Benjamin Schmolck – Osterpost und Trost. Am dritten heiligen Ostertage.

Mel. Gott des Himmels und der Erden.

1. Ach wie lieblich sind die Füße,
Welche durch die Türen gehn!
Ach wie klingt das Wort so süße,
Das die Jünger jetzt verstehn!
Ist der Gruß nicht freudenreich:
Friede, Friede sei mit euch?

2. Komm, du angenehmer Bote,
Weil mich auch nach Frieden dürst,
Du bist nun nicht mehr der tote,
Sondern der lebend’ge Fürst.
Aber ich bin tot vor dir,
Darum gib das Leben mir.

3. Grüße mich mit deinem Munde,
Der in deinem Worte spricht, –
Schleuß mich aus dem Friedensbunde
Deiner lieben Jünger nicht.
Trag, du reine Taube du,
Mir des Friedens Ölblatt zu.

4. Zwar ich sollte wohl erschrecken,
Weil ich nicht des Friedens wert,
Und viel Sünden in mir stecken,
Die mich von dir abgekehrt.
Ach mein Glaub ist gar zu klein,
Wie kann Friede in mir sein?

5. Doch du zeigest mir die Siegel
Deiner roten Wunden her;
Und ich seh in diesem Spiegel
Keinen Zorn und Feindschaft mehr.
Händ und Füße stellen mir
Lauter Siegeszeichen für.

6. War noch Zweifel dort zu merken,
Speisen deine Jünger dich;
Willst du meinen Glauben stärken,
Ach so speise lieber mich.
Es gibt mir dein Gnadentisch
Mehr, als Honigseim und Fisch.

7. Lehr mich Mosen, die Propheten
Und die Psalmen recht verstehn;
Also musste man dich töten,
Und du musstest auferstehn.
Alles, was sie vorgebildt,
Das ist auch an dir erfüllt.

8. Lass mich deinem Worte trauen,
Weil es so wahrhaftig ist,
Und mich Felsen darauf bauen,
Wenn du dich auf was beziehst;
Denn dein Name muss allein
Mein gewisses Amen sein.

9. Wenn die Predigt von der Buße
Auch in meinen Ohren tönt,
Ach so wirf mich dir zu Fuße,
Bis ich mit dir ausgesöhnt.
Alsdann schenkt mir deine Huld
Die Vergebung meiner Schuld.

10. Ging die Predigt deiner Jünger
Von Jerusalem erst an,
Ach so sind wir nicht geringer,
Weil man bei uns hören kann,
Wie dein Gruß so gnadenreich:
Friede, Friede sei mit euch!

Benjamin Schmolck – Österlicher Triumphbogen.

Mel. Christus, der ist mein Leben.

1. Willkommen, Held im Streite,
Aus deines Grabes Kluft,
Wir triumphieren heute
Um deine leere Gruft.

2. Hier liegen die Philister,
Die Simson hat erlegt,
Und deines Reichs Verwüster
Sind gänzlich ausgefegt.

3. Hier schwimmt in seinem Blute
Der Riese Goliath,
Und uns ist wohl zu Mute,
Weil er verspielet hat.

4. Hier ist der alten Schlange
Der harte Kopf zerknirscht,
Und uns ist nicht mehr bange
Bei dir, o Siegesfürst.

5. Dein Feind wird Schau getragen
Und heißt nunmehr ein Spott.
Wir aber können sagen:
Mit uns ist unser Gott!

6. In der Gerechten Hütten
Schallt schon das Siegeslied,
Du trittst selbst in die Mitten
Und bringst den Osterfried.

7. Ach teile doch die Beute
Bei deinen Gliedern aus;
Wir alle kommen heute
Deswegen in dein Haus.

8. Schwing deine Siegesfahne
Auch über unser Herz,
Und zeig uns einst die Bahne
Vom Grabe himmelwärts.

9. Lass unser aller Sünden
Ins Grab verscharret fein,
Und einen Schatz hier finden,
Der ewig kann erfreun.

10. Wir sind mit dir gestorben,
So leben wir mit dir.
Was uns dein Tod erworben,
Das stell uns täglich für,

11. Wir wollen hier ganz fröhlich
Mit dir zu Grabe gehn,
Wenn wir nur dorten selig
Mit dir auch auferstehn.

12. Der Tod kann uns nicht schaden,
Sein Pfeil ist nunmehr stumpf;
Wir stehn bei Gott in Gnaden
Und rufen schon Triumph.

Gottfried Arnold – Freudiger Glaubensmut.

Jesus ist mein Freudenlicht,
Wenn er hell in mir anbricht,
Meiner Seele Ruhestatt,
Wenn sie keine Kraft mehr hat.

Jesus ist mein starker Held.
Wenn der Teufel mich anfällt,
Wenn die Sünde groß sich macht,
Dann gewinnt mein Herr die Schlacht.

Ach, mein Jesu, lass mich Dir
Sein verpfändet für und für;
lass mich Armen Dir allein
In der Lieb‘ ergeben sein!

Alle, die ihr Jesum sucht,
Kommt, genießet seiner Frucht,
Welche Geist und Seel erquickt,
Und euch tief im Grunde schmückt!

Herzens – Jesu, Siegesfürst,
Meine Seele nach Dir dürst’t;
Führe Du in mir den Krieg,
Und gewinn‘ im Streit den Sieg!

Nach dem Siege nimm mich dann
Hin zu deinem Heeresbann,
Welchem Du als Gottessohn,
Kronen gibst vom Himmelsthron!

Auf, ihr Überwinder! seht,
Jesus euch entgegen geht,
Um für wenig Schmach und Hohn
Euch zu helfen zu der Kron‘!

Hallelujah! Gloria!
Auf! des Herren Tag ist nah;
Wachet, haltet euch bereit:
Bald kommt die Erquickungszeit!

Gottfried Arnold – Vorschmack des ewigen Lebens.

O hätt‘ ich die Flügel einfältiger Tauben,
So flög‘ ich zu himmlischen Engeln empor!
Da sollte mich Niemand der Freude berauben,
Da blieb ich bei Christi vollendetem Chor.
Ich wollt Ihn besingen,
Mein Opfer Ihm bringen,
Ich tat es wohl Allen im Danken zuvor.

Noch bin ich im Kerker des Leibes verschlossen:
Doch fliegt mein Geist im Voraus schon dahin;
Er spielet und hat schon die Klarheit genossen,
Die seliglich ziehet den gläubigen Sinn.
Mein Innerstes findet,
Wenn’s Ihm sich verbindet,
Mit Engeln den himmlischen Liebesgewinn.

Gottfried Arnold – Um Bewahrung des neuen Lebens.

Hat mich nicht dein Pfeil getroffen
Steht mir nicht dein Alles offen?
Jesu, leugnest Du dies Pfand,
Das zum Mahlschatz mir gegeben?
Sah ich Dich in mir nicht leben,
Als dein Blick mich überwand?

Bist Du mir nicht selbst erschienen,
Mich in Liebe zu bedienen,
Wie dem Kind die Mutter tut?
Ist mir nicht mein Wunsch gelungen,
Als Du meinen Geist durchdrungen,
Du unvergleichlich Gut?

Ja! ich darf nun Deinetwegen
Allen Kummer niederlegen,
Denn Du bleibst mir ewig treu.
Aber wenn ich mich besehe,
Merk ich, wie ich schlüpfrig stehe,
Und wie ungeübt ich sei.

Würde nicht dein Eifer wachen,
Und mir fest die Liebe machen,
Wär‘ es um den Schatz gescheh’n.
Drum verwahr‘ ihn selbst im Grunde
Meines Herzens, nach dem Bunde,
Den Du wollt’st mit mir eingeh’n!

Geuß1Gieß mir immer neue Säfte,
Frische Paradieseskräfte
Aus dem Baum des Lebens ein,
Dass ich, frei vom Heuchelscheine,
Keusch und innig Dich nur meine,
Allem Andern tot zu sein!

Steht mir doch der Himmel offen,
Hab‘ ich doch das Ziel getroffen,
Das den ganzen Geist vergnügt!
Darf ich doch mit andern Armen
Selig ruhen im Erbarmen,
Wo man still gelassen liegt!

O ihr Heiligen Lebensgüsse!
Starke Ströme, sanfte Flüsse,
Strömt auf meinen Garten zu!
Ich bedarf der Liebe. Regen,
Soll mein Schmachtend Herz den Segen
Und der Wille finden Ruh‘!

Schönste Sonne, blicke weiter!
Mach die kleine Welt mir heiter,
Lass auch nicht ein Wölkchen ein!
lass mich unverrückt genießen,
Was der Geist in mich will gießen,
Bis ich mag verkläret sein!

Habt ihr Menschen noch nicht funden,
Was euch ewig hält gebunden,
Was den Geist durchdringt und nährt?
Lauft, und folget Jesu Triebe,
Bis das Herz, voll Gottesliebe,
Ewig sonst nichts mehr begehrt!

Gottfried Arnold – Ewiger Bund mit Christo

Ich lass Ihn nicht, der sich gelassen
Um mein verscherztes Heil herab;
Er, Der mich Einmal wollt umfassen,
Muss mein verbleiben bis zum Grab.
Wenn auch die Welt mir Viel verspricht,
Zu brechen meiner Liebe Pflicht:
Ich lass Ihn nicht.

Ich lass Ihn nicht; Der mich erworben,
Den werd‘ ich mir; ich Sein, Er mein!
Sein, der für mich am Kreuz gestorben,
Sein will ich auch im Tode sein.
Was schreckst du, höllisches Gezücht?
Was lockst du, weltliches Gedicht? –
Ich lass Ihn nicht!

Ich lass Ihn nicht, der mich nicht lässet,
Des Name über Alles ist,
Seitdem die Marter Ihn gepresset,
Den treuen Heiland, Jesum Christ.
Was alles Dunkel mir durchbricht,
Das ist sein süßes Gottheitslicht.
Ich lass Ihn nicht!

Ich lass Ihn nicht; mag mich verlassen
Der weiten Erde Pracht und Macht:
Der meine Seele nicht kann hassen.
Er nimmt mich dennoch wohl in Acht,
Und führt mich aufwärts zu dem Licht,
Das ewig aus den Himmeln bricht.
Ich lass Ihn nicht!

Ich lass Ihn nicht; ich will Ihn halten,
Bis ich von ihm gesegnet bin;
Und müsst‘ ich sterben und erkalten,
Schmiegt sich mein Glaube doch an Ihn.
Ob meine Lebenskraft zerbricht,
Ob mir vergebet das Gesicht:
Ich lass Ihn nicht!

Ich lass Ihn nicht. Was willst du, Sünde?
Du liegst im tiefen Meer versenkt!
Was drohet ihr, ihr Höllenschlünde?
Ich bin gar fern von euch gelenkt!
Dein Stachel, Tod, mich nimmer sticht,
Denn Jesus ist mein Lebenslicht!
Ich lass Ihn nicht!

Gottfried Arnold – Ewigkeit in Christi Liebe.

Weil des Heilands treues Lieben
Mir so hocherfreulich ist,
Sollt‘ ichs dann nicht immer üben? .
Ich bin ja zur Lieb‘ erkiest1erkoren, erwählt!
Allezeit
Wird die Freud‘.
In mir neu geboren,
Denn zur Lust
An Jesu Brust
Bin ich auserkoren.

Dich will ich mein eigen heißen,
Der Du hold mich siehest an!
Nichts hinfort soll mich entreißen
Dir und deiner Friedensbahn.
Liebesschmerz
Kann das Herz
Gar gewaltig quälen;
Doch die Freud‘
An deiner Seit
Ist auch nicht zu zählen.

In dem Herzen trag‘ ich Flammen,
In den Seufzern stille Glut,
Die mich schmelzt mit Dir zusammen,
Und mir zeigt das höchste Gut.
Tag und Nacht
Hab‘ ich Macht,
Mich Dir hinzugeben,
Und mit Dir,
meine Zier,
Ganz vereint zu leben.

Selig, Herr, wer Dich besitzet
Und lebendig hat in sich!
O dein Aug‘, das himmlisch blitzet,
Wende sich doch stets auf mich!
Dein allein
Will ich sein,
Deine Liebe spüren;
Du bist ja
Mir innigst nah;
Du nur sollst mich führen!

Keine Liebe soll mich fangen,
Keine Furcht mich schrecken ab!
Ach, was will ich mehr verlangen,
Wenn ich Jesu Liebe hab‘?
Kreatur
Und Natur
Mögen untergehen:
Jesu, Du
Bleibst meine Ruh‘!
Die wird ewig stehen!

Gottfried Arnold – Seligkeit in Christo.

O du süße Lust
An der Liebesbrust!
Du erweckest wahre Freude,
Dass ich falsche Freuden meide!
O du süße Lust
Aus der Liebesbrust!

Herr, dein reiner Quell
Gibt mir sanft und hell
Göttliche Erquickungssäfte,
Lebensvolle Himmelskräfte.
Ja, dein reiner Quell
Gibt mir’s klar und hell.

Lasst mich in der Ruh‘,
Fragt nicht, was ich tu‘!.
Ich bin durch den Vorhang gangen,
Meinen Jesum zu umfangen.
Lasst mich in der Ruh‘,
Fragt nicht, was ich tu‘!

In der Sabbatsruh‘
Tritt Er selbst herzu.
O welch edle, große Wonne
Strahlet mir von dieser Sonne!
In der Sabbatsruh‘
Tritt Er selbst herzu.

Alles wird versenkt,
Was uns je gekränkt.
Diese Lust weiß nicht von Leiden,
Weil in Freuden über Freuden
Alles wird versenkt,
Was uns je gekränkt.

O Du süßer Hort,
Du lebendig Wort!
Niemals wollst Du mich verlassen
Hier auf diesen Pilgrimsstraßen,
Herr, mein süßer Hort,
Du lebendig Wort!

Gottfried Arnold – Ewiges Leben in der Zeit.

Wenn sich eine Seele findet
In des Heilands Liebe steh’n,
Wird sie wunderbar entzündet,
Jauchzensvoll einherzugeh’n,
Dass der ganze Leib und Geist
Sich der Sichtbarkeit entreißt.

Alsdann wird sie aufgezogen,
Und in stiller Lust geführt
Aus den wilden Meereswogen,
So der Weltgeist aufgerührt.
All dies Wesen macht ihr Pein,
Wenn sie darf zu Gott hinein.

Alles liegt zu ihren Füßen,
Was zu dieser Welt gehört;
Ja, sie kann auch leichtlich missen,
Was durch guten Schein betört,
Denn sie hat den lichten Geist,
Der ihr bess’re Schätze weist.

Sie liegt in geheimer Stille,
Wo sie unempfindlich scheint,
Weil der sonst zerteilte Wille,
Aufgeopfert, nichts mehr meint,
Als nur Gott und seine Kraft,
Die der Sohn der Liebe schafft.

Hier ist aller Gram vergessen,
Alle Unruh fällt dahin,
Und was sonst noch hoch gesessen,
Wird erniedrigt in dem Sinn,
lässt mit sich gar mild umgeh’n,
Wie man mag an Kindern seh’n.

Wer kann diesen Strom beschreiben,
Der den Geist mit Macht erfüllt?
Wo kann Durst und Hunger bleiben,
Wenn Gott selber beide stillt?
Ist die Müh nicht wohl ersetzt,
Wenn Er uns mit Sich ergötzt?

O dass Alle sich bemühten,
Diese balsamreiche Kraft,
Die den tiefsten Gottesfrieden
Und das ew’ge Leben schafft,
In der Seelen Licht zu seh’n,
Und aus ihrer Qual zu gehn!

Ist des Menschen Geist entsprossen
Aus dem göttlichen Geschlecht,
Hat er einst dies Brot genossen
In dem Paradies mit Recht:
O so muss es wieder sich
Davon nähren inniglich.

Denn wo nicht der Trieb der Seelen
Isst von Gottes Himmelsbrot,
Bleiben sie in Angst und Quälen,
Leiden sie stets Hungersnot,
Wie man welke Blumen schaut
Die der Himmel nicht betaut.

Aber wer aus Gott geboren,
Fordert Paradieseskost;
Wer zur neuen Welt erkoren,
Sucht nicht in der alten Trost.
Speise, die da himmlisch ist,
Macht, dass man der Erd‘ vergisst.

Arme Welt! du kannst nicht glauben,
Dass ich hier schon heilig sei,
Und dass mir’s kein Freund kann rauben,
Dass ich bin von Sünden frei!
Leb‘ ich doch im Paradies,
Seit ich nichts, als Gott genieß?!

Wie ein grober Stein auf Erden
In sich hegt das schönste Gold:
So muss mir im Leib noch werden;
Was der Unglaub‘ sparen wollt
Auf die späte Ewigkeit;
Nein, ich bin schon selig heut!