Gerhardt, Paul – Nun, du lebest, unsre Krone

1. Nun, du lebest, unsre Krone,
in der süßen sanften Ruh,
Bringst die Zeit bei Gottes Throne
ohne Zeit und Ende zu!
Du hast ewige Freud und Zier,
und wir sollten für und für
uns mit unsern Tränen kränken?
Auf! Und laßt uns recht bedenken!

2. Freunden soll man Freuden gönnen,
Lachen, wenn sie fröhlich sein!
Tränen laß zu der Zeit rinnen,
wenn sie liegen in der Pein:
Aber wenn der Sieg erlangt
und der Held im Kranze prangt,
Wenn das Herzleid weggeschlagen,
legt sich billig Schmerz und Klagen.

3. Edles Herz, du hast bezwungen
alles, was dir widrig war:
Alle Schmerzen, die sich drungen
in dein Herz mit großer Schar;
Allen Jammer, alle Müh,
alle Sorgen, die dich früh,
auch oft bei den späten Nachten
voller Angst und Wehmut machten.

4. Gott weiß wohl, was wir vermögen
und wie stark die Schulter sei,
da er will sein Kreuz hinlegen;
Dessen Huld und Vatertreu
hat auch dir schwere Last,
Die du ausgestanden hast,
Über dein Haupt lassen gehen.
Wer viel kann, muß viel ausstehen.

5. Wärst du einer aus dem Orden,
denen Herz und Mut entfällt,
wenn sie nur berühet worden
von des rauhen Unglücks Kält,
Ei, so würde nimmermehr
ein so großes Jammerheer
Gott, der Geber aller Gaben,
über dich verhänget haben.

6. Freue dich! Du hast gewonnen
durch des Höchsten Stärk und Kraft;
Jetzo gehst du, gleich der Sonnen,
mitten in der Bürgerschaft
der sehr schönen neuen Stadt,
die uns Gott gebauet hat,
Springst und singst und holest wieder
mit den Engeln süße Lieder.

7. Christus wischet selbst die Tränen
dir von deinen Angesicht;
dein Herz hört auf, sich zu sehnen,
weiß von keinem Mangel nicht,
ohne daß du, die du hier
hast gelassen hinter dir,
auch in solchem Freudenleben
balde möchtest sehen schweben.

8. Nun, wir werden balde kommen
aus dem Leide zu der Freud
und dich mit viel tausend Frommen
schauen in der Seligkeit!
O wie herrlich! O wie schön
wirst du und wir mit dir gehn,
wenn uns wird, anstatt der Erden,
Gottes Reich zu Teile werden.

Gerhardt, Paul – Nach dir, o Herr, verlanget mich

1. Nach dir, o Herr, verlanget mich,
du bist mein Gott, ich hoff auf dich,
Ich hoff und bin der Zuversicht,
du werdest mich beschämen nicht.

2. Der wird zu Schanden, der dich schändt
und sein Gemüte von dir wendt,
Der aber, der sich ergibt
und dich recht liebt, bleibt unbetrübt.

3. Herr,nimm dich meiner Seelen an
und führe sie rechte Bahn,
Laß deine Wahrheit leuchten mir
im Steige, der mich bringt zu dir.

4. Denn du bist ja mein einzig Licht,
sonst weiß ich keinen Helfer nicht,
Ich harre dein bei Tag und Nacht:
Was ists, das dich so säumend macht?

5. Ach wende, Herr, dein Augen ab
von dem, wo ich geirret hab.
Was denkst du an den Sündenlauf,
den ich geführt von Jugend auf?

6. Gedenk an deine Gütigkeit
und an die große Süßigkeit,
Damit dein Herz zu trösten pflegt
das, was sich dir zu Füßen legt.

7. Der Herr ist fromm und herzlich gut
dem, der sich prüft und Buße tut,
Wer seinen Bund und Zeugnis hält,
der wird erhalten, wenn er fällt.

8. Ein Herz, das Gott von Herzen scheut,
des wird in seinem Leid erfreut,
Und wenn die Not am tieften steht,
so wird sein Kreuz zur Sonn erhöht.

9. Nun, Herr, ich bin dir wohlbekannt,
mein Geist, der schwebt in deiner Hand.
Du siehst, wie meine Seele tränt
und sich nach deiner Hilfe sehnt.

10. Die Angst, so mir mein Herze dringt
und daraus soviel Seufzer zwingt,
Ist groß; du aber bist der Mann,
dem nichts zu groß entstehen kann.

11. Drum steht mein Auge stets nach dir
und trägt dir mein Begehren für.
Ach laß doch, wie du pflegst zu tun,
dein Aug auf meinen Augen ruhn.

12. Wann ich dein darf, so wende nicht
von mir dein Aug und Angesicht,
Laß deiner Antwort Gegenschein
mit meinem Beten stimmen ein.

13. Die Welt ist falsch, du bist mein Freund.
ders treulich und von Herzen meint,
Der Menschen Gunst steht nur im Mund,
Du aber liebst von Herzensgrund.

14. Zerreiß die Netz, heb auf die Strick
und brich des Feindeslist und -tück,
Und wenn mein Unglück ist vorbei,
so gib, daß ich auch dankbar sei.

16. Regier und führe mich zu dir,
auch andre Christen neben mir,
Nimm, was dir mißfällt, von uns hin,
gib neue Herzen, neuen Sinn.

17. Wasch ab all unsern Sündenkot,
erlös aus aller Angst und Not.
Und führ uns bald mit Gnaden ein
zum ewigen Fried und Freudenschein.

Gerhardt, Paul – Nun ruhen alle Wälder

1. Nun ruhen alle Wälder,
Vieh, Menschen, Städt und Felder,
es schläft die ganze Welt.
Ihr aber, meine Sinnen,
auf, auf, ihr sollt beginnen,
was eurem Schöpfer wohl gefällt.

2. Wo bist du, Sonne, blieben?
Die Nacht hat dich vertrieben,
die Nacht, des Tages Feind.
Fahr‘ hin, ein andre Sonne,
mein Jesus, meine Wonne,
gar hell in meinem Herzen scheint.

3. Der Tag ist nun vergangen,
die güldnen Sternlein prangen
am blauen Himmelssaal;
also wird ich auch stehen,
wann mich wird heißen gehen
mein Gott aus diesem Jammertal

4. Der Leib eilt nun zur Ruhe,
legt ab das Kleid und Schuhe,
das Bild der Sterblichkeit.
Die zieh‘ ich aus, dagegen
wird Christus mir anlegen
den Rock der Ehr und Herrlichkeit.

5. Das Haupt, die Füß‘ und Hände
sind froh, daß nun zum Ende
die Arbeit kommen sei.
Herz, freu dich, du sollst werden
vom Elend dieser Erden
und von der Sünden Arbeit frei.

6. Nun geht, ihr matten Glieder,
geht hin und legt euch nieder,
der Betten ihr begehrt.
Es kommen Stund‘ und Zeiten,
da man euch wird bereiten
zur Ruh‘ ein Bettlein in der Erd.

7. Mein Augen stehn verdrossen,
im Nu sind sie geschlossen.
Wo bleibt dann Leib und Seel?
Nimm sie zu deinen Gnaden,
sei gut für allen Schaden,
du Aug‘ und Wächter Israel.

8. Breit aus die Flügel beide,
o Jesu, meine Freude,
und nimm dein Küchlein ein!
Will Satan mich verschlingen,
so lass die Englein singen:
„Dies Kind soll unverletzet sein.“

9. Auch euch, ihr meine Lieben,
soll heute nicht betrüben
kein Unfall noch Gefahr.
Gott lass euch selig schlafen,
stell euch die güldnen Waffen
ums Bett und seiner Engel Schar.

Gerhardt, Paul – Nun ist der Regen hin

1. Nun ist der Regen hin!
Wohlauf, mein Herz und Sinn,
Sing nach betrübten Leiden
Gott, deinem Herrn, mit Freuden!
Gott hat sein Herz gekehret
Und unser Bitt erhöret.

2. Sein Zorn war sehr entbrannt
Auf uns und unser Land,
Er sprach: „Ihr Menschenkinder
Geht, seid und bleibet Sünder,
Wollt von der Bosheit Straßen
Euch gar nicht wenden lassen.

3. Drum soll mein Himmelslicht
Sein klares Angesicht
In schwarze, trübe Decken
Und dunkle Wolken stecken
Und vor das helle Scheinen
Nur immer zu euch weinen.“

4. Bald aber fiel sein Grimm
Durch unsers Seufzens Stimm;
Das ewige Gemüte
Dacht an sein ew’ge Güte
Und ließ auf unser Schreien
Ihm seinen Zorn gereuen.

5. Die Wolken flohen weg,
Der feuchten Winde Steg,
Daher die Wasser flossen,
Nahm ab und ward verschlossen;
Des hohen Himmels Tiefen,
Die hörten auf zu triefen.

6. Steh auf, du mattes Feld
Aus deinem Trauerzelt,
Steh auf und laß nun wieder
Die süßen Sommerlieder
Zu deines Schöpfers Ehren
Mit Lust und Freuden hören.

7. Sieh hier, der Sonnen Zier
Geht wieder schön herfür,
Bringt nach dem Schlack und Regen
Den lieben, warmen Segen
Und wirkt auf Berg und Talen
Mit wunderreichen Strahlen.

8. Die Erde wird erquickt;
Und was durch Näß erstickt,
Das wird nun wieder leben
Und reife Früchte geben:
Die Acker gut Getreide,
Die Wiesen Gras und Weide.

9. Die Bäume werden schön
In ihrer Fülle stehn,
Die Berge werden fließen
Und Wein und Öle gießen.
Das Bienlein wird wohl tragen
Bei stillen, warmen Tagen.

10. Davon wird unsern Teil
Das ew’ge Gut und Heil
Uns allensamt zumessen:
Wir werden’s sehn und essen
Und mit dem Gut der Erden
Zur G’nüg ersättget werden.

11. Nun, Gott ist fromm und treu,
Sein Huld ist immer neu
Und läßt sich leicht versühnen,
Gibt, was wir nicht verdienen:
Läßt gnädig sich erfinden,
Und nicht nach unsern Sünden.

12. Darum so richte nun,
O Mensch, auch du dein Tun
Zu Gottes Lob und Liebe,
Daß dein Herz nicht betrübe
Mit mehrer’m Zorn und Schmerze
Das allerfrömmste Herze.

Gerhardt, Paul – Nicht so traurig, nicht so sehr

1. Nicht so traurig, nicht so sehr,
Meine Seele, sei betrübt,
Daß dir Gott Glück, Gut und Ehr
Nicht so viel wie andern gibt.
Nimm verlieb mit deinem Gott.
Hast du Gott, so hat’s nicht Not.

2. Du noch einzig Menschenkind
Habt ein Recht in dieser Welt;
Alle, die geschaffen sind,
Sind nur Gäst im fremden Zelt.
Gott ist Herr in seinem Haus,
Wie Er will, so teilt Er aus.

3. Bist du doch darum nicht hier,
Daß du Erden haben sollt,
Schau den Himmel über dir,
Da, da ist dein edles Gold,
Da ist Ehre, da ist Freud,
Freud ohn End, Ehr ohne Neid.

4. Der ist alber, der sich kränkt
Um ein Hand voll Eitelkeit,
Wann ihm Gott dargegen schenkt
Schätze der beständgen Zeit
Bleibt der Zentner dein Gewinn,
Fahr der Heller immer hin!

5. Schaue alle Güter an,
Die dein Herz für Güter hält,
Keines mit dir gehen kann,
Wann du gehest aus der Welt;
Alles bleibet hinter dir,
Wann du trittst in’s Grabes Tür.

6. Aber was die Seele nährt,
Gottes Huld und Christi Blut,
Wird von keiner Zeit verzehrt,
Ist und bleibet allzeit gut;
Erdengut zerfällt und bricht,
Seelengut, das schwindet nicht.

7. Ach, wie bist du doch so blind
Und im Denken unbedacht!
Augen hast du, Menschenkind,
Und hast doch noch nie betracht‘
Deiner Augen helles Glas:
Siehe, welch ein Schatz ist das!

8. Zähle deine Finger her
Und der andern Glieder Zahl;
Keins ist, das dir unwert wär,
Ehrst und liebst sie allzumal;
Keines gäbst du weg um Gold,
Wann man dir’s abnehmen wollt.

9. Nun, so gehe in den Grund
Deines Herzens, das dich lehrt,
Wie viel Gutes alle Stund
Dir von oben wird beschert.
Du hast mehr als Sand am Meer
Und willst doch noch immer mehr.

10. Wüßte, der im Himmel lebt,
Daß dir wäre nütz und gut,
Wornach so begierlich strebt
Dein verblendtes Fleisch und Blut,
Würde seine Frömmigkeit
Dich nicht lassen unerfreut.

11. Gott ist deiner Liebe voll
Und von ganzem Herzen treu;
Wann du wünschest, prüft Er wohl,
Wie dein Wunsch beschaffen sei:
Ist dir’s gut, so geht Er’s ein,
Ist’s dein Schade, spricht Er: Nein.

12. Unterdessen trägt sein Geist
Dir in deines Herzens Haus
Manna, das die Engel speist,
Ziert und schmückt es herrlich aus,
Ja erwählet, dir zum Heil,
Dich zu seinem Gut und Teil.

13. Ei, so richte dich empor,
Du betrübtes Angesicht,
Laß das Seufzen, nimm hervor
Deines Glaubens Freudenlicht;
Das behalt, wann dich die Nacht
Deines Kummers traurig macht.

14. Setze, als ein Himmelssohn,
Deinem Willen Maß und Ziel;
Rühre stets vor Gottes Thron
Deines Dankens Saitenspiel,
Weil dir schon gegeben ist
Mehres, als du würdig bist.

15. Führe deines Lebens Lauf
Allzeit Gottes eingedenk.
Wie es kömmt, nimm alles auf
Als ein wohlbedacht Geschenk.
Geht dir’s widrig, laß es gehn,
Gott und Himmel bleibt dir stehn.

Gerhardt, Paul – Ich hab in Gottes Herz und Sinn

1. Ich hab in Gottes Herz und Sinn
Mein Herz und Sinn ergeben:
Was böse scheint, ist mir Gewinn,
Der Tod selbst ist mein Leben.
Ich bin ein Sohn Des, der den Thron
Des Himmels aufgezogen;
Ob er gleich schlägt
und Kreuz auflegt,
Bleibt doch sein Herz gewogen.

2. Das kann mir fehlen nimmermehr,
Mein Vater muß mich lieben!
Wann er gleich auch mich würf ins Meer,
So will er mich nur üben
Und mein Gemüt
In seiner Güt
Gewöhnen fest zu stehen:
Halt ich den Stand, weiß seine Hand
Mich wieder zu erhöhen.

3. Ich bin ja von mir selber nicht
Entsprungen noch formieret,
Mein Gott ist’s, der mich zugericht‘,
An Leib und Seel gezieret:
Der Seelen Sitz
Mit Sinn und Witz,
Den Leib mit Fleisch und Beinen.
Wer so viel tut,
Des Herz und Mut
Kann’s nimmer böse meinen.

4. Woher wollt ich mein Aufenthalt
Auf dieser Erd erlangen?
Ich wäre längsten tot und kalt,
Wo mich nicht Gott umfangen
Mit seinem Arm,
Der alles warm,
Gesund und fröhlich machet;
Was er nicht hält,
Das bricht und fällt,
Was er erfreut, das lachet.

5. Zudem ist Weisheit und Verstand
Bei ihm ohn alle Maßen;
Zeit, Ort und Stund ist ihm bekannt,
Zu tun und auch zu lassen.
Er weiß, wann Freud,
Er weiß, wann Leid
Uns, seinen Kindern, diene;
Und was er tut,
Ist alles gut,
Ob’s noch so traurig schiene.

6. Du denkest zwar, wann du nicht hast,
Was Fleisch und Blut begehret,
Als sei mit einer großen Last
Dein Glück und Heil beschweret:
Hast spat und früh
Viel Sorg und Müh,
An deinen Wunsch zu kommen,
Und denkest nicht,
Daß, was geschicht,
Gescheh zu deinen Frommen.

7. Fürwahr, der dich geschaffen hat
Und ihm zur Ehr erbauet,
Der hat schon längst in seinem Rat
Ersehen und beschauet
Aus wahrer Treu,
Was dienlich sei
Dir und den Deinen allen;
Laß ihm doch zu,
Daß er nur tu
Nach seinem Wohlgefallen.

8. Wann’s Gott gefällt, so kann’s nicht sein,
Es wird dich letzt erfreuen:
Was du itzt nennest Kreuz und Pein,
Wird dir zum Trost gedeihen.
Wart in Geduld:
Die Gnad und Huld
Wird sich doch endlich finden;
All Angst und Qual
Wird auf einmal
Gleich wie ein Dampf verschwinden.

9. Das Feld kann ohne Ungestüm
Gar keine Früchte tragen:
So fällt auch Menschenwohlfahrt üm
Bei lauter guten Tagen.
Die Aloe
Bringt bittres Weh,
Macht gleichwohl rote Wangen:
So muß ein Herz
Durch Angst und Schmerz
Zu seinem Heil gelangen.

10. Ei nun, mein Gott, so fall ich dir
Getrost in deine Hände;
Nimm mich und mach es du mit mir
Bis an mein letztes Ende,
Wie du wohl weißt,
Daß meinem Geist
Dadurch sein Nutz entstehe
Und deine Ehr
Je mehr und mehr
Sich in ihr selbst erhöhe.

11. Willst du mir geben Sonnenschein,
So nehm ich’s an mit Freuden,
Soll’s aber Kreuz und Unglück sein,
Will ich’s geduldig leiden.
Soll mir allhier
Des Lebens Tür
Noch ferner offen stehen:
Wie du mich führst
Und führen wirst,
So will ich gern mitgehen.

12. Soll ich denn auch des Todis Weg
Und finstre Straßen reisen:
Wohlan, so tret ich Bahn und Steg,
Den mir dein Augen weisen.
Du bist mein Hirt,
Der alles wird
Zu solchem Ende kehren,
Daß ich einmal
In deinem Saal
Dich ewig möge ehren.

Gerhardt, Paul – Ich, der ich oft in tiefes Leid

1. Ich, der ich oft in tiefes Leid
Und große Not muß gehen,
Will dannoch Gott mit großer Freud
Und Herzenslust erhöhen.
Mein Gott, du König, höre mich,
Ich will ohn‘ alles Ende dich
Und deinen Namen loben.

2. Ich will dir mit der Morgenröt
Ein täglich Opfer bringen;
So oft die liebe Sonn‘ aufgeht,
So ofte will ich singen
Dem großen Namen deiner Macht,
Das soll auch in der späten Nacht
Mein Werk sein und Geschäfte.

3. Die Welt, die deucht uns schön und groß,
Und was für Gut und Gaben
Sie trägt in ihrem Arm und Schoß,
Das will ein jeder haben:
Und ist doch alles lauter Nichts;
Eh als man’s recht geneußt, zerbricht’s
Und geht im Hui zu Grunde.

4. Gott ist alleine groß und schön,
Unmüglich auszuloben
Auch denen, die doch allzeit stehn
Vor seinem Throne droben.
Laß sprechen, wer nur sprechen kann,
Doch wird kein Engel noch kein Mann
Des Höchsten Größ aussprechen.

5. Die Alten, die nun nicht mehr sind,
Die haben ihn gepreiset;
So hat ein jeder auch sein Kind
Zu solchem Dienst geweiset.
Die Kinder werden auch nicht ruhn
Und werden doch, o Gott, dein Tun
Und Werk nicht ganz auspreisen.

6. Wie mancher hat vor mir dein Heil
Und Lob mit Fleiß getrieben;
Und siehe, mir ist doch mein Teil
Zu loben übrig blieben.
Ich will von deiner Wundermacht
Und der so herrlich schönen Pracht
Bis an mein Ende reden.

7. Und was ich rede, wird von mir
Manch frommes Herze lernen,
Man wird dich heben für und für
Hoch über alle Sternen.
Dein Herrlichkeit und starke Hand
Wird in der ganzen Welt bekannt
Und hoch berufen werden.

8. Wer ist so gnädig als wie du?
Wer kann so viel erdulden?
Wer sieht mit solcher Langmut zu
So vielen schweren Schulden,
Die aus der ganzen weiten Welt
Ohn‘ Unterlaß bis an das Zelt
Des hohen Himmels steigen?

9. Es muß ein treues Herze sein,
Das uns so hoch kann lieben,
Da wir doch in den Tag hinein,
Was gar nicht gut ist, üben.
Gott muß nichts anders sein als gut,
Daher fleußt seiner Güte Flut
Auf alle seine Werke.

10. Drum, Herr, so sollen dir auch nun
All deine Werke danken,
Voraus die Heil’gen, derer Tun
Sich hält in deinen Schranken,
Die sollen deines Reichs Gewalt
Und schöne Regimentsgestalt
Mit vollem Munde rühmen.

11. Sie sollen rühmen, daß der Ruhm
Durch ale Welt erklinge,
Daß jedermann zum Heiligtum
Dir Dienst und Opfer bringe.
Dein Reich, das ist ein ew’ges Reich,
Dein Herrschaft ist dir selber gleich,
Der du kein End erreichest.

12. Der Herr ist bis in unsern Tod
Beständig bei uns allen,
Erleichtert unsers Kreuzes Not
Und hält uns, wann wir fallen.
Er steuret manches Unglücks Lauf
Und hilft uns wieder freundlich auf,
Wann wir ganz hingeschlagen.

13. Herr, aller Augen sind nach dir
Und deinen Stuhl gekehret;
Denn du bist’s auch, der alles hier
So väterlich ernähret:
Du tust auf deine milde Hand,
Machst froh und satt, was auf dem Land,
Im Meer und Lüften lebet.

14. Du meinst es gut und tust uns Guts,
Auch da wir’s oft nicht denken;
Wie mancher ist betrübtes Muts
Und frißt sein Herz mit Kränken,
Besorgt und fürcht sich Tag und Nacht,
Gott hab‘ ihn gänzlich aus der Acht
Gelassen und vergessen.

15. Nein! Gott vergißt der Seinen nicht,
Er ist uns viel zu treue:
Sein Herz ist stets dahin gericht‘,
Daß er uns letzt erfreue.
Geht’s gleich bisweilen etwas schlecht,
Ist Er doch heilig und gerecht
In allen seinen Wegen.

16. Der Herr ist nah und stets bereit
Ei’m jeden, der Ihn ehret,
Und wer nur ernstlich zu Ihm schreit,
Der wird gewiß erhöret.
Gott weiß wohl, wer Ihm günstig sei,
Und deme steht Er dann auch bei,
Wann ihn die Angst nun treibet.

17. Den Frommen wird nichts abgesagt,
Gott tut, was sie begehren;
Er mißt das Unglück, das sie plagt,
Und zählt all ihre Zähren
Und reißt sie endlich aus der Last;
Den aber, der sie kränkt und haßt,
Den stürzt Er ganz zu Boden.

18. Dies alles, und was sonsten mehr
Man kann für Lob erzwingen,
Das sollt mein Mund zu Ruhm und Ehr
Des Höchsten täglich singen:
Und also tut auch immerfort,
Was webt und lebt an jedem Ort.
Das wird Gott wohlgefallen.

Gerhardt, Paul – Nun danket all‘ und bringet Ehr‘

Nun danket all‘ und bringet Ehr‘,
Ihr Menschen in der Welt,
Dem dessen Lob der Engel Heer
Im Himmel stets vermeld’t!

2. Ermuntert euch und singt mit Schall
Gott, unserm höchsten Gut,
Der seine Wunder ueberall
Und große Dinge tut,

3. Der uns von Mutterleibe an
Frisch und gesund erhält
Und, wo kein Mensch nicht helfen kann,
Sich selbst zum Helfer stellt;

4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt,
Doch bliebet gutes Muts,
Die Straf‘ erläßt, die Schuld vergibt
Und tut uns alles Gut’s.

5. Er gebe uns ein fröhlich Herz,
Erfrische Geist und Sinn
Und werf‘ all‘ Angst, Furcht, Sorg‘ und Schmerz
In’s Meeres Tiefe hin.

6. Er laße seinen Frieden ruhn
In Israelis Land,
Er gebe Glück zu unserm Tun
Und Heil in allem Stand.

7. Er lasse seine Lieb und Güt
Um, bei und mit uns gehn,
Was aber ängstet und bemüht,
Gar ferne von uns stehn.

8. Solange dieses Leben währt,
Sei es stets unser Heil
Und bleib‘ auch, wenn wir von der Erd‘
Abscheiden, unser Teil.

9. Er drücke, wenn das Herze bricht,
Uns unsre Augen zu
Und zeig uns drauf sein Angesicht
Dort in der ewgen Ruh.

Gerhardt, Paul – Ist Ephraim nicht meine Kron

1. Ist Ephraim nicht meine Kron
Und meines Herzens Wonne,
Mein trautes Kind, mein treuer Sohn,
Mein Stern und meine Sonne,
Mein Augenlust, mein edle Blum,
Mein auserwähltes Eigentum
Und meiner Seelen Freude?

2. Ich höre seines Seufzens Stimm
Und hochbetrübtes Klagen:
Mein Gott hat mich, spricht Ephraim,
Gestraft und wohl geschlagen.
Er sucht mich heim mit harter Zucht,
Das ist mein Lohn, das ist die Frucht
Und Nutzen meiner Sünden.

3. Hör alle Welt! Ich bin getreu
Und halte mein Versprechen:
Was ich geredt, da bleibt es bei,
Mein Wort werd ich nicht brechen.
Das soll mein Ephaim gar bald
Erfahren und mich dergestalt
Recht aus dem Grund erkennen.

4. Ich denk noch wohl an meinen Eid,
Den ich geschworen habe,
Da ich, aus lauter Gütigkeit,
Mich ihm zu eigen gab;
Ich sprach: Du hast mein Herz erfüllt
Mit deiner Lieb, ich bin dein Schild
Und wills auch ewig bleiben.

5. Ich will mit meiner starken Hand
Dich als ein Vater führen,
Ich selbst will dich und auch dein Land
Aufs best und schönste zieren.
Und wirst du mir gehorsam sein,
So soll dich meines Segens Schein
Ohn alles End erfreuen.

6. Wo du dich aber bösem Rat
Wirst von mir wenden lassen,
So will ich deine Missetat
Heimsuchen, doch mit Maßen;
Und wenn du wieder kehrst zu mir,
So will ich wieder auch zu dir
Mich mit Erbarmen kehren.

7. Nun kehrt zu mir mein Ephraim,
Sucht Gnad in meinen Armen,
Drum bricht mein Herze gegen ihm
Und muß mich sein erbarmen.
Der Unmut fällt mir mit Gewalt,
Mein Eingeweide hitzt und wallt
In treuer Lieb und Gnade.

8. Kommt, alle Sünder, kommt zu mir,
Bereuet eure Sünden
Und suchet Gnad an meiner Tür,
Ihr sollt sie reichlich finden!
Wer sich mit Ephraim bekehrt,
Wird auch mit Ephraim erhört
Und hier und dort getröstet.