Ringwaldt, Bartholomäus – Der 90. Psalm.

Im Ton: Ach, lieben Christen, seid getrost.

1. O Gott, der du die Menschenkind,
So deinen Sohn bekennen,
Eh denn die Berg geschaffen sind
Hast wissen fein zu nennen,
Und sie gesehn im Gnadenbund,
Eh denn da ist der Erden Grund
Durchs Wort geleget worden.

2. Sieh doch, wie wir durch Adams Fall
So schändlich sind verderbet;
Der Tod, der folgt uns überall
Und ist uns angeerbet;
Er steckt in unserm Fleisch und Bein
Und nagt die Menschen groß und klein,
Bis daß er sie verderbet.

3. Wir wachsen wie die Blumen auf,
Und fallen wieder abe;
Man trägt bisweil mit großem Hauf
Die Menschenkind zum Grabe.
Das macht, HErr, dein gerechter Zorn,
Dieweil wir sind in Sünd geborn
Und dein Gebot nicht halten.

4. Darum wir auch von deinem Grimm
So schnell verzehret werden;
Ehe mans vorsieht gehn wir dahin
Und liegen in der Erden,
Und bringen in geringer Ruh
Wie ein Geschwätz das Leben zu
Und fliehen gleich von hinnen.

5. Ach, wie gar nichts ist unser Zeit,
HErr, gegen dich zu rechen!
Du bist ein Gott von Ewigkeit,
Dem nichts kann widersprechen.
Du bleibest immer für und für,
Ja, tausend Jahr, die sind vor dir
Gleich wie ein Tag auf Erden.

6. Der Menschen Leben aber ist
Gar kurz und voller Plagen,
Noch stecken sie voll arger List
Und lassen ihn nicht sagen,
Als hätts mit ihnen kein Gefahr,
Da sie doch selten achtzig Jahr
In ihrem Lauf erreichen.

7. O HErr, lehr uns bedenken wol,
Daß wir absterben müssen,
Auf daß wir Klugheit werden voll,
In Zeit der Gnaden büßen
Und uns zum Tod bereiten fein,
Damit wir selig schlafen ein
Auf Christum, unseren HERREN.

8. Kehr dich zu uns, du frommer Gott,
In diesen bösen Tagen
Und thu dein Volk vors Teufels Spott
In deinem Busen tragen.
Schaff allen Christen Hülf und Rath,
Weil sie ihr Hoffnung früh und spat
Auf dich alleine setzen.

9. Gib Glück zu allem Regiment
In unserm ganzen Lande,
Und segne aller Menschen Händ
In klein und großem Stande,
So wollen wir mit lautem Schall
Dich fröhlich preisen überall,
Weil wir auf Erden leben.

Amen.

Ringwaldt, Bartholomäus – Der 146. Psalm.

Im Ton: Durch Adams Fall ist ganz verderbt.

1. Ich will des HErren Preis und Ehr,
Als viel ich kann, erheben
Und seinen Namen loben sehr,
Dieweil ich hab das Leben;
Denn er allein
Kann hülflich sein
In Angst und großen Nöthen,
Und mit Gewalt
Erretten bald,
Die man ohn Schuld will tödten.

2. Traut, ihr Gerechten, eurem Gott,
Es soll euch wol gelingen;
Der Teufel wird sein Hohn und Spott
An euch mit nicht vollbringen;
Ob er sich wol
Stellt rasend toll
In denen, die euch hassen,
Wird er euch doch
Mit seinem Joch
Wol ungefangen lassen.

3. Wol dem, den Gott in dieser Welt,
Mit Kreuz oft thut belegen,
Des Schaden in ein Frommen fällt,
Erlanget Gunst und Segen,
Wird klug und weis
Und flieht mit Fleiß
Der Welt tolles Vermessen,
Und wie ein Kind
Gott lieb gewinnt,
Und kann sein nicht vergessen.

4. Darum, ihr Christen, streubt euch nicht,
Wie Roß und wilde Thiere,
Wenn euch die Hand des HErren richt,
Denn er will euch probiren,
Ob ihr auch wollt
Wie reines Gold
Im Feur beständig bleiben,
Und auf sein Macht
Fest geben Acht,
Die Böses kann vertreiben.

5. Faßt nur in Gott ein starken Muth,
Thut still des Euren warten,
Der HErr, so alles schauen thut,
Wird wol das Spiel verkarten,
Und eurem Feind,
Ders böse meint,
Sein stolzen Muth verkürzen,
Und ihn geschwind,
Wie Spreu im Wind,
Vom Stuhl herunter stürzen.

6. Laß dichs nicht irren, ob er zwar
Ein Zeit lang triumphiret
Und auf sein Reichthum immerdar
Pocht und gleich jubiliret.
Thu nur gemach,
Gib Gott die Rach,
Und laß dich ihn nur äffen,
In kleiner Weil
Wird ihn der Pfeil
Des bittern Todes treffen.

7. Alsdenn so liegt sein‘ große Ehr,
Darinnen er gepranget,
Und sieht das Leben nimmermehr,
Ist ewiglich verdammet,
Hat keine Ruh,
Muß immerzu
In Finsterniß verborgen
Sich ohne Ziel,
Mit Schrecken viel,
Des jüngsten Tags besorgen.

8. Ach, unser Leben ist ein Dunst,
Was kann der Mensch doch schaden?
Darum fußt nicht auf Herrengunst,
Noch auf ihr‘ groß Genaden;
Denn sie so wol
Sind Schwachheit voll,
Wie andre Adamskinder,
Und bleiben nicht
In ihrer Wicht,
Wie die gemeinen Sünder.

9. Denn große Leut die fehlen auch,
Nicht viel besonders wiegen;
Sie halten den gemeinen Brauch
Und wie die Menschen lügen:
Zwölf in der Noth
Gehn auf ein Loth,
Sie helfen, was sie können,
Und müssen bald
All ihr Gewalt
Eim andern Mann vergönnen.

10. Darum so thut zum allerbest
Und weiß, worauf er bauet,
Der sich allein auf Gott verläßt,
Und seinem Wort getrauet;
Denn dieser Mann
Nicht wanken kann,
Er hält, was er gelobet,
Und steht gar frei
Den Seinen bei,
Wenn Tod und Teufel tobet.

11. O starker Gott, schaff allen Recht,
Die Gwalt und Unrecht leiden,
Und thu einmal das arg Geschlecht
Von deinen Kindern scheiden.
Der Witwen arm
Dich, HErr, erbarm,
Beschütz auch alle Waisen,
So wollen wir
In deiner Zier
Dich großen König preisen.

Amen.