Böhmische Brüder – Psalm 48. Magnus DOMINUS

Böhmische Brüder – Psalm 48. Magnus DOMINUS

GOtt wolln wir loben,
der mit edlen gaben
die Kirch, sein heilige Stad,
herrlich erbawet hat
Durch sein Geist und wort
an eim lieblichen ort,
an dem schönen berg Zion,
auff Christum, seinen Son!
Da sie kein trübsal verletzen kan,
sondern wechst und blühet fur jederman
schön und zart,
in wolfart,
in lieb und in einigkeit,
zu jrer seligkeit!In dieser Heubtstad
ist König der HERR Gott,
der sie schützt mit seiner hand,
ist darinn wol bekand,
Sihe, dargegen
theten sich offt legen
viel König mit frechem mut,
strebten nach jrem blut:
Aber, nu hört! im ersten anblick
entsetzten sie sich, fülten jr unglück,
sahen bald
Gottes gwalt
und wurden allsampt zaghafft
furs grossen Königs krafft!

Zittern und schmertzen,
angst und weh im hertzen
kam sie an in jrem leib
wie ein geberend weib!
Wurden geschlagen
mit plötzlichen plagen,
jr macht und trutz wart verkürtzt,
durch himlisch krafft gestürtzt!
Wie der ostwind die schiff umbkeret,
so auch der welt helden widerferet:
jr anschleg,
böse weg,
zurstört Gott mit starcker hand,
zurwirfft sie wie den sand!

Wie wir gehöret
von Vetern geleret,
das Gott sein Volck stets behüt
durch seine grosse güt,
Also wirs sehen
in gleichem fall gehen
hie an unsers Gottes Stad,
fur augen ist die that!
Denn Gott erhelt sie jtzt und allzeit,
befestigt drinn sein stuel in ewigkeit,
so viel mehr,
weil der Herr
nu selbst drein gezogen ist,
unser Herr Jhesus Christ!

Unser gemüte
tröst sich solcher güte
im mittel seiner Gemein,
da er wil ewig sein.
Gott, wie hoch dein Nam,
so hoch ist auch dein rhum,
dauon ein lieblicher schall
geht uber berg und thal!
Denn durch unser Heil gistu ans licht
deine gerechtigkeit und dein gericht,
du behütst
und beschützst
dein volck zu wasser und land,
das dein trew werd bekand!

Frew dich, o Zion,
deiner herrlichen kron!
denn Gott gibt dir sieg zur zier,
darinnen triumphier!
Macht euch umb Zion
und umbfahet sie schon,
jr sted Juda! schawt, wie fest
sie verwart ist auffs best!
Legt vleis an den baw ewrer Heubtstad,
das mans den nachkomen zu sagen hat,
denn es wird
jre zierd
in der welt weit ausgebreit,
kümt auff die Christenheit!

Nu, lieben Christen,
des solt jr euch trösten!
denn jr seid die nachkomen,
die Gemein der fromen,
Die Gott erwelet,
unter sein Volck zelet
und annimt zum Eigenthum:
o welch ein hoher rhum!
Fasset solche gnad tieff zu hertzen,
und bedenckt, mit was ewigen schetzen
wird geehrt
und vermehrt
die Kirch in der Christenheit
zur lieb und einigkeit!

Schawt da, welch wolthat,
allerley hülff und rat,
die dienst, Wort und Sacrament,
ein schönes regiment,
Sichere wonung,
gute zucht und ordnung,
da trewe Diener durchaus
wachen ob Gottes Haus!
Ja, da rast und wont selbs unser Gott,
der mechtigste König, HERR Zebaoth!
der thut uns
lieb und gunst
in dieser gnadreichen zeit
wol bis in ewigkeit!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer
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