Arndt, Ernst Moritz – Ich weiß, woran ich glaube

Ich weiß, woran ich glaube,
Ich weiß, was fest besteht,
Wenn alles hier im Staube
Wie Sand und Staub verweht;
Ich weiß, was ewig bleibet,
Wo alles wankt und fällt,
Wo Wahn die Weisen treibet
Und Trug die Klugen prellt.

Ich weiß, was ewig dauert,
Ich weiß, was nimmer läßt,
Mit Diamanten mauert
Mir´s Gott im Herzen fest.
Ja, Recht mit Edelsteinen
Von allerbester Art
Hat Gott der Herr den Seinen
Des Herzens Burg verwahrt.

Ich kenne wohl die Steine
Die stolze Herzenswehr,
Sie funkeln ja im Scheine
Wie Sterne schön und hehr:
Die Steine sind die Worte,
Die Worte hell und rein,
Wodurch die schwächsten Orte
Gar feste können sein.

Auch kenn´ ich wohl den Meister,
Der mir die Feste baut,
Er heißt der Fürst der Geister,
auf den der Himmel schaut,
Vor dem die Seraphinen
Anbetend niederknien,
Um den die Engel dienen:
Ich weiß und kenne ihn.

Das ist das Licht der Höhe,
Das ist der Jesus Christ,
Der Fels, auf dem ich stehe,
Der diamanten ist,
Der nimmermehr kann wanken,
Der Heiland und der Hort,
Die Leuchte der Gedanken,
Die leuchten hier und dort.

So weiß ich, was ich glaube,
Ich weiß, was fest besteht
Und in dem Erdenstaube
Nicht mit als Staub verweht;
Ich weiß, was in dem Grauen
Des Todes ewig bleibt
Und selbst auf Erdenauen
Schon Himmelsblumen treibt.

 

Agricola, Johann – Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ

Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ,
ich bitt, erhör mein Klagen;
Verleih mir Gnad zu dieser Frist,
laß mich doch nicht verzagen;
den rechten Glauben, Herr, ich mein,
den wollest du mir geben,
dir zu leben,
dem Nächsten nütz zu sein,
dein Wort zu halten eben.

Ich bitt noch mehr, o Herre Gott,
du kannst es mir wohl geben,
daß ich nicht wieder werd zu Spott;
die Hoffnung gib daneben,
voraus wenn ich muß die haben,
daß ich dir mög vertrauen
und nicht bauen
auf all mein eigen Tun,
sonst wirds mich ewig reuen.

Verleih, daß ich aus Herzensgrund
mein Feinden mög vergeben;
verzeih mir auch zu dieser Stund,
schaff mir ein neues Leben;
dein Wort mein Speis laß allweg sein,
damit mein Seel zu nähren
mich zu wehren,
wenn Unglück geht herein,
das mich bald möcht verkehren.

Laß mich kein Lust noch Furcht von dir
in dieser Welt abwenden;
Beständig sein ans End gib mir,
du hasts allein in Händen;
und wem dus gibst, der hats umsonst,
es mag niemand erwerben
noch ererben
durch Werke deine Gunst,
die uns errett vom Sterben.

Ich lieg im Streit und widerstreb;
hilf, o Herr Christ, dem Schwachen.
An deiner Gnad allein ich kleb,
du kannst mich stärker machen.
Kommt nun Anfechtung her,
so wehr
daß sie mich nicht umstoße;
du kannst machen, daß mirs nicht bringt Gefahr:
Ich weiß, du wirsts nicht lassen.

Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt
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Nach anderen Quellen gilt der Verfasser als unbekannt.