Weiße, Michael – Lob sei dem allmächtigen Gott

1. Lob sei dem allmächtigen Gott,
Der unser sich erbarmet hat,
Gesandt sein allerliebsten Sohn,
Aus ihm geborn im höchsten Thron,

2. Auf daß er unser Heiland würd,
Uns freiet von der Sündenbürd
Und durch sein Gnade und Wahrheit
Führet zur ewigen Klarheit.

3. O große Gnad und Gütigkeit,
O tiefe Lieb und Mildigkeit,
Gott tut ein Werk, des ihm kein Mann,
Auch kein Engel verdanken kann.

4. Gott nimmt an sich unsre Natur,
Der Schöpfer aller Kreatur,
Er veracht nicht ein armes Weib,
Mensch zu werden in ihrem Leib.

5. Des Vaters Wort von Ewigkeit
Wird Fleisch in aller Reinigkeit,
Das A und O, Anfang und End
Gibt sich für uns in groß Elend.

6. Was ist der Mensch, was ist sein Tun,
Daß Gott für ihn gibt seinen Sohn?
Was darf unser das höchste Gut,
Daß es so unserthalben tut?

7. O weh dem Volk, das dich veracht,
Der Gnad sich nicht teilhaftig macht,
Nicht hören will des Sohnes Stimm,
Denn auf ihm bleibet Gottes Grimm.

8. O Mensch, wie, daß du nicht verstehst
Und dem König entgegen gehst,
Der dir so ganz demütig kommt
Und sich dein so treulich annimmt?

9. Ei, nimm ihm heut mit Freuden an,
Bereit ihm deines Herzens Bahn,
Auf daß er komm in dein Gemüt
Und du genießest seiner Güt.

10. Unterwirf ihm deine Vernunft
In deiner gnadreichen Zukunft,
Untergib seiner Heiligkeit
Die Werk deiner Gerechtigkeit.

11. Wo du dies tust, so ist er dein,
Bewahrt dich für der Höllenpein;
Wo nicht, so sieh dich eben für,
Denn er schleußt dir des Himmels Tür.

12. Sein erste Zukunft in die Welt
Ist in sanftmütiger Gestalt,
Die ander wird erschrecklich sein,
Den Gottlosen zu großer Pein.

13. Die aber jetzt in Christo stehn,
Werden alsdann zur Freud eingehn
Und besitzen der Engel Chör,
Daß sie kein übel mehr berühr.

14. Dem Vater in dem höchsten Thron
Samt seinem eingebornen Sohn,
Dem Heiligen Geist gleicherweis
Sei in Ewigkeit Dank und Preis.

Weisse, Michael – Der Tag vertreybt die finster nacht,

Der Tag vertreybt die finster nacht,
o Brüder, seyt munter und wacht,
dienet Gott dem Herren!

Die Engel singen immerdar
und loben Gott inn grosser schar,
der alles regieret.

Die hann und vogel mancherley
loben Gott mit jrem geschrey,
der sie speyst und kleydet.

Der Himel, die erd und das meer
geben dem Herren lob und ehr,
thun sein wolgefallen.

Alles, was ye geschaffen ward,
ein itzlich ding nach seiner art,
preiset seinen schöpffer.

Ey nu, mensch, so Edle natur,
O vernünftige Creatur,
sey nicht so verdrossen!

Gedenck, das dich dein Herre Gott
zu seinem bildt geschaffen hat,
das du jn erkennest,

Und lieb hettest aus hertzen grund,
auch bekennest mit deinem mund,
sein also genössest.

Weyl du nu seinen Geyst gekost
und seiner gnad genossen hast,
so danck jm von hertzen.

Sey munter, bett mit fleyß und wach
sih, daß du stetz inn seiner sach
trew werdest befunden.

Du weyst nicht, wenn der Herre kömpt
denn er dir keine zeyt bestimpt,
sonder stetz heyst wachen.

So üb dich nu in seinem Bund,
lob jn mit hertzen, that und mund,
danck jm seiner wolthat.

Sprich: O Vater inn ewigkeyt,
ich danck dir aller gütigkeyt,
mir biß her erzeyget

Durch Jesum Christum, deinen Son,
welchem sampt dir im höchsten thron
all Engel lobsingen.

Hilff Herr, das ich dich gleicherweyß
von nun an allzeyt lob und preyß
inn ewigkeyt, amen.

Weisse, Michael – WIr glawben jnn Got den Vater,

WIr glawben jnn Got den Vater,
allmechtigen Hern unnd schepffer,
Der jmm anbegin lies werden
durch sein wort himmel unnd erden.

Und jnn seinen sohn, Jhesum Christ,
unsern Herren, der jhm gleich ist
Inn der gotheit und herlikeyt,
aus jhm geborn von ewikeit.

Der vom heiligen Geist allein
entpfangen ist Heilig unnd rein,
Vonn Maria mensch geboren,
welch ihr zucht nih hat verloren.

Der auch alle sünd vermieden,
undter Pilato gelieden,
Gekreutziget und gestorben,
darnach begraben ist worden.

Der auch gestigen zur hellenn,
zurstört der altueter stellen,
Am dritten tag ist erstanden
vom tod unnd all seinen banden.

Darnach gen himmel gefaren
als ein König der herscharen,
Wo er sitzt zu Gottes rechten
und herschet allen geschlechtenn.

Von dannen er auch offenbar
am letzten tag mit seiner schar
Ser herlich ernider steigen
richten wirt und nichts verschweigen.

Glauben auch inn heiligen Geist,
von welchem die schriefft allermeist
Und alle weißheyt ist kommen,
den auferwelten zu fromen.

Eine kirch von Got auferkorn
unnd durch seinen Geist newgeborn,
Eine heilige gemeinschafft
unnd ordnung zu Gottes kintschafft.

Vergebung der sünden allein
inn der auserwelten gemein,
Durch geniessung aller gaben,
welch jhr Got schencket von oben.

Auferstendung alles fleisches
am letzten tag des gerichtes,
Wo es von seim gantzen lebenn
rechenschaft wirt müssen geben.

Ewig leben, freud und klarheit
allen auserwelten bereit,
Auch ewige pein der hellen
dem sathan und seinn gesellen.

Hielff Got, das wir durch diesen grund
den newen und gnadreichen bund,
Die summ und ordnung der warheit,
gewiss werden deiner klarheit!

Weisse, Michael – Da Christus von uns scheiden wolt

Von dem Testament des Herren, etc.

1. Da Christus von uns scheiden wolt
und sich opffern für unser schult,
Verordnet er uns brot und wein,
das es sein leib und blut solt sein.

2. Wol dem, der ihr wirdig geneust,
ihr warheit inn sein hertz verschleust,
Denn sie zeuget ihm, das er frey
und ein recht mit gnoß Christi sey.

3. Wer sie aber, wie Judas thet,
on allen geist gotes entpfeht,
Dem giebet sie, wie Paulus spricht,
nichts anders denn schult und gericht.

4. Wer Christum nicht imm hertzen hat
sonder nur sucht inn wein und brot,
Den betreugt seine zuversicht,
denn was er sucht, dz findt er nicht.

5. Wacht, ihr Christen, und seht euch für,
das euch kein falsch prophet verfur,
Wenn sie kommenn unnd sagen frey,
das Christus persönlich da sey.

6. Die schriefft zeiget uns reichlich an,
was Christus sey und was er kan,
Auch wie er sey an einem ort
und nicht auf ein mal hie und dort.

7. Leiblich ist er vor Gotes trohn,
für uns ein stet opffer zu thun,
Aber durch seinn geist ist er hie,
das er uns alle nach sich zieh.

8. Prufet euch, ob ihr seit begabt
und den geist Christi jnn euch habt,
Ob ihr innerlich seit bereit,
zu thun Gotes gerechtikeit.

9. Weil diß warhafftig inn euch ist
und ihrs nur willig nicht verliest,
Wirt euch des Herren brot und weinn
ein zeugnis seiner gnaden seyn.

10. O Christe, verley, das wir rein
vereiniget deiner gemein,
Wirdig geniessen diser speiß
und dir stetz geben lob und preis.

Weisse, Michael – CHristus leid den todt mit gedult,

Von der auferstehung Christi

CHristus leid den todt mit gedult,
bethalet da mit Adams schult,
Von dem, als er begraben lag,
erstund er frey am dritten tag.

Erweiset sich menschlicher weiß
seynen iüngern jnn tranck und speiß
Durch viertzig tag jnn newer art
bis ann tag seiner himmelfart.

Von disem wollen wir singen,
Got loben vor allen dingen
Und preisen inn seinen wercken,
da mit unsern glauben stercken.

Als Jhesus fru erstanden war,
machtens bald Engel offenbar
Den weibern, so salben nahmen
unnd traurig zum grabe kamen.

Eyne, Magdalena genant,
welche yhn fleissig sucht und nicht fandt,
Weinend trat vor seins grabes thür,
kam er zum ersten frölich für.

Da diß sampt andern dise ding
sein jüngern zu verkunden ging,
Kam Jhesus, sprach jhn seinen grus,
und sie fielen yhm bald zu fuß.

Nach disen erschein er Petro,
darnach dem kleinen Jacobo,
Darnach yhr zweyn vor Emaus,
unnd den legt er die schrifften aus.

Darnach kam er sein jüngern für
am abend durch verschlossne thür,
Zeigt jhn hend und füß, fleisch und beyn,
aß von eym fiesch und honigseym.

Als Thomas, verseumpt, widerkam
und von den jungern solchs vernahm,
Sprach er: Ich zweifel immerdar,
biß ichs mit greyffen wol erfar.

Nach acht tagen kam Jhesus dar,
weil Thomas auch vorhandenn war,
Sprach zu yhm: Thoma, greif mich an
und sey nicht ein unglaubig man.

Sieben junger fischten imm mehr
und fingen nichts, das war ihn schwer:
Da kam Jhesus und leret sie,
das sie meer fingen den voryhe.

Den eylff jüngern aus Judea,
versamlet in Gallilea,
Erscheyn er auch und hies sie klar
sein wort reden der Heiden schar.

Eyn anders zeiget Paulus an,
das yhn meer denn fünfhundert man
Gesehn haben auf eine stund
und das betzeugt mit gleychem mund.

Nach eins ist zu offenbaren:
als er wolt gen himmel faren,
Versamlet er sein glewbig volck,
steyg auf vor yhm jnn einer wolck.

Hie scheinen der Juden lügen,
die wider Got nichts vermügen,
Yhr gelt, umb lügen gegeben,
bringt ihn ein verfluchtes leben.

Lob und danck sey dir, Jhesu Christ,
der du vom tod erstanden bist,
Die warheit uns hast offenbart
und gestraft die eebrechisch art.

O halt uns jnn der warheit fest
und thu mit uns das allerbest
Zu lob und ehr deinem namen
löblich jnn ewikeit, amen!

Weisse, Michael – Vater jmm höchsten trohn,

Vor dem tiesche

1. Vater jmm höchsten trohn,
der du durch deinen sohn
Dich so herlich beweisest,
leib und selen speisest;

2. Was jmm wassern lebet
unnd jnn lufften schwebet
Manchfaltigest und mehrest,
kleidest und ernerest;

3. Dein volck benedeist
und von sunden freiest
Machest alle speisen rein
jnn deinem sohn allein:

4. Verley, das wir heute
als glaubige leute
Dir allein zu lob unnd preiß
entpfangen unser speiß;

5. Deyner gab genissen
jnn gutten gewissen,
Damit unser hertz jmm leib
rein und unbeschwert bleib.

6. Und uber dem essen
las unns nicht vergessen
Deines worts unnd unser pflicht,
wie Paulus unterricht.

7. Las uns nicht gleich werden
durch heidnisch geberden
Denen, die du hast geplagt,
wie die schriefft von jhm sagt:

8. Nach dem sie jmm essen
dein hetten vergessen,
Trieben sie ein heidnisch spiel,
biß dein grimm auf sie fiel.

9. Das wolestu, Herre,
dir zu lob und ehre
An uns als ein vater thun
durch Christum, deinen sohn!

Weisse, Michael – Nu last uns den leyb begraben,

Zum Begrebniß.

Wackern. K.L. Nr. 373. Brüderges. Nürnb. 1544

Nu last uns den leyb begraben,
bey dem wir keinn zweyffel haben,
Er werd am letzten tag auffstehn
und unverrücklich herfür gehn.

Erd ist er und von der erden,
wird auch wider zu erd werden
Und von erden wider auffstehn,
wenn Gottes Pusaun wird angehn.

Seine seel lebt ewig inn Gott,
der sie alhie aus seiner gnad
Von aller sünd und missethat
durch seinen bund geseget hat.

Sein arbeyt, trübsal und elend
ist kommen zu eim guten end,
Er hat getragen Christi joch,
ist gestorben und lebet noch.

Die seel die lebt on alle klag,
der leyb schlefft biß an letzten tag,
An welchem jn Gott verkleren
und der frewden wird geweren.

Hie ist er inn Angst gewesen,
dort aber wird er genesen,
In ewiger freud und wonne
leuchten wie die schöne Sonne.

Nu lassen wir jn hie schlaffen
und gehn all sampt unser strassen,
Schicken uns auch mit allem fleys
denn der Tod kompt uns gleycher weyß.