Hermann, Nikolaus – Vom Karfreitag, Sabbath und Ostertag.

AM Freitag mus ein jeder Christ
sein Creutz mit Christo tragen,
Bis der Sabbath verhanden ist,
denn ruht er in seim Grabe,
Bis kümbt der frölich Ostertag:
denn jn das Grab niht halten mag,
mit freuden er auffwachet!

Freitag, der Marter tag.

DEr Freitag wehrt die kleine zeit,
weil wir leben auff Erden,
Mit jamer, angst und hertzenleidt
daran betrübt wir werden,
Das macht Adams und unser schuldt!
wol dem, der sein Creutz mit gedult
dem HErren Christo nachtreget.

Sabbath, der Ruhetag.

AM Sabbath komen wir zu ruh,
all Creutz wird weggenomen,
Wenn uns itzt gehen die augen zu
und unser stund ist kommen,
Denn tregt man uns ins Rhubetlein,
darin gar sanfft wir schlaffen ein,
bis uns der HErr auffwecket.

Der Ostertag, der Freudentag.

DEnn kompt der frölich Ostertag,
so werdn wir all auffstehen!
Der Todt denn uns nicht halten mag,
entgegen werdn wir gehen
Christo und mit jm in seim Reich
leben in freuden ewigleich:
HErr Christ, das hilff uns, Amen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Hermann, Nikolaus – Von der unschuldigen Kindlein Historia.

Matth. 2.

Als nun Herodes wurd gewahr,
Daß er von Weisen betrogen war,
Wurd er zornig, und übt ein That,
Dergleich Niemand erfahren hat.

Weil er fürcht, er verlier sein Reich,
Ließ er durchs Schwert tödten zugleich
All Kinderlein von zweien Jahrn,
Die zu und um Bethlehem warn.

Er meint, es könnt ihm fehlen nicht,
Jesus müßt werden hingericht,
Aber es fehlt ihm weit sein Kunst,
Sein Tyrannei war gar umsonst.

Denn Gott sein liebes Söhnelein,
Joseph hieß sammt der Mutter sein
Fliehen in das Egyptenland,
Wie solchs zuvor geschrieben stand.

O du unsinniger Tyrann,
Jesus nimmt sich deins Reichs nicht an,
Er hat ein ewigs Himmelreich,
Dem keins auf dieser Erd ist gleich.

Mancher Mutter möcht wohl ihr Herz
Zersprungen sein für Weh und Schmerz,
Da sie ihr Kind von ihrer Brust
Reißen, und würgen sehen mußt.

O ihr lieben, seligen Ritterlein,
Ihr allerliebsten Märtyrlein,
Erstlich ihr euer milches Blut
Um Christus willn vergießen thut.

Ob ihr gleich diesmal unterliegt,
Dennoch habt ihr ehrlich gesiegt,
Jetzt herrschet ihr und lebt bei Gott,
Herodes Leib und Seel leidt Noth.

Ein schrecklich, gräßlich End er nahm,
Und brennt jetzt in der Höllenflamm,
Ich mein, er ists fein worden inn,
Was er hat für ein großen Gwinn.

Also wirds und soll allen gehn,
Die Gott und seim Wort widerstehn,
Hie nehmen sie ein schrecklichs End,
Und sind doch ewige Höllenbränd.

Gebet.

Herr Christ, hilf, daß wir unser Blut
Um deint willn, wenns von Nöthen thut,
Vergießen, und das zeitlich Leben
Auch können für das ewige geben.

Hermann, Nikolaus – Danket dem Herrn

Danket dem herren heut und allezeit,
denn groß ist seine güt und miltigkeit,
alles fleisch er speiset und erhelt,
denn sein geschöpf im wol gefelt.

Wenn über uns sein angesicht uns leucht,
der regen und tau die erd befeucht,
alsdenn wechst alles laub und gras,
sein werk treibt er on unterlaß.

Sobald der herr auftut sein milde hand,
so wechst die fülle in allem land,
daß sich des freuet jederman,
kein mensch noch vieh darf mangel han.

Er hat kein lust zu eim starken helt,
kein pracht noch macht im wolgefellt,
im liebt, daß man in fürcht und traut,
wer auf in hofft, hat wol gebaut.

Billich wirt er von uns gepreist,
daß er uns so reichlichen speist.
o vater, für dein gütigkeit
sagen wir dir dank in ewigkeit.

Ach herr, gib uns ein fruchtbar jar,
den lieben kornbau uns bewar,
für teurung, hunger, seuch und streit
bewar uns, herr, zu diser zeit.

Unser lieber vater du bist,
weil Christus unser bruder ist;
drumb trauen wir allein auf dich
und wollen dich preisen ewiglich.

Ach bleib bei uns, herr Jesu Christ,
weil es nu abent worden ist,
dein wort, o herr, das ewig liecht,
laß ja bei uns ausleschen nicht.

Er, lob und dank mit hohem preis
für disen trank und dise speis,
die uns der lieb und freundliche Got
aus gnaden jezund mitgeteilet hat!

Denn er ist freundlich und sein genad,
sein güt und treu kein ende hat,
der da erneret alles fleisch,
der seim geschöpf sein hülf beweist,

Der alle tier, fleisch und vöglein
mit seiner güt erhelt allein.
wenn der alt rab sein jung verleßt,
so speist sie Got in irem nest.

Er hat kein lust an rosses sterk,
gibt auch gar nicht auf stolze werk;
allein dem ist er lieb und wert,
der auf sein güte wart und ert.

Wir danken dir vater, herr und Got,
daß du uns speisest in hungers not,
durch unsern herren, Jesum Christ,
der unser heiland und erlöser ist.

Amen.

Goedeke/Tittmann – Deutsche Dichter des sechszehnten Jahrhundert

Dieterich, Veit – Das frölich Ostergesang.

//Victime pascali laudes.//

Wir christen all itz frölich sein,
und Got je billich loben;
denn gopfert ist für unser sünd
um am kreuz hoch erhoben
das osterlam,
welchs von uns nam
den tod und Gottes zoren.

Das lam on alle sünde ward,
das für uns ist gestorben.
wir arme schaf, verirret gar,
weren also verdorben,
wo diß opfer
nicht von Got wer
zu unserm heil verordnet.

Diß ist doch je ein wunderding,
daß leben mit dem tode,
gar heftig kriegt und manlich ringt,
daß zletzt in solcher note
des lebens herr
stirbt in uner,
doch endlich wider lebet.

Denn Jesus Christ ist Gottes son,
ein fürst und herr des lebens.
was nun der tod an im hat ton,
ist ganz und gar vergebens;
denn Gottes macht
schwecht teufels kraft,
daß der tod nichts kan schaffen.

Der tod hat gsigt ein kleine zeit,
nit gar drei ganze tage;
der teufel hat darob groß freud,
daß Christus im grab lage.
hie hör, was gschicht:
Christus durchbricht
wol aus dem tod zum leben.

Sag uns, du liebe Magdalen,
da du vom grab weg liefest,
sahst nit bald hinter dir sten
Jesum, den du so liebtest?
erstanden war
aus todes gfar,
der itzt herrscht über alles.

Das grab stet öd, kein hüter mer
darbei sich itzt leßt finden.
zwen engel von Gott traten her,
die gute mer verkünden:
der kreuzigt Christ
nit im grab ist;
vom tod ist er erstanden.

Solchs ist gewiss, derhalb itz wir
von herzen frölich singen
und schreien all, o Christ, zu dir:
laß uns im tod gelingen,
daß wir mit dir
vom tode schier
zum leben durch hindringen!

Goedeke/Tittmann – Deutsche Dichter des sechszehnten Jahrhundert
Weitere Texte des Autors in der Glaubensstimme

Vulpius, Herman – Ein Abendreien

Nu kum herzu, du junge schar,
und was ich euch singe, das nemt war.
mit freuden wölln wir singen,
das frölich tut erklingen.

Wir wöllen preisen unsern Got,
der bei uns stehet in aller not,
und ist zu helfen stets bereit;
dem sei lob, er in ewigkeit!

Der solches lob von uns begert,
wir bitten in und werden gewert;
was wir bitten im namen sein,
das gibt er uns und kans allein.

Er ist ein vater gnediglich,
seine wort gehen nicht hinder sich;
alls was er uns verheißen hat,
dasselb beweist er mit der tat.

Er gibt uns kleider, trank und speis,
und erneret der erden kreis;
mit seiner güt, barmherzigkeit
tröst er und hilft zu rechter zeit.

Nun schau herab aus deinem tron,
HERR Got, sich deine kinder an.
mit heller stimm loben wir dich,
zu dir stehet unser zuversicht.

Wiewol wir sein noch schwach und klein,
doch kennen wir dich, Got, allein;
kein ander hilf die wißen wir,
in allem land rufen wir zu dir.

Dann du bist stark mit deiner hand,
du tust erhalten alle land;
alls machstus nach dem willen dein
und hilfest in der not und pein.

O vater from, von uns nit ker,
zu lob singen wir deiner er;
dann unser mund ist lobes vol,
das gefellt dir in dem himel wol.

Und wenn uns kem ein böser wicht,
so wolten wir in hören nicht,
der uns etwas wolt leren,
das nicht wer deiner eren.

Und wies deim willen wolgefellt,
und wie dein heilig wort inhelt,
auf daß wir leben dir zu lob,
und ob wir schon gehen zu boden drob.

Das sei dir gesungen, starker Got,
von deiner schwachn und ser jungen rott,
die noch nicht groß vermügens ist,
der du ir treuer vater bist.

Goedeke/Tittmann – Deutsche Dichter des sechszehnten Jahrhundert