Freder, Johann – Ein Morgengebet (ICk dancke dy, Godt, vor alle woldat,)

ICk dancke dy, Godt, vor alle woldat,
dat du ock my hefft gnediglick
de nacht behüdt dörch dine gud,
Und bidde nu vort: O Godt, myn hordt,
vor sünden unnd vahr my hüdt bewar,
dat my kein böses wedderfar!

Ick beuel dy, Herr, mine Seel und ehr,
hert, sinn unnd mudt, myn Lyff unnd gudt
und all dat mine: de Engel dyn
Hebb miner acht, dat nicht vinde macht
de viendt an my nha sinem bger
und my in sünde mit listen vör.

Ock woldest, Here, vorgeuen my
dorch dine huldt myn sünd und schuldt:
ick heb an dy vorgrepen my,
Unrecht gedan! HERR, gnad und schon
tho aller frist dorch Jesum Christ,
de unse einige Midler ist!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Tech, Nikolaus – Das Sanctus (Niederdeutsch)

1534?

Aus dem niederdeutschen GB. Magdeborch, Hans Walther. 1534.

Hillich ys Godt de Vader,
Hillich ys Godt de Sone,
Beider Geist, truwe rader,
Hillich ist, rein unde schön,
Ein eniger woldeder
Unser unde unser veder;
Mit vlith he uns vorsorget.

Starcke Vörste, mechtige Here
Aver Sebaoth, alle
Sünde, Dodt unde de Helle
Vor em gantz möthen vallen.
Darüm hemmel unde erden
Vull syner eere werden
Unde schrien Hosianna.

Christe sy alle tidt prise,
De dar quam jn Gades namen
Mit wunderliker wise,
Unse viende all thosamen
Weldich hefft averwunnen
Unde syn rick jngenamen.
Nu ropt all Hosianna.

Mützell – Geistliche Lieder der evangelischen Kirche aus dem sechszehnten Jahrhundert

Freder, Johann – Preis der Hülfe Gottes (Myn‘ Seele schall nah Hertengrund)

Der 145ste Psalm

Myn‘ Seele schall nah Hertengrund
Dy laven, Godt myn Herr;
Dyn Loff schall singen stets myn Mund
Und prysen hoch dyn‘ Ehre.
Ick will myn ganze Levenlang
Dy, Godt myn Here, seggen Dank‘,
Dewyle ick bin up Erden.

Dy gehört, Godt Here, (Prys) Ehr‘ und Loff!
Du helpen kannst alleine.
Alle Försten sint ock Erd‘ und Stoff,
Wo ander‘ Minschen gemeine.
Darup sick Nemandt lathen schall;
ER‘ Hülp döcht doch nicht averall,
Wenn rechte Nodt und drücket.

Idt sy ein Minsch wo groth he kann,
Den Geist moth he upgeven;
Tho syner Tydt moth he darvan,
He kann nicht ewich leven.
Tho Erd he wedder werden moth;
So ys denn alle Höpening uth,
All Anschläg synt vorlaren.

Wol dem, de Godt den Heren anröpt
Und sick em ganz vortruwet
In Nodt, Dodt, tho em allein löpt,
Von Herten up en buwet!
Wol em! He nicht vorderven kann,
Wol Godt sick syn nimmt sülvest an;
De wert en wol bewaren.

De Herr gewißlick helpen kann;
Syn‘ Macht de heft neen Ende,
Den Hemmel, Meer und Erdenplan
Gemaket hebben syn‘ Hände
Und allem wat darinne is;
Ock is syn‘ Thosage vast und gewiß,
Denn de holt ewich Loven.

Vortruw du Godt und roep en an,
So du Gewwalt most lyden.
He helpen will, dartho ock kann;
He is up diner Syden.
He schaffet Recht in solcker Nodt,
Und kann der Bösen Avermodt
Gar balde mit Schrecken stillen.

Godt kann thostören mit Gewalt
Godtloser Lüde Anschläge,
Dat er Vornemen uphöre bald;
Thorügge drift he er‘ Wege,
Dat all er Doen den Krevetgang gah,
Und ere Freud‘ nicht lang bestah,
Mackt schnell mit en ein Ende.

De Here ys Köninck ewichlick,
Heft alles in sinen Händen;
De Herr regert geweldichlick
Von Anfang beth thom Ende.
Von nu an beth in Ewicheit,
Zion, du rechte Christenheit,
Schallt Alleluja singen.

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus der neueren Zeit

Tech, Nikolaus – Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr (Niederdeutsch).

1526

Alleyne Godt yn der hoege sy eere
Und danck vor syne gnade,
Darumme dat nu und vort nicht meer
Uns roeren mach eyn1) schade.
Eyn wolgevallent Godt an uns hath;
Nu is groth vrede aen underlaeth,
Alle veyde nu hefft ein ende.

Wy laven, prysen, anbeden dy,
Vor dyne ere wy dy dancken,
Dath du, Godt vader, ewichlyck
Regerest aen alle wancken.
Gantz ungemeten ist dyne macht,
Vort geschuth, wat dyn wylle hefft gedacht.
Wol uns des fynen heren.

O Jesu Christ, sone eyngebaren
Dynes hemmelschen vaders,
Vorsöner der, de weren vorlaren,
Du styller unses haders,
Lam Gades, hillige here und groeth2),
Nym an de bede van unser noeth,
Vorbarme dy unser. Amen.

O hillige geist, du groeteste guth,
Du alder heilsammeste troister,
Vor duvels gewalt vortan behuth,
De JEsus Christus vorloesede
Dorch grote marter und bitteren doth;
Affwende alle unsen iamer und noeth;
Dar tho wy uns vorlaten.

Mützell – Geistliche Lieder der evangelischen Kirche aus dem sechszehnten Jahrhundert
—-

1) 1534: nen
2) 1534: vnde Gott

Boie, Nicolas – Ein Gratias

na der entfanginge des hochwerdigen Sacramentes, des lynes unde blodes Christi

(„Geystlike leder und Psalmen rc. Gedruckt tho Magdeborch dorch Hans Walther. 1543.“)

O Christ, wy dancken dyner güde
unde dyner grothen leue,
De du uns bewisest auerswindt,
yn dem du heffst gegeuen
Dy suluest genslick auer all,
up dat wy uth der sünden tall
gereddet mögen leuen.

Heffst suluen dy verschonet nicht,
bett du vor uns gestoruen,
Dar dorch ydt alle ys uthgericht,
dat wy han gnade erworuen,
Vorgeuinge unser sünde twar
unde Gades kindtschop: so wy gar
des gelouen, sint wy borgen.

Dyn licham uns thor spise giffst,
dyn düre blodt tho drinckent,
Dat wy gestercket ymme geist
den olden minschen krencken,
Unde wassen yn der nyen bordt,
dat yo dat brodt der kinder vorth
den hunden nicht gereket.

Help, dat wy vorth der leue werck
malck ander so bewisen,
Als du ydt uns ertöget heffst,
dat wy tho dynem pryse
Dy ynn geliuet leuen yo,
byn auentmal entfangen so,
da wy vullstendich bliuen,

Unde dencken dyner woldadt groth,
dewile wy hyr leuen,
Vorkündigen dynen düren dodt,
beth du werst uns erheuen,
Tho nemen ynn dat rike dyn,
das nümmer wert ein ende syn
des frowen prysens, Amen!

Eere sy dem Vader unde dem Sone
unde ock dem hilligen Geiste,
So gewesen ys van anbegynn
unde ewich altermeiste!
He helpt uns wandern alle gelick,
dat wy der sünde werden quid:
wol dat begert, spreke Amen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Boie, Nicolas (der Ältere) – Ein Gratias na der maltidt

O Godt, wy dancken dyner gude
dorch Christum unsen Heren,
Vor dyne woldadt auerswinde,
dorch welcke du deist erneren
All, wat den athem ye gewan,
heffst uns de nodtrofft laten han:
dy geschee loff unde ock eere!

Als du nu, here, gespiset hast,
dat licham, welck vorderuet,
So lath de seele ock syn dyn gast,
de dorch dy nümmer steruet,
Dyn heilsam word ere spise syn,
beth se ock gantz erlange dy
yn ewicheit vortruwen!

Loff, eere unde danck tho aller tidt
dy, vader yn der högede,
De du uns de sünde makest quid
dorch dat du giffst tho geloue
Ynn dynen eingebaren Söne,
up dat wy, mit ein kinder dyn,
dy ewich preysen, Amen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer