Barmherzig ist der Schlaf, der tiefe,
als ob uns Gott zum Ursprung riefe
und wieder „Adam“ zu uns sagte.
Barmherzig ist der Schlaf, der schwere,
als ob uns Gott zum Ende kehre
und nur der Jüngste Morgen tagte.
Lieder der Christenheit – nicht nur Kirchenlieder
Barmherzig ist der Schlaf, der tiefe,
als ob uns Gott zum Ursprung riefe
und wieder „Adam“ zu uns sagte.
Barmherzig ist der Schlaf, der schwere,
als ob uns Gott zum Ende kehre
und nur der Jüngste Morgen tagte.
Ich weiß nicht, hat es Sinn
und lohnt es, dass ich lebe,
nur weil mein Herz noch schlägt.
Ich weiß nur, dass ich Rebe
voll schweren Weines bin.
Ich weiß nicht, soll ich sein.
Ich weiß nur, dass die Erde
mich Korn im Schoße trägt,
da ich zum Brot werde.
Gott spricht aus Brot und Wein.
Um mir ein Bildnis meines Seins zu malen,
errechne ich tagtäglich neue Summen.
Dann setzt Gott Seine Zeichen vor die Zahlen,
und was mir galt, hat künftig zu verstummen.
Ich sehe meine Ziffern rasch verbleichen,
Was ich auch schrieb, hat seinen Sinn verloren.
Und aus der Wirrnis werden Gottes Zeichen
als einziger Wert, der morgen gilt, geboren.
Wir leben alle zwischen Nacht und Nacht,
und was am Tage einer weint und lacht,
ist nur ein Zufall zwischen den Gesetzen.
Wir leben hin aus Hunger und aus Blut,
im Freuen böse und im Leiden gut,
man kann den einen für den anderen setzen.
Wir tragen alle erst ein Ja ins Sein,
verarmen alle an des Todes Nein,
sind gleich mit so verschiedenen Gesichtern.
Wir wachen ängstlich zwischen Schoß und Grab.
Ein Dunkel löst das andere Dunkel ab,
Inmitten liegt ein wirres Spiel von Lichtern.
Mir scheint, du wirst nur selten weinen.
Zur Stunde der geheimen Tränen
soll dir voll Sanftmut widerscheinen,
was heut Besitz ist, morgen Sehnen:
Die Hyazinthen, Ostereier,
die Lichter und ein weißer Hase,
ein Buch, ein Spiel – die süße Feier
der Veilchen in dem Bernsteinglase.
Den Glanz, der über den Geschenken
von Bildern lächelt, Leuchtern, Stühlen,
vom Secretair, von Bücherschränken,
wirst du einmal als Heilung fühlen.
Ich weiß nicht, unter welchem Namen
dir Gott das Heer der Schmerzen sendet.
Sie sind gewiss, als ob sie kamen,
von Ewigkeit dir zugewendet.
Nun lege ich in Gottes Hand
mein graues Haus, mein grünes Land
und was auf meinen Feldern reift.
In Gottes Hand mein Weib am Herd,
im Stall das Lamm, die Kuh, das Pferd –
das Kind, das nach dem Milchnapf greift.
In Gottes Hand den Fisch im Teich!
Und alles zähl zu seinem Reich,
sei Stern, der seine Füße streift!
Der Menschen und der Fische fing
und sicheren Pfad im Meere fand,
wirft nun vom unbekannten Strand
mit seiner braunen Fischerhand
ein Sternennetz um All und Erde.
Der Papst zu Rom trägt Petri Ring,
die Fischer tragen Netz und Schnur,
und „Petri Heil“ ward aller Schwur.
Jedoch Gott selbst vermag es nur,
dass einer Petri Nachfahr werde.
Stimmt an, ihr Fischer, Sänger, Beter:
Gelobt der Fisch in allen Luft- und Wasserreichen,
der Christi Namensrätsel uns enthüllt!
Gelobt der Fisch, der Petri Netze füllt!
Gelobt der Fisch, der Christi Fuß berührt,
da Er den Petrus übers Meer geführt!
Gelobt der Fisch, der die Fünftausend speist!
Gelobt der Fisch, der Ihm zu Häupten kreist
als Sternenbild und Gottes liebstes Himmelszeichen,
gelobt der Fisch im ewigen Äther!
Als der Sintflut schwere Wellen
Land und Mensch und Tier verschlangen,
fügte Gott, dass Seine hellen
Fischlein in den Fluten sprangen.
Denn er wollte sie zum Zeichen
Seines Sohnes sich bereiten,
und in Meeren, Flüssen, Teichen
trägt Er sie zum Ziel der Zeiten.
Doch die Fische müssen schweigen,
wie Gott sie so reich gesegnet,
Lasst uns vor dem Wunder neigen,
das in Stummheit uns begegnet!
Mein Herz hat einen Schlag getan –
nur wie ein Fisch die Flosse regt,
ein Gras im Winde sich bewegt,
ein Vogel seine Schwingen hebt –
und alles Leben war gelebt,
und alle Ewigkeit brach an.