Alber, Erasmus – Von der Welt Bosheit, so zur Buße vermahnet

Ach Gott, thu dich erbarmen
durch Christum, deinen Sohn,
Uebr Reich und über Armen,
Hilf, daß sie Buße thun,
Und sich ein jeder erkennen thut.
Ich fürcht Gott hat gebunden ein Ruth,
Er will uns damit strafen,
Den Hirten mit den Schafen.
Es wird ihm keinr entlaufen.

Gott hat uns lang gerufen
Durch seine treue Knecht,
Unsr Ohren sind aber nicht offen,
Darum geschieht uns recht.
Sein Straf han wir jetzt in dem Land.
Ich fürcht, ihr sind mehr vor der Hand;
Gott wöll sie von uns wenden
Und seine Gnad uns senden;
Es steht in seinen Händen.

Es geschehn groß Wunderzeichen,
Noch schlan wir Alls in Wind,
Die uns sollten erweichen.
So gar sind wir verblindt.
Daß wir erkennen die Wahrheit nicht,
Wie uns jetzt Gottes Wort bericht,
Daß wir uns daran kehrten
Und seiner Gnaden begehrten,
Nicht so gar dawider sperrten.

Aerger ists nie gewesen
Von Anbeginn der Welt.
Ein jeder mags wohl lesen,
Was Christus hat gemeldt.
Kein Lieb noch Glaub auf Erden ist,
Ein jeder braucht sein Tück und List.
Der Reich den Armen zwinget
Und ihm sein Schweiß abdringet,
Daß nur sein Groschen klinget.

Wer kann’s Alles ermessen,
Was treibt die welt mit Macht,
Mit ihrem Saufen und Fressen,
Hochmuth und großen Pracht?
Gott wirds die Länge leiden nicht,
Schau, daß dich nicht erhasch sein Gricht,
So bist ewig verloren,
Dem Teufel auserkoren,
Wär besser nie geboren.

Gott eilt gewiß zum Ende,
Das zeugt all Creatur,
Er wird kommen behende,
Deß han wir schön Figur.
Das glaubet der Gottlose nicht,
Der wohl in seinem Herzen spricht:
Es kann noch lang Zeit währen,
Wir wollen schlemmen und zehren.
Der Teufel thut sie’s lehren.

Die Welt läßt nun nicht abe,
Das wild vielköpfig Thier,
Man werf sie denn ins Grabe;
Es wird geschehen schier.
Der Teufel hats dahin gebracht,
Daß man Gott und sein Wort veracht,
Fragt nicht nach seim Gebote,
Treibet daraus den Spotte,
Sagt wohl, es sein kein Gotte.

Die Axt ist schon geleget
Dem Baum an seine Wurz,
Als uns Johannes zeiget,
Ins Feuer muß er kurz.
Wohl dem, der es zu Herzen nimmt,
Und wacht, wann sein Erlöser kömmt,
Liebt alle Zeit das Gute,
Der wird sein wohl behute
Ja für der Höllen Glute.

Christus sein Prophezeye
Ist nun erfüllet zwar,
Ein jeder merk dabeie
Und nehm sein eben wahr,
Daß er sein Leben anders schick
Und Christum in sein Herz verstrick.
Niemand weiß, welche Stunde,
Spricht Gott aus seinem Munde,
Die Welt wird gehn zu Grunde.

Solchs Alles ist verborgen
In der Gottlosen Sinn.
Das sieht man alle Morgen,
Wie lauft die Welt dahin,
Daß sie nur kriegt das zeitlich Gut,
Das ewig sie vergessen thut;
Daran will Niemand denken,
Thut Leib und Seel versenken;
Manch Christen thut es kränken.

Gott hat in seiner Hute
All, die er hat erweckt,
Erkauf durch Christi Blute
Am Kreuz hoch ausgestreckt,
Da er uns all erlöset hat
Vom Teufel, Sünd und ewigm Tod,
Ist selbst für uns gestorben,
Des Vatern Huld erworben,
Sonst wären wir all verdorben.

12. Das Lied sei jetzt gesungen
Zu Trost der Christenheit,
Den Alten und den Jungen;
Und dem sein Sünd ist leid,
Der bitt Gott allzeit um Genad,
Daß er nimmer in Sünden bad.
Das helf er uns allsammen
Zu Lobe seinem Namen
Durch Jesum Christum, Amen.

Stromberger – Erasmus Alberus geistliche Lieder

In anderen Quellen wird das Buch einem unbekannten Autoren zugeschrieben.

Alber, Erasmus – Ihr lieben Christen, freut euch nun

Ihr lieben Christen, freut euch nun,
Bald wird erscheinen Gottes Sohn,
Der unser Bruder worden ist:
Das ist der lieb Herr Jesu Christ.

Der jüngste Tag ist nun nicht ferr 1fern,
Komm Jesu Christe, lieber Herr!
Kein Tag vergeht, wir warten dein
Und wollten gern bald bei dir sein.

Verraten ist der Widerchrist,
Sein‘ Heuchelei und arge List
Sind offenbar und gar vor Tag,
Des führt er täglich große Klag‘.

Du treuer Heiland, Jesu Christ,
Dieweil die Zeit erfüllet ist,
Die uns verkündet Daniel,
So komme du, Immanuel!

Sanct Simeon wart’t auch auf dich
Und deiner Zukunft freuet sich,
Er ward auch seiner Bitt gewährt,
Da er sah, was sein Herz begehrt‘.

Er sprach, nun will ich sterben gern,
Weil ich geseh’n hab‘ meinen Herrn,
Doch soll es nicht gestorben sein,
Sondern in Frieden fahr ich fein.

So warten wir nun auch der Stund
Und bitten dich von Herzensgrund,
Du wollest nicht ausbleiben lang,
Und straf einmal die alte Schlang‘.

Der alle Welt ermordet hat
Und kann nicht Lügens werden satt,
Den nimm samt seiner Lästerschul,
Und wirf sie in des Feuers Pfuhl.

Die lieben Kinder warten all‘,
Wann doch einmal die Welt zerfall
Und wann des Teufels Reich vergeh‘
Und er in ew’gen Schanden steht.

Er ist’s, der deinen Namen schänd’t
Und der die armen Leut verblend’t;
Der böse Geist sucht seinen Ruhm
Und hindert, dass dein Reich nicht kum 2komme.

Was du befiehlst, das lästert er,
Und tobt dawider gräulich sehr,
Was uns beschert dein‘ milde Hand,
Das nähm‘ uns gern der Höllenbrand.

Der Satan lässt nicht ab zu wehr’n,
Dass sich so wenig Leut‘ bekehr’n,
Er wend’t die Leut von deinem Wort
Und richtet an Hass, Neid und Mord.

Der Teufel brächt uns gern zu Fall
Und wollt‘ uns gern verschlingen all‘;
Er tracht’t nach Leib, Seel‘, Gut und Ehr
Herr Gott, dem Rottendrachen wehr!

Die Welt kann nun nicht länger steh’n,
Ist schwach und alt, sie muss vergeh’n,
Sie kracht an allen Orten sehr
Und kann die Last nicht tragen mehr.

Die alten Väter warten all‘,
Wenn du erscheinst mit großem Schall
Mit aller lieben Engel Schar,
Drauf warten sie manch hundert Jahr.

Eil‘, lieber Herr, eil zum Gericht,
Lass seh’n dein herrlich Angesicht,
Das Wesen der Dreifaltigkeit!
Das hilf uns Gott in Ewigkeit!

//verkürzt aufgenommen 2013, erweitert und aktualisiert 2025//