Magdalena Sibylla Rieger – Mein Jesu! lehr‘ mich beten!

Mein Jesu! lehr‘ mich beten!
Zeig‘, wie ich andachtsvoll
Vor Gott, den Vater, treten
Und mit ihm reden soll!
Du siehst mein Unvermögen;
Du kennest Fleisch und Blut,
Das gegen Gottes Segen
Oft lau und fremde tut.

Was beten sei, das lehre
Mich durch den Heilgen Geist!
Gib, dass ich nichts begehre,
Was Er nicht fordern heißt!
Zünd‘ heil’ge Lust und Liebe
In meinem Innern an,
Dass ich aus reinem Triebe
Mein Herz Dir bringen kann!

Wenn nun in deinem Namen,
O Herr, ich bitt‘ und fleh‘,
So sprich dazu dein Amen
Und gieb, dass es gescheh‘!
Sei Du vor deinem Vater,
Wie mir dein Wort verspricht,
Mein Mittler und Berater
Und meine Zuversicht!

Behüt‘ und stärk‘ den Glauben,
Dass er, wenn diese Welt
Ihn feindlich mir will rauben,
Den vollen Sieg behält!
In Dir darf froh ich hoffen,
Mein Bitten sei gewährt,
Zeig mir den Himmel offen,
Nach dem mein Herz begehrt! Amen.

Magdalena Sibylla Rieger – Höchster aller Namen

Höchster aller Namen,
Die vor Menschen kamen!
Jesu, Gottes Sohn!
Herr im Himmel droben,
Den die Engel loben
An des Vaters Thron!
Heiland! Du,
Der Menschen Ruh‘,
Der Du alle Seelen lenkest
Und auch mein gedenkest!

Du sollst hier auf Erden
Hoch geehret werden
Auch von mir mit Lust;
Komm‘ mir jetzt entgegen!
Wohn‘ mit deinem Segen,
Herr, in meiner Brust!
Du gabst Dich
Dahin für mich;
Ich will Dich mit heil’gen Trieben
Ewig dafür lieben.

Dich will ich nicht lassen,
Will Dich fest umfassen,
Bis Du ganz mir bleibst;
Bis Du voll Erbarmen
Auch mich Kranken, Armen
Dir selbst einverleibst.
Lasse mich
Nie ohne Dich!
Halte meinen Geist aufs Beste,
Treuer Heiland, feste!

Dir will ich mein Leben
Ganz zum Opfer geben,
Alles, was ich bin.
Gib, dass ich begehre,
Was auf deine Ehre
Freudig zielet hin!
Lass hinfort
Nach deinem Wort
Mich mein Tun und Lassen messen
Und Dich nie vergessen!

Hilfst Du meiner Seele,
Wenn ich Schwacher fehle,
Dann geht’s seliglich
Und ich kann gedeihen;
Auch die Engel freuen
Sich dann über mich,
Und ich werd‘
Schon auf der Erd‘
In des Himmels Vorhof stehen,
Licht und Wonne sehen.

Endlich, Dir willkommen,
Werd‘ ich aufgenommen
In das ew’ge Licht,
Nach der Engel Weisen
Immer Dich zu preisen,
Herr, von Angesicht.
O wie klar
Und wunderbar
Werd‘ ich dann mir zum Entzücken,
Jesu, Dich erblicken! Amen.

Magdalena Sibylla Rieger – Durchs Kreuz führt Gott die Seinen

Durchs Kreuz führt Gott die Seinen
dem Himmelreiche zu;
nach Klagen und nach Weinen
folgt Freude, Trost und Ruh,
So wird der Glaube klar,
so muss er überwinden,
muss rein sich lassen finden
bei Trübsal und Gefahr.

Nur durch ein kleines Streiten,
durch kurze Probezeit
will Gott uns hier bereiten
zur ew’gen Herrlichkeit.
Wir dürfen hier beherzt
den Finger Gottes merken;
er wird uns gründen, stärken
durch Alles, was uns schmerzt.

Drum freu‘ ich mich von Herzen,
wenn auch mich Leiden drückt;
es sind gesunde Schmerzen,
die deine Hand mir schickt.
Ich weiß, du läuterst nur,
du prüfest meine Nieren
und willst dein Werk vollführen
an deiner Kreatur.

Am Ende wird sich’s finden,
was du an mir getan.
Du hilfst mir überwinden,
nimmst mich mit Ehren an.
Ja, hier schon in der Welt
wirst du mein Herz erquicken
und manche Stund‘ ihm schicken,
darin es Sabbat hält.

Magdalena Sibylla Rieger – Es fragt mein Herz: Wo gehst Du hin?

1. Es fragt mein Herz: Wo gehst Du hin?
Mein Jesu, sag‘ es mir!
[: Ich folge Dir in meinem Sinn:]
Und lasse nicht von Dir.

2. Ach nimm mich mit, verlass mich nicht
Bei Dir nur will ich sein.
[: Ich sitz‘ im Finstern, ohne Licht,:]
Wenn Du mich läss’st allein.

3. Jedoch getrost! Mein Heiland spricht:
„Ich gehe nur voraus!
[: Schau, über dich, im Himmelslicht : ]
Bereit‘ Ich dir ein Haus.

4. „Bei meinem Vater ewiglich,
Der manche Wohnung hat,
[: Bereit‘ Ich gnädig dort für dich :]
Auch eine Ruhestatt.

5. „Gedulde dich die kleine Zeit;
Wird dir’s indessen bang,
[: Und musst du fühlen Kreuz und Leid :]
Getrost! es währt nicht lang.“

6. Drum, Jesu, geh‘ ich trostesvoll
Hienieden aus und ein,
[: Weil dort ein ewig Leben soll : ]
Mir vorbehalten sein.

Magdalena Sibylla Rieger – Meine Seele, Voller Fehle,

1. Meine Seele, Voller Fehle,
Suchet in dem Dunkeln Licht.
Jesu, neige Dich, und zeige
Mir dein tröstlich Angesicht!
Auf mein Flehen
Lass dich sehen,
Und verbirg dich länger nicht!

2. Ich empfinde, Meine Sünde
Sei an allem Kummer Schuld.
Ich gestehe Dies und flehe
Um Vergebung und Geduld .
Du, mein Leben,
Kannst mir geben
Neue Hilfe, neue Huld.

3. Ach, von Herzen und mit Schmerzen
Such‘ ich dich, mein Trost und Heil.
Wie so lange, Ist es bange
Meiner Seele! Komm in Eil‘!
Laß dich nieder,
Komme wieder,
Meines Herzens bester Teil!

4. Richtig wandeln, Weise handel,
Woll’st du künftig mir verleihn!
Gib die Triebe Deiner Liebe
Voller in mein Herz hinein!
Welch‘ ein Segen Ist zugegen,
Wenn es heißt: Du mein, ich dein!

5. Lehre, leite, Vollbereite
Mich, wie du mich haben willt!
Gib mir Klarheit, Geist und Wahrheit,
Dass ich gleich sei deinem Bild,
Dass man merke,
Meine Stärke
Sei in dir und du mein Schild,

6. Bis im Lichte Dein Gesichte
Mir sich droben völlig zeigt,
Wenn die Deinen Nicht mehr weinen
Und die Klagestimme schweigt,
Drum so zeige
Mir die Steige,
Da man auf zum Himmel steigt.