unbekannter Dichter – Seht, Gottes Gnade ist erschienen

Seht, Gottes Gnade ist erschienen,
Sein lieber Sohn ist Mensch gebor’n,
Des Heils kann Jeder sich bedienen,
Hier wird ersetzt, was war verlor’n.
Das Kind hat euch nun wiederbracht
Die Kindschaft, die euch selig macht.

Doch der für euch ist Mensch geboren,
Muß auch in euch geboren sein,
Sonst hilft’s euch nicht, daß er erkoren
Von Gott, zu helfen euch aus Pein,
Wohl dem, in dem dies Wunderkind
In rechter Art Gestalt gewinnt.

Wenn ihr denn wollt noch hier auf Erden
Für solche Lieb‘ Gott dankbar sein,
Müßt ihr auch neu geboren werden,
Sonst ist eu’r Dank nur Heuchelschein;
Wer seinem Gott will danken recht,
Der bleibe nicht der Sünden Knecht.

Drum kehret um, seid wie die Kinder,
Hinweg mit dem Hochmüthigsein!
Bedenket wohl, ihr armen Sünder,
Wie euch zu Gut‘ Gott selbst wird klein;
Ach folget diesem Beispiel nach,
Daß euch dies Kind recht nützen mag.

O Jesu, meiner Seelen Leben,
Belebe mich zu deiner Ehr‘,
Ich will dir nicht mehr widerstreben,
Dich lieb‘ ich über Alles sehr,
Ach laß mich immer willig sein,
Mein Herze dir zu räumen ein.

Gieb mir dein Herz! hast du befohlen,
Drum geb‘ ich’s dir zum Opfer hin,
Es ist dir zwar gar nicht verhohlen,
Wie weit es noch von deinem Sinn;
Du aber bist der rechte Mann,
Der Herz und Sinnen ändern kann.

So bilde denn dein schönes Wesen,
O JEsu, in mein armes Herz,
Das du dir selbst hast auserlesen,
Zünd‘ darin an die Glaubenskerz‘,
So wird vergeh’n die dunkle Nacht,
Die Adams Fall in’s Herz gebracht.

Die theure Lieb‘, die dich gezogen
Aus dem gestirneten Himmelssaal,
Die theure Lieb‘, die dich bewogen,
Zu kommen in das jammerthal,
Die ziehe mich von Allem ab,
Daß ich dir treu sei bis ins Grab.

So kann ich denn in jenem Leben
Mit Engeln und der frommen Schaar
Zu deinem Lob‘ die Stimm‘ erheben,
Ohn‘ Ende singen immerdar:
Ich danke dir, Herr Jesu Christ,
Daß du ein Mensch geboren bist.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

Finx, Erasmus – Ewig sei dir Lob gesungen

Ewig sei dir Lob gesungen,
O du Gott und Mensch, ein Held,
Mit dem Herzen und der Zungen,
Daß du bist auf diese Welt
Mir zu Gut in’s Fleisch gekommen
Und aus lauter Freundlichkeit,
O du Sohn der Ewigkeit,
Fleisch und Blut hast angenommen
Und mein Bruder worden bist;
Sei willkommen und geküßt.

Sei geküsset! Dir gehöret
Heut‘ ein Lobgesang mir Recht,
Weil du so gar hoch geehret
Unser menschliches Geschlecht,
Daß du solches anvermählet
Hast der göttlichen Natur,
Unsre, die so niedrig nur,
Unsre Menschheit auserwählet
Und gesetzt auf Gottes Thron
In der mittelnden Person.

Die in Adam ganz verderbet
Und geschwärzt durch Sünde war,
So von ihm uns angeerbet,
Wird jetzt wieder weiß und klar,
Klar und rein in dir; von wegen
Seiner war sie ganz verflucht,
Du gebenedeite Frucht
Der Jungfrauen bist ihr Segen;
Satan machte sie zu Spott,
Du verbindest sie mit Gott!

Du, du bist der Mittler worden
Zwischen Gott und Menschen; du
Hast den armen Menschenorden
Wiederum in Fried‘ und Ruh‘,
Als du wurdest Mensch, gesetzet,
Uns beim Vater ausgesöhnt
Und mit seiner Huld gekrönt.
Solche Gnad‘ und Liebe wetzet
Meinen Glauben wider Tod,
Wider Sünd‘ und Höllennoth.

Wird das Leben doch mein Leben,
Leuchtet mir doch selbst das Licht;
Wird das Heil doch selbst gegeben
Mir zum Heil. Ach, was gebricht
Weiter uns? Die Quell‘ der Freuden
Fällt in dieses Jammerthal
Aus dem hohen Himmelssaal,
Uns zu Trost in allem Leiden;
Meine Lieb‘ und Seligkeit
Ist ein Mensch geboren heut.

O du allerschönster Knabe,
O du keuscher Jungrau’n Sohn,
Meiner Seelen reichste Habe,
Meines Glaubens edle Kron‘,
Laß auch neu geboren werden
Mich und fromm, als wie du, Kind,
Das man in der Krippen find’t;
Meine beste Freud‘ auf Erden,
Laß für diesen Gnadenschein
Mich dir ewig dankbar sein.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

Hecker, Heinrich Cornelius – Ach Herr, dir ist bewußt

Ach Herr, dir ist bewußt
Die inn’re böse Lust,
Die Quelle meiner Sünden,
Die niemals zu ergründen,
Der Samen, der stets bleibet
Und böse Früchte treibet.

Des Fleisches Werk wird gar
Auch öfters offenbar;
Der Zunder wird zu Flammen,
Die ewiglich verdammen.
Ich seh an mir und merke
Des alten Adams Werke.

Des bösen Herzens Grund
Regiert den Leib, den Mund,
Die Augen, Füß‘ und Hände,
Daß ich sein Werk vollende.
Das Dichten und das Trachten
Der Seel‘ ist, Gott verachten.

Mein Schöpfer, wider dich,
Den Nächsten und auch mich
Hab‘ ich oft gemißhandelt,
Bin oft den Weg gewandelt,
Der mich von dir gewendet,
Der in der Qual sich endet.

Doch wie will ich die Zahl
Der Sünden allzumal
In meinem Fleisch und Blute
Und das versäumte Gute
Nach jeder Art erzählen?
Wer weiß, wie oft wir fehlen?

Ein jegliches Gebot
Verklaget, flucht und droht,
Dieweil gar oft dawider
Mein Geist und meine Glieder
Gedacht, gethan, gesprochen
Und deinen Bund gebrochen.

Ach Herr, vergieb du mir,
Ich wende mich zu dir.
Ich kann die Schuld nicht zählen,
Doch will ich nichts verhehlen,
Denn du kannst auch erkennen,
Was wir verborgen nennen.

Doch du, mein Jesu, hast
Die mir zu schwere Last
Der Schuld auf dich genommen,
Du bist für mich gekommen.
So komm‘ ich nun beladen
Zur Fülle deiner Gnaden.

Ist denn der Sünden Joch
Gleich mächtig, so ist doch
Die Gnade, die mich liebet,
Und Christi Fülle giebet,
Weit mächtiger, das Leben
Durch Christi Kraft zu geben.

Wie nun des Fleisches Macht
Zuvor ihr Werk vollbracht,
So soll des Geistes Stärke,
In mir die guten Werke
Auch wirklich zu vollbringen,
Des Fleisches Macht bezwingen.

Herr, gieb mir deinen Geist,
Der sich in Früchten weist,
Der niemals müssig bleibet,
Der mich zum Guten treibet,
Den Jesus mir gesendet,
Der anfängt und vollendet.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

Freylinghausen, Johann Anastasius – O du majestätisch Wesen

O du majestätisch Wesen,
Das ein unzugänglich Licht
Sich zum Sitz und Thron erlesen,
O wie schnöde bin ich nicht,
Wenn ich mich, mich Kind der Hölle,
Neben deine Klarheit stelle!
Ach, wie finster, arm und klein
Schein‘ ich mir dann selbst zu sein!

Du hast niemals angefangen,
Du bist Gott von Ewigkeit;
Ich bin gestern aufgegangen
Und vergeh‘ vielleicht schon heut‘.
Deine Macht hat keine Schranken,
Meine Kraft will immer wanken;
Du bist selbst die Quell‘ des Lichts,
Ich bin ein lebendig Nichts.

Nichts von Wahrheit, Nichts von Güte
Wohnet in mir von Natur,
Wo ist jetzt in dem Gemüthe
Jener ersten Schönheit Spur?
Ach, dein Bild ist ganz verblichen,
Alle Kräfte sind entwichen,
Und mein Körpber fällt dahin
Wie die Blumen, die verblüh’n.

Fluch und Elend, Zorn und Sünde
Ist nunmehr mein Element,
Wo ich meine Nahrung finde,
Wo mein Fuß zur Hölle rennt.
Tausend Wunden, tausend Flecken
Schänden mich an allen Enden,
Und in der verderbten Brust
Grünt die Wurzel böser Lust.

Was ich Gutes an mir habe,
Ist ein Denkmal deiner Hand,
Deine Wirkung, deine Gabe,
Die du, Herr, mir zugewandt.
Deine freie milde Gnade
Schmückt mich armen Wurm und Made;
Nähmest du zurück, was dein,
Ach, was würde übrig sein?

Doch auch deiner Gaben Menge
Klaget meinen Undank an;
Seel‘ und Herz kommt ins Gedränge,
Weil ich gar nicht leugnen kann,
Daß dein Eifer billig rauchet,
Weil ich sie nicht recht gebrauchet.
Ach, wie häuf ich meine Schuld
Durch Verachtung der Geduld.

Herr, die Wunder deiner Liebe
Machen mich beschämt vor dir;
Ach, wie zart sind deine Triebe,
Wenn dein Herz sich neigt zu mir!
Daß sich so ein herrlich Wesen
Einen Wurm zur Lust erlesen,
Der so nackend und so klein,
Das mag, das mag Gnade sein!

Herr, hier lieg‘ ich in dem Staube,
Unter deinen Fuß gekrümmt;
Doch mein demuthsvoller Glaube,
Der im Staub und Asche glimmt,
Freut sich heimlich deiner Güte,
Und mein tiefgebeugt Gemüthe
Hebt sich aus des Todes Thor
Voller Zuversicht empor.

Meine Kräfte, meine Glieder
Stehn zu deinem Dienst bereit;
Sieh‘ hier sink‘ ich vor dir nieder
Voller Ehrerbietigkeit.
Deinen Willen thun und leiden,
Sei der Gipfel meiner Freuden.
Du Beherrscher aller Welt,
Thu‘ mit mir, was dir gefällt.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

Hiller, Philipp Friedrich – Schutzgott, dessen starke Rechte

Schutzgott, dessen starke Rechte
Zuflucht, Schirm und Schatten giebt,
Der das menschliche Geschlechte
Wie ein treuer Vater liebt,
Der in dieser großen Welt,
Alles, was er schuf, erhält,
Der als Herr der Engelschaaren
Alles kann und will bewahren.

Viele heil’ge Seraphinen
Singen dir ein Heilig für;
Zehnmal hunderttausend dienen,
Viele tausend jauchzen dir.
Was bekannt und unbekannt,
Ist ein Werk von deiner Hand.
Die Herrschaften und die Thronen
Loben Gott in lichten Kronen.

Herr, was sind wir, daß du Engel
Uns zu unsern Wächtern giebst?
Menschen sind wir vollen Mängel,
Menschen, die du dennoch liebst.
Engel, die dich allzeit seh’n,
sollen uns zu Diensten steh’n;
Engel hüten uns als Kinder,
Heil’ge Engel schützen Sünder.

Engel sind’s, die nach den Proben
Nun beständig Gutes thun,
Die dich unaufhörlich loben,
Die in deinem Himmel ruh’n.
Die gehorsam, keusch und rein,
Die der Menschen Freunde sein,
Die ihr Antlitz ohne Flecken
Doch vor dir in Demuth decken.

Heere, welche die bewachen,
Die dich fürchten, großer Gott,
Die ein schrecklich Lager machen
Gegen aller Feinde Rott;
Diese sehn in deinem Licht,
Vater, stets dein Angesicht;
Diener, die zu deinen Füßen
Dir in Ehrfurcht dienen müssen.

Gott der Engel, Herr der Helden,
Ach, was sind wir Menschen doch,
Daß wir so viel vor dir gelten?
O wie hältst du uns so hoch!
Deine Engel dienen uns,
sind die Zeugen unsers Thuns.
Laß uns auch mit diesen Chören
Ewig dich im Himmel ehren.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

Schmolck, Benjamin – Du Herr der Seraphinen

Du Herr der Seraphinen,
Dem tausend Engel dienen
Und zu Gebote steh’n,
Du übergroßer Meister
Der wunderschönen Geister,
Mein Mund soll deinen Ruhm erhöh’n.

Die engelischen Thronen,
Die in dem Himmel wohnen,
Giebst du zu meiner Wacht;
Sie seh’n dein Angesichte
In höchst vollkommnem Lichte
Doch nehmen sie mich auch in Acht.

Das sind die starken Helden,
Die deinen Rath vermelden,
Du Großfürst Michael;
Das sind die Feuerflammen,
Die schlagen stets zusammen
Um frommer Christen Leib und Seel‘.

Ich preise deine Güte
Mit dankbarem Gemüthe
Für diese Wunderschaar;
Ich rühme deine Rechte
Für diese Gnadenknechte
Bei denen ich ganz sicher war.

Gieb ferner diese Wache,
Daß sie zu einem Dache
Mir wider Alles sei;
Laß sie auf meinen Wegen
Die Hand mir unterlegen,
So ist mein Fuß vor’m Stoßen frei.

Den Feind laß sie erschrecken
Und mich beständig decken,
Wie dort den Gnadenthron;
Es sei mein ganzes Leben
Mit ihnen stet umgeben,
als wie das Bette Salomon.

Doch, sollen sie nicht weichen,
So laß mich ihnen gleichen
In wahrer Heiligkeit;
Wie sich die Kinder lieben
Und sich in Demuth üben,
So mach‘ auch mich dazu bereit.

Sie thun ja deinen Willen
Den laß mich auch erfüllen;
Sie leben keusch und rein,
O laß mich Nichts beflecken
Und mich an allen Ecken
Vor diesen reinen Geistern scheu’n.

Verhaue Händ‘ und Füße
Und was zum Aergernisse
Mir hier gereichen kann.
Wer ärgert diese Kleine,
Dem hangen schwere Steine
Zur ewigen Versenkung an.

Und endlich, wenn ich scheide,
So führe mich zur Freude
Auf ihren Armen ein;
Da werd‘ ich dich erst loben,
Und in dem Himmel droben
Dir und den Engeln gleiche sein.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

Gersdorff, Henriette Katharina von – Gott, der an allen Enden

Gott der an allen Enden
Viel große Wunder thut,
In dessen treuen Händen
Mein ganzes Leben ruht,
Der meiner Monden Zahl
Und meines Lebens Tage
Mit ihrem Glück und Plage
Verordnet allzumal.

Da ich noch tief verborgen
Im Mutterleibe lag,
Da wachte schon dein Sorgen
Für mich, und wie vermag
Mein menschlicher Verstand
Die Weisheit auszubreiten,
Mit der du zu bereiten
Uns pflegst durch deine Hand.

Du fängst uns an zu lieben,
Noch eh‘ wir sind, und hast
Schon in dein Buch geschrieben
Der Tage Meng‘ und Last.
Dein Herz, das Liebens voll,
Denkt schon, wie du willst lindern
Die Bürde deinen Kindern,
Die sie erst treffen soll.

Läßt du mich Angst empfinden,
So tröst‘ ich dessen mich,
Daß du weißt Rath zu finden,
Und daß ich ja auf dich,
Mein Gott, geworfen bin;
Drum werf‘ ich, was zu tragen
Mir schwer deucht, ohne Zagen
Noch täglich auf dich hin.

Es hat in meinem Leben
Mir diese Zuversicht
Stets neue Kraft gegeben
Und fehlt noch heute nicht.
Wenn ich bekümmer war,
So seufzt‘ ich, und war stille,
Bis mich dein guter Wille
Entriß aus der Gefahr.

Nun hat mein stilles Hoffen,
Das sich auf dich verließ,
Mir reichlich eingetroffen,
Wie mirs dein Wort verhieß.
Du hast mir wohlgethan;
Denn deine Gnad ist größer
Und machts mit mir viel besser,
Als ichs ersinnen kann.

Dein Name sei gepriesen,
Der jederzeit an mir
Sich herrlich hat erwiesen,
Herz, Zung‘ und Mund soll dir,
Du Retter aus Gefahr,
Mein schuldig Opfer bringen,
Von deiner Güte singen
Jetzund und immerdar.

Du hast mir wohl gerathen
Und lauter Gut’s gethan,
Daß deine Liebesthaten
Ich nicht g’nug rühmen kann.
Hilf, daß ich ewig dort,
Verklärt und ganz vollkommen,
Dir danke mit den Frommen
An deinem Freudenort.

Daß ich dahin gelange,
Und daß, mein Jesu, dich
Ich ewig da umfange,
So sieh doch stets auf mich.
Dein Leiden ist ja mein,
Daß laß mich, Herr, genießen,
Denk an dein Blutvergießen,
So muß ich selig sein.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

Schmolck, Benjamin – Weicht, Ihr Berge

Weicht, ihr Berge, fallt ihr Hügel
brechtet alles Felsen ein!
Gottes Gnade hat das Siegel:
Sie will unverändert sein.
Laßt die Welt zu Trümmern geh’n,
Gottes Gnade wird besteh’n.

Gott hat mir ein Wort versprochen,
Gott hat einen Bund gemacht,
Der wird nimmermehr gebrochen,
Bis er alles hat vollbracht.
Er, die Wahrheit, trüget nicht,
Was er saget, das geschicht.

Seine Gnade soll nicht weichen,
Wenn gleich alles bricht und fällt,
Sondern ihren Zweck erreichen,
Bis sie mich zufrieden stellt,
Gott hält immer sein Versprechen,
So fällt aller Zweifel hin,
Als wär‘ er nicht immerdar,
Was er ist und was er war.

Laßt sein Antlitz sich verstellen,
Ist sein Herz doch treu gesinnt
Und bezeugt in allen Fällen,
Daß ich sein geliebtes Kind,
Dem er beide Hände reicht,
Wenn auch Grund und Boden weicht.

Er will Friede mit mir halten,
Wenn die Welt gleich Lärmen macht;
Ihre Liebe mag erkalten,
Ich bin bei ihm werth geacht’t.
Und wenn Höll‘ und Abgrund brüllt,
Bleibt er mir doch Sonn‘ und Schild.

Er, der Herr, ist mein Erbarmer,
So hat er sich selbst genennt;
Das ist Trost, so werd‘ ich Armer
Nimmermehr von ihm getrennt.
Sein Erbarmen läßt nicht zu,
Daß er mir was Leides thu‘.

Nun, es bleibt mein ganz Vertrauen
Auf ihn ankerfest gericht’t,
Auf ihn will ich Felsen bauen,
Denn ich weiß, daß es geschicht.
Erd und Himmel kann vergeh’n,
Sein Bund bleibet feste steh’n.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877