Unbekannt – Ich ruf‘ zu dir, Herr Jesu Christ!

Ich ruf‘ zu dir, Herr Jesu Christ!
Ich bitt‘, erhör‘ mein Klagen,
Verleih‘ mir Gnad‘ zu dieser Frist,
Laß mich doch nicht verzagen!
Den rechten Weg, o Herr, ich mein‘;
Den wolltest du mir geben,
Dir zu leben,
Mei’m Nächsten nütz‘ seyn,
Dein Wort zu halten eben.

Ich bitt‘ noch mehr, o Herre Gott;
Du kannst es mir wohl geben:
Daß ich nicht wieder werd‘ zu Spott!
Die Hoffnung gieb daneben,
Voraus wenn ich muß hie davon.
Daß ich dir mög‘ vertrauen,
Und nicht bauen
Auf alles mein Thun;
Sonst würd’s mich ewig reuen.

Verleih‘, daß ich aus Herzengrund
Mein’n Feinden mög‘ vergeben!
Verzeih‘ mir auch zu dieser Stund‘,
Schaff‘ mir ein neues Leben!
Dein Wort mein‘ Speis‘ laß allweg‘ seyn,
Damit mein‘ Seel zu nähren,
Mich zu wehren,
Wenn Unglück geht her,
Das mich bald mögt‘ verkehren.

Laß mich kein‘ Lust noch Furcht von dir
In dieser Welt abwenden;
Beständig seyn in’s End‘, gieb mir;
Du hast’s allein in Händen!
Und wem du’s giebst, der hat’s umsonst;
Es mag niemand erwerben
Noch ererben
Durch Werke dein‘ Gnad‘,
Die uns errett’t vom Sterben.

Ich lieg‘ im Streit und widerstreb‘;
Hilf, o Herr Christ, dem Schwachen!
An deiner Gnad‘ allein ich kleb‘;
Du kannst mich stärker machen.
Kommt nu Anfechtung her, so wehr,
Daß sie mich nicht umstoße!
Du kannst’s maßen,
Daß mir’s nicht bringt G’fahr!
Ich weiß, du wirst’s nicht lassen.

Weiße, Michael – Sorge für das Heil der Seele.

Weltlich‘ Ehr und zeitlich Gut,
Wollust und aller Uebermuth
Ist eben wie ein Gras;
Aller Pracht und stolzer Ruhm
Verfällt als ein‘ Wiesenblum‘.
O Mensch, bedenk‘ eben das,
Und versorge dich noch baß.

Dein End‘ bild‘ dir täglich für!
Gedenk: Der Tod ist für der Thür
Und will mit dir davon;
Er klopft an, und du mußt h’raus,
Da wird nu nit anders aus!
Hättest du nu recht gethon,
So findest du guten Lohn.

Wenn die Seel zur Höllen fährt
Und ihr Leib, von Würmern verzehrt,
Wieder wird auferstehn,
Alsdann für göttlicher Kraft
Geben sollen Rechenschaft:
O wie wird er da bestehn,
Weil er jetzt will müssig gehn?

Denn dort wird ein reines Herz
Viel mehr gelten denn alle Schätz‘
Und aller Menschen Gut.
Wer sich hie verfügt mit Gott,
Der wird dort nicht leiden Noth;
Wer jetzt Gottes Willen thut,
Der wird dort seyn wohlgemuth.

Ein gut Gewissen allein
Ist viel besser denn edle Stein
Und köstlicher denn Gold;
Wer es in Christo erlangt
Und ihm ordentlich anhangt,
Dem vergiebt Gott seine Schuld,
Steht ihm bey und ist ihm hold.

Kein Reichthum, auch keine G’walt,
Keine Zierheit noch schön‘ Gestalt
Hilft was zur Seligkeit,
Es sey denn das Herz zugleich
In göttlichen Gaben reich
Und geziert mit Geistlichkeit
In Christi Theilhaftigkeit.

Christus redet offenbar
Und spricht zu aller Menschen Schaar:
„Wer mit mir herrschen will,
Der nehm‘ auch sein Kreuz auf sich,
Unterwerf sich williglich,
Halt sich nach meinem Beyspiel,
Thu‘ nicht, wie sein Adam will.“

O Mensch, sieh an Jesum Christ,
So fern er dir zum Beispiel ist
Und untergieb dich gar,
Nim auf dich fein süßes Joch,
Und folg‘ ihm hie treulich nach;.
So kommst du zur Engelschaar,
Die des wartet immerdar.

Glaub‘ dem Herrn aus Herzengruud,
Und bekenn‘ ihn mit deinem Mund,
Und preis ihn mit der That;
Thu‘ ihm fleißig deine Pflicht,
Wie Dich sein Wort unterricht:
So wird er mit seiner Gnad‘
Dir beystehn in aller Noth.

Regier‘ dich nach seiner Lehr,
Und gieb ihm allzeit Lob und Ehr
Mit Unterthänigkeit;
Sprich Herzlich mit Innigkeit:
O Gott in Dreyfaltigkeit,
Dir sey Dank und Herrlichkeit
Hie und dort in Ewigkeit!

Weiße, Michael – Nachfolge Christi

Kommt her, kommt her, ihr Erwählten,
Ihr Elenden und Gequälten,
Die ihr dem Herren dienen wollt
Um viel bessers denn Gold!
O kommt, weil er sich läßt finden,
Sucht Ablaß der Sünden,
Ergebt euch ihm aus Herzensgrund
In sein’n gnadreichen Bund!

Sagt ab, sagt ab dem Bösenwicht,
Der euch nur zu Sünden anficht,
Geht aus und fliehet von sei’m Heer;
Denn sein Fall ist sehr schwer.
Er verheißt ihm zwar, zu geben
Freud‘ und herrlich Leben,
Führet’s aber durch Eitelkeit
Zur Höllen Bitterkeit.

Macht euch her von der breiten Bahn,
Und hanget Christo treulich an;
Denn er verheißet und giebet
Allen, so er liebet,
Aus seiner Füll‘ Gnad‘ und Wahrheit,
Und nach treuer Arbeit
Führet er sie zur Herrlichkeit,
Giebt ihn’n Freud‘ und Klarheit,

Er giebet nicht Silber noch Gold,
Sonder gar viel ein’n bessern Sold;
Er begehrt auch nicht Schwerdt und Schild,
Wie es bey der Welt gilt,
Sonder ein’n herzlichen Glauben;
Und den müßt ihr haben,
Mit starker Lieb‘ und Zuversicht,
Wider den Bösenwicht.

Denn ihr müßt auf allen Seiten
Mit geistlichen Waffen streiten,
Den Irrthumen widerstreben,
Dem Fleisch nicht nachgeben,
Die Welt und ihr Wollust meiden,
Derhalben viel leiden,
Also den Leib aller Sünden,
Die Welt, überwinden.

Der König läßt Sold ausschreyen,
Spricht zu Knechten und zu Freyen:
Will sich mir jemand ergeben,
Er soll ewig leben;
Und niemand ist, der sein achtet,
Nach sei‘m Besten trachtet:
Ach Gott, was wirst du doch sprechen,
Wenn du kommst zu rächen?

Weltlichen Herr’n ist man bereit,
Lauft in Krieg, hat Müh‘ und Arbeit,
Bringet doch gar selten davon
Ein’n klein’n vergänglich Lohn:
Warum lauft man denn nit auch zu
Dem König Jesu,
Daß man in ihm überwinde,
Fried‘ und Ruh‘ erfinde?

O wohl dem, der zum Herren kümmt
Und sein’n Dienst von Herzen annimt,
Sein’n Eigenwillen läßt fahren,
Daß er mögt bewahren,
Was ihm lieb ist, zu Tag und Nacht
Von aller Kraft and Macht!
Denn die Freud‘ ewiger Klarheit
Ist ihm längest bereit.

Ey nu, König vom höchsten Thron,
Du wolltest uns auch Beystand thun,
Daß wir zu allen Stunden,
In dein’n Dienst befinden,
Deiner Gnad‘ mögen genießen
Im Geist und Gewissen,
Zuletzt von hinnen verscheiden
Zur ewigen Freuden!

Weiße, Michael – Verlangen nach Jesu

O Herre Jesu Christ,
Der du ganz freundlich bist,
Ein Arzt von Gott gesandt,
Der sehr wohl hat erkannt,
Was unser Siechthum sey
Und was noth für Arzney,
Sieh heut an unser Dürftigkeit;
Und thu‘ mit uns Barmherzigkeit!

Adam bracht‘ uns den Tod,
Und Mose dein Gebot;
Aber du, Jesu Christ,
Bringest was besser ist,
Gnad‘ und Gerechtigkeit,
Leben und Seligkeit!
O wohl dem, der deß die geneußt,
Und dich mit seinem Wandel preist!

Wer mag seiner Seelen
Was bessers erwählen
Denn dich, o Jesu Christ,
Der du sehr tröstlich bist,
Den Seelen allermeist,
Die du durch deinen Geist
Verneuest, und aus Gnad‘ und Gunst
Entzündest mit heiliger Brunst?

Du bist heilig und rein,
Wir aber ingemein
Seynd voller Eitelkeit
Und Ungerechtigkeit.
Unser‘ Werk gelten nicht
Vor deinem Angesicht,
Es sey denn, daß du sie vorhin
Rechtfertigest nach deinem Sinn.

So bitten wir dich nu,
O gütiger Jesu,
Wolltest uns dir allein
Verfügen all‘ in Ein,
Waschen mit deinem Blut,
Unser Werk machen gut,
Daß wir mögten vor deinem Thron
Finden ein’n unvergänglich Lohn. (al. Kron)

O werther Gottes Sohn,
Denk was du hast gethan,
Wie du all unser‘ Schuld
Nicht mit Silber noch Gold,
Sonder mit bessrem Gut,
Mit deinem reinen Blut
Aus großer Lieb‘ bezahlet hast,
Und sey unser Arzt, Heil und Trost!

Thu mit uns deinen Fleiß,
Nach eines Arztes Weis‘,
Und hilf, daß wir gesund
Und stark in deinem Bund,
In Lieb‘ und Einigkeit
Zu unsrer Seligkeit
Deinem Namen gebenedeyt
Lob und Preis singen allezeit.