Zinzendorf, Nikolaus von – Seufzen um Gnade.

Ach mein verwund’ter Fürste!
Nach Dessen Heil ich dürste,
In Dem mein Sehnen ruht,
An Dessen Liebesherzen
Mir wohl ist, und die Schmerzen
Selbst heilsam für mich sind und gut:

Nach Dir allein verlangen,
Das heißt schon an Dir hangen;
Zu Dir voll Liebe sein,
Das heißet Dich besitzen;
Vor Dienstbegierde schwitzen,
Das schreibst Du schon als Arbeit ein.

Nimm mich mit Liebserbarmen
Beim Herzen, bei den Armen,
Und setz‘ ein Siegel drauf;
Lass mich verschlossen werden
Vor dem Geräusch der Erden,
Dir aber mache selber auf!

(1737.)

Zinzendorf, Nikolaus von – Auf sich selbst.

Liebe, die Du Deine Brüder
Unaussprechlich fest geliebt,
Dir ergeb‘ ich mich hinwieder;
Wohl dem, der sich Dir ergibt!
Ich will, Liebe, Dir allein
Ganz und gar gewidmet sein!

Gib Dich mir, o süße Liebe!
Ruhe, liebster Schatz, in mir!
An der süßen Liebe Triebe
find‘ ich Freude, Lust und Zier,
Und aus Deiner Liebesglut
Nimmt mein Herze neuen Mut.

Du bist meiner Seelen Wonne,
Herrlicher Immanuel!
Eile doch, o Gnadensonne!
Ruft Dein treues Israel,
Reiche mir und Deiner Schar
Viel von Deiner Liebe dar!

Ohne Dich will ich nicht leben:
Nimm mich Dir zu eigen hin!
Zu Dir will ich mich erheben,
In Dir suche ich Gewinn;
Nimm, weil mir Nichts helfen kann,
Treues Heil, Dich meiner an!

Ziehe mich mit Liebesseilen,
Edler Seelenbräutigam!
Nur Dir liebreich nachzueilen,
Dir, o heil’ges Gotteslamm,
Opfre ich den ganzen Lauf
Recht mit allen Freuden auf.

Fliehet von mir, eitle Freuden,
Und lasst Jesum nur allein!
Nichts soll mich von Jesu scheiden;
Dieser soll mein Alles sein.
Pflege mich und sei mein Teil.
O erwünschtes Seelenheil!

Tobe nun, o Welt, und springe;
Treibe nur dein Spiel mit mir:
Einer ist es, dem ich singe,
Nämlich Jesus, meine Zier!
Dieser ist mir Sonn‘ und Schild,
Ob die Welt gleich tobt und brüllt!

Ruhe denn, o mein Gemüte!
Fest in Jesu, der dein Held,
Rühme dessen große Güte,
Fliehe alle Pracht der Welt.
Richte Herze, Mut und Sinn
Ferner stets auf Jesum hin!

(1714; Akrostichon.)

Zinzendorf, Nikolaus von – Bereitschaft zum Heimgang.

Tausend Dank, Du gute Liebe!
Dank für Deine Liebestriebe,
Seit Du mich Dir auserlesen,
Ein so ganz unwürd’ges Wesen!

O Du Langmut ohne Gleichen,
Die mein Sinn nicht kann erreichen,
Die ihr Herz mir aufgesparet
Und im Tod noch offenbaret:

Mir wirst Du zum ew’gen Heile,
Und kein Heuchlerlos zu Teile;
Sind noch Schlacken in dem Herzen:
Komm, sie völlig auszumerzen!

Du verlangest mich hinüber:
Siehe, ich bin da, Du Lieber!
Ja, mein Jesu, ich erscheine,
Doch beschämt, gebeugt und kleine!

Dir befehl ich Deine Glieder,
Meine Schwestern, meine Brüder,
Die ich (Du kennst meine Triebe),
Die ich Alle herzlich liebe.

Gar kein Missvergnügen, keines
Hab‘ ich wider irgend Eines;
Noch bin ich an ihrer Seiten;
Ihr Gebet wird mich geleiten.

Sei Du gnädig meinen Leuten,
Krön‘ sie mit Barmherzigkeiten,
Auch in meinem armen Namen,
Um der Liebe willen! Amen.

Nun, der Freund hat rufen lassen:
Jetzo geh‘ ich Ihn umfassen,
Singt mir, singt mir Hochzeitlieder!
Stimmt mit ein, ihr müden Glieder!

(1731; auf Anna Nitschmann.)

Zinzendorf, Nikolaus von – Von der völligen Übergabe des Herzens an Jesum.

Mein Jesu, sei gegrüßet,
Sei tausendmal geküsset!
Sei brünstiglich umfangen,
Du, meines Geist’s Verlangen!

Ich kann mich gern bescheiden,
Dass ich die teuren Freuden,
Und was von Heil mir grünet,
Mit Nichts Dir abverdienet.

Du weißest ja, mein König,
Wie arm, gering und wenig
Der Schmuck an meinem Kleide
Für solche Engelweide!

Doch willst Du Dich begnügen,
Wenn wir an Dich uns schmiegen,
Und uns mit Ernst bemühen,
Die Lust der Welt zu fliehen;

Wenn man vom Dienst der Sünden
Sich durch Dich lässt entbinden,
Und sich und was man liebet,
Dem HErrn zum Opfer gibet.

Du bleibest unverborgen
Mit Deinem Rat und Sorgen,
Belohnest Müh‘ und Streiten
Mit tausend Freundlichkeiten.

Nur Dich mit Ernst verlangen,
Nimmt Dir das Herz gefangen.
Dich herzlich, redlich meinen,
Macht, dass Du musst erscheinen.

Du hilfst die Lasten tragen,
Bis wir den Port erjagen,
Trägst uns mit zartem Schonen,
Bis wir des Jochs gewohnen.

Du willst uns selbst bereiten
Zu wahren Seligkeiten,
Und wie Du uns willst haben,
So schenkst Du Deine Gaben.

Nur Dir gelassen gehen
Und zu Gebote stehen,
Nichts neben Dir begehren:
Dies mag uns Heil gewähren.

Nun, Jesu, mach‘ mich fertig,
Gehorsam und gewärtig,
Und fähig, Deinen Willen
Mit Freuden zu erfüllen!

Dass ich Dich bei mir finde,
Und Alles überwinde;
Dass mich kein Fall noch Glücke
Von meinem Ziel verrücke;

Dass ich Dich fröhlich liebe,
Ob’s hell ist oder trübe,
Und Du mein bleiben müssest,
Du schlagest oder küssest.

Sei tausendmal geküsset,
Sei inniglich gegrüßet!
Sei brünstiglich umfangen,
O meines Geist’s Verlangen!

(1728.)

Zinzendorf, Nikolaus von – Hingabe zum völligen Gehorsam in die himmlische Ordnung.

So nimm denn meine Seele an,
Freund! sie ist Dir untertan;
Pflanz‘ Deine tiefe Liebe drein;
Hier soll Dein Ort der Ruhe sein.
Im Königreich des Herzens herrsche Du
Allein, o Bräutigam, mein Licht und Ruh‘!

Mein Glaubensauge sieht auf Dich,
Ach, blicke wiederum auf mich;
Gebiete mir nach Deinem Sinn,
Der ich Dir zugeschworen bin!
Auf Deinen Wink steht mein Gemüt bereit:
Lass mich Dir dienen! das ist Seligkeit.

Ein Jünger folgt des Meisters Spur:
Nach Deiner Regel geh‘ ich nur;
Als Du mich Dir beredet hast,
Kam mir die andre schwere Last,
Haupt und HErr, nicht mehr beschwerlich für;
Ein Joch, ein sanftes Joch erleichtert’s mir.

Nun, Liebe! da ist Hand und Herz,
Ich wähle Deine Schmach und Schmerz;
Gewiss, die Trübsal dieser Zeit
Ist gegen Deine Herrlichkeit
Nicht wert zu nennen oder anzuseh’n;
Nach treuer Arbeit wird mir wohl gescheh’n!

(1731.)

Zinzendorf, Nikolaus von – Die zubereitende Gnade.

Die Kraft von unsern Sinnen
Wirft vor der Lieb‘ sich hin,
Ihr Herze zu gewinnen:
o herrlicher Gewinn!
Wir bitten um die Gnade,
Die mit ihr worden ist,
Darüber Adams Schade
Sich endlich wohl vergisst.

Die Augen Jesu fangen
Die Predigt in uns an,
Wie man zum Heil gelangen
Und Gott gefallen kann.
Wen dieses Aug‘ erblicket
Wem’s, wie dort Petro, winkt,
Der wird im Geist gebücket,
Dass er in Kummer sinkt.

Der Kummer einer Seelen,
Die so gestellet ist,
Das innerliche Quälen,
Das solch ein Herze frisst,
Wirkt eine sel’ge Reue,
Und wer die Reu‘ nicht hasst,
Der ringet stets auf’s Neue,
Bis er die Gnade fasst.

Hier führt des Vaters Zeugen
Die Predigt weiter aus,
Bis wir die Häupter beugen,
Zu Jesu geh’n hinaus,
Und nehmen von der Liebe
Das Joch mit Freuden auf;
Das fördert unsre Triebe
Gar sehr in ihrem Lauf.

Und wär‘ Eins lieber herrlich
Nach Art der Irdischen,
Als dass es so beschwerlich
Mit Jesu möchte geh’n:
So fängt des Geistes Wehen
Auch eine Predigt an,
Und gibt uns zu verstehen,
Wie’s um die Welt getan.

Will man das sanfte Sausen
Des Geistes nicht versteh’n,
So geht es an ein Brausen
Und über’n Haufen weh’n!
Da fällt vor Seinem Winde
Das Gras, das Heu verdorrt;
Da eilet gar geschwinde
Das Gut der Erde fort!

Das bringet dann die Seele
Zu etwas Höhrem auf;
Sie folgt des HErrn Befehle
Und richtet ihren Lauf
Auf jene große Gaben,
Die Gott bereitet hat,
Den damit zu erlaben,
Der müde ist und matt.

Damit wir nun vernehmen,
Was dieses Alles heißt,
Und uns dazu bequemen:
Hat Gottes Gnadengeist,
Der Prediger von oben,
Die unsichtbare Kraft,
Die nimmer g’nug zu loben,
Sich Stimmen angeschafft.

Der Boten ernste Stimmen,
Ihr liebliches Getön,
Ihr göttliches Ergrimmen,
Ihr liebentbranntes Fleh’n
Erschallet nicht vergebens:
Es bringt die Seelen auf.
Dass sie zum Licht des Lebens
Hin richten ihren Lauf.

Aus solchen Aufgeweckten
Wird mancher offne Brief;
Ein Licht, das Schatten deckten,
Das in der Sünde schlief:
Wenn’s vor den Wächterstimmen
Die Augen aufgetan,
Beginnet anzuglimmen,
Und steckt auch Andre an.

O Prediger von oben,
Gib Kraft und Lebensluft;
Gib Mut, Dich hoch zu loben,
Wenn Deine Stimm‘ uns ruft!
Gib Macht den Friedensboten,
Davor der Feind erstaunt,
Wenn man für Dich die Toten
Zum Lieben ausposaunt.

Und uns, Du gutes Wesen,
Lass offne Briefe sein,
Darinnen klar zu lesen,
Wie’s Deine Liebe mein‘,
Was sie für uns verrichtet,
Wozu sie uns sodann
Dir ewiglich verpflichtet,
Wie gut man werden kann!

Ja, binde uns zusammen
Vor’m Kreuze fest und eng‘,
In gleichen Liebesflammen,
Die sich durch’s Weltgedräng‘
Mit Zündungskräften schlagen,
Und in vereinter Glut
Die größten Kämpfe wagen:
So wird noch alles gut!

(1724.)

Zinzendorff, Nikolaus von – Übergang in den Gnadenstand.

Als der HErr am Kreuz gestorben,
War die Macht des Todes hin:
Und da hat Er mich erworben,
Dass ich ewig Seine bin.

Seine sein – was will das sagen?
Tag für Tag bis in die Nacht
Seine Seel in Händen tragen:
Und, sobald man aufgewacht,

Seinen Heiland kindlich bitten,
Dass Er uns den ganzen Tag
Und bei allen Tritt- und Schritten,
Wie’s Ihm recht ist, leiten mag.

Das gibt eine sanfte Regung,
Ohne Plag‘ und Dunkelheit,
Eine liebliche Bewegung
Nach des Heilands Wirksamkeit.

Und ein Mensch, der also handelt,
Ist ein hochbeglückter Mann,
Weil er stets mit Jesu wandelt,
Und sich nicht verlieren kann.

Freilich maßt man dieser Gnade
Sich unangefragt nicht an;
Doch es geht auf einem Pfade,
Drauf ein Tor nicht irren kann.

Und je will’ger eine Seele,
Die da weiß, was Wahrheit sei,
Eingeht in die dunkle Höhle:
Desto schneller ist sie frei.

Die um Ihn erregten Sorgen,
Die Sein Geist an’s Herz gebracht,
Machen einen trüben Morgen,
Auch wohl eine bange Nacht,

Denn wir hören eine Frage:
Ob wir an den Bund gedacht,
Den am frühsten Lebenstage
Gottes Sohn mit uns gemacht?

Und indem wir daran denken,
Zittert uns wohl Mark und Bein;
Darauf folgt ein sel’ges Kränken,
Dass wir abgefallen sei’n.

Das erpresst ein Maß von Tränen:
„Ach, wo krieg‘ ich Jesum her?“
Und ein kindlich banges Sehnen:
„Wenn Er doch mein Heiland wär‘!“

Augenblicklich steht der Fürste
Mit der offnen Seite da,
Und man fühlt es, wie Er dürste,
Dass Er unsre Seel‘ umfah‘.

Damit geht die Seele über
In die durchgegrab’ne Hand;
Und er hat sie so viel lieber,
Als Er viel an sie gewandt.

Da bekommt sie so geschwinde,
Als sie kaum darum geweint,
Die Vergebung aller Sünde,
Und das Lamm zum ew’gen Freund.

(1740.)

Zinzendorff, Nikolaus von – Bei’m heiligen Abendmahle.

O Leib, für unsre Sündlichkeit
Am Kreuze aufgehangen;
O Seele, durch den blut’gen Streit
In’s Heiligtum gegangen!

Hier schickt sich Deine Jüngerschaft,
Zu essen und zu trinken,
In’s Meer der Gotteslieb‘ und Kraft
Anbetend hinzusinken.

Wird die Gemeine nicht gestillt
Aus Deinem Heiligtume?
Sie lebt ja, weil es leben gilt
Nur ihrem HErrn zum Ruhme!

Führ‘ sie zum Streitermahl herein
Und heil in diesen Stunden
Ihr Innerstes, Seel‘ und Gebein
Durch Deine Todeswunden!

O dass der wahre Heldenmut
Des Zeugengeist’s auf Erden
In unser Aller Pilgerblut
Möcht ausgegossen werden!

Wir schwören Dir die Herzlichkeit,
Die Blutsverwandte fühlen,
Und wollen unsre Lebenszeit
Dir dienen und Dir spielen.

(1735.)

Zinzendorff, Nikolaus von – Zum heiligen Abendmahl.

Lamm Gottes, heiliger HErr und Gott!
Der Du uns tröstest in aller Not,
Und gibst Dich uns selber im Abendmahle:
Mach‘ uns bis hin zum Vollendungssaale
Dein Blut zur Kraft!

Das Blut, so Jesu vergossen ward,
Schmelzt unser Herze, wenn’s noch so hart,
Und macht es zu Seinen durchgrab’nen Füßen
Als ein geschmolzenes Wachs zerfließen
Durch Seine Glut.

Das Blut, das eh’mals vergossen ist,
Als unser König, HErr Jesus Christ,
Unsre Sünden büßte, das hilft den Seelen,
Die sich um ihre Verderbnis quälen,
Aus allem Bann.

Das ist die Ursach der Seligkeit,
Das ist das einzige Hochzeitkleid,
Drin man ehrlich bleibet; sonst wird man irre,
Und mit dem größesten Angstgewirre
Hinaus getan.

So geht’s im Reiche der Gnaden zu,
So geht’s im Sitze der ew’gen Ruh‘!
Die das Kleid der Unschuld und Gnade tragen,
Dürfen dereinst auch im Meere baden
Der Herrlichkeit!

Dies Blut ist’s Zeichen an uns’rer Tür;
Das hält der Glaube dem Tode für,
Dass der Seelenwürger uns nicht kann rühren,
Wenn er und seine Genossen spüren
Des Siegels Kraft.

Wenn eine Seele begnadigt ist,
Und Du, mein Heiland, ihr Alles bist,
Hat sie Durst und Hunger nach Deinem Blute,
Und nach dem Leibe, der uns zu gute
Den Tod geschmeckt.

Wenn wir nur haben den ew’gen Trost,
Der Dich Dein Leben und Blut gekost’t;
Und im Abendmahle die selge Speise,
Den süßen Wundertrank auf die Reise
Zur Ewigkeit.

So bleiben wir unverändert froh;
Wir schmecken, sehen und fühlen so
Unsern süßen Heiland, und alles Lehren,
Das auf was Andres uns wollte kehren,
Ist uns ein Fluch.

Ja, wenn ein Engel vom Himmel käm‘,
Und Wundersprachen gar mit sich nähm‘,
Uns von Jesu Kreuze hinwegzuführen,
Wollten kein Wort wir mit ihm verlieren:
Wir bannten ihn. (Gal. 1, 8. 9.)

(15. Novbr. 1740.)

Zinzendorff, Nikolaus von – Bei dem ersten Abendmahle.

Ist’s? ja, es ist geschehen:
Ich habe Gott gesehen;
Er hat sich eingefunden,
Und sich mit mir verbunden.

Er hat mich armen Kranken
(O sel’ge Friedsgedanken!)
Zu Seinem Tisch geleitet,
Und Abendmahl bereitet.

Wie dank‘ ich’s Seiner Liebe,
Die, aus dem treusten Triebe,
Sich, um mich zu erheben,
In’s Niedrige gegeben!

Wie dank ich’s Seinem Herzen,
Das so viel herbe Schmerzen
Für mich, der sie verschuldet,
Aus lauter Lieb‘ erduldet!

Wie dank‘ ich’s Seinem Leiden,
Dem Ursprung meiner Freuden!!
Wie dank‘ ich’s Seinem Stöhnen
Und heißvergossnen Tränen!

Wie dank‘ ich’s Seinem Dürsten,
Da Ihm, dem Lebensfürsten,
Die Zung‘ am Gaumen klebte,
Auf dass mich Kraft belebte!

Wie dank‘ ich’s Seinem Sterben!
Es hilft mir vom Verderben;
Sein letztes Angstgetöne
Klingt meinen Ohren schöne.

Die Fahrt zur Grabesschwelle
Und zu der Tür der Hölle
Bewahrt mich vor den Schlünden,
Die nimmer zu ergründen.

Du herzvertraute Liebe,
Entzünde meine Triebe,
Damit sie ohne Schweigen
Von Deiner Tugend zeugen!

Lass Deinen Tod und Sterben
Dein ritterlich Erwerben
Den hartgebund’nen Seelen
Mich öffentlich erzählen!

Und nach dem teuren Mahle
Gib, dass ich Dir bezahle
Die seligen Gelübde,
Darin sich Jesus übte! (Joh. 4, 34.)

Es werd‘ an mir gesehen
Dein Tod und Auferstehen,
Dein Kampf und Überwinden,
Dein Suchen und Dein Finden!

(1714.)