
Wer’s glaubt, des Herz ist freudevoll,
Darbey er sich doch rüsten soll,
Dem Herren nachzufolgen.
Halleluja Halleluja

Wer nicht folgt und sein’n Willen thut,
Dem ist nit Ernst zum Herren;
Denn er wird auch vor Fleisch und Blut
Sein Himmelreich versperren.
Am Glauben liegt’s: soll der seyn recht,
So wird auch g’wiß das Leben schlecht
Zu Gott in Himmel g’richtet.
Halleluja Halleluja

Solch Himmelfahrt facht in uns an,
Bis wir den Vater finden
Und fliehen stets der Welte Bahn,
Thun uns zu Gottes Kinden.
Die sehen h’nuff, der Vater h’rab;
An Treu‘ und Lieb‘ geht ihn’n nichts ab,
Bis daß sie z’samen kommen.
Halleluja Halleluja.

Dann wird der Tag ers freudenreich,
Wann Gott uns zu ihm nehmen
Und seinem Sohn wird machen gleich,
Als wir denn jetzt bekennen.
Da wird sich finden Freud‘ und Muth
Zu ewig Zeit beym höchsten Gut.
Gott woll, daß wirs erleben!
Halleluja Halleluja

Selneccer, Nikolaus – Wir danken dir, Herr Jesu Christ,

Lied am Auffahrtstag.

Mel. Lob sei dem allmächtigen Gott.

Wir danken dir, Herr Jesu Christ,
Daß du gen Himmel gefahren bist.
Das Gfängniß, Teufel, Sünd und Tod
Hast du gemacht zu Schand und Spott.

Dein heilgen Geist uns hast gesandt,
Dein Wort geschickt in alle Land.
Giebst treue Lehrer da und dort,
Die stets führen dein göttlich Wort.

Zur Rechten Gottes Vaters werth
Sitzt über Himmel und der Erd,
Hast alle Gwalt und bist der Herr,
Dein ist die Kraft, Lob, Preis und Ehr.

Herr Jesu komm, denn es ist Zeit,
Gott Lob, der jüngst Tag ist nicht weit.
Komm lieber Herr, wir bitten dich,
Zu dir wir seufzen inniglich.

Thiel – Nicolaus Selneccers geistliche Lieder

Solius, Christophorus – CHRIST für auff gehn himel

Eyn alt Lob und freuden Lied von der Auffart unsers Herren Jesu Christi.

(„Ein New Auserlesen Gesangbüchlein rc. Getruckt zuo Strasburg bey Wolffgang Köphl. M.D.XLVII.“ in 8°. Blatt 132.)

CHRIST für auff gehn himel,
was sandt er uns hernider?
Den Tröster den heiligen Geist,
dem söllen wir glauben allermeist.
Halleluia.

Wer er nit hingangen,
der Tröster wer nit kommen;
Seit das er hingangen ist,
so haben wir den Geist durch Jesu Christ.
Halleluia.

Gehn himel üfr der Heilig Christ,
der aller welte Heiland ist,
Halleluia, Halleluia!
Halleluia, Halleluia!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Liscovius, Salomon – Christus hat mit Freuden

Weise: Christus ist erstanden.

Christus hat mit Freuden
Auf seinen Tod und Leiden
Als Ueberwinder obgesiegt,
Daß Tod und Teufel ganz geschmiegt
Niederliegt.

Zum Beweis des Sieges
Und beigelegten Krieges
Führt der gerechte Siegesheld
Hinauf in Gottes Himmelszelt,
Aus der Welt.

Uns läßt er zurücke
Der Seelen Friedensglücke,
Und ist, uns auch zu seiner Zeit
Zu führen in die Ewigkeit,
Ganz bereit.

Gott sei Lob gesungen
Von allen Christenzungen,
Daß uns durch Jesu Himmelfahrt
Der Himmelsweg wird vorgespart
Und bewahrt.

Pasig – M. Salomon Liscovius geistliche Lieder

Alber, Erasmus – Von der Frucht der Himmelfahrt unsers Herrn Christi und von den Gaben des heiligen Geistes

Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort, oder: Ihr lieben Christen freut euch nun.

Freut euch ihr Gottes-Kinder all!
Der Herr führt euch mit großem Schall.
Lobsinget ihm lobsinget ihm,
Lobsinget ihm mit lauter Stimm!

Die Engel und all Himmelsheer
Erzeign Christo göttlich Ehr
Und jauchzen ihm mit fröhlichem Schall,
Das thun die lieben Engel all.

Daß unser Heiland Jesus Christ,
Wahr Gottessohn, Mensch worden ist,
Deß freuen sich die Engel sehr
Und gönnen uns gern solche Ehr.

Der Heer hat uns die Stätt bereit
Da wir solln bleiben in Ewigkeit:
Lobsinget ihm, lobsinget ihm,
Lobsinget ihm mit lauter Stimm!

Wir sind Erben im Himmelreich,
Wir sind den lieben Engeln gleich.
Das sehn die lieben Engel gern
Und danken mit uns Gott dem Herrn.

Es hat mit uns nun nimmer Noth;
Der Satan, Sünd und ewger Tod
Allsammt zu Schanden worden sind
Durch Gottes und Marien Kind.

Der Herr verläßt uns nimmermehr,
Er gibt uns gute Prediger,
Die unser pflegen in der Welt;
Bei seinem Wort er uns erhält.

An sein Verheißung er gedenkt,
Drum hat er uns solch Gab geschenkt
Und sendt Prediger in ferne Land,
Daß er durch ihr Wort werd bekannt.

Den heilgen Geist sendt er herab,
Auf daß er unser Herz erlab
Und tröst uns durch das göttlich Wort
Und uns behüt fürs Teufels Mord.

Also baut er die Christenheit
Zur ewgen Freud und Seligkeit;
Allein der Glaub an Jesum Christ
Die recht Erkenntniß Gottes ist.

Der heilig Geist den Glauben stärkt,
Geduld und Hoffnung in uns wirkt,
Erleucht und macht die Herzen fest
Und uns in Trübsal nicht verläßt.

So nehmen wir im Glauben zu
Und hat das arm Gewissen Ruh
Durch Christum unsern Mitteler
Und hüten uns für falscher Lehr.

Was uns die göttlich Majestat
Am heiligen Kreuz erworben hat,
Das theilet aus der heilge Geist;
Darum er unser Lehrer heißt.

Ein jeder, der da predigen soll,
Der muß das eben wissen wohl,
Wo nicht der Geist sein Herz bewegt,
Daß er das Amt nicht recht verhegt.

Ohn Gottes Geist auch niemand kann
Christum von Herzen nehmen an;
Den trägen Herzen bringt er Saft,
Den schwachen Herzen gibt er Kraft.

Den Durstigen ist er ein Quell;
Was dunkel ist, das macht er hell,
Die krummen Herzen macht er schlecht,
Die irrigen bringt er zurecht.

Die Herzen, die da sind verwundt,
Die macht der heilig Geist gesund,
Erweichet die da sind verhart;
Das thut des Herren Himmelfahrt.

Der Vater hat den Sohn gesandt;
Der Sohn wird anders nicht erkannt
Ohn durch den heiligen Geist allein;
Der muß die Herzen machen rein.

Die heilige Dreifaltigkeit
Hält sich ganz zu der Christenheit
Und nimmt sich ihr so herzlich an
Und wollt gern helfen jedermann.

So wachsen wir an Christo fein
Und meiden allen falschen Schein,
Und nehmen uns des Nächsten an,
Gleichwie er hat an uns gethan.

Wir wandeln wohl in dieser Welt
Und thun doch nicht, was ihr gefällt,
Sonder wir folgen Gottes Rath
Und thun was er befohlen hat.

Die blinde Welt weiß nichts von Gott,
Und Gottes Wort ist ihr ein Spott;
Sie treibt Unzucht, Geiz, List und Tück,
Unrecht und andre böse Stück.

Das thun die frommen Christen nicht,
Ihr Herz nach Gotts Wort ist gericht
Und denken stets aus dieser Welt
Und thun, was Christo wohlgefällt.

Das Wort sie üben immerdar,
Das ist hell, lauter, rein und klar.
Ihr Lust ist zu der heiligen Schrift;
Denn Menschen Lehr ist eitel Gift.

So manche schöne Gottesgab
Bringt uns der heilig Geist herab
Und uns vorm Satan wohl verwahrt;
Solchs schafft des Herren Himmelfahrt.

So danket nun dem lieben Herrn
Und lobet ihn von Herzen gern;
Lobsindet mit der engel Chör,
Daß man es in dem Himmel hör:

Gott Vater in der Ewigkeit,
Es sagt dir deine Christenheit
Groß Ehr und Dank mit höchstem Fleiß
Zu allen Zeiten Lob und Preis.

Herr Jesu Christe, Gottes Sohn,
Gewaltig, herrlich, prächtig, schon,
Es dankt dir dein Christenheit
Von nun an bis in Ewigkeit.

Du heiliger Geist, du wahrer Gott,
Der du uns tröst in aller Noth:
Wir rühmen dich, wir loben dich
Und sagen dir Dank ewiglich.

Amen

Stromberger – Erasmus Alberus geistliche Lieder