Waldis, Burckardt – Psalm 149

Ein Ermanung zur Dancksagung, für die grosse gnaden Gottes.

1. Singet dein HERREN ein newes lied,
ir Heylgen solt jn ehren!
Frew dich, Israel, förcht dich nit,
in Christo deinem HERREN!
Die kind Zion
solln wunne han,
sich jres königs frewen,
ir gwissen gar vernewen.

2. Seinn Namen solln loben auffs best,
im hertzen frölich spielen,
Daß Er sein gnade scheinen leßt,
barmhertzigkeyt bei vielen,
An jn vor alln
hat wolgefalln,
hilfft armen vnd Ellenden
herrlich an allen enden.

3. Die heylgen sollen frölich sein,
sein wolthat Ewig preisen
In seiner Christlichen gemeyn,
da Er thut gnad beweisen,
Ir mund erzel
sein Göttlich bfehl,
daß sie von Sünd vnd schaden
vnd todts not sind entladen.

4. Drumb sollen sie das scharpffe schwerdt
stedts han in jren henden,
Welchs seel, geyst, marck vnd beyn durchfert,
zerschneidts an allen enden,
Daß sie der raach
recht kommen nach,
straff vndern Heyden üben,
durchs gsetz das hertz betrüben.

5. Ward aller menschen grechtigkeyt
durchs gsetz geschlagen nider,
Das Euangelion bei zeit
kumm, tröst den Sünder wider,
Daß sich niemandt
in keynem Stand
darff rhümen seiner wercke,
kunst, weißheyt, krafft vnd stercke.

6. Auff das der HERR alleyn hab recht,
wie dauon ist geschriben,
Daß die Sünd vom menschlichem gschlecht
durch gnad wirt auß getriben:
So wirt man frumm,
das ist der rhum
den alle heilgen haben,
drumb sie Gott Ewig loben.

Waldis, Burkhardt – Hertzog Heinrichs vō Braunschweigs klage Liedt

1. Ich stundt an einem Morgen
heimlich an einem ort,
Da hett ich mich verborgen,
ich hort Klegliche wort
Von einem Wolff, der klagt sich sehr,
wie jm sein Nest verstöret,
sein Balck zurrissen wer:

2. O weh mir armen Gwelffen,
wie ist mein nodt so gross!
Will mir kein freundt jtzt helffen?
wie steh ich hie so bloss:
Auff die ich mich vorlassen han
sein all von mir abtretten,
sind nicht ein trewen Man.

3. Ich hett mich hoch vermessen
vnd war gar viel zu kün,
Docht mein Ross solt han gfressen
den Rauten Krantz so grün,
Den bundten Hundt zerrissen gar,
Lewen vnd Bern verschlungen
alsambt mit haut vnd har.

4. Drumb liss ich mich fast sehen
mit Ritterlicher that,
Mit schenden vnd mit schmehen,
mit list vnd falschem Rath,
Mit lügen vnd vorreterey,
stifft bey mein Bundgenossen
viel heimlich Meuterey.

5. Man sagt, ich hab mit Brennen
vnd Mord viel schaden than,
Mit rauben, vberrennen
beschedigt manigen man:
Das klagt beid Gosslar vnd Braunschweig,
zu Pless der Eseltreiber,
zu Eimbeck Heinrich Deick.

6. Zum Berlyn Simon Fincken
vber mich gsungen hat,
Zu Schening liss vorsincken
wol in den Wall, vorstath,
Doctor Delingshausen gnant,
der ist jtzt auffgegraben
vnd warhefftig erkant.

7. Zwey schwerter sahe ich glüen
in einem Feur gar heiss:
Der Rauten Krantz wolt blüen,
gar bald brach mir der schweiss,
Der Lew zog neben jm daher:
ich erwischt das Hasen Baner,
meins bleibens war nicht mehr.

8. Ein Vater het erkoren
dort oben an der Elb,
Hat mir ein Eid geschworen,
er wolt mir helffen selb:
Baldt ward er nicht gesehen mehr,
jck wolt, das Gott im Himel
für jn gestorben wehr.

9. Ich bath mein langen Bruder,
ders Wasser tretten kan,
Das er zuricht sein Ruder
vnd brecht sein Segel an,
Vnd fürd sein Schifflein in den Sund:
da wars im hwy versuncken
am Schagen in den grundt.

10. Bald thet ein Briefflein schreiben
auff einen Roten hudt,
Er wölt sein Redlein treiben,
das meine sach würd gut:
Da bleib ich aller hülffen loss,
denn er must selbst entrinnen
von seinem schwarzen Schloss.

11. Scharlach kan mich nicht decken,
breit hüt fürm heissen schein:
Ich weiss gut frische Wecken,
da will ich beissen ein,
Das ich meins hungers werd ergetzt,
jhr Pferd hau sie gesattelt,
jhr Spies vnd schwerd gewetzt.

12. Die liessen mich auch in sorgen,
vmb Gleid den Adler badt:
Da must ich frü am Morgen
gar heimlich aus der Stadt:
Ich fand kein trost gantz vberal,
all welt hett mich verlassen,
doch tröst mich Belial.

13. Er sprach ›lass dich nicht dempfen,
du trewer Diener mein:
Wöllest Ritterlich kempfen,
ich will stets bey dir sein:
Der Bapst hat noch viel gelt vnd Gut,
den will ich dahin treiben,
das er dir helffen thut.‹

14. Da nam ich Harnisch, Waffen,
mein Schwerdt vmb mich gegürdt,
Sprach ›lass ein wenig offen,
Pluto, mein lieber Wirdt:
Gar bald ich wider zu dir kum,
der Bapst hat aus geschrieben
ein new Concilium.‹

15. Doch hab ich mich keins guten
zum Bapst vnd meinem Gott
Hinfürbas zu vermuten,
weil jtzt all Welt jr spot
Mit jnen treibt vnd gar verflucht,
scheltens für grosse Narren
wehr hülff bey jnen sucht.

16. Ach, das jtzt noch wolt gelten
wie vormals in der Welt
Des Bapsts Fluch, Bann vnd schelten,
vnd Brieff die man obs Gelt
Verkaufft, so wolt ich mich noch wern,
die Luttherischen Buben
vnd Letzer mores lern.

17. Mann sagt mir einst ein possen,
beym menschen wehr kein heil,
Solt mich nicht drauff verlossen,
die schlügen alle feil
Vnd wehr kein glaub auff Erden mehr:
jtzt werd ichs selber jnnen,
empfinds auch all zu sehr.

18. Ich traut auff Wolffenbüttel,
mein starck vnd festes Schloss:
Itzt hilffts mich nicht ein Tüttel,
dazu mein weisses Ross,
Dahinder ich zu Fuss mus ghan:
die schwerter hants zerhawen,
die Katz frist jtzt danon.

19. Cain, du Fürst der Welte,
dich ruff ich jtzund an.
Pharao, du starcker Helte,
auch Saul, du theurer man,
Achitophel, du trewer Rath,
Absolon vnd Semei,
ewer gleich man jtzt nicht hat.

20. Nero, Domiciane,
euch folg ich willig nach.
Caligula, Juliane,
jr strebt allzeit nach Rach:
Bey euch ich Ewig bleiben muss,
helfft, das ich müg erlangen
am end des Judas buss.

21. Dabey lass ichs jtzt bleiben,
weil ich nicht weiter kan:
Was sie reden vnd schreiben
muss ich geschehen lan:
Damit beschlies ich das gedicht,
kan ich mich aber rechen,
so lass ichs warlich nicht.

Waldis, Burckardt – Psalm 127

1. Wo Godt nicht sülffst dat huß vpprycht
vnd schaffet alle dynck dar jnne,
So ys myt vns nicht vthgericht,
vorlarn ys starck vnd synne.
All möy vnn sorg vorgeues gheyt,
wo Gades hülp nicht by vnns steyt,
all arbeyd ys vorlaren.

2. Wo God nicht sülffst bewart de stadt
vnn buwet all törn vnd döre,
Dar helpt nën gelt noch minschen rath,
all arbeydt ys vorlaren:
Wo Godt nicht hefft tho waken lust,
dar ys all höde vnd wacht vmme sust,
all kunst vnd lyst moth vallen.

3. Darum mercket vp vnd seet nhu an,
de gy ane louen lëuen,
Juwe brodt söken myt fro vpstan,
he wylt also nicht geuen:
De en früchten, den valt ydt tho
ym slap ane alle noth vn möy,
de syner guad vorwachten.

4. Des lyues frucht all mynschen kindt
synth ock van Got eyn erue,
Vnn gyfft tho lon wem he se gönt,
he leth nement vordernen:
Myt segen he all dynck eruült,
dorch en wert hunger, dorst gestylt
vth rechter gnade vnd güde.

5. De pyl synt yn des Resen macht,
wenn he wyl ghan tho stryde,
Vnd schutt se wor he se hefft gedacht
tho rechter stedt vnd tyden:
So synt all minschen yunck vnde oldt
yn Gades macht vnnd syner ghewalt,
he wyl se al vorsorgen.

6. Darumm lath vns truwen vp syn wort
vnd seen vp synde hande:
He wert vnns helpen hyr vnd dort,
wy werdē nicht tho schanden:
Den köker he vns vüllen wyl,
so hebbe wy gewunnen spyl
vor vusen vyenden alle.

Amen.

Waldis, Burckardt – De 127. psalm

1. Wo Godt nicht sulffs dat huß vpricht
vnd schafft all dingk darynne,
Szo ist mit vnß nicht vthgericht,
vorlorn ys sterck vnd synne,
All möyg vnd sorg vorgenes geyth,
wo gades hülp nicht by vnß steyt,
all arbeydt ys vorloren.

2. Wo godt nicht sulffs bewart de Stadt
vnd buwet alle thörn vnd dore,
Da helpt keyn geldt noch mynschen radt,
all sterck vnd macht verlörenn,
Wo godt nicht hefft tho waken lust,
da ys all hode vnd macht vmm süst,
all kunst vnd list moth vallenn.

3. Darumm merckt vp vnd seht nu ann,
de gy ane glouen leuenn,
Iw brodt söken mit vro vp stann,
he willt alßo nicht geuenn:
De ohn früchten, den velt ydt tho
imm slaep, ane alle noth vnd möyg,
de syner gnad vorwachtenn.

4. Des lyues frucht all mynschen kyndt
sindt ock van gade eyn erue,
Vnd gifft tho lohn wem he ße günth,
he leth nemandt vorderuenn.
Mit ßegen he all dingk erfüllt,
dorch ohn werdt hunger, dorst gestillt
vth rechter gnad vnd güde.

5. De pyll sindt ynn des Reßen macht,
wann he will gan tho stryde,
Vnd schüth ße wor he hefft gedacht
tho rechten stede vnd tydenn:
Szo sindt all mynschen yungk vnd alt
inn gades macht vnd syner gewaldt,
he will ße all vorsorgenn.

6. Drumm lath vnß truwen vp syn wordt
vnd sehn vp syne hande:
He werdt vnß helpen hir vnd dortt,
wy werden nicht tho schandenn,
Den kocker he vns vüllen will,
ßo hebben wy gewunnen spill
vor vnßen vyenden allenn.

Amen.

Burkard Waldis – Gott lob, dass wir die Gottes Kraft

1.) Gott lob, dass wir die Gottes Kraft
In aller Welt jetzt sehen.
Sein Wille das Evangeli schafft
Und müssen’s lan geschehen.
Ob man jetzt tob und mach’s auch grob,
Schafft’s dennoch seinen Willen.
Man lauf, man renn‘, man köpf‘, men brenn‘
Wird’s g’wisslich niemand stillen,
Es muss sein Lauf erfüllen.

2.) All, die sich aber geben drein,
Und lassen’s fröhlich walten,
Sollen von Sünden werden rein
Und durch dasselb‘ erhalten.
Die ihre Herz‘ nicht dort hinwärts
Nach loser Lehre biegen,
Nicht sein bereit zu falschem Eid,
Die werden dadurch siegen,
Sünd‘, Tod und Höll‘ betrügen.

3.) Sie soll’n den Segen von dem Herrn
Und G’rechtigkeit empfangen.
Gott wird sein Heil an den‘ vermehrn,
Die danach tun verlangen.
Des Herrn Geschlecht bleib allzeit recht,
Die seinem Wort nachjagen,
Tut ihn‘ zu Stund‘ sein‘ Willen kund,
Wenn’s ihm fleißig nachfragen.
Niemand wird sie verklagen.

4.) Darum, ihr Herrn, wollt‘ wacker sein,
Eu’r Tor macht hoch und weite.
Es zieht der Ehrenkönig ein,
Der mächtig ist im Streite.
Ob jemand zagt, weiter nachfragt,
Wollt ihn halten verdächtig,
Dem sag’n wir, dass sich drauf verlass,
Er ist der König mächtig,
Im Streit stark, g’waltig, prächtig.

5.) Drum tut frisch fröhlich auf eu’r Tor,
Es soll euch sein eu’r Schaden.
Der Ehrenkönig ist davor,
Er kommt mit großen Gnaden.
Fragt weiter nicht und seid bericht,
Er ist der Ehrenkönig.
Der rechte Gott, Herr Zebaoth,
Seid ihm nicht widerspännig
Und seid ihm untertänig.

6.) Dess dank’n wir Gott für solche Gnad
Und woll’n an ihm nicht zagen,
Der uns so hoch begnadet hat
Jetzt in den letzten Tagen,
Durch Jesum Christ, der für uns ist
Zum Opfer übergeben,
Vergoss sein Blut, uns all’n zu gut,
Auf dass wir in ihm leben,
Ewig in Freuden schweben.

Waldis, Burcard – Psalm CL.

Ein Lob- und Dankpsalm, daß Gott sein Kirch erhält, den Herren Christum und sein Wort uns geben hat.

Lobt Gott in seinem Heiligthum,
Ihr Christen hie auf Erden,
Sagt ihm Lob, Dank Preis, Ehr und Ruhm,
Sein Wort verbreit muß werden,
Sein Wunderthat, dadurch er hat
Sein Macht uns wollt beweisen,
Sein Herrlichkeit zu preisen,

Daß er Christ, seinen lieben Sohn,
Für unser Sünd hat geben,
Durch den wir Gnad beim Vater han,
Durch seinen Tod das Leben,
Von Sünden fein die Gwissen rein
Fröhlich für Gott zu treten,
Abba zum Vater beten,

Daß solchs sein Wort verkündet werd
Bei allen Menschen Kinden,
Sich vom Anfang zum End der Erd
All Völker zu ihm finden.
Was Athem hat, laß solche Gnad
Mit Lob und Dank erklingen
Und Halleluja singen.

Waldis, Burcart – Psalm XXIII.

Eine Weissagung vom Reich Christi, und daß ihn alle Welt annehmen solle.

Gott Lob, daß wir die Gottes Kraft
In aller Welt jetzt sehen;
Sein Wille das Evangeli schafft,
Und müssens lan geschehen.
Ob man jetzt tob und machs auch grob,
Schaffts dennoch seinen Willen.
Man lauf, man renn, man köpf, man brenn,
Wirds gwißlich niemand stillen;
Es muß sein Lauf erfüllen.

All, die sich aber geben drein
Und lassens fröhlich walten,
Sollen von Sünden werden rein
Und durch dasselb erhalten.
Die ihre Herz nit dort hinwärts
Nach loser Lehre biegen,
Nit sein bereit zu falschem Eid,
Die werden dadurch siegen,
Sünd, Tod und Hell betriegen.

Sie sölln den Segen von dem Herrn
Und Grechtigkeit empfangen.
Gott wird sein Heil an den vermehrn,
Die darnach thut verlangen.
Des Herrn Geschlecht bleibt allzeit recht,
Die seinem Wort nachjagen,
Thut ihn zu Stund sein Willen kund,
Wann ihm fleißig nachfragen;
Niemand wird sie verklagen.

Darumb, ihr Herrn, wöllt wacker sein,
Eur Thor macht hoch und weite.
Es zeucht der Ehrenkönig rein,
Der mächtig ist im Streite.
Ob Jemand zagt, weiter nachfragt,
Wollt ihn halten verdächtig,
Dem sagen wir, daß sich drauf verlaß,
Er ist der König mächtig,
Im Streit stark, gwaltig, prächtig.

Drumb thut frisch fröhlich auf eur Thor,
Es soll euch sein ohn Schaden;
Der Ehrenkönig ist davor,
Er kommt mit eitel Gnaden.
Fragt weiter nicht und seid bericht,
Er ist der Ehrenkönig,
Der rechte Gott von Zebaoth;
Werd ihm nit widerspännig
Und seid ihm unterthänig.

Deß dankn wir Gott für solche Gnad
Und wölln an ihm nit zagen,
Der uns so hoch begnadet hat
Jetzt in den letzten Tagen
Durch Jesum Christ, der für uns ist
Zum Opfer übergeben,
Vergoß sein Blut uns alln zu gut,
Auf daß wir in ihm leben,
Ewig in Freuden schweben.

Waldis, Burkard – Psal. CXXXIII. Ecce quam bon.

Ein Ermanung zur eynigkeyt, wie Gott glück und segen darzus geben wölle.

HUbsch ist das Regiment gefaßt
in geystlich weltlich ständen,
Wo einer tregt des andern last
und sich an allen enden
Der reiche man hertzlich nimbt an
des ellenden und armen
und leßt sich sein erbarmen.

Das ist köstlich und wolgethan,
wie der balsam thut fliessen
Herab von dem haupt Aaron,
thut seinen bart begiessen
Und sich außbreyt rab in sein kleyd,
so ist die lieb auch mechtig
bei den brüdern einträchtig.

Wie der taw felt vom Hermon rab,
die berg Zion thut netzen,
So steigt die lieb auch auff und ab,
das traurig zu ergetzen,
Ein ander liebt, den feyl vergibt,
zur wider lieb erwecket,
des nechten schand bedecket.

Wanns bei den Christen so zugeht,
freuntlich beinander wonen,
Das Regiment in friden steht,
sie einander verschonen,
Daselbst wont Gott mit voller gnad,
verheyßt und wil auch geben
segen und seligs leben.

Dafür solln wir jm dankbar sein
und seinen Namen loben,
Daß Er allhie sein Christlich gmein
gar reichlich thut begoben,
Durch Christum werdt, der hie auff erdt
ist für uns all gestorben,
die seligkeyt erworben.

Waldis, Burcard – Psalm XIX. Coeli enarrant.

Quelle aller Waldis-Lieder: Der Psalter In NEwe Gesangs weise, und künstliche Reimen gebracht, durch Burcardum Waldis. Mit ieder Psalmen besondern Melodien und kurtzen Summarien.“ Am Ende: „Getruckt zu Franckfurt am Meyn, bei Christian Egenolff. Anno M.D.Liij. Im Mayen.“ 8°.

Lob und weissagung von herlicheyt des Euangelij in aller welt.

GOtt lob, daß uns ietz wirt verkundt
die Euangelisch lehre!
Himel und erdt mit vollem mundt
erzelen Gottes ehre
Bei tag und nacht mit grossem pracht
an allem ort auff erden,
Ein iede sprach gibts selber nach,
daß mög gepredigt werden
on hindern und geferden.

Die Apostolisch leer her bricht,
reycht biß an der welt ende;
Ir richtschnur hats dahin gericht,
laufft wie die Sonn behende,
Die sich entprent in Orient
und geht den Abend nider,
Mit jrem glantz erleuchtet gantz,
jr hitz erfrewets wider,
machts fromb, gerecht und bider.

So thut das Euangeli auch,
wanns die Seelen erquicket:
Wo sein zeugniß geht recht im brauch,
und mann sich fein drein schicket,
Machts weiß und klug mit gutem fug
die albern und elenden,
Erfrewt das hertz und brengts fürwertz,
erleucht an allen enden
all, die sich zu jm wenden.

Dann wer recht hat des HERREN forcht
der wirdt wol ewig bleiben
Und seinem heilgen Wort gehorcht,
welchs er jm läßt fürschreiben.
Das han wir hold besser dann gold,
gar süß wie honig schmecket,
Macht all sein knecht fromb und gerecht,
auch von dem todt erwecket,
mit gnad all sünd bedecket.

Der menschen fehl sind manigfalt,
die wölst uns, HERR, verzeihen!
Uns an der rechten leer erhalt,
und gnad darzu verleihen,
Von falschem rath und missethat
unschuldig mögen leben!
Laß gfallen dir Wort, Werck und bgir,
deinn segen da zu geben,
daß wir dich hoch erheben!

Wir dancken dir, Got vatter werdt,
und wölln dich immer loben,
Der du uns armen hie auff erd
gar reichlich thust begaben
Durch Jesum Christ, der selber ist
für unser sund gestorben
Und durch sein blut uns alln zu gut
den himel hat erworben,
sunst wern wir all verdorben.

Waldis, Burkard – Psalm 21.

Dankpsalm von der Herrlichkeit und ewigen Reich Christi und Sieg wider alle seine Feind.

1553

Herr Gott in deinem höchsten Thron,
Wie ist der König Christ dein Sohn
So hoch bei dir erkläret.
Was er wünschet, giebst ihm zu Stund,
Weigerst nit, was dich bitt sein Mund
Und was sein Herz begehret.
Dein Güt und Segen muß er han,
Setzst auf sein Haupt ein güldin Kron.
Er bitt dich umb das Leben,
Das willt ihm ewig geben.

Giebst ihm dein Hilf und ewig Ehr,
Daß alle Wilt dring zu ihm her,
Mit Lob thust du ihn schmucken;
Hast ihn zum Gnaden Stuhl gesetzt,
In ihm sichs freut und alls ergetzt
Und muß sich vor ihm bucken,
Auch ihm all werden unterthan,
Denselben König beten an.
Der wird wol ewig bleiben.
Wer will sich an ihn reiben?

Es strafts gar hart dein rechte Hand,
Die dem König thun Widerstand
Und sein Reich wöllen hassen;
Verstoßest sie in deinem Zorn,
Daß sie ewig werden verlorn,
Wirst keinen leben lassen.
Ihr Frucht und all ihrn Menschen Tand,
Auch was sie lehren allesammt,
Das wirst du gar ausrotten
Und all ihr Thun verspotten.

All die bös Anschläg han bedacht,
Die hast du all zu nicht gemacht,
Daß sie jetzt leiden müssen;
Dein Last auf ihre Schultern glegt,
Mit Scham und Schand hast sie bedeckt,
Müssens mit Schaden büßen.
Aber deim König giebst du Kraft,
Hast ihm ein ewig Reich verschafft.
Für solch himmlische Gaben
Wölln wir dich ewig loben.

Preis sei dem allmächtigen Gott,
Der im Anfang erschaffen hat
Alls in Himmel und Erden;
Seim Sohn, der uns erlöst aus Gnade
Von allem Unglück, Sünd und Tod,
Und wollt der Mittler werden;
Den heilgen Geist, den Tröster gut,
Der uns für Sünd und Schand behüt,
All, die wir ihm vertrauen,
Im Glauben auf ihn bauen.