Unbekannt – Ein Kind geboren zu Bethlehem

EIn kind geborn zu Bethlehem,
des frewet sich Jerusalem.
Hale, Haleluia.

Das öchslein und das eselein
erkandten Gott den HErren sein.
Hale, Haleluia.

Die König aus Saba kamen dar,
Gold, weyrauch, myrrhen brachten sie da.
Hale, Haleluia.

Sein mutter ist die reine magd,
die on ein man geboren hat.
Hale, haleluia.

Die schlang jn nicht vergifften kund,
ist worden unser blut on sund.
Hale, Haleluia.

Er ist gar uns gleich nach dem fleisch,
der sunden nach ist uns nicht gleich.
Hale, Haleluia.

Damit er jm uns machet gleich,
und wider brecht zu Gottes reich.
Hale, Haleluia.

Für solche gnadenreiche zeit
sey Gott gelobt in ewigkeit.
Hale, Haleluia.

Unbekannt – FReud euch, jr Christen,

Ein new lied von der geburt Christi.

(„Geistliche lieder und Psalmen rc.“ Am Ende: „Gedruckt zu Magdeburg durch Michel Lotther. M. D. XL.“ in klein 8°, Blatt 98)

FReud euch, jr Christen,
freud euch von hertzen sehr!
Euch ist geboren Christus,
warlich, recht gute mehr!
Es singen uns die Engeln
aus Gottes hohem tron,
gar lieblich thun sie singen,
verwar, ein süssen thon.

Also thum sie singen:
das Kindelein ist euch holt,
Es ist des Vaters wille,
der hats also gewolt;
Es ist euch dar gegeben,
dadurch jr soldet han
des Vaters gunst und segen,
sein gnad ist uns auffgethan.

Nicht last euch nu erschrecken
sein klein gring gestalt:
Was thut er darunter decken?
sein mechtige gros gewalt.
Es leit wol jnn der Krippen,
jnn elend, jamer gros,
doch ist er aller dinge
ein HErr, sein macht hat keine mass.

Todt, Teuffel, helle,
die han den sieg verlorn,
Das Kindelein thut sie fellen,
nicht viel gilt jtzt jr zorn;
Jr macht die ist gekrencket,
do ist kein zweiuel dran,
Das kindelein sie fellet,
das sey euch kund gethan.

Unbekannt – Ein schön new Vater unser,

in gesang weise.

(Aus dem Val. Babstschen Gesangbuche von 1545, II. Nro. XL.)

VAter unser, der du bist,
Kyrieleison!
Gib uns zur kennen Jhesum Christ.
Vater mein,
erbarm dich unser auff erden,
das wir deine liebe kinder werden!

Vater! verley uns ware rew,
Kyrieleison!
Und teil uns mit dein veterliche trew.
Vater mein,
erbarm dich unser auff erden,
das wir deine liebe kinder werden!

Geheilget werd dein Göttlicher nam,
Kyrieleison!
Dein heiligs wort werd uns bekandt.
Vater mein,
erbarm dich unser auff erden,
das wir deine liebe kinder werden!

Zukom uns dein heiliges reich,
Kyrieleison!
Hilff, das wir deine erben sein.
Vater mein,
erbarm dich unser auff erden,
das wir deine liebe kinder werden!

Dein wil gescheh an uns so schon,
Kyrieleison!
Auff erden als in himels thron.
Vater mein,
erbarm dich unser auff erden,
das wir deine liebe kinder werden!

Hilff uns aus der sunden not,
Kyrieleison!
Gib uns heut das tegliche brod.
Vater mein,
erbarm dich unser auff erden,
das wir deine liebe kinder werden!

Verzeyh uns, Vater, unser schuld,
Kyrieleison!
Und teil uns mit dein Göttliche huld.
Vater mein,
erbarm dich unser auff erden,
das wir deine liebe kinder werden!

Als wir auch unsern schuldigern thon,
Kyrieleison!
Las uns nicht in versuchung ston.
Vater mein,
erlös uns von ubel, Amen,
das wir zu deiner gnaden komen!

Denn dein ist das reich und die krafft,
Kyrieleison!
Die herrligkeit und alle macht.
Vater mein,
erbarm dich unser auff erden,
das wir deine liebe kinder werden! Amen.

Unbekannt – Ein schöner Abendreihen

Wie steht ihr allhie und wartet mein
Und meint, ich soll euer Vorsinger seyn?
Soll ich denn nun singen, so hört mir zu:
In dem Gesetz ist weder Rast noch Ruh.
Das Gesetz richtet nichts denn Zoren an
Und kein Mensch lebet, der es halten kann.
Nun muß es dennoch erfüllet seyn,
Darum schickt Gott seinen Sohn herein.
Derselbig ist worden unser Schild,
Er hat des Vaters großen Zorn gestillt.
Denn er hat dem Gesetz genug gethan
Vor jedermann, der nur glauben kann.
Es hat ihn kostet sein rosenfarbes Blut,
Am Kreuz trug ers alls uns zu gut.
Des saget Lob und Dank in Ewigkeit,
Daß er uns behüte vor allem Leid. Amen

Unbekannt – Ergebung in Gottes Willen (Was mein Gott will)

WAs mein Gott will, das geschehe allzeit,
sein wil der ist der (aller)beste.
Zu helffen den er ist bereit,
die an jn glauben feste.
Er hilfft auß not
der fromme Gott,
er tröst die Welt mit massen.
Wer Gott vertrawt,
fest auff jn bawt,
den wil er nicht verlassen.

Gott ist mein trost, mein zuuersicht,
mein hoffnung und mein leben.
Was mein Gott wil, das mir geschicht,
wil ich nicht wider streben.
Sein wort ist war,
denn all mein harr,
er selbest hat gezelet;
Er hüt unnd wacht
stets für uns tracht,
auff das uns gar nichts fehle.

Nun muß ich (armer) Sünder von dieser Welt
hinfaren in Gottes willen,
Zu meinem Gott, wens jm gefelt,
wil ich jm halten stille.
Mein arme seel
ich Gott befehl
in meiner letzten stunden:
Du frommer Gott,
Sünd, Hell und Todt
hast du mir uberwunden!

Noch eins, Herr, wil ich bitten dich,
du wirst mirs nicht versagen:
Wenn mich der böse Geist anficht,
laß mich, Herr, nicht verzagen,
Hilff und auch wehr,
ach Gott, mein Herr,
zu ehren deinen Namen.
Wer das begert,
der wirdt gewert,
drauff sprech ich frölich Amen!

Unbekannt – Kürzlich hab ich mich bsunnen

„Ein schön geistlich lied zuo Gminden gemacht in großer triebsal.“

Im ton: Ich stuond an einem morgen.

1 Kürzlich hab ich mich bsunnen
in meines herzens grund,
daß ich mit meinem munde
mein briedern mache kund,
wie alle welt ietz toben tuot
wider die gottes knechte;
man raubt inen leib und guot!

2 Got tet auß gnaden sechen
auf aller menschen kind;
groß lob wir im verjechen:
wir waren alle blind,
sein heiligs wort er zu uns sandt;
dem solen wir auch glauben,
ablegen allen tant.

3 Das wort teten bekenen
vil leit in deutschem land,
liesen sich christen nenen,
vermainten, ir sind und schand
sol inen unverwisen sein,
es wär gnug an den worten;
sie fierten ein guten schein.

4 Darnach tet es sich siegen,
da es Gott daucht rechte zeit,
sein wort kan nit betriegen,
wie Esaias schreibt,
es tut sein werk vollenden schon,
nit lär es wider keret,
es fiert auf rechte ban,

5 last nit zu schanden werden,
die herzlich trauen drauf,
die man auf diser erden
schmechet mit dem widertauf,
als ob sie wären gefallen ab,
von Gott abtrinig worden,
bekert zum Belial.

6 Die doch von herzen begeren,
was Gott geboten hat,
und mit der tat bewären,
o vil Gott sein gnad zu lat,
mießen ietz wiedertaufer sein!
O Gott, tu uns erretten,
die sach ist ainig dein!

7 Willig tun sie verzeichen
von herzen iederman,
den armen sie gern leichen
und hoffen nicht darvon;
füer ire feind sie bitten tun,
das hab ich wol gesechen,
in ires todes stund.

8 Kürzlich ist es geschechen,
daß man sie bewäret hat,
iren glauben hat man gsechen
zuo Gmindt wol in der stat;
ob wol der feind sucht manchen list,
daß er sie möcht ab fueren,
im nit gelungen ist.

9 Einen knaben teten sie fachen,
der was umb sechzechen jar,
mit im den turen machten,
ist kund und offenbar,
daß er darinen gelegen ist
ganz hörtiglich gefangen
gar nachent ein jares frist.

10 Noch blib er unbeweget,
als oft man zuo im kam.
Zuo im wurden geleget
noch andere sechs christen man,
gefangen umb ir leben frei;
den herren teten sie loben –
der ist in gstanden bei.

11 Als es nun zeit ist gwesen,
auß diser welt zuo gan,
hat man inen vorglesen,
ob sie darvon wolten stan;
so sollten sie unbekumert sein,
zuo iren weib und kinden
widerumb keren haim.

12 Frölich teten sie jechen
zuo iren feinden gschwind:
„Wir haben Gott ergeben,
weib und auch unser kind;
der selbig sie wol erneren kan,
des haben wir kein zweifel,
wir wollen willig dran.“

13 Es kam auch her geritten
zuom knaben in den ring
ein edler, tet in bitten
und sprach: „Mein liebes kind,
ste du von disem irtumb ab,
ein pfriend wil ich dir geben
und dich allweg bei mir han.“

14 „Solt ich mein leben lieben,
und Gott darumb verlan,
auß disem creuz mich schieben?
es stuond mir übel an.
Dein guot uns beiten nit helfen mag;
ich wil eins bößern warten,“
sprach der jung unverzagt.

15 „In meines vaters reiche,
der mich erwelet hat,
werden all ding wol gleiche,
darumb so laß darvon!
der mich all zeit erhalten hat;
dem wil ich ghorsam laisten
ietz in der letzsten not.

16 „Zuo dem wir sollen schreien
auß unsers herzens grund,
daß er uns gnad verleiche,
wan es nun darzuo kumbt,
ja wan wir solten schaiden ab,
daß wir von im nit weichen,
erlangen die ewig kron.“

17 In dem wart angefangen
von trumen ein groß getön.
mit spießen und mit stangen
war es ein großes hör;
dem vater aufgeopfert ward
das bluot seiner gerechten,
wie ers verortnet hat.

18 Das alles ist ergangen,
das sag ich euch fir war,
da man hat angefangen
zelen ain und dreißig jar
und auch finfzechen hundert damit,
nach gepurt Christi des herren,
der halt uns in seinem frid!

Unbekannt – Kyrie Paschale, deutsch

(Aus dem Val. Bapstschen Gesangbuche von 1545, L Nro. LX.)

KYrie,
Gott, aller welt schöpffer und Vater,
Eleyson!
Christe,
war Gott und mensch geborn,
der du für uns trugest Gottes zorn,
Eleyson!

Kyrie,
Heiliger geist mit Vater und Son ein Gott,
Eleyson!
Kyrie,
hilff uns, das wir in solchem glauben rein
dich anbeten allein
und bleiben die diener dein.
Eleyson!

Unbekannt – Mich rewt und klag

Im thon, Ich rew und klag.

Gedruckt zu Nürnberg, durch Friderich Gutknecht

MIch rewt und klag meine junge tag,
so ich unnutz hab verzeret
In üppigkeit, das ist mir leid,
Gottes wort nicht baß hab geleret,
In welchem wort mein trost und hort
ligt gantz und gar verborgen,
derhalb will lehrn, zum Wort mich kern,
es hilfft auß allen sorgen.

Das wort ist war, hell, lauter, klar,
es kan noch mag nicht liegen.
Wer jm fast glaubt, ist Gott sein haupt,
der Tod kan jn nicht trieben.
Erfürt auß pein zu Christo hinein,
der für uns hat geliten,
auch selbst verheist durch seinen Geist,
so wir im glauben biten.

On unterlaß will bitten baß,
biß Gott mich thut erhören,
Denn er ist trew, gibt gnad und rew,
das thu ich täglich spüren.
Wens ubel gat, beger ich gnad,
und laß jn mit mir walten,
obs fleisch wol felt, den Geist erhelt,
last er nicht gar erkalten.

unbekannt – O Herre Gott

A. H. Z. W.

1528

Nach V. Babst Geystl. Lieder. Leipz. 1545. 8. Nr. 1. Bogen Q. S. 2-5 Die Chiffre über dem Liede nach dem angeblichen, von Serpilius eingesehen „Original“. S. dessen Prüfung des Hohensteinischen Gesangbuchs S. 497. Olearius Ev. Liederschatz I, S. 125. schließt aus einer Andeutung bei Cyr. Spangenberg Arelsspiegel II, 20, daß P. Speratus der Verfasser sein könne.

O Herre Gott,
Dein göttlich Wort
Ist lang verdunkelt blieben,
Bis durch dein Gnad
Uns ist gesagt,
Was Paulus hat geschrieben.
Und andere
Apostel mehr
Aus deim göttlichen Munde;
Das danken dir
Mit Fleiß, daß wir
Erlebet han die Stunde,

Daß es mit Macht
An Tag ist bracht,
Wie klärlich ist für Augen.
Ach Gott, mein Herr,
Erbarm dich der,
Die dich noch itzt verlaugnen
Und achten sehr
Auf Menschen Lehr,
Darin sie doch verderben.
Deins Worts Verstand
Mach ihn bekannt,
Daß sie nicht ewig sterben.

Willt du nu fein
Gut Christen sein,
So mußt du erstlich glauben,
Setz dein Vertrau,
Darauf fest bau
Hoffnung und Lieb im Glauben
Allein durch Christ
Zu aller Frist,
Dein Nächsten lieb darneben,
Das Gwissen frei,
Rein Herz dabei,
Das kein Creatur kann geben.

Allein, Herr, du
Mußt sölches thun,
Doch gar aus lautern Gnaden.
Wer sich deß tröst,
Der ist erlöst,
Und kann ihm niemand schaden.
Ob wöllten gleich
Papst, Kaiser, Reich
Sie und dein Wort vertreiben,
Ist doch ihr Macht
Gen dir nichts gacht;
Sie werdns wol lassen bleiben.

Hilf, Herre Gott,
In dieser Noth,
Daß sich die auch bekehren,
Die nichts betrachtn,
Dein Wort verachtn
Und wöllens auch nicht lehren.
Sie sprechen schlecht,
Es sei nicht recht,
Und habens nie gelesen,
Auch nie gehort
Das edle Wort.
Ists nicht ein teuflisch Wesen?

Ich gleub gwiß gar,
Daß es sei wahr,
Was Paulus uns thut schreiben:
Ehe muß geschehn,
Daß alls vergeh,
Dein göttlich Wort soll bleiben
In Ewigkeit,
Wär es auch leid
Viel hartverstockten Herzen;
Kehrn sich nicht umb,
Werden sie drumb
Leiden gar großen Schmerzen.

Gott ist mein Herr;
So bin ich der,
Dem Sterben kömmt zu gute,
Dadurch uns hast
Aus aller Last
Erlöst mit deinem Blute.
Das dank ich dir;
Drumb wirst du mir
Nach deinr Verheißung geben,
Was ich dich bitt,
Versag mirs nit
Im Tod und auch am Leben.

Herr, ich hoff je,
Du werdest die
In keiner Noth verlassen,
Die dein Wort recht
Als treue Knecht
Im Herzn und Glauben fassen;
Giebst ihn bereit
Die Seligkeit
Und läßt sie nicht verderben.
O Herr, durch dich
Bitt ich, laß mich
Fröhlich und willig sterben.

Amen.

Unbekannt – Psalm 112.

Teutsch Kirchen ampt mit lobgesengen rcx. Getruckt by Wolff Köpphel. Straßburg 1525.

O jr knecht, loben den herren,
sein namen sollen jr eren,
Er ist lobsam gar wyt und breit
von jtzund biß in ewigkeyt.

Von vffgang hoch der sonnen schein
biß obent lobt den namen syn,
Uber alles volck der herr du bist,
dein eer über all hymmel ist.

Er wont so hoch, wer ist im gleich?
sicht herab in erd und himelreych,
Vom staub der erd macht er auffston
und auch vom kot den armen man.

Das er jn setz den fürsten gleich
und von ewig in seinem reych,
Macht wz unfruchtbar ist im huß
ein muter viler kinder Druß.

Eer dem vater, sun, heilgen geist,
der uns sein gnad in ewig leyst!