Ringwaldt, Bartholomäus – Lobet den Herrn, und dankt ihm seiner Gaben

Im Ton: Danket dem HErrn, denn er ist sehr freundlich.

1. Lobet den HErrn und danket ihm seiner Gaben,
Die wir aus Gnad von ihm empfangen haben
Jetzt an dem Tisch und sonst an allen Enden
Wo wir uns wenden.

2. Er hat uns an das Licht der Welt lan1lassen kommen
Und durch die Tauf in sein Reich aufgenommen,
Und läßt uns noch in seinem Sohn verkünden
Ablass der Sünden.

3. Durch seinen Geist er uns so wohl regiret,
Straft, unterweist, erhält und konfirmieret2auch: bestärkt,
Auf dass wir fest im Kreuz ohn alles Grauen
Ihm können vertrauen.

4. Er tut auch wohl‘ durch seine Engelscharen
Uns Tag und Nacht vor Leibesfahr bewahren,
Damit der Feind an uns sein bösen Willen
Nicht mög erfüllen.

5. Zu dem er auch all seine Kind ernähret,
Und ihnen Hülf in aller Not bescheret,
Und läßt gewiss all ihre Feind auf Erden
Zu Schanden werden.

6. Derhalben seid in Gott getrost, ihr Frommen,
Denn ihr sollt Schutz und Brot genug bekommen
Und über das nach diesem armen Leben
Bei Christo schweben.

7. Das danket ihm, ihr Leut, von Herzensgrunde
Und bittet ihn desgleich zu aller Stunde,
Dass er uns nur als seinen lieben Erben
Helf selig sterben.

8. So sind wir recht an Leib und Seel genesen
Und reich genug in dieser Welt gewesen,
Und haben auch den besten Schatz erfunden
Und überwunden.

Claudius, Matthias – Das schöne große Taggestirne

Das schöne große Taggestirne
Vollendet seinen Lauf;
Komm wisch den Schweiß mir von der Stirne,
Lieb Weib, und denn tisch auf!

2. Kannst hier nur auf der Erde decken,
Hier unterm Apfelbaum;
Da pflegt es abends gut zu schmecken,
Und ist am besten Raum.

3. Und rufe flugs die kleinen Gäste,
Denn hör, mich hungert´s sehr;
Bring auch den kleinsten aus dem Neste,
Wenn er nicht schläft, mit her.

4. Dem König bringt man viel zu Tische;
Er, wie die Rede geht,
Hat alle Tage Fleich und Fische
Und Panzen und Pastet;

5. Und ist ein eigner Mann erlesen,
Von andrer Arbeit frei,
Der ordert ihm sein Tafelwesen
Und präsidiert dabei.

6. Gott laß ihm alles wohl gedeihen!
Er hat auch viel zu tun,
Und muß sich Tag und Nacht kasteien,
Daß wir in Frieden ruhn.

7. Und haben wir nicht Herrenfutter;
So haben wir doch Brot,
Und schöne, frische, reine Butter,
Und Milch, was denn für Not?

8. Das ist genug für Bauersleute,
Wir danken Gott dafür,
Und halten offne Tafel heute
Vor allen Sternen hier.

9. Es präsidiert bei unserm Mahle
Der Mond, so silberrein!
Und kuckt von oben in die Schale
Und tut den Segen h´nein.

10. Nun Kinder esset, eßt mit Freuden,
Und Gott gesegn es euch!
Sieh, Mond! ich bin wohl zu beneiden,
Bin glücklich und bin reich!

Boie, Nicolas (der Ältere) – Ein Gratias na der maltidt

O Godt, wy dancken dyner gude
dorch Christum unsen Heren,
Vor dyne woldadt auerswinde,
dorch welcke du deist erneren
All, wat den athem ye gewan,
heffst uns de nodtrofft laten han:
dy geschee loff unde ock eere!

Als du nu, here, gespiset hast,
dat licham, welck vorderuet,
So lath de seele ock syn dyn gast,
de dorch dy nümmer steruet,
Dyn heilsam word ere spise syn,
beth se ock gantz erlange dy
yn ewicheit vortruwen!

Loff, eere unde danck tho aller tidt
dy, vader yn der högede,
De du uns de sünde makest quid
dorch dat du giffst tho geloue
Ynn dynen eingebaren Söne,
up dat wy, mit ein kinder dyn,
dy ewich preysen, Amen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer