Martin Rinkart – Biographie

Martin Rinkart wurde 1586 zu Eilenburg geboren, wo sein Vater ein armer und rechtschaffener Böttcher war. Seit 1601 studierte er in Leipzig Theologie und erwarb sich hier durch seine musikalischen Kenntnisse den nötigen Lebensunterhalt. Im Jahre 1610 wurde er Kantor an der St. Nikolaikirche zu Eisleben und das Jahr darauf Diakonus an der St. Annenkirche ebendaselbst. Von dort erhielt er 1613 einen Ruf als Pfarrer nach Erdeborn im Mansfeldischen und vier Jahre später als Archidiakonus in seine Vaterstadt Eilenburg. Hier wirkte er mit großem Segen und bewährte sich durch entschiedene Treue und aufopfernde Liebe unter den härtesten Drangsalen und Gefahren des dreißigjährigen Krieges. In dieser Zeit der Not brach auch noch die Pest in Eilenburg aus, die so sehr wütete, dass oft an einem Tage 40-50 Personen starben und im ganzen Pestjahr 1637 gegen 8000 Menschen hingerafft wurden. Aber getreulich harrte er aus und begleitete die Toten zu Grabe. Das Jahr darauf kam eine schreckliche Hungersnot über Eilenburg. Auch jetzt war er ein treuer Vater seiner Gemeinde und ließ wöchentlich ein- oder zweimal unter die Dürftigen Brot verteilen, bis er zuletzt selbst Mangel leiden musste. Auch in den Kriegsnöten war er ein Schutzengel seiner Vaterstadt; denn, als im Jahre 1639 der schwedische Oberst von Dörfling von der Stadt 30,000 Taler Kriegssteuer forderte, legte er selbst Fürbitte bei ihm ein, und als dies nichts fruchtete, begab er sich mit seiner Gemeinde in die Kirche, ließ das Lied singen: „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ und sprach ein herzliches, inbrünstiges Gebet, wodurch Dörfling so ergriffen wurde, dass er seine Forderung auf 8.000 Thaler, ja zuletzt auf Rinckarts wiederholte Bitten sogar auf 2.000 Gulden herabstimmte. Trotz dieser großen Verdienste um seine Gemeinde hatte er doch manche Unbill zu erleiden; aber er ertrug alles geduldig und hatte dafür die Freude, noch vor seinem Tode den lange ersehnten Frieden zu erleben. Er starb 1649 und liegt in der Stadtkirche zu Eilenburg begraben.

Obgleich Rinckart sonst als Dichter weniger berühmt ist, so hat er sich doch durch das eine Lied „Nun danket alle Gott“ ein unvergängliches Gedächtnis gestiftet. In alten Gesangbüchern finden sich von ihm außerdem noch vier Lieder, doch beträgt die Gesamtzahl 50, und sind dieselben einfache Ergüsse eines Herzens, das durch und durch wahr ist und warm empfindet.

Joachim Neander – Biographie

Joachim Neander, eigentlich Neumann, wurde im Jahre 1640 zu Bremen geboren und war in seiner Jugend ein weltliebender und ungläubiger Mensch, bis er plötzlich durch eine Predigt von Undereyk, der in seiner Vaterstadt als Prediger wirkte und wegen seiner Frömmigkeit und seines Dringens auf lebendiges Christentum als ein Schwärmer verschrien war, bis zu Tränen gerührt und unter dessen nachmaliger Leitung zu einem gottseligen Wandel bekehrt wurde. Zur Vollendung seiner Bekehrung trug dann noch sein näherer Umgang mit Spener und dessen Freunden bei, als er nach Beendigung seiner Studien als Erzieher mehrerer Kaufmannssöhne nach Frankfurt am Main kam und mit Spener bekannt wurde. Zur Erinnerung an diesen Umgang widmete er dem Spenerschen Freundeskreise später seine im Jahre 1679 herausgegebenen „Bundeslieder“. Im Jahre 1674 kam er als Rektor der reformierten Schule nach Düsseldorf, hatte jedoch hier um seines Glaubens willen mancherlei Verfolgungen zu erleiden, bis er zuletzt durch den Hass seiner Feinde sogar aus Amt und Stadt vertrieben wurde und heimatlos mehrere Monate lang in einer Felsenhöhle am Rhein, die noch heute von ihm die Neanderhöhle heißt, sich aufhielt. Im Jahre 1679 wurde er jedoch zum Prediger an der St. Martinskirche in seiner Vaterstadt berufen und war nun der nächste Amtsgenosse Undereyks, der an derselben Kirche stand. Treu und unerschrocken predigte er die Wahrheit, hatte aber auch hier mancherlei Verunglimpfungen zu erdulden. Doch schon im folgenden Jahre 1680 starb er, mit den Worten 10: Es sollen wohl Berge weichen rc. auf den Lippen.

Neander war der erste bedeutende Dichter der reformierten Kirche und hat überhaupt 72 Lieder hinterlassen. Sie sind anspruchslose und einfache, aber zugleich innige und herzliche Zeugnisse von der Seligkeit eines in Gott ruhenden Gemüts, und wenn auch hie und da die Form noch weniger vollendet ist, so stehen sie doch auf echt biblischem Grunde und sind frei von aller unklaren Mystik, weshalb man ihn mit Recht den „Psalmisten des neuen Bundes“ genannt hat.

Bartholomäus Crasselius – Biographie

Bartholomäus Crasselius, geboren 1677 zu Wernsdorf bei Glaucha in Sachsen, war in Halle ein Schüler von August Hermann Franke und wurde 1701 Pfarrer zu Nidda in der Wetterau. Von da kam er 1708 als Pastor nach Düsseldorf und trug daselbst mit unermüdlichem Eifer dafür Sorge, dass in der etwas verkommenen Gemeinde neues Leben geweckt und gefördert würde. Leider blieb er dabei nicht immer in den gesetzlichen Schranken und geriet deshalb in mancherlei unerquickliche Streitigkeiten, die sogar ein öfteres Einschreiten seiner vorgesetzten geistlichen Behörden nötig machten. Sein Todesjahr ist 1724. Was seine Lieder, deren er 9 hinterlassen hat, anbetrifft, so tragen sie meist das Gepräge eines gewaltigen Feuereifers an sich, ermangeln aber nicht selten der nötigen evangelischen Milde. Es sind meist strafende Bußgedichte.

Johann Scheffler (Angelus Silesius) – Biographie

Johann Scheffler wurde 1624 zu Breslau von lutherischen Eltern geboren und auch in der lutherischen Kirche erzogen. Schon sehr frühe zeigte er jedoch eine vorherrschende Neigung zur religiösen Schwärmerei (Mystik) und gab sich oft und gern schwärmerischen Betrachtungen und Entzückungen hin, um dadurch zur Anschauung Gottes sich zu erheben und in die ewige Liebe sich zu versenken. Reiche Nahrung für diese Geistesrichtung erhielt er durch das Studium der Werke eines Thomas a Kempis, Johann Tauler, Jakob Böhme und anderer, die der Mystik huldigten. Auch selbst sein Studium der Medizin auf der Breslauer Universität mochte seine Neigung noch vermehrt haben. In dieser Gefühlsstimmung fing er sehr frühe zu dichten an. Nach vollendeten Studien, und nachdem er sich noch die medizinische Doktorwürde erworben hatte, begab er sich auf Reisen, namentlich nach Holland, wo er die dortigen zahlreichen Sektenversammlungen besuchte und immer tiefer in seine mystische Gemütsstimmung sich versenkte. Nach seiner Rückkehr wurde er Leibarzt des Herzogs von Württemberg-Öls in Öls und lernte daselbst die Streitigkeiten der strenglutherischen Theologen kennen, die freilich oft genug in dürren Buchstabenzänkereien bestanden und darum auf ihn einen widerlichen Eindruck machten. Er sprach sich darüber öffentlich aus und griff die lutherische Kirche und ihre Satzungen vielfach an. Die Folge davon war, dass er mit den lutherischen Geistlichen in Öls in heftigen Streit geriet und endlich im Jahre 1653 zur katholischen Kirche übertrat. Bei dieser Gelegenheit legte er sich von einem spanischen Mystiker Johann ab Angelis den Namen Johann Angelus bei und setzte auch oft Silesius, d. h. der Schlesier, hinzu, um seine Heimat zu bezeichnen. Er trat nun als Arzt in die Dienste des Kaisers Ferdinand III. und setzte seine Angriffe auf die von ihm verlassene Kirche mit großer Heftigkeit fort. Dadurch erhielt er in der katholischen Kirche bald so großes Ansehen, dass er die katholische Priesterweihe empfing und Rat des katholischen Bischofs zu Breslau wurde. Gegen das Ende seines Lebens zog er sich jedoch in das Jesuitenkloster St. Matthias zu Breslau zurück und starb dort im Jahre 1677.

Burchard Freystein – Biographie

Von dem Leben des Verfassers Johann Burchard Freystein ist uns fast gar nichts bekannt. Nur so viel wissen wir, dass er Hof- und Justizrat in Dresden war und 1720 daselbst starb. Besonders anregend waren für ihn die Predigten und Bibelstunden des damaligen Kurfürstlichen Hofpredigers Spener, mit dem er in vertrauter Freundschaft stand. – Obgleich er nach den Angaben einiger Liedersammlungen auch noch andere geistliche Lieder gedichtet haben soll, so dürfte doch wohl die Ansicht derer richtiger sein, die ihm nur dies eine zuschreiben, und ist dasselbe auch hinreichend genug, um ein kräftiges Zeugnis für seinen Christenglauben abzulegen.

Johann Eusebius Schmied – Biographie

Johann Eusebius Schmied, geboren 1670 zu Hohenfelden bei Erfurt, studierte in Leipzig, als August Hermann Franke daselbst Professor war. Als dessen Schüler schloss er sich ihm aufs engste an und blieb auch später zeitlebens mit ihm aufs innigste befreundet. Im Jahre 1697 wurde Pastor in Siebleben bei Gotha und blieb daselbst bis zu seinem Tode im Jahre 1745. Er hat im ganzen 42 geistliche Lieder hinterlassen, in denen sein frommes, tieffühlendes Gemüt den herrlichsten Ausdruck gewonnen hat.

Heinrich Georg Neuß – Biographie

Heinrich Georg Neuß, geboren 1654 zu Elbingerode im Harz, wo sein Vater Chirurg war, wurde 1683 Konrektor, das Jahr darauf Rektor zu Blankenburg und 1690 Diakonus zu Wolfenbüttel. Allein von hier wurde er bald wegen seiner pietistischen Richtung vertrieben und ging 1692 in das Amt eines Reisepredigers des Herzog Rudolf August von Braunschweig über. Im Jahre 1696 kam er als Superintendent nach Remlingen und noch in demselben Jahre in gleicher Eigenschaft nach Wernigerode. In dieser Zeit erhielt er auch in Gießen die theologische Doktorwürde. Sein Todesjahr ist 1716. – Neuß gehört übrigens zu den hervorragendsten pietistischen Dichtern seiner Zeit und zeichnet sich in seinen Liedern, deren er 134 hinterlassen hat, durch große Formgewandtheit aus.

Johann Christoph Schwedler – Biographie

Johann Christoph Schwedler wurde 1672 zu Krobsdorf in Schlesien geboren. Schon als Knabe zeigte er entschiedene Neigung für das geistliche Amt und bat seine Eltern so lange, bis sie seinem Wunsche nachgaben, so schwer es ihnen auch wurde, die Mittel zum Studieren aufzubringen. Er war schon 19 Jahre alt, als er auf die Schule nach Zittau kam, war aber so fleißig, dass er bereits 1694 die Universität Leipzig bezog, wo er auch die Magisterwürde erhielt. Im Jahre 1699 wurde er erst Diakonus, später Pfarrer zu Nieder-Wiesa bei Greiffenberg in Schlesien und starb auch daselbst 1730. Er war ein gottseliger Prediger, der mit herzlicher und kräftiger Beredsamkeit das Wort des Lebens verkündigte und mit großem Segen in seiner Gemeinde wirkte. Von ihm besitzen wir im ganzen 18 Lieder, unter denen das vorstehende (Wollt ihr wissen, was mein Preis) zu den besten und innigsten gehört.

Philipp Nikolai – Biographie

Philipp Nikolai, geboren 1556 zu Mengeringhausen in der Grafschaft Waldeck, besuchte die vornehmsten deutschen Universitäten und erhielt zuerst 1576 in seinem Geburtsorte ein Pfarramt. Sieben Jahre später kam er als Prediger nach Hardeck (Hirdike), wurde aber noch in demselben Jahre wegen seines Eifers für die Verteidigung des evangelischen Glaubens von den Papisten und Calvinisten von dort wieder vertrieben. Im Jahre 1586 erhielt er einen Ruf als Pastor an die lutherische Gemeinde nach Köln; aber auch diese Stelle vertauschte er schon im folgenden Jahre mit der zu Wildungen, wo er Hofprediger des Grafen zu Waldeck wurde. Nachdem er 1594 Doktor der Theologie geworden, ging er als Pastor nach Unna in Westfalen. Hier erlebte er eine schwere Zeit. Eine furchtbare Pest, die in ganz Westfalen wütete, raffte auch in Unna in kurzer Zeit gegen 1400 Personen weg. Diese Trübsalszeit vertiefte ihn besonders in Betrachtungen über das Jenseits und das ewige Leben, und eine Frucht derselben war sein im Jahre 1599 erschienener, Freudenspiegel des ewigen Lebens.“ Im Jahre 1601 kam er endlich als Pastor nach Hamburg an die St. Katharinenkirche und starb daselbst 1608.

Nikolai hat im ganzen vier Lieder hinterlassen, die sich durch hohen Schwung und heilige Liebesglut zum Erlöser auszeichnen und ganz nach Art des Hohen-Liedes gedichtet sind. Es sind Lieder himmlischer Minne. Außer vorstehendem Liede (Wie schön leuchtet der Morgenstern) ist sein Wächterlied: „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (Nr. 80) ganz besonders hervorzuheben.

Christian Keymann – Biographie

Christian Keymann stammte aus Böhmen und wurde 1607 zu Pankratz unweit Zittau geboren. Er besuchte die Universität Wittenberg und wurde daselbst 1634 Magister. Noch in demselben Jahre kam er als Konrektor an das Gymnasium zu Zittau und rückte vier Jahre später in die Rektorstelle nach. Er war ein sehr gelehrter und frommer Schulmann und hatte daneben auch eine große Vorliebe für die Dichtkunst. Am liebsten dichtete er geistliche den und erhielt auch in Anerkennung seiner trefflichen Leistungen dafür den Dichterlorbeer. Von seiner Frömmigkeit und Glaubensgemeinschaft mit Christo zeugen auch die Worte, die er zu seinem Namenssymbolum wählte: Me, Christe, corona d. i. Kröne mich, Christus. Sein Todesjahr ist 1663. Im ganzen hat er 80 geistliche Oden und Kirchengesänge hinterlassen, von denen mehrere als recht wertvoll zu bezeichnen sind.