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Schlagwort: Erlösung

Heermann, Johannes – O Jesu Christe, wahres Licht

Heermann, Johannes – O Jesu Christe, wahres Licht

1) O Jesu Christe, wahres Licht,
Erleuchte, die dich kennen nicht,
Und bringe sie zu deiner Herd,
Daß ihre Seel auch selig werd!

2) Erfüll mit deinem Gnadenschein,
Die in Irrtum verführet sein,
Auch die, so heimlich fichtet an
In ihrem Sinn ein falscher Wahn!

3) Und was sich sonst verlaufen hat
Von dir, das suche du mit Gnad
Und sein verwundt Gewissen heil,
Laß sie am Himmel haben teil!

4) Den Tauben öffne das Gehör,
Die Stummen richtig reden lehr,
Die nicht bekennen wollen frei,
Was ihres Herzens Glaube sei!

5) Erleuchte, die da sind verblendt,
Bring her, die sich von uns getrennt,
Versammle, die zerstreuet gehn,
Mach feste, die im Zweifel stehn!

6) So werden sie mit uns zugleich
Auf Erden und im Himmelreich,
Hier zeitlich und dort ewiglich
Für solche Gnade preisen dich.

Philipp Wackernackel – Johann Heermanns Geistliche Lieder

Johannes Heermann – Wie ein jeder Mensch seiner Seelen treulich warnehmen soll.

Johannes Heermann – Wie ein jeder Mensch seiner Seelen treulich warnehmen soll.

Aus D. Bernhardo.

Im Ton: Ach Gott vom Himmel sieh darein.

WAs willst du armer Erden-Kloß
so sehr mit Hoffart prangen?
Dein Elend ist zu viel und groß:
du bist in Sünd empfangen,
Mit Schmerz geboren auf die Welt,
Schmerz dein ganz Leben überfällt,
mit Schmerz mußt du von dannen.

Was zierest du den Leib, das Haus,
drin alles Siechtum stecket?
Und queichelst ihn so zärtlich aus
mit dem, was ihm wol schmecket?
Weißt du denn nicht, nach wenig Tag
daß er muß sterben mit Wehklag
und ihn die Würmer freßen?

Vielmehr die edle Seele zier
mit Buß und guten Werken,
Das Himmelbrot ihr setze für,
dadurch sie sich kann stärken.
Denn sie ists, die da frei vom Tod
im Himmel schweben soll vor Gott
und allen heilgen Engeln.

Warum pflegst du des Fleisches wol
und läßt die Seel verschmachten?
Ists recht, daß man die Magd jetzt soll
mehr denn die Frau selbst achten?
Der Geist führt sonst das Regiment:
bei dir ist solches umgewendt,
das Fleisch den Geist regieret.

Gott selbst, der größte HERR und Held,
des Menschen Seel hoch schätzet
Und sie weit über alle Welt
und alle Himmel setzet:
Denn für wen hat Er seinen Sohn,
sein höchste Zierde, Freud und Kron,
ins Kreuzes Pein gegeben?

Traun! nicht dem Himmel, nicht der Erd
ist diß zu gut ergangen:
Des Menschen Seel, so teur und werth,
hat diese Gnad empfangen;
Die ist ein solch teur Pfand und Gut,
das ohne seines Sohnes Blut
nicht könnt erlöset werden.

Ist deine Seel so hoch vor Gott,
wie kannst du sie denn haßen
Und wagen hin, als wär es Koth,
den man findt auf der Gaßen?
Gedenk, daß Gottes liebster Sohn,
gestiegen von des Himmels Thron,
sie hat vom Tod errettet.

Denn als Er sie in schwerer Schuld
vom Teufel fand gebunden,
Und sie verdammet werden sollt
zur Höllen alle Stunden:
Vor Jammer ihm zerbrach sein Herz,
er weinte über ihren Schmerz,
davon sie selbst nichts wußte.

Ja, das noch mehr, so ließ er sich
um ihretwillen tödten,
Errettet‘ sie ganz kräftiglich
aus allen ihren Nöthen:
Sein Blutschweiß war das Lösegeld,
das Er, der Heiland aller Welt,
für sie baar ausgezahlet.

An dieses Opfer denke stets,
das für dich ist gegeben.
Nicht mehr so schlecht die Seele schätz,
thu Gott nicht widerstreben:
Schau doch, wie sehr war sie verwundt,
daß sie sonst nichtes heilen konnt,
denn Christi Blut und Striemen.

Wenn sie der Satan nicht zu Grund
der alles Unglück stiftet,
Durch List mit seinem Lügenmund
bis in den Tod vergiftet,
So hätte Gottes Sohn den Tod
und so viel Marter, Hohn und Spott
am Kreuz nicht leiden dürfen.

Darum, o Mensch, verachte nicht
das groß und schwere Leiden,
Das er für dich hat selbst verricht:
thu alle Bosheit meiden.
Schau doch, wie sich so treulich hat
des Sohnes Gottes Majestat
in Noth dein angenommen.

Hilf Gott, daß ich mein Lebenlang
diß alles recht bedenke,
Für deine Treu dir Lob und Dank
in tiefster Demuth schenke,
Daß ich von Sünden trete ab,
mein Herz bei dir im Himmel hab,
nach meinem Heil stets trachte.

Philipp Wackernackel – Johann Heermanns Geistliche Lieder

Weiße, Michael – Von Adam her so lange Zeit

Weiße, Michael – Von Adam her so lange Zeit

1.) Von Adam her so lange Zeit
War unser Fleisch vermaledeit.
Seel und Geist bis in Tod verwundt,
Am ganzen Menschen nichts gesund.

2.) Uns hatt‘ umfangen große Not,
Über uns herrschte Sünd und Tod.
Wir sunken in der Höllen Grund
Und war niemand, der helfen kund.

3.) Gott sah auf aller Menschen Stätt‘
Nach einem, der sein’n Willen tät.
Er sucht ein’n Mann nach seinem Mut,
Fand aber nichts, denn Fleisch und Blut .

4.) Denn die rechtschaffne Heiligkeit,
Würdigkeit und Gerechtigkeit
Hatten sie in Adam verlor’n,
Aus welchem sie waren geborn.

5.) Als er solch groß Siechtum erkannt
Und keinen Arzt noch Helfer fand,
Dacht er an seine große Lieb
Und wie sein Wort wahrhaftig blieb.

6.) Sprach: ich will Barmherzigkeit tun
Für die Welt geben meinen Sohn,
Dass er ihr Arzt und Heiland sei,
Sie gesund mach und benedei .

7.) Er schwur ein‘ Eid dem Abraham,
Auch dem David von seinem Stamm
Verhieß zu geben ihn’n den Sohn
Und durch ihn der Welt Hilfe tun.

8.) Er tat’s auch den Propheten kund
Und breitets aus durch ihren Mund,
Darvor König und fromme Leut
Sein warteten vor langer Zeit .

9.) Ob sie wohl, wie ihr Herz begehrt,
Des leiblich nicht wurden gewährt,
Doch hatten sie im Glauben Trost,
Dass sie sollten werden erlöst.

10.) Da aber kam die rechte Zeit,
Von welcher Jakob prophezeit,
Las er ihm eine Jungfrau aus,
Ein’m Mann vertraut von Davids Haus.

11.) In der wirk’t er mit seiner Kraft,
Schuf vom Blut ihrer Jungsfrauschaft
Das rein und benedeite Kind,
Bei dem man Gnad und Wahrheit find’t.

12.) O Christe, benedeite Frucht,
Empfangen rein in aller Zucht,
Gebenedei und mach uns frei,
Sei unser Heil, Trost und Arzenei.

Weiße, Michael – Menschenkind, merk eben, was da sei dein Leben

Weiße, Michael – Menschenkind, merk eben, was da sei dein Leben

1.) Menschenkind, merk eben,
Was da sei dein Leben.
Warum Gott hat seinen Sohn
Gesandt von dem höchsten Thron,
Hat lassen Mensch werden
Hier auf dieser Erden.

2.) Nämlich, dass er lehre,
Dich zu sich bekehre,
Für deine Schuld sterbe,
Gnade dir erwerbe,
Dich vor Gott vertrete
Und stets für dich bete.

3.) Und dass er durch sein‘ Geist,
Den er ein‘ Tröster heißt
Und durch sein Wort ‚kommen,
Dir zu Trost und Frommen,
Möcht‘ in deinem Herzen
Wohnen ohne Schmerzen.

4.) Ei, gib statt dem Geist
Und tu, was dich Gott heißt,
Öffne dein’s Herzens Pfort,
Dass Christus durch sein Wort
In dich möge kommen
Und stets in dir wohnen!

5.) Alsdann sieh nur eben,
Dass du dich ergeben
In gottselig‘ Leben,
Ihm nicht widerstreben,
Sondern seinen Willen
Allzeit mögst erfüllen.

6.) Seine Lieb‘ beweisen,
Mit der Tat ihn preisen,
Stets in allen Sachen
Munter sein und wachen,
Dass du ihm in allem
Mögest wohl gefallen.

7.) Wirst du dich recht halten,
So wird er dein‘ walten,
Dich lassen genießen
Friedsames Gewissen,
Dir auch Zeugnis geben
Zum ewigen Leben.

8.) Jetzt musst du viel leiden,
Deinen Willen meiden,
Und auf allen Seiten
Mit dem Satan streiten.
Doch es wird dir wohlgehn,
So du dies wirst ausstehn.

9.) Denn der Herre wird dir
Durch den Tod kommer schier,
Deine Seel‘ abscheiden
Zur ewigen Freuden,
Bis die Posaun‘ angeht
Und alles Fleisch aufsteht.

10.) Denn er wird leibhaftig,
Sehr herrlich und kräftig
Von dem Himmel steigen,
Reden und nicht schweigen,
Dir und allen sagen,
Die jetzt sein Joch tragen:

11.) ‚Kommt, ihr G’benedeiten,
Zu der rechten Seiten,
Kommt, ihr Auserkornen,
In mir Neugebornen,
In meines Vaters Reich.
Es wartet längst auf euch.

12.) Alsdann wirst du froh sein
Und ledig von aller Pein
Im verklärten Leben
Mit dem Herren schweben.
Voller Freud‘ und Wonne,
Leuchten wie die Sonne.

13.) Wohl nun dem, den Gott zeucht,
Und durch seinen Geist erleucht,
Dass er Christum annimmt,
Wenn er durch sein Wort kömmt,
Und bei ihm sein Fleiß tut,
Denn sein‘ Sach‘ ist gut.

14.) Wer aber nichts achtet,
Nach Christo nicht trachtet,
Sein hier zu genießen,
Der soll diesmal wissen,
Dass er dort wird müssen
In der Hölle büßen.

15.) O, komm, Herr Jesu!
Schick dein armes Volk zu,
Dass es deinen Willen tu,
Und danach in deiner Ruh‘
Lobe deinen Namen
In Ewigkeit, Amen!

Weiße, Michael – Gelobt sei Gott, der unser Not

Weiße, Michael – Gelobt sei Gott, der unser Not

1.) Gelobt sei Gott, der unser Not
Und Dürftigkeit wohl hat erkannt,
Derhalben seinen Sohn gesandt.

2.) Auf dass er in diesem Elend
Die Werk seiner göttlichen Händ‘
Führet zum allerbesten End‘:

3.) Sein’n Willen uns zu wissen tät,
Leidend am Kreuze für sie bet,
Damit uns ewiglich verträt,

4.) Ein Priester wär in Ewigkeit,
Bestätiget durchs Vaters Eid,
In großer Ehr‘ und Herrlichkeit.

5.) Denn durch Bocksblut, wie Paulus spricht,
Und durch Brandopfer würden nicht
Unser Sachen vor Gott geschicht.

6.) Niemand, denn nur Christus allein,
Der hier ohn‘ alle Sünd‘ erschien,
Macht uns mit seinem Opfer rein.

7.) Als er am Kreuz sein Blut vergoss,
Sich für uns opfert nackt und bloß,
Wusch er uns rein und macht und los.

8.) Dies Opfer wird nun gerühmet,
Denn es hat uns Gott versühnet
Und die Seligkeit verdienet.

9.) Vater, sieh an, wie dieser Mann,
Christus, unser Sünd‘ auf sich nahm,
So schwer Ding trug ans Kreuzes Stamm,

10.) Sich ganz und gar auf dem Altar,
In aller Gnad und Heiligkeit,
Opfert ins Todes Bitterkeit!

11.) O Gott, steh bei und benedei,
Mach uns durch dieses Opfer frei,
Dass unser Herz stets bei dir sei!

12.) Wehr und lass nicht den bösen Wicht
Uns hindern in deiner Pflicht,
Durch Christum unser Zuversicht.

Tersteegen, Gerhard – Zwei Dinge sind mir immer klar

Tersteegen, Gerhard – Zwei Dinge sind mir immer klar

1.) Zwei Dinge sind mir immer klar
Prüf ich mein Tun und mein Gemüte
Und will gerecht ich sein und wahr:
Ich bin ein Sünder, Gott ist Güte.
Nur ihm, nicht mir gebühret Ruhm.
Das fühlen, das ist Christentum.

2.) Von eigenem Verdienste bloß
Und fern von eignem Licht und Leben,
Sag ich: Gott, deine Huld ist groß,
Du kannst und willst mir alles geben.
Mein Ruhm verschwinde ganz und gar,
Sei du in mir nur offenbar.

3.) Weg, weg mit aller Frömmigkeit,
Wobei man nur sich sieht und liebet.
Das ist der Tugend Lauterkeit,
Wenn man nur Gott die Ehre gibet.
Du führst die Demut wohl im Mund.
Doch wohnt sie auch im Herzensgrund?

4.) Man nennet sich oft arm und schwach,
Wer glaubt es aber wohl von Herzen?
Und glaubst du es, hält’s dich nicht wach
Vor Unruh und vor großen Schmerzen?
Der Demut bringt es keine Pein.
In Gott ist sie mit Frieden klein.

5.) Ein Tugendbild will ich wohl sein.
Doch nur, dass ich dir Gott, gefalle.
Vor Menschen such ich keinen Schein.
Willst du’s, vergessen mein nur alle!
Sei du nur, Gott, nur du geehrt:
Dann ist der Demut Wunsch gewährt.

6.) Führ‘ mich zu deiner Heiligkeit.
Doch soll’s die Eitelkeit nicht wissen.
Gib mir des Himmels Herrlichkeit,
Ich lege sie zu deinen Füßen.
Getrost, mein Gott, entsterb‘ ich mir.
Entzückt geb‘ ich, Gott, alles dir!

Tersteegen, Gerhard – Zu mir, zu mir, ruft Jesus noch

Tersteegen, Gerhard – Zu mir, zu mir, ruft Jesus noch

1.) Zu mir, zu mir, ruft Jesus noch.
Die Kindlein lasset kommen!
Hab ich aus Lieb zu ihnen doch
Die Kindheit angenommen.
Ja, wie ein arm elendes Kind,
Gebüßet und beweint die Sünd,
Der Kinder, die mich hören.

2.) Ich hab am Kreuz für sie mein Blut
Mit bittrem Schmerz vergossen,
Dadurch gelöscht der Hölle Glut,
Den Himmel aufgeschlossen.
Nun steh und ruf ich mit Begier:
‚Kommt, Kinder, kommet her zu mir,
ich will euch selig machen!‘

3.) Zu mir, zu mir, nicht zu der Welt
Und ihren Eitelkeiten,
Die auch euch Kindern sehr nachstellt
Und lockt auf allen Seiten.
Drum sieh dich vor, mein Kind, und tu
Vor ihr dein Aug und Herze zu,
Sie stürzt dich ins Verderben!

4.) Sie beut dir an Lust, Ehre, Pracht,
Freud, Schönheit, Ruh und Schätze.
Doch, wenn man’s alles wohl betracht’t,
So sind’s nur Strick und Netze,
Die Satan braucht, dadurch die Seel
Zu fangen und zu führ’n zur Höll
Auf ebnen, breiten Wegen.

5.) Die Welt gibt Wollust, die zerfließt
Im Blick, und dann folgt Pressen.
Wie bald ist eine Lust gebüßt,
Ein Leckerbisschen ‚gessen!
Und dafür muss die Seele dann
Auf ewig mit dem reichen Mann
Dort in der Flamme darben.

6.) Weltehre, Lieb, Lob, Gunst und Gnad
Ist kaum mit Müh zu kriegen,
Und wem sie’s heut gegeben hat,
Den lässt sie Morgen liegen
In Schmach, Verachtung, Spott und Kot.
Und hielt man’s gleich bis an den Tod,
Folgt dann doch ew’ge Schande.

7.) Ihr Prangen, Pracht und Herrlichkeit,
Ihr Säubern und ihr Zieren
Ihr Phantasie und Eitelkeit,
Zeit-, Müh- und Seelverlieren,
Die, wann der Leib im schwarzen Schoß
Der Erde liegt, muss nackt und bloß,
Mit Kot beschmutzt hinfahren.

8.) Ihr Scherzen, Lachen, Tanzen, Freud
Geht nimmer recht von Herzen
Und wird gar leicht verkehrt in Leid,
Bringt endlich ew’ge Schmerzen.
Dein Schönheit, die sie so hoch acht’t,
Liegt bald verwelket und veracht’t,
Dann hast du ausgedienet.

9.) Die Welt auch Ruhe dir anbeut,
Doch kann sie gar nichts geben
Als Unruh, Grämen, Müh und Streit,
Ein jammervolles Leben.
Und gibt sie Ruh, so ruhet man
Am Höllenrand, drein stürzt sie dann
Im Tod dich plötzlich nieder.

10.) Ihr Reichtum, Schätze, Geld und Gut –
Drum muss man von dem Morgen
Bis in die Nacht, ja bis in’n Tod
Stets laufen, wühlen, sorgen.
Hat man’s, gar leicht verliert man’s noch,
Verliert man’s nicht, so muss man’s doch
Im Tode all’s verlassen.

11.) Nun sieh, mein Kind, dies ist’s wie viel
Die Welt vermag zu geben.
Hüt dich vor ihrem Trauerspiel,
Es gilt dir Leib und Leben.
Merk doch aufs End, du musst davon!
Sonst wirst du einst vorm Richterthron
‚Geht weg von mir!‘ anhören.

12.) Nun ruf ich noch mit süßer Stimm:
‚Kommt her zu mir, ihr Kinder!‘
Steh still und es zu Herzen nimm,
Ich gebe dir nicht minder!
Denn des die Welt so rühmet sich,
Ist Schatten nur und wesentlich
Allein in mir zu finden.

13.) Die Lüste, die ich tropfweis gieß
Schon jetzt in keusche Herzen
Zart, kräftig, innig, übersüß,
Geist, Seel und Leib ergötzen.
Schmeckt hier so meine Freundlichkeit,
Was wird’s denn sein, in Ewigkeit
Aus Wollustströmen trinken!

14.) Bei mir ist Ehre unverrückt,
Ich liebe, die mich lieben,
Auch ew’ge Gnade man erblickt
Nach wenigem Betrüben.
Ich steh in Not und Tod dir bei,
Ich bleibe ewig dir getreu:
Das hat gar viel zu sagen.

15.) Ich will die Seel mit Heiligkeit
Und Tugendschmuck umhangen,
Drin sie auf’m Thron in Herrlichkeit
Als Königin wird prangen.
Der Leib auf der Posaunen Hall
Wird aufstehn glänzend wie Kristall,
Durch meinen Geist verkläret.

16.) Bei mir ist wahre Freud die Füll,
Die Welt noch Feind kann rühren.
Die macht im Kreuz und Leiden still,
Im Tod wohl jubilieren.
Flieh, eitle Schönheit, die nur Wust,
So werd ich ewig meine Lust
An deiner Schönheit haben!

17.) Ich bin dein’s Geistes Ruhestell‘,
Ich kann ihn nur vergnügen.
Es kann kein Sturmwind, Furcht noch Höll‘
Auf meinem Schoß ihn rügen.
Komm her zu mir, ich rufe noch,
Mein Kind, nimm auf mein sanftes Joch,
So wirst du Ruhe finden!

18.) Mein Reichtum ist beständig’s Gut,
Den ich umsonst will schenken,
Kein Rost, kein Dieb, kein Feu’r noch Flut
Kann solchen ewig kränken.
Ich hab‘ ein ganzes Himmelreich,
Viel‘ Königsschätze drin zugleich,
Die wirst du all‘ ererben.

19.) Sieh da, mein Kind, was Jesus sei,
Wo du nicht ganz ein Blinder.
Folg meiner Stimm‘, weil ich noch schrei:
‚Kommt her zu mir ihr Kinder!‘
Folgst du nun jetzt dem Rufen nach,
So sollst du auch an jenem Tag
‚Komm her zu mir!‘ dann hören.

20.) Wenn dann die Welt samt Lust und Pracht
Im Feuer wird vergehen,
Dann wirst du werden zu mir bracht
Und freudig mit mir gehen.
Zu meinem Reiche, da wirst du
Auf meinen Armen finden Ruh‘,
Und ich dich ewig herzen.

21.) In meiner Liebe, Furcht und Ehr‘
Die schönen Jugendjahren
Und zarte Blüt‘ der Kraft verzehr,
Lass Schein und Schatten fahren,
Kein’n Augenblick verschieb es nicht,
Eh dir der Lebensfaden bricht.
Gib mir, mein Kind, dein Herze!

22.) Der Frommen kleines Häufelein
Sei deine Lust auf Erden,
So wirst auch du ein Engelein
Mit ihnen nachmals werden.
Mein‘ Engel hier bewahren dich,
Mit welchen du wirst ewiglich
im Paradies spazieren.

Tersteegen, Gerhard – Du schönstes Gotteskind

Tersteegen, Gerhard – Du schönstes Gotteskind

1.) Du schönstes Gotteskind,
Das in der Krippe lieget,
In dem Gott selber sich
Von Ewigkeit vergnüget,
Du wirst geschenket mir,
O wundergroße Gnad‘!
Der Vater schenkt mir so
Das Liebste, das er hat.

2.) Ich wurde Gottes Feind,
Ein Höllenkind, geboren,
Die Gnade war verscherzt,
Und meine Seel‘ verloren,
Doch Gott vergisst der Sünd‘
Und mir sein Herze gibt
In dir, du Himmelskind:
Also hat Gott geliebt!

3.) Ich lief verirret hin
Durch Sündenlust verblendet
Auf jenem breiten Weg,
Der ins Verderben endet,
Da schickt‘ Gott seinen Sohn,
Weil ihm sein Herze brach,
Aus unverdienter Treu
Mir armem Schäflein nach.

4.) Das schöne Gottesbild
Der Unschuld war verdorben,
Ich war ein Sündenaas
An Tugenden erstorben.
Mein Kind, du Gottesbild,
Präg dich ins Herz mir ein,
Dies ist nur Heiligkeit,
In dich verbildet sein!

5.) Es war das Paradies
In meinem Grund verblichen,
Ich lebt‘ in Angst und Pein,
Der Friede war gewichen.
Doch deine Kreuzgeburt,
Du Paradieseskind,
Macht, dass ich Gottes Reich
Im Geiste wieder find‘.

6.) Gott war mir fremd und fern
Mit seinem Liebeleben,
Mein Herze war der Welt
Und Kreatur ergeben.
In dir, Immanuel,
Wird Gott und Mensch gemein,
In dir soll nun mein Herz
Mit Gott vereinigt sein.

7.) Gedenk doch, meine Seel‘,
Also hat Gott geliebet,
Dass er den einigen
Und liebsten Sohn dir gibet!
Du große Gottesgab‘,
Der Liebe Pfand und Band,
Ich nehm‘ dich willig an
Aus deines Vaters Hand.

8.) Ich bück‘ zur Krippe mich,
Dich innigst zu umfassen,
Ich will die Kreatur
Und alles willig lassen.
Du teure Perle du,
Wer dich erkennt und liebt,
Sich selbst und was er hat,
Für dieses Kleinod gibt.

9.) So komm denn, süßes Kind,
Du Heiland meiner Seelen!
Ich will mich ewig dir
Verbinden und vermählen.
Da nimm mein Herz dir hin
Und gib dein Herze mir,
Dass meine Liebe sich
In deiner Lieb‘ verlier‘!

10.) Ich weiß, du Gotteskind,
Du willst im Stalle liegen,
Die Hoheit muss hinaus
Und alles Weltvergnügen.
Ein arm‘, geringes Herz,
Das ausgeleert und klein,
Soll deine Krippe nur
Und ew’ge Wohnung sein.

11.) Bereite mich denn selbst,
Und mach mich auch zum Kinde,
Dass ich im Herzen dich
Und ew’ges Leben finde.
Mach in dem Stall allhier
Mich deiner Kindheit gleich,
Bis ich einst, wie ein Kind,
Erlang‘ dein Himmelreich!

Neander, Joachim – Wo soll ich hin

Neander, Joachim – Wo soll ich hin

Wo soll ich hin, wer hilfet mir?
Wer führet mich zum Leben?
Zu Niemand, Herr, als nur zu Dir,
Will ich mich frei begeben.
Du bist’s, der das Verlorne sucht,
Du segnest, was sonst war verflucht:
Hilf, Jesu, dem Elenden!

Herr, meine Sünden ängsten mich,
Der Todesleib mich plaget;
O Lebensgott, erbarme Dich,
Vergieb mir, was mich naget.
Die weißt es wohl, was mir gebricht;
Ich fühl’s, doch sagen kann ich’s nicht:
Hilf, Jesu, dem Betrübten.

Du sprichst, ich soll mich fürchten nicht;
Du rufst: Ich bin das Leben!
Drum ist mein Trost auf Dich gericht’t,
Du kannst mir Alles geben.
Im Tode kannst Du bei mir stehn,
In Noth als Herzog vor mir gehn:
Hilf, Jesu, dem Zerknirschten!

Du bist der Arzt, der Kranke trägt,
Auf Dich will ich mich legen.
Du bist der Hirt, der Schwache pflegt,
Erquicke mich mit Segen.
Ich bin gefährlich krank und schwach,
Heil und verbind, hör an die Klag‘:
Hilf, Jesu, dem Zerschlagnen!

Ich thue nicht, Herr, was ich soll,
Wie kann ich doch bestehen?
Es drücket mich, das weißt Du wohl,
Wie wird es endlich gehen?
Elender ich, wer wird mich doch
Erlösen von des Todes Joch?
Ich danke Gott durch Christum!

Schaff – Deutsches Gesangbuch

Huberinus, Caspar – Ain Gaystliche lied wie ain armer sünder sein not klagt Christo

Huberinus, Caspar – Ain Gaystliche lied wie ain armer sünder sein not klagt Christo

seinem Herren/ vnd jn allain vmb gnad vnd hilff anrüfft.

Im thon/Nach/willen Dein. Order/ Was wirt es doch etc.

CHriste mein Herr
ich bin gantz ferr
von deiner lieb geschayden
Zu aller stund
auß bößem grund
in sündn thu ich mich waiden
Kain guts in mir
das klag ich dir
kan ich mit nichte finden
Darumb ich bit
versag mir nit
erleücht mich armen blinden.

ALlain bey dir
O herr hilff mir
steeht all mein thun vn lassen
Ain armer Mensch
recht du mich kennst
Der teüfel thut mich hassen
Schaff mir beystand
so wirt erkannt
dein wunder grosse guete
Die gib nun mir
thu Dich herfür
das mich dein trew behuete.

SPrich nun ain Wort
mein höchster hort
so wirt mein seel gesunde
Von dir ichs bit
versag mirs nit
jetzund zu diser stunde
So hats kein not
wenn schon der todt
mit seiner bracht her dringet
Darzu die hell
auch jr gesell
all vnglück mit jr bringet.

PEen und die straff
weyt von mir schaff
dein trew an mir beweyse
An deinem knecht
heb auf das recht
daß ich dein guete preyse
Schaff mir beistand
aufflöß die band
des teüffels und der helle
Dein vatter bitt
das er mich nit
so gar verstossen wölle.

AUff dich traw ich
gantz vestigklich
hilff mir auß meinen leyden
Gib mir dein gnad
das mir nichs schad
die sünd kan ich nit meyden
Ich hab kain ru
wie ich jm thu
in allem meinen leben
Wo du nit kumbst
miit deiner gunst
vn mir dein sterck thust geben.

RIeffen will ich
vnd bitten dich
in allem meinem leben
zu dir mein Gott
hilff mir auß nott
dein gnad wöllest mir geben
So bin ich frey
gleich wa ich sey
kan mir doch niemant schaden
Obschon vnglück
all augenblick
auff mich schwer wirt geladen.

HErr Zebaoth
ain trewen Gott
hast dich allzeyt erzayget
zu den sündern
als dein kindern
hast dich freündtlich genayget
Als man dann findt
gar wol gegründt
in baiden testamenten
Darumb mein herr
dich zu mir ker
erleücht mich gar verblend.

VErleich mir Gnad
das mir nit schad
kein übel hie auff erden
Kain rast noch ru
wie ich jm thu
kan mir gegeben werden
Dieweil mich plagt
vnd die sünd nagt
in meinem bösen gwissen
Dann zu der sünd
bin ich gantz gschwind
darzu mit ernst geflissen.

O Reicher Gott
in meiner nott
ich trewlich zu dir gilffe
Dann ich ye wayß
durch dein gehayß
daß Du bist mein gehilffe
In aller not
auch in dem todt
will ich mich zu dir wenden
Mich nit veracht
der sünd nit acht
dein gayst thu mir bald senden.

BIß eingedenk
dein’r edlen gschenk
damit vns hast begabet
deins fleischs vn bluts
des höchsten guts
das wir da warn berabet
Ain testament
vor deinem endt
mit vns hast aufgerichtet
Ain steten Bund
vn guten grund
da dich vns hast verpflichtet.

ERbarm dich nun
du hoechster sun
meins schwachen armen lebens
Nimm dich mein an
hilff mir aufban
sonst ist mein thun vergebens
Dann ye in mir
das klag ich dir
find ich kain guten funcken
In aller sünd
wie sathans kind
bin ich gantz tieff versuncken.

REychtung vnd eer
ich nit beger
wann ich nun hab dein hulde
Darumb ich bitt
versag mir nit
vergib mir all mein schulde
Vnd in dein reich
für mich zugleich
wann sich mein leben endet
Darzu der todt
vnd alle not
sein herschafft von mir wendet.