Samuel Gobat – Dein ist das Reich

Dein ist das Reich, mein König Jesus Christ,
dir ist das Szepter in die Hand gegeben.
Und ob der Erde Fürsten sich erheben,
wir wissen doch, daß du der Herrscher bist.
0 höchste Majestät, wer ist dir gleich?
Dein ist das Reich!

Dein ist die Kraft! O wie erhebt dein Wort
uns, die wir oft mit eigner Schwachheit ringen!
Gib du zum Wollen uns auch das Vollbringen,
du starker Held, du unsres Glaubens Hort!
Wir fassen deine Hand, die Wunder schafft.
Dein ist die Kraft!

Dein ist die Herrlichkeit! Im Glauben sehn
wir schon etwas von deiner lichten Schöne.
Wir hören etwas von dem Lobgetöne
der Sieger, die vor deinem Throne stehn.
O hilf auch uns und mache uns bereit
zur Herrlichkeit!

Von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du,
dreiein’ger Gott! Wir beten an im Staube.
Uns hebt bis an dein Herz empor der Glaube,
und deine große Gnade deckt uns zu.
Lob, Preis und Dank sei deinem großen Namen
ohn’ Ende! Amen!

Jochen Klepper – Einer neuen Zeit

Ich bin kein Anfang, keine Mitte.
Ich bin der Mensch, der seine Schritte
zu einem weiten Abschluß lenkt.

Ich wachse in ein klares Ende
und bin in die Jahrtausendwende
vor ihrem Anbruch ganz versenkt.

Sooft sich meine Augen schließen,
will eine Zeit zur Mündung fließen,
die Gott ihr vorgezeichnet hält.

Ich soll beschließen, nicht beginnen,
und muß aus Gottes Händen rinnen,
bevor er neu sein Feld bestellt.

Er will die volle Stunde schlagen.
Ich werde es den Menschen sagen
auf meinem Gang durch seine Welt.

Jochen Klepper – Kein König wird ein Reich des Glücks erzwingen,

Kein König wird ein Reich des Glücks erzwingen,
und Friede wird uns nimmermehr beschert.
Niemand wird das Verlorne wiederbringen,
und dein gelobtes Land bleibt uns verwehrt.

Der König wird das Reich der Buße suchen,
ein Richter unter göttlichem Gericht.
Die Starken, Stolzen werden ihn verfluchen.
Er fürchtet nur dein leuchtendes Gesicht.

Die Krone wird ihm bittren Schmerz bereiten.
Die Dornenkrone raubt ihr allen Schein,
und der Gekrönte neigt sich dem Geweihten.
Die Throne werden wieder Gleichnis sein.

Der König sendet wieder nach Propheten;
denn aller Menschenrat hat jäh versagt.
Was noch geschieht, ersteht nur aus Gebeten.
Dein Wort wird Maß. Dein Wille wird erfragt.

Die Völker waren frevelhaft vermessen,
bevor der König als ein Büßer kam.
Herr, wirst du es uns noch einmal vergessen,
was deinen Zorn erregte, unsre Scham?

Jochen Klepper – Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen,

Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen,
Baum zu Gottes Lobe,
deine Frucht war uns von Gott versagt.
Wir werden hart von dir verklagt.
Unsre Herzen sind verzagt.
Wer wird uns erlösen?

Lebensbaum, mitten im ewigen Garten,
Baum zu Gottes Ehre!
Seinen Engel hat der Herr bestellt,
daß er uns den Weg zu dir verwehre.
Gott scheidet Eden und die Welt.
Duldet nun, was ihm gefallt!
Lernt der Gnade warten!

Grünende Tanne, du Zeichen des Lebens!
Heil, das Gott uns kündet!
Gott will eine grüne Tanne sein,
dran man Frucht, die wir nicht bringen, findet.
Der Gottestanne Frucht ist fein.
Ihre Ernte nennt Gott dein.
Gott schafft nichts vergebens!

Feigenbaum, den der Herr zornig erblickte,
bleibe meiner Seele
mahnend, warnend, drohend eingeprägt,
daß man wisse, was ihr bitter fehle.
Gott gib, daß mich die Axt nicht schlägt
und mein Leben Früchte trägt,
das dein Licht erquickte.

Lebensholz, fruchtbar an Wassern, den klaren,
die vom Throne fließen,
drauf das Lamm mit Gott dem Herrn regiert;
Holz, daraus die Blätter ewig sprießen:
Du warst zum Kreuz des Lamms erkürt.
Herrlich hast du triumphiert,
grünst in ewigen Jahren!