Gerhardt, Paul – O Du allersüßte Freude

Gerhardt, Paul – O Du allersüßte Freude

O du allersüßte Freude,
o du allerhöchstes Licht,
der du uns in Lieb und Leide
unbesuchet lässest nicht.
Geist des Höchsten, höchster Fürst,
der du hältst und halten wirst
ohn Aufhören aller Dinge,
höre, höre, was ich singe.

Du bist ja die beste Gabe,
die ein Mensch nur nennen kann;
wenn ich dich erwünsch und habe,
geb ich alles Wünschen dran.
Ach, so gibt dich, komm zu mir
in mein Herze, das du dir,
da ich in die Welt geboren
selbst zum Tempel auserkoren.

Du wirst als ein milder Regen
ausgegossen von dem Thron,
bringst uns nichts als lauter Segen
von dem Vater und dem Sohn.
Laß doch, o du werter Gast,
Gottes Segen, den du hast
und verteilst nach deinem Willen,
mich an Leib und Seele füllen.

Du bist weise, voll Verstandes,
was geheim ist, ist dir kund;
zählst den Staub des kleinen Sandes,
gründst des tiefen Meeres Grund.
Nun du weißt auch zweifelsfrei,
wie verderbt und blind ich sei;
drum gib Weisheit und vor allen,
wie ich möge Gott gefallen.

Du bist heilig, läßt dich finden,
wo man rein und redlich ist,
fleuchst hingegen Schand und Sünden,
hassest Schlangentrug und List.
Mache du, o Gnadenquell,
meine Seele rein und hell;
laß mich fliehen, was du fliehest,
gib mir, was du gerne siehest.

Du bist, wie ein Schäflein pfleget,
frommes Herzens, sanftes Muts,
bleibst im Lieben unbeweget,
tust uns Bösen alles Guts.
Ach, verleih und gib mir auch
diesen edlen Sinn und Brauch,
daß ich Freund und Feinde liebe,
keinen, den du liebst, betrübe.

Mein Hort, ich bin wohl zufrieden,
wenn du mich nur nicht verstößt;
bleib ich von dir ungeschieden,
so bin ich genug getröst.
Laß mich sein dein Eigentum,
ich versprech hinwiederum,
hier und dort all mein Vermögen
dir zu Ehren anzulegen;

Ich entsage alle deme,
was dir deinen Ruhm benimmt,
ich will, daß mein Herz annehme
nun allein, was von dir kömmt.
Was der Satan will und sucht,
will ich halten als verflucht,
ich will seinen schnöden Wegen
mich mit Ernst zuwiderlegen.

Nur allein, daß du mich stärkest
und mir treulich stehest bei.
Hilf, mein Helfer, wo du merkest,
daß mir Hilfe nötig sei.
Brich des Fleisches bösen Sinn,
nimm den alten Willen hin,
mach ihn allerdinge neue,
daß sich mein Gott meiner freue.

Sei mein Retter, führ mich eben;
wenn ich sinke, sei mein Stab;
wenn ich sterbe, sei mein Leben;
wenn ich liege, sei mein Grab.
Wenn ich wieder aufersteh,
ei, so hilf mir, daß ich geh
hin, da du in ewgen Freuden
wirst dein‘ Auserwählten weiden.

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