unbekannt – Das Welt Gericht (Dies irae)

Es ist gewißlich an der Zeit,
Daß Christ, der Herr, wird kommen
In seiner großen Herrlichkeit,
zu richten Bös‘ und Frommen.
Da wird das Lachen werden theu’r,
Wenn alles wird vergehn durchs Feu’r,
Wie Petrus davon zeuget,

Posaunen wird man hören gahn
Ab aller Werlet Ende;
Denn Gott wird fordern für sein’n Thron
Menschen gar behende.
Da wird der Tod erschrecken sehr,
Wenn er wird hören neue Mähr,
Daß alles Fleisch soll leben.

Ein Buch wird da gelesen bald,
Darinn so steht geschrieben,
Wie Gott will richten Jung und Alt;
Nichts wird verborgen bleiben.
Da wird ein’m jeden komm’n zu Haus,
Was er hie hat gerichtet aus
In seinem ganzen Leben.

Was wird‘ ich armer Sünder dann
Für deinem Richtstuhl sagen?
Was werd‘ ich für ein’n Fürsprech han,
Der meine Sach‘ austrage?
Das wirst du thun, Herr Jesu Christ,
Dieweil daß du gekommen bist,
All‘ Sünder zu erlösen.

Herr Jesu Christ, du machst es lang‘
In diesen bösen Tagen.
Auf Erden ist den Leuten bang;
Laß sie doch nicht verzagen.
Schick ihn’n den Tröster, den heilig’n Geist,
Der sie in alle Wahrheit leit,
Durch Jesum Christum, Amen!

Albrecht der Jüngere, Markgraf von Brandenburg – Ergebung in Gottes Willen.

Was mein Gott will, das gescheh allzeit;
Sein Will der ist der beste.
Zu helfen den’n er ist bereit,
Die an ihn glauben veste.
Er hilft aus Noth, der fromme Gott,
Und tröst’t die Welt mit Maaßen;
Wer Gott vertraut, vest auf ihn baut,
Den will er nicht verlassen.

Gott ist mein Trost und Zuversicht,
Mein Hoffnung und mein Leben.
Was mein Gott will, daß mir geschicht,
Will ich nicht widerstreben.
Sein Wort ist wahr; denn all mein Haar
Er selber hat gezählet.
Er hüt’t und wacht, stets für uns tracht’t,
Auf daß uns ja nichts fehlet.

Drum muß ich hie von dieser Welt
Abscheiden in Gottes Wille
Zu meinem Gott: wenn’s ihm gefällt,
Will ich ihm halten stille.
Mein‘ arme Seel‘ ich Gott befehl
In meinen letzten Stunden;
O frommer Gott! Sünd‘, Höll‘ und Tod
Hast du mir überwunden.

Noch eins, Herr, will ich bitten dich;.
Du wirst mir’s nicht versagen:
Wenn mich der böse Geist anficht,
So laß mich nicht verzagen!
Hilf, steur‘ und wehr‘, ach Gott und Herr,,
Zu Ehren deinem Namen!
Wer das begehrt, der wird’s gewährt;
Drauf sprech ich frölich Amen!

unbekannt – Christensinn beym Genuß der Speise.

Dich bitten wir, deine Kinder,
O Vater, Herre Gott:
Mach unser Sorgen minder,
Gieb uns das täglich‘ Brodt,
Erhalt uns unser Leben,
Das du uns hast gegeben,
Bis wir jen’s erben dort!

Gesegen‘ mit dem Munde,
Was du uns hast beschert,
Daß es uns sey gesunde;
Die Kraft werd‘ uns gemehrt,
In deinem Dienst zu bleiben,
Die Werk der Lieb‘ zu treiben
Allzeit geg’n jedermann.

Wollst deine Lieb‘ beweisen
Und Allen schaffen Rath,
All‘ Hungerige speisen,
Mit Gütern machen satt,
Daß wir dich alle loben,
Dein‘ Güt‘ herab von oben
Erkennen stets mit Dank.

Bonnus, Hermann – Christi Versöhnungs-Tod (Ach wy armen Sünders)

Ach wy armen Sünders! Unse Missedadt,
Dar wy in entfangen und gebaren synt,
Hefft gebracht uns alle In fülcke grothe Nodt,
Dath wy underworpen synt Dem ewigen Dodt.
Kyrieleison, Christeleison, Kyrieleison.

Uth dem Dodt wy konnden Dorch unse egen Werk
Nimmer werden gereddet; De Sünde was tho stark,
Dat wy, wörden erlöset. So kondt‘ nicht anders syn,
Denn Gades Son möste lyden. Des Dodes bitter Pyn.
Kyrieleison rc.

So nicht weer‘ gekamen Christus in de Welt
Und an sick genamen Unse arme Gestalt,
Und vor unse Sünde Gestorven willichlick:
So hedde wy möthen wesen (d. i. seyn) Verdömet ewichlick.
Kyrieleison rc.

Sülcke grothe Gnade Und vederlicke Gunst
Hefft uns Gott ertöget (d. i. erzeiget) Lutter ummesunst
In Christo synem Sdne, De sick gegeven hefft
In den Dodt des Krüzes Tho unser Salicheit. –
Kyrieleison rc.

Des schile wy uns trösten Yegen Sünd und Dodt,
Und ock nicht vorzogen Vor der Hellen Glodt;
Went (d. i. Denn) wy synt gereddet Uth aller Färlicheit
Dorch Christum unsen Heren, Benedyet in Ewicheit.
Kyrieleison rc.

Darümme wille wy laven Und danken alle Tydt
Dem Vader und dem Sone Und ock dem hilligen Geist,
Und bidden, dat se willen Behöden uns vor Quadt, (d. i. Uebel)
Und dat wy stedes bliven By synem hilligen Wordt.
Kyrieleison rc.

Xylotectus, Johann – Der Weg zum Himmel

Wer hie das Elend bauen will,
Der heb‘ sich auf und zieh dahin,
Und gehe des Herren Straße!
Glaub und Geduld dörft‘ er gar wohl,
Sollt‘ er die Welt verlassen.

Den Weg, den man jetzt wandern soll,
Der ist elend und trübsalvoll;
Das nehmt euch wohl zu Herzen!
Lust und Freud‘ schwimmet gar dahin,
Bleibt nur Jammer und Schmerzen.

Das Fleisch erschrickt und sieht sich um,
Ob ihm dorther ein Feind schier kumm‘,
Der es mögt‘ angelangen.
Es rauscht ein Blatt vom Baum herab;
Es meynt, es sey gefangen.

Da hebt sich denn ein Kämpfen an,
Wer fort will ziehn auf dieser Bahn;.
Der Feind‘ sind also viele.
Fleisch und Blut vermag es nicht;
Es muß sich lassen stillen.

Wo nicht der Hauptmann wär‘ bereit
Und wüßt zu helfen gut Bescheid:
So wär‘ es schon verloren.
Er ruft und schreyt: Kommt Her zu mir,
Bist du aus Gott geboren.

Ich bin der Weg und auch die Thür!
Es kommt kein Mensch herauf zu mir,
Der Vater muß ihn ziehen;
So große Gewalt auf Erd‘ nicht ist,
Es muß mein’n Zoren fliehen.

Mein Vater hat das Sein‘ gethan,
Sein heiliges Wort euch hören lan;
Damit zeucht er die Seinen.
Er hat den Himmel aufgethan;
Bald er sein Wort ließ scheinen.

Darum sey keck auf meiner Bahn,
Die ich dir lang‘ gebauet han
Und hab dir fürgeboten.
Gläubst du an mich von Herzen hie:
Es soll dir wohl gerathen.

Die weltlichs Furcht laß fahren hin,
Nicht stell nach Gut noch eitel Gwinn;
Du mußt doch all’s verlassen.
Leib und Leben ganz geben hin,
Das heißt sich selber hassen!

Hab‘ acht auf dich, schau eben auf,
Daß dich nichts irr‘ in diesem Lauf;
laß dir das Ziel nicht rücken!
Engelisch Kleid legt an der Feind,
Versucht in allen Stücken.

Wenn du schier kommst zum letzten Ziel,
Da hebt sich an ein ernstlich Spiel,
Sollt du die Gestalt erlangen.
Eng und schlüpferig ist der Weg,
Mit Feur und Wasser umfangen.

Da geht denn Angst und Zittern an;
Das Fleisch muß in der Prob‘ bestahn;
Kein Trost ist da zu finden.
Gottes Hand ist aber so stark,
Kann alles sehr wohl linden.

Hie ist der Geist allda bereit;
Miemand, der ihn von Gott abscheid’t,
Kein Schwerdt noch Last auf Erden.
Trägst du das Kreuz bis an das End‘,
Das Kleinod muß dir werden.

Daher da fleußt die ewig‘ Ruh‘,
In dem ist weder Spat, noch Fruh,
Das ist das ewig‘ Leben!
Was du uns, Herr, versprochen hast,
Das wirst du uns ja geben.

Ewiger Gott, wir preisen dich,
Der du uns hast so gnädiglich
Gezeigt dein’n heiligen Namen;
Nim uns, o Herr, in deinen Fried‘
Durch Jesum Christum! Amen.

Die Wahrheit ist gen Himmel geflogen,
Die Treu ist über Meer gezogen,
Die Gerechtigkeit ist vertrieben,
Die Untreu‘ ist in der Welt blieben.

Johann Friedrich I., Churfürst von Sachsen – Ergebung in Gottes Willen.

Wie’s Gott gefällt, so g’fällt’s mir auch,
Und laß‘ mich gar nicht irren,
Ob mich zu Zeiten beißt der Rauch;
Und wenn sich schon verwirren
at Sachen gar, weiß ich fürwahr,
Gott wird’s zuletzt wohl richten.
Wie er’s wil han, so muß bestahis (al. ergahn);
Soll’s seyn, so sey’s ohn‘ Dichten.

Wie’s Gott gefällt, zufried‘ ich bin;
Das übrig‘ laß‘ ich fahren.
Was nicht soll reyn, stell‘ ich dahin (al. Gott heim);
Gott (al. Der) will mich recht erfahren,
Ob ich auch will ihm halten still,
Wird auch wohl (al. Doch Gott) Gnad‘ bescheren.
Ich zweifel‘ nicht; soll’s seyn, man spricht,
So sey’s, wer kann’s Gott wehren?

Wie’s Gott gefällt, so g’fällt mir’s wohl
In allen meinen Sachen;
Was Gott versehen hat einmal,
Wer kann es anders machen?
Drum ist umsunst Welt (al. Geld), Witz und Kunst;
Es hilft nicht Haarausraufen.
Man murr oder beiß: soll’s seyn, so sey’s,
Wird doch sein’n Weg ’naus laufen.

Wie’s Gott gefällt, laß‘ ichs ergahn,
Will mich darein ergeben;
Wollt ich sei’m Willen widerstahn,
So müßt‘ ich bleiben kleben.
Denn g’wiß fürwahr all‘ Tag‘ und Jahr‘
Bey Gott sind ausgezählet;
Ich schick‘ mich drein, es g’scheh; soll’s seyn,
So sey’s bei mir erwählet.

Wie’s Gott gefällt, so soll’s ergahn
In Lieb‘ und auch in Leide.
Dahin ich mein‘ Sach‘ gestellet han,
Daß sie mir sollen beyde
Gefallen wohl; drum mich auch soll
Ja oder Nein nicht schreden.
Schwarz oder Weiß; soll’s seyn, so sey’s,
Gott wird wohl Gnad‘ erwecken.

Wie’s Gott gefällt, so lauf’s hinaus;
Ich laß die Vöglein sorgen.
Kommt mir das Glück heut‘ nicht zu Haus,
So wird es doch seyn morgen.
Was mir ist b’schert, bleibt unversehrt,
Ob sich’s schon thut verziehen.
Dank Gott mit Fleiß; soll’s seyn, so sey’s,
Er wird mein Glück wohl fügen.

Wie’s Gott gefällt, dasselb‘ ich will
Und weiter nichts begehren;
Meiner Sach‘ hat Gott gesteckt ein Ziel,
Dabey wird’s bleiben werden.
Das Leben mein setz‘ ich auch drein,
Auf guten Grund zu bauen,
Und nicht auf Eis. Soll’s seyn, so sey’s;
Will Gott allein vertrauen.

Wie’s Gott gefällt, so nehm‘ ichs an,
Wil um Geduld nur (al. um Geduld will ich ihn) bitten.
Er ists allein, der helfen kann;
Und wenn ich schon wär‘ mitten
In Angst und Noth, läg gar im Tod,
Kann er mich wohl erretten
G’waltiger Weis; soll’s‘ seyn, so sey’s!
Ich g’winn’s, wer nur will wetten.

unbekannt – Nachfolge Christi.

Kommt her zu mir, sagt Gottes Sohn,
All, die ihr seyd beschweret nun,
Mit Sünden fast beladen,
Ihr Jungen, Alten, Frau und Mann!
Ich will euch geben, was ich han,
Und heilen euren Schaden.

Mein Joch ist süß, mein‘ Bürd‘ ist ring;
Wer’s nach mir trägt in dem Geding,
Daß er der Höll‘ entweiche,
Ich will ihm treulich helfen tragen;
Mit meiner Hülf‘ wird er erjagen
Das ewig‘ Himmelreiche.

Wie ich hab‘ than und gelitten hie
Mein’s Vaters Willen spat und früh,
Also sollt ihr’s erfüllen.
Was ihr gedenkt, ja red’t und thut,
Das wird euch alles werden gut,
Wenn’s g’schicht nach Gottes Willen.

Gern wollt‘ die Welt auch selig seyn,
Wenn nur nicht wär‘ die Schmach und Pein,
Die alle Christen leiden.
So muß es doch nicht anders seyn;
Darum ergebe sich nur drein,
Der ewig‘ Pein will meiden.

All Creatur’n bezeugen das;
Was lebt im Wasser, Lüft und Gras,
Durchs Leiden muß es enden.
Wer denn in Gottes Nam‘ nicht will,
Der muß zuletzt in’s Teufels Ziel
Mit schwerem Gewissen länden.

Heut ist der Mensch schön, jung und lang,
Und morgen wird er tödtlich krank;
Bald soll er auch gar sterben.
Gleichwie ein Blumen auf dem Feld,
Also wird diese schöne Welt
In einem Huy‘ verderben.

Dem Reichen hilft gar nicht sein Gut,
Dem Jungen nicht sein stolzer Muth;
Er muß aus diesem Mayen.
Wenn einer gäb‘ die ganze Welt,
Das Silber, Gold und alles Geld:
Noch muß er an den Reyen.

Was hilft den G’lehrten große Kunst?
Der weltlich Pracht? Es ist umsonst,
Sie müssen alle sterben;
Wer sich in Christum nicht ergeit. (d. i. ergiebt),
Dieweil noch ist der Gnaden Zeit,
Ewig muß er verderben.

Die Welt erzittert ob dem Tod;
Wenn jetzund kommt ihr große Noth,
Denn will sie erst fromm werden.
Der schaffet dis, der ander‘ das;
Sein selbst er aber ganz vergaß,
Dieweil er lebt auf Erden.

Und wenn er nimmer leben mag,
So hebt er an ein‘ große Klag,
Will sich erst Gott ergeben.
Ich sorg‘ fürwahr, daß Gottes Gnad‘,
Die er allzeit verspottet hat,
Ob ihm werd‘ schwerlich schweben.

Darum hört, merkt, ihr lieben Kind,
Die jetzund Gott ergeben sind:
Laßt euch die Müh‘ nicht reuen,
Halt’t vest am heiligen Gottes-Wort,
Das sey eu’r Trost und höchster Hort;
Gott wird euch schon betreuen. (al. erfreuen).

Nicht Uebel ihr um Uebel gebt,
Schaut, daß ihr hie unschuldig lebt;
Laßt euch die Welt nur affen.
Gebt Gott die Rach‘ und alle Ehr,
Den engen Steig geht immer her;
Gott wird die Welt fein strafen.

Wenn es euch gieng nach Fleisches-Muth
Mit Gunst und Gesund, mit großem Gut,
Würd’t ihr gar bald erkalten;
Darum schickt Gott die Trübsal her,
Damit eu’r Fleisch gezüchtigt werd‘,
Zur ewigen Freud‘ erhalten.

Ist euch das Kreuz so bitter und schwer?
Gedenkt, wie’s höllisch Feuer wär‘,
Darein die Welt muß rinnen;
Mit Leib und Seel‘ wird Leiden seyn,
Ohn‘ Unterlaß die ewig‘ Pein,
Und kann doch nicht verbrinnen.

Ihr aber werd’t nach dieser Zeit
Mit Christo haben ewig Freud;
Dahin sollt ihr gedenken!
Kein Zunge das aussprechen kann,
Die Glori uid den ewigen Lohn,
Die euch der Herr wird schenken.

Und was der ewig g’waltig‘ Gott
In seinem Geist versprochen hat,
Geschwor’n bey seinem Namen,
Das hält und giebt er g’wiß und wahr;
Der helf‘ uns an der Heiligen Schaar
Durch Jesum Christum. Amen!