Wir wissen weder Tag noch Stunde,
Woran des Menschen Sohn erscheint.
Wer nun nicht wacht aus diesem Grunde,
Ist seiner eignen Seele feind.
Der Herr befiehlt auf alle Zeit,
Bis das er kommt, die Wachsamkeit.
2. Wenn jemand tausend Jahre wachte,
Und er käm erst im letzten an,
So wärs, ob gleich der Spötter lachte,
Doch klug und nicht umsonst getan.
Und wer nicht an dem Tage wacht,
Der schläft gewiß auch bei der Nacht.
3. Herr, mache du mich alle Tage,
Auf alle Stunden recht bereit,
Dass ich mein Öl stets bei mir trage,
Und sei zum Brauttag angekleid’t.
Wenn du schon kommst, so ist der Rat,
Sich erst zu rüsten, allzuspat.
4. Ach mache das Gefäß der Seele
Mit einem Glaubensvorrat voll,
Damit mirs in der Zeit nicht fehle,
Wenn ich entgegen gehen soll;
So schließt du mich vom Hochzeithaus
Nicht in der letzten Stunde aus.
5. Lehr jetzt mich, was mir not ist, kaufen,
So brennt die Lampe stets bei mir,
Dass ich nicht erst umher darf laufen;
Ich such es aber nur bei dir.
Wer bei dir sucht, dem schenkest du,
Und schließt dein Haus vor ihm nicht zu.