Heyden, Sebald – Der 80. Psalm

Heyden, Sebald – Der 80. Psalm

zu singen unnd zu beten für die Christliche Kirchen, Wider alle Widerchristen und Verfolger deß Göttlichen Worts, in Gesangweiß gestellt: durch Sebaldum Heiden.

(766 Geistliche Psalmen rc. Nürnberg M. DC. VII. in 8°, Seite 245.)

GOtt, du Hirt Israels, merck auff,
der du Josephs hütst wie der Schaf:
dein Herde nicht verlasse!
Erschein, Herr, auff dem Cherubin,
erweck dein Gwalt für Ephraim,
Benjamin und Manasse!
Komb uns zu Hülff und tröst uns, Herr!
dein Antlitz laß leuchten jmmer!
so mögen wir genesen.
Herr Gott Zebaoth, zürn nicht steht,
erhör gnedig deins Volcks Gebet,
wir müsten sonst verwesen!

Du speissest uns mit Thränen Brodt
unnd trenckest uns mit klagens Roth
nie deines Wortes sachen.
Den Nachbawrn setzst du uns zum Zanck,
jerdman thut uns Gewalt und Zwanck,
unser feind uns verlachen.
Sie schreyen über uns: Mordt! Mordt!
drumb, daß wir stehn bey deinem Wort
unnd fliehen Gottloß Wesen:
HERR GOtt Zebaoth, tröst unns doch!
laß dein Antlitz unns leuchten noch,
so mögen wir genesen!

Du hast dir auß Egypten bracht
ein Weinstock und zum Garten gmacht,
die Heiden außgerottet;
Du hast jhm seine Weg gebaut,
daß Er erfüllet hat die Land,
sein Wurtzel tieff geleitet;
Berg sind mit seinem Schatten deckt,
sein Reben GOttes Cedern heckt,
sein Gwechs an das Meer reichet:
HERR, warum hast du brochen ein
seinen Zaun, das nun laufft darein
unnd reißt als, was fürstreichet?

Es haben jhn zerwüllt die Sew,
die wilden Thier verderbt ohn Schew,
verwüst an allen orten:
HERR GOtt Zebaoth, wend dich doch,
schaw vom Himmel und sihe noch,
besuch diesen Weingarten!
Halt jhn im Baw, den deine Hand
gepflantzet hat, daß sein Bestand
durch dein Wahl ewig were!
Sih drein und schildt des Brenners Glut
und straff des Reiffers übermuth,
daß jhr ein Ende werde!

Dein Hand geb Schutz den Leuten dein,
die dir zu deiner Rechten seyn,
durch dich erwehlt zusammen,
So wölln wir von dir weichen nicht,
nur laß unns, HERR, deß Lebens Liechts,
so ruffn wir an dein Namen.
HERR GOtt Zebaoth, steh uns bey!
deins Antlitz Liecht stets ob unns sey!
so seyn wir, Herr, genesen,
Durch JEsum CHristum, deinen Sohn,
der mit dir inn deß Himmels Thron
Gott ist in gleichem Wesen!

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