Friedhelm Traub – Geborgen

Was wird der Tag mir bringen?
Ich weiß es nicht!
Doch weiß ich: Jesus gibt mir,
was mir gebricht.

Er läßt mich nicht alleine,
will’s einsam sein.
Ich weiß, wie sich’s auch wende,
wir sind zu zwein!

So ruh‘ ich Stund um Stunde
in seiner Hut.
Was auch der Tag mir bringe,
ich hab‘ es gut!

Friedhelm Traub – Dir zur Verfügung

Dir zur Verfügung, mein Gott und mein Herr.
dir zur Verfügung, je länger, je mehr!
Dir zur Verfügung, in Freud‘ und in Leid,
täglich und stündlich für Jesus bereit!

Dir zur Verfügung, was ich hab‘ und bin:
Liebe und Arbeit, Gedanken und Sinn,
Wünsche und Pläne, die Zeit und das Geld,
Glieder und Gaben, wie dir es gefällt!

Dir zur Verfügung im Heiligen Geist,
nicht aus mir selber; denn Eignes zerreißt.
Eigene Kraft hält ja nimmermehr stand,
wirklich vollenden kann’s nur deine Hand!

Dir zur Verfügung! Einst war es nicht so;
aber nun bin ich so selig und froh!
Du brachest Bahn mir und Bollwerk entzwei,
auf daß ich völlig dein Eigentum sei.

Dir zur Verfügung! 0 seliges Los!
Sei nun mein Tagewerk klein oder groß,
draußen und drinnen, im Schaffen und Ruh‘n
immer nur frag ich : „Was würdest du tun?“

Dir zur Verfügung! Es bleibe dabei!
Das ist mein Stand, der macht selig und frei.
Das schafft ein sieghaft und friedevoll Gehn:
Jesu, dir ganz zur Verfügung zu stehn!

Friedhelm Traub – Mehr Feuer

Vater, gib doch meinem Herzen
göttliche Begeisterung,
die nicht achtet Not und Schmerzen,
sondern stets sucht deinen Ruhm!

Schenke mir mehr heil’ges Feuer,
laß mein Herz in Flammen stehn,
daß mir nie ein Preis zu teuer,
sollt‘ es auch zum Tode gehn!

Ströme mächtig auf mich nieder
Heldenmut und Gotteskraft,
send den Geist der Pfingsten wieder,
welcher neue Menschen schafft!

Gib mir jene heiße Liebe,
die nicht viel von Opfern spricht;
aber die aus freiem Triebe
scheut die schwersten Opfer nicht!

Anders kann ich ja nicht stehen
vor des Feindes übermacht.
Schmählich würd‘ ich untergehen
in Verzweiflung, finstrer Nacht.

Darum komm, o Herr, von oben
und erfüll mich ganz mit dir,
daß ich trotz des Satans Toben
geh von Sieg zu Siege hier!

Daß ich stets mit tausend Freuden
auf mich nehme Kreuz und Hohn,
mit dir teile hier die Leiden
und einst steh vor deinem Thron!

Ernst Modersohn – Der Herr hat es gegeben

Der Herr hat es gegeben, ein reiches Erdenglück,
ich schaue auf mein Leben mit tiefem Dank zurück.
Er hat mir aufgetragen den schönen Dienst am Wort,
ich durft‘ es freudig sagen an manchem, manchem Ort.

Es kam nicht leer zurücke, wie er verheißen hat.
Was war das für ein Glücke, zu säen gute Saat!
Dann hat er mir zu schreiben das teure Wort erlaubt.
Das wird mir teuer bleiben, viel teurer, als man glaubt.

Bis fern zu den Gestaden der Südsee lief das Wort,
es kam, mit Dank beladen, als Echo heim von dort.
Was war das eine Freude, so vielen Helfer sein,
sie auf der besten Weide des Wortes zu erfreun!

Und mehr hat er gegeben: ein Weib, so lieb und gut,
das mir ein langes Leben nur lauter Gutes tut.
Ein treuer Kamerade in gleichem Schritt und Tritt,
so ging durch Gottes Gnade, sie durch mein Leben mit.

Mein Tagwerk ist beendet, es war ein langer Tag,
der Herr hat’s so gewendet, daß ich nun feiern mag.
Erst wollt’ es schwer mir scheinen, zu ruhen vor der Nacht,
nun ist mein Wünschen, Meinen vor Gott zur Ruh’ gebracht.

Das war ein selig Wandern gemeinsam Hand in Hand,
und eines stets im andern erprobte Treue fand.
Und Kinder hat gegeben der treue Gott und Herr.
Was für ein reiches Leben erblühte um uns her!

Er hat ein Haus gegeben, ein liebes, altes Haus.
Dran klettern edle Reben am warmen Schiefer drauß.
Er gab viel frohe Gäste und Freunde ohne Zahl,
und endlich, was das Beste: der Gnade Sonnenstrahl.

Ja, viel hat er gegeben, der liebe, treue Herr,
ein reich gesegnet Leben, wie’s so gibt wen’ge mehr.
Nun hat er das genommen, was mich so reich gemacht.
Der Abend ist gekommen, der Ruhe mir gebracht.

Ich muß mein Schaffen enden, darf nicht mehr schreiben nun,
den nimmermüden Händen erlaubt er nun zu ruh‘n.
Dem Reisen und dem Reden gebietet er nun Schluß.
Ich darf zurück nun treten. Ich will es, weil ich muß.

Nur einen Wunsch ich habe: er werde dir bekannt,
Daß ich bis hin zum Grabe mög‘ wandern Hand in Hand
mit meinem lieben Weibe,Herr, sprich dein Amen drauf!
und dann hol aus dem Leibe zusammen uns hinauf!

Dein Name sei gelobet! Herr, du machst alles recht!
Ich habe dich erprobet als dein geringster Knecht.
Nun leg’ ich meine Hände in deine treue Hand,
ich weiß, du führst am Ende mich heim ins Vaterland.

Markus Hauser – Mein Herz, du sollst vertrauen

Mein Herz, du sollst vertrauen
Auf Jesu Christ allein,
Nur auf die Gnade bauen
Und froh in Jesus sein.

Was solltest du dich quälen
Mit Sorg‘ und Sündenlast?
Es kann dir gar nicht fehlen,
Da du den Heiland hast.

Mich birgt zu allen Zeiten
In Seiner starken Hand
Der Gott der Ewigkeiten,
Vor dem ich Gnade fand.

Wie gut bin ich geborgen
Und aller Unruh‘ los;
Ich lasse den nur sorgen,
Der an Sein Herz mich schloß!

Von Ihm will ich nicht lassen,
Ich weiß, Er läßt mich nicht!
Wird‘ ich im Tod erblassen,
Bleibt Er mein Trost und Licht.

Ja, ich genieße Frieden
In Jesus allezeit,
Er bleibt mein Hort hienieden,
Mein Heil in Ewigkeit.

Auch in des Lebens Stürmen,
Auch in dem finstern Tal
Will er sein Schäflein schirmen
In seiner Wunden Mal.

Markus Hauser – Ich sehe viele Geisterscharen

Ich sehe viele Geisterscharen;
Der weite Luftkreis ist erfüllt
Von Geistern, die einst Menschen waren,
Und die nun völlig sind enthüllt.

Sie schweben hin so leicht und schnelle,
Daß kaum mein Auge folgen kann;
Ich sehe nirgends eine Stelle,
Wo sie zur Ruhe langen an.

Sie sind gleich einem lichten Schatten;
Behende gehn sie auf und ab;
Auf allen Auen, allen Matten
Ich Tausende gesehen hab’.

Sie finden nirgends Fried’ und Ruhe,
Man höret keinen süßen Klang;
Sie haben Angst, sie haben Mühe;
Was machet ihnen denn so bang?

Ihr Herz war nicht zu Gott gekehret,
Ihr Sinn hing noch an dieser Welt;
Sie haben manches noch begehret,
Was dort sie nun gebunden hält.

Vorüber sind die Gnadenstunden,
Die sie verschwendet haben hier;
Sie haben nicht in Jesu Wunden
Geheiliget all ihr’ Begier.

Nun wohnen sie im Reich der Schatten,
Im leeren, düstern, öden Land,
Weil sie das Heil verschmähet hatten,
Nicht treu benützt den Gnadenstand.

Der Geister, die jetzt um dich schweben,
Hast du vielleicht vor kurzer Zeit
Noch viel gekannt im Erdenleben;
Ihr Nam’ und Ruf erstreckt’ sich weit.

Nun sind sie plötzlich abgeschieden,
Du hast gehört von ihrem Tod;
Und mancher glaubt, sie haben Frieden
Und ahnet nichts von ihrer Not.

So viele, die wir selig preisen,
Befinden sich im Hades nur;
Sie dürfen nicht mit frommen Weisen
Dort wandeln auf der Himmelsflur.

Wer rein ist, führet in die Höhe
Und eilt der lichten Heimat zu;
Wer unrein ist, fährt in die Tiefe,
Er sucht und findet nirgends Ruh’.

Je mehr ein Sünder sich gereinigt
Von allem, was ihm klebet an,
Je mehr sein Herze ist geheiligt,
Je höher er nun schweben kann.

Dort auf den schönen Himmelsauen,
Wenn ich errichtet hab’ mein Ziel,
Werd ich mit Geistesaugen schauen
Der sel’gen Überwinder viel.

Matthias Claudius – Der Mensch

Empfangen und genähret
Vom Weibe wunderbar
Kommt er und sieht und höret
Und nimmt des Trugs nicht wahr;
Gelüstet und begehret,
Und bringt sein Tränlein dar;
Verachtet und verehret,
Hat Freude und Gefahr;
Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,
Hält nichts und alles wahr;
Erbauet und zerstöret
Und quält sich immerdar;
Schläft, wachet, wächst und zehret;
Trägt braun und graues Haar etc.
Und alles dieses währet,
Wenn’s hoch kommt, achtzig Jahr.
Dann legt er sich zu seinen Vätern nieder
Und er kommt nimmer wieder.

Matthias Claudius – Christiane

Es stand ein Sternlein am Himmel,
Ein Sternlein guter Art;
Das tat so lieblich scheinen,
So lieblich und so zart!

Ich wußte seine Stelle
Am Himmel, wo es stand;
Trat abends vor die Schwelle
Und suchte, bis ich’s fand.

Und blieb dann lange stehen,
Hatt‘ große Freud‘ in mir,
Das Sternlein anzusehen;
Und dankte Gott dafür.

Das Sternlein ist verschwunden;
Ich suche hin und her,
Wo ich es sonst gefunden,
Und find‘ es nun nicht mehr.

Matthias Claudius – Bei ihrem Grabe

Diese Leiche hüte Gott!
Wir vertrauen sie der Erde,
Daß sie hier von aller Not
Ruh‘ und wieder Erde werde.

Da liegt sie, die Augen zu
Unterm Kranz, im Sterbekleide! …
Lieg und schlaf in Frieden Du,
Unsre Lieb‘ und unsre Freude!

Gras und Blumen gehn herfür,
Alle Samenkörner treiben,
Treiben — und sie wird auch hier
In der Gruft nicht immer bleiben.

Ausgesät nur, ausgesät
Wurden alle die, die starben;
Wind- und Regenzeit vergeht,
Und es kommt ein Tag der Garben.

Alle Mängel abgetan
Wird sie denn in bessern Kränzen
Still einher gehn, und fortan
Unverweslich sein und glänzen.

 

Matthias Claudius – Osterlied

Das Grab ist leer, das Grab ist leer!
Erstanden ist der Held!
Das Leben ist des Todes Herr,
Gerettet ist die Welt!

Die Schriftgelehrten hatten’s Müh‘
Und wollten Weise sein;
Sie hüteten das Grab und sie
Versiegelten den Stein.

Doch ihre Weisheit, ihre List
Zu Spott und Schande ward;
Denn Gottes Weisheit höher ist
Und einer andern Art.

Sie kannten nicht den Weg, den Gott
In seinen Werken geht;
Und daß nach Marter und nach Tod
Das Leben aufersteht.

Gott gab der Welt, wie Moses lehrt,
Im Paradies sein Wort;
Und seitdem ging es ungestört
Im Stillen heimlich fort.

Bis daß die Zeit erfüllet war —
Die Himmel fei’rten schon —
Da kam’s zu Tage, da gebar
Die Jungfrau ihren Sohn.

Den Seligmacher Hoch und hehr
Und Gottes Wesens voll,
Ging er in Knechtsgestalt einher,
Tat Wunder und tat wohl.

Und ward verachtet und verkannt,
Gemartert und verklagt,
Und starb am Kreuz durch Menschenhand;
Wie er vorher gesagt.

Und ward begraben und beweint,
Als sei er tot, allein
Er lebt, nun Gott und Mensch vereint,
Und alle Macht ist sein.

Halleluja! das Grab ist leer!
Gerettet ist die Welt,
Das Leben ist des Todes Herr!
Erstanden ist der Held!