Gellert, Christian Fürchtegott – Herr, der du mir das Leben

1. Herr, der du mir das Leben
bis diesen Tag gegeben,
dich bet ich kindlich an.
Ich bin viel zu geringe
der Treu, die ich besinge
und die du heut an mir getan.

2. Mit dankendem Gemüte
freu ich mich deiner Güte,
ich freue mich in dir.
Du gibst mir Kraft und Stärke,
Gedeihn zu meinem Werke
und schaffst ein reines Herz in mir.

3. Ich weiß, an wen ich glaube,
und nahe mich im Staube
zu dir, o Gott, mein Heil.
Ich bin der Schuld entladen,
ich bin bei dir in Gnaden,
und in dem Himmel ist mein Teil.

Weitere Texte des Autoren in der Glaubensstimme

Dachser, Jacob – Psalm CXXXVIII. Consitebor tibi domine.

Ist ain danck und lob Psalm.

VOn gantzem hertzen danck ich dir
unnd will dir, Gott, lobsingen
Vor den Göttern, dann du thust mir
beystand in allen dingen;
Darumb will ich anbetten dich
in deiner hailgen wonung,
und dancken sehr deim namen, Herr,
umb dein trew und erbarmung.

Dann du hast deinen namen feyn
so groß und herlich gmachet
Uber alles durch die red dein,
welche die wellt verlachet;
Aber wenn ich anruffe dich,
so thu mir, Herr, antworten,
unnd brayt auß schnell inn meiner seel
dein sterck an allen orten.

Es sollen all Künig auff erd
dir danck und preyß zulegen,
Daß sy deins mundt red habn ghört
und singen auff den wegen
Des Herren mein, das die eer sein
groß sey unnd unaußsprechlich,
dann Gott ist hoch unnd schawet doch
das nidrig auff dem erdtrich.

Er kennet auch die stoltzen all
von ferren unnd von weytten;
Wenn ich schon mitten im trübsal
wandle under den leüten,
Würstu mich doch under dem joch
wol lebendig behalten
unnd den zoren meiner feynden
mitt deiner hand zerspalten.

Dein rechte mir wol helffen wirt
und meinen handel schlichten,
Der dem Herren allain gebürt,
der wirdts für mich außrichten.
Herr, dein gut ist ewig all frist,
drumb laß nit durch deinn namen
das werck deinr hend biß an das end
durch Jesum Christum, Amen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Brockhaus, Carl – Wer findet Worte, dir zu danken

Wer findet Worte, dir zu danken?
O Vater, deine Lieb ist groß,
ist unaussprechlich, ohne Schranken:
Du gabst den Sohn aus deinem Schoß.
Du gabst ihn hin, den eingebornen,
du sandtest ihn zu uns herab,
für deine Feinde, die Verlornen,
gabst du ihn hin in Tod und Grab.

O wohl uns, daß du voll Erbarmen,
daß du, o Gott, die Liebe bist,
daß wir in treuen Vaterarmen
so sicher ruhn durch Jesum Christ!
In ihm gabst du uns Heil und Leben,
ja, alles – o wer liebt so sehr!
Ein Gott, der seinen Sohn gegeben,
ein solcher Gott versagt nichts mehr.

Weitere Texte des Autors in der „Glaubensstimme“

Behm, Martin – 12. August

Im Ton: Lobt Gott, ihr frommen Christen.

Nun laßt uns alle preisen
Des höchsten Vaters Gnad,
Der uns guts thut beweisen
Auf Erden früh und spat
Und uns jährlich bescheret
Das liebe täglich Brot,
Und was der Mensch begehret
Zur Seel- und Leibesnoth.

Die Frücht man jetzt einführet,
Die uns gewachsen sind,
Draus man sein Liebe spüret,
Weil wir sind seine Kind.
Er giebt uns Korn und Weizen,
Gerst, Hafer und viel Frücht,
Dadurch er uns thut reizen,
Daß man sich nach ihm richt.

O Vater aller Frommen,
Wir sind dein Kinderlein,
Viel guts haben wir bekommen,
Drum wir dir dankbar sein.
Du wollst uns benedeien,
Was wir geerntet han,
Auch Rath und Fried verleihen,
Daß mans genießen kann.

Gieb, daß wir uns der Armen
Mit Treuen nehmen an,
Derselben uns erbarmen,
Wie du uns hast gethan.
Laß uns des Leibes pflegen,
Daß er nicht werd zu geil,
Daß wir nicht deinen Segen
Verlieren, unser Heil

Hilf, daß wir hie aussäen
Mit reinem Sinn und Muth,
Damit wir dort einnehmen
Das große himmlisch Gut.
Laß uns doch nicht verderben,
Nimm uns ins Himmelreich,
Daß wir dein Güter erben
Und sein den Engeln gleich.
Amen.

Nöldeke – Martin Behemb’s geistliche Lieder

Boie, Nicolas – Ein Gratias

na der entfanginge des hochwerdigen Sacramentes, des lynes unde blodes Christi

(„Geystlike leder und Psalmen rc. Gedruckt tho Magdeborch dorch Hans Walther. 1543.“)

O Christ, wy dancken dyner güde
unde dyner grothen leue,
De du uns bewisest auerswindt,
yn dem du heffst gegeuen
Dy suluest genslick auer all,
up dat wy uth der sünden tall
gereddet mögen leuen.

Heffst suluen dy verschonet nicht,
bett du vor uns gestoruen,
Dar dorch ydt alle ys uthgericht,
dat wy han gnade erworuen,
Vorgeuinge unser sünde twar
unde Gades kindtschop: so wy gar
des gelouen, sint wy borgen.

Dyn licham uns thor spise giffst,
dyn düre blodt tho drinckent,
Dat wy gestercket ymme geist
den olden minschen krencken,
Unde wassen yn der nyen bordt,
dat yo dat brodt der kinder vorth
den hunden nicht gereket.

Help, dat wy vorth der leue werck
malck ander so bewisen,
Als du ydt uns ertöget heffst,
dat wy tho dynem pryse
Dy ynn geliuet leuen yo,
byn auentmal entfangen so,
da wy vullstendich bliuen,

Unde dencken dyner woldadt groth,
dewile wy hyr leuen,
Vorkündigen dynen düren dodt,
beth du werst uns erheuen,
Tho nemen ynn dat rike dyn,
das nümmer wert ein ende syn
des frowen prysens, Amen!

Eere sy dem Vader unde dem Sone
unde ock dem hilligen Geiste,
So gewesen ys van anbegynn
unde ewich altermeiste!
He helpt uns wandern alle gelick,
dat wy der sünde werden quid:
wol dat begert, spreke Amen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Boie, Nicolas (der Ältere) – Ein Gratias na der maltidt

O Godt, wy dancken dyner gude
dorch Christum unsen Heren,
Vor dyne woldadt auerswinde,
dorch welcke du deist erneren
All, wat den athem ye gewan,
heffst uns de nodtrofft laten han:
dy geschee loff unde ock eere!

Als du nu, here, gespiset hast,
dat licham, welck vorderuet,
So lath de seele ock syn dyn gast,
de dorch dy nümmer steruet,
Dyn heilsam word ere spise syn,
beth se ock gantz erlange dy
yn ewicheit vortruwen!

Loff, eere unde danck tho aller tidt
dy, vader yn der högede,
De du uns de sünde makest quid
dorch dat du giffst tho geloue
Ynn dynen eingebaren Söne,
up dat wy, mit ein kinder dyn,
dy ewich preysen, Amen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Arnold, Gottfried – Komm, beuge dich, mein Herz und Sinn

Komm, beuge dich, mein Herz und Sinn
Vor Christi Throne tief danieder.
Zu seinen Füßen sinke hin
Und bring‘ ihm deines Dankes Lieder.
Erkenne, wie du selbst aus dir nichts bist
Wie Gott in dir und allen alles ist.

Wo wär‘ in dir ein Funken Kraft,
Wenn du sie nicht erlangt von oben?
Wer hat dir Schutz und Ruh‘ geschafft
Vor deiner Feinde List und Toben?
Wer bändigte des Bösen finstre Macht?
Wer hat der Wahrheit Glanz ans Licht gebracht?

Wer hat dich aus der Noth befreit,
Dein Leben dem Verderb entrissen?
Wer krönt dich mit Barmherzigkeit,
Wer läßt dich seine Rechte wissen?
Ist er es nicht, der unerschöpfte Quell,
Der täglich noch uns zuströmt rein und hell?

Ja, deine Hand hat uns gefaßt
Und über all‘ Verdienst und Hoffen
Hinweggethan der Sünden Last,
Daß nun der Himmel steht uns offen!
Du machst das Herz von Furcht und Zweifel leer,
Und sel’ger Friede waltet um uns her.

Was zwischen uns sich drängen will,
Hat deine Kraft gar bald vernichtet;
Du hältst den Tempel rein und still,
Den du dir selbst in uns errichtet.
Ja, fest bestehet deine Herrlichkeit,
Die dir in uns der Vater hat geweiht.

Du überschüttest uns mit Lieb‘
Und reinigst Herzen, Mund und Sinnen,
Daß wir aus deines Geistes Trieb
Dich stets in uns mehr liebgewinnen.
Du drückst dem Geist der Reinheit Siegel auf,
Daß unbefleckt wir enden unsern Lauf.

So nimm dafür zu Opfer hin
Uns selbst mit allem, was wir haben;
Nimm Leib und Seel‘, nimm Herz und Sinn
Zum Eigenthum statt andrer Gaben.
Bereite selbst dir aus der Schwachen Mund
Ein würdig Lob; mach‘ deinen Namen kund.

Hierzu gieb einen Sinn und Muth,
Halt deine Gläub’gen fest zusammen,
Daß unser Herz von heil’ger Gluth
Entbrenn‘ in deiner Liebe Flammen.
Zu deinem Thron steigt unser Dank empor,
Bis würd’ger er erschallt im höhern Chor.

Evangelisches Gesangbuch der Bremischen Gemeinden
Weitere Texte des Autors in der „Glaubensstimme“

Albert, Heinrich – Danklied

Ein Dankopfer, Herr, ich bringe,
So mir recht von Herzen geht;
Über deine Wunderdinge
Wird mein Geist zu dir erhöht.
Gott, ich freue mich, mein Leben
Ist ganz deinem Lob‘ ergeben:

Daß du meine stolzen Feinde
Hinter sich getrieben hast,
Daß, der mich zu fällen meinte,
Und nicht hatte Ruh‘ noch Rast,
Nun vor dir, o Gott, sammt Allen
Selbst umkommen und gefallen.

Denn du führest meine Sache
Und mein Recht so herrlich aus,
Daß man sihet, dein sei die Rache,
Und ein Jeder merke draus,
Wie du dich gesetzt, das Dichten
Aller Menschen selbst zu richten.

Der Herr ist ein Schutz der Armen
Und ein Schild in aller Noth,
Seine Gnad‘ und sein Erbarmen
Steht uns bei bis in den Tod;
Die ihn kennen und nicht hassen,
Will er nimmermehr verlassen.

Müller – Bibliothek deutscher Dichter des siebzehnten Jahrhunderts