Opitz, Martin – Morgenandacht

O Licht, geboren aus dem Lichte,
O Sonne der Gerechtigkeit,
Du schickst uns wieder zu Gesichte
Die angenehme Morgenszeit;
Drum will uns gehören,
Dankbarlich zu ehren
Solche deine Gunst:
Gib auch unsern Sinnen,
Daß sie sehen können
Deiner Liebe Brunst.

Laß deines Geistes Morgenröthe
In unsern dunkeln Herzen seyn,
Daß sie mit ihren Strahlen tödte
Der eiteln Werke kalten Schein.
Siehe, Herr! wir wanken;
Thun und auch Gedanken
Gehn auf falscher Bahn.
Du owllst unserm Leben
Deine Sonne Geben,
Daß es wandeln kann.

Verknüpfe mit des Friedens Bande
Der armen Kirchen schwache Schaar;
Nimm weg von unserm Vaterlande
Verfolgung, Trübsal und Gefahr;
La0 uns ruhig bleiben,
Unsern Lauf zu treiben
Diese kleine Zeit,
Bis du uns wirst bringen,
Wo man dir soll singen
Lob in Ewigkeit.

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus der alten und mittlern Zeit

Löwenstern, Matthäus Apelles von – Christe, Du Beistand Deiner Kreuzgemeine

Christe, Du Beistand Deiner Kreuzgemeine,
Eile, mit Hülf‘ und Rettung uns erscheine!
Steure den Feinden, ihre Blutgerichte
Mache zu nichte!

Streite doch Selber für uns, Deine Kinder,
Wehre dem Teufel, seine Macht verhinder;
Alles, was kämpfet wider Deine Glieder,
Stürze darnieder!

Friede bei Kirch‘ und Schulen uns beschere,
Friede zugleich der Obrigkeit gewähre;
Friede dem Herzen, Friede dem Gewissen,
Gieb zu genießen!

Also wird zeitlich Deine Güt‘ erhoben,
Also wird ewig und ohn‘ Ende loben
Dich, o Du Wächter Deiner armen Heerde,
Himmel und Erde.

Schaff – Deutsches Gesangbuch

Lörs, Johann Christian – Zuspruch

Ach Seele Still! Gott lebet noch,
Der Alles kräftig lenket,
Der alles Ungestüme doch,
Wies ihm gefällt, beschränket:
Er herrschet ewig, Niemand schlägt
Den güldnen Scepter, den er trägt,
Aus seinen starken Händen.

Er sitzt am Ruder, sein Compaß,
Der ewigen Rathschlüssen,
Zeigt überall doch Ziel und Maß:
Wann sich die Himmel rissen,
Wann Alles gar zu Trümmern fiel‘,
Er hat und hält die Hand im Spiel,
Es kann ihm nichts mißlingen.

Wirf eigne Kraft und Weisheit hin,
Ergiebe dich gelassen:
Weltschaden ist doch nur Gewinn
Für den, ders recht kann fassen.
Wann Alles rasselend zerfällt,
Wann Alles krachend sich zerschellt,
So halt dich blos am Herren!

Und sei versichert, keine Höh,
Kein Abgrund, keine Tiefe,
Kein Tod, kein Leben, keine See,
Wie gräßlich Alles liefe,
Kein‘ Seelenangst, kein Höllenstreit,
Kein Teufel, keine Ewigkeit
Wird dich von Jesu scheiden.

Klaiber, Karl Friedrich – Evangelische Volksbibliothek

Laufenberg, Heinrich von – Dz guot Jor.

Anno 1420.

GOt vatter in der trinität,
der alle ding geschaffen hat,
lob si dir in dim mayestat!
Got, alles gutz ein aneuang,
ein mittel und ein ufgang,
lob sagent wir in dem gesang.
Dz er mit sinem hohen rot
ihesum christum gesendet hat
für unser missetat
Zu einer maget küsch und rein,
die allein
der edel küng hat usserwelt
für alle welt gemein.

Got sun in vaetterlicher kraft
het hie bewist sin meisterschaft
mit sines geistes süssem saft.
Got wz er ie in sinem rich,
der mensch ist worden willenclich,
des fröw du armer sünder dich.
Er lit in einer kripphe hie
und ist doch got, als er wz ie,
on alle froge, wie.
Des singent lob und götlich er
engel her,
ze bethleem frowent sich
des die hirten ser.

Got helger geist, in diner minn
erlüht uns unser hertz und sinn,
din helig für in uns enbrünn.
Got dry person in einer maht,
gib uns in diser helgen naht,
dz diß kindlins werde wol gedaht,
Und marien, der maget gut,
von der es nam sin fleisch und blut,
gar unuersert behüt.
Ein selig jor und ewig rich
uns verlich,
dz wir werdent loben
nun und ewenclich.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Krafft, Isaak Christian – Christliches Verbündniß

Wir geben uns darauf die Hand
Und zieh’n zusammen ins Vaterland,
In das verheißne Kanaan:
Den Weg zeigt Jesu Kreuzesfahn.

Wir ziehen, wie die Gottesstämm‘,
Ins himmlische Jerusalem:
Wir wagens nicht auf eignen Muth,
Wir wagen es auf Jesu Blut.

Mein Bruder, nun es bleib‘ dabei!
Und daß der Bund recht feste sei,
Und ewig ihn nichts löse auf,
So setz‘ Gott selbst das Sigel drauf!

Der heilig, heilig, heilig ist,
Gott Vater und sein Jesus Christ,
Der heilge Geist, vollend‘ in Kraft
Die angetretne Pilgrimschaft.

Klaiber, Karl Friedrich – Evangelische Volksbibliothek

Knaust, Henrich – Ein weiblein sagt mir freundtlich zu

Christlich und moraliter geendert.

Ich sprach meim Herrn Gott kindlich zu,
wie ich jn liebt im hertzen
Und er mir nit deßgleichen thu,
leget mir an viel schmertzen.
„Solchs ich mit fug thu, mennlin klug!
also ist mein sitt!
ju, ju, ju, ju, ju, ju!
liebs Mennlin murr nur nit!

Nimb auff zu gut mein gnad und wort,
thu dich dran fleissig keren.
Ich bin getrew wol hie und dort,
ich wil dich wol erneren.
Auff mich fest baw, ob ich gleich haw:
also ist mein sitt!
ju, ju, ju, ju, ju, ju!
liebs Mennlin murr nur nit!

Ir seit im glauben träg und faul,
bettet von Hertzen selten;
Offt bettet nur allein das maul,
bei mir müst jhrs entgelten.
Für ewer schuld geb ich mein huld,
also ist mein sitt!
ju, ju, ju, ju, ju, ju!
liebs Mennlin murr nur nit!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Knaust, Henrich – Es wolt ein Jäger jagen

von dem Glauben, hoffnung und liebe, Christlich verendert.

ES wolt ein Jäger jagen
dort wol vor ienem holtz,
Was begegnet ihm auff der heiden?
drei frewlin hüpsch und stoltz.

Das ein das hieß fraw glaube,
das ander fraw liebe,
Hoffnung des dritten Name,
des jägers wölt es sein.

Er nam sie in der mitte,
sprach: hoffnung, nit von mir laß!
Schwencks hinder sich zurücke
wol auf sein hohes roß.

Er fürt sie gar behende
wol durch das grüne graß,
Behielts biß an sein ende:
nicht hats jn gerewet das.

Hoffnung macht nicht zu schanden,
im glauben vest an Gott,
Dem nechsten geht zu handen
die liebe in der not.

Hoffnung, lieb und glaube,
die schönen schwestern drei:
Wenn ich die lieb anschawe,
die gröst, sag ist, sie sei!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Knaust, Henrich – Nu hab ich all mein tage gehört, rc.

Christlich und moraliter geendert, D. H. K.

NU hab ich all mein tag gehört,
wie leiden sei ein schwere pein,
So hat mir doch noch nie gebürt,
daß ichs möcht jnnen worden sein,
Dann jetzt allein, so ich groß pein
und hertzlich leid auff diser Erdt
muß schwerlich han und nemen an
zu widern, was mein Hertz begert.

Mein Hertz begert nicht anders mehr,
denn was zu Gottes ehr gezimpt;
Zu seinem dienst steht all mein bger,
sein trost mein leiden gar hinnimpt;
Wers noch so schwer, dennoch mein Herr
muß globet sein on ende,
denn ich bin sein und er der mein:
mein Gott, nicht von mir wende!

Mit freuden wil ich loben Gott
in allen meinen tagen fein,
Denn er mir hilffet auß der not,
darinn ich müst verdorben sein.
Mein hertz on schmertz jn loben sol,
und wann er mich gar tödten wolt,
wie sichs anstellt, dennoch nicht fehlt,
sein gnade mich erhalten solt.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Knaust, Henrich – Zucht, ehr und lob,

Christlich unnd moraliter verendert.

ZUcht, ehr unnd lob gebühret dir,
mein zier! all mein begir
zu dienen ist dir gar bereit!
Du bist fürwar der rechte Herr,
mein ehr, die ich beger,
du kanst mir wenden all mein leidt.
Seidt ich doch weiß zukünfftig not,
kein rath auff Erd mir helffen mag,
es leit am tag: vernimb mein klag
die ich aufftrag,
send gnad, mein Herr, ehe ich verzag!

Recht als ein Wild kein vernunfft hab,
vör ab weil trost und lag
durch leidens gwalt verloschen wirdt;
Dadurch mein krancks und trawrigs Hertz
on schertz unsäglich schmertz
mit seuffzen viel im elendt führt.
Ich glaub, kein freud sei mir beschert,
vermehrt sich doch mein schmertzlich weh,
wie ichs nur dreh, geh oder steh,
gleich wie der schne
ich armer Mann im leid vergehe.

Ich laß einn reden was er wil,
inn still mich betrübt so viel
mein hertzlich leid mehr dann ich klag!
Mir war vor nie mein Hertz so wundt,
kein stundt ist mir so kundt
mein schwere pein, die ich stets trag.
Herr, durch dein Hülff not wirdt gewend
behend, solchs bitt und wölt
mein groß unschuld und stette gedult
verwend in huld,
hilff schie, mein Gott, und sei mir hold!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Jorissen, Matthias – Ps. 128

Wohl dem, der Gott verehret,
Oft betend vom ihm steht,
Auf seine Stimme höret,
In seinen Wegen geht,
Er nähret sich vom Segen,
Der auf der Arbeit ruht,
Gott ist auf seinen Wegen,
Wohl dir, du hast es gut!

Die Gattin, deine Freude,
Wird wie ein Weinstock sein,
Mit Frucht und Zierrath Beide,
Dich und dein Haus, erfreun.
Gleich jungen Oelbaums Sprossen,
Hast du noch jung und frisch
Zu deinen Freudgenossen
Die Kinder um den Tisch.

Seh, wie hier in der Stille
Der Mann, der Gott verehrt,
Genießt des Segens Fülle,
Gott gibt, was er begehrt.
Aus Zion fließt ihm Segen,
Aus Salem Friede zu,
Und Erd‘ und Himmel geben
Sein Lebenlang ihm Ruh.

Wer ganz auf Gott vertrauet,
Ihm bleibet treu gesinnt:
Der sieht sein Haus gebauet,
Von Kind und Kindeskind.
Gott segnet ohn Ermüden
Den, der sich zu ihm kehrt.
Das Volk hab ewgen Frieden,
Das unsern Gott verehrt!