Johann Scheffler wurde 1624 zu Breslau von lutherischen Eltern geboren und auch in der lutherischen Kirche erzogen. Schon sehr frühe zeigte er jedoch eine vorherrschende Neigung zur religiösen Schwärmerei (Mystik) und gab sich oft und gern schwärmerischen Betrachtungen und Entzückungen hin, um dadurch zur Anschauung Gottes sich zu erheben und in die ewige Liebe sich zu versenken. Reiche Nahrung für diese Geistesrichtung erhielt er durch das Studium der Werke eines Thomas a Kempis, Johann Tauler, Jakob Böhme und anderer, die der Mystik huldigten. Auch selbst sein Studium der Medizin auf der Breslauer Universität mochte seine Neigung noch vermehrt haben. In dieser Gefühlsstimmung fing er sehr frühe zu dichten an. Nach vollendeten Studien, und nachdem er sich noch die medizinische Doktorwürde erworben hatte, begab er sich auf Reisen, namentlich nach Holland, wo er die dortigen zahlreichen Sektenversammlungen besuchte und immer tiefer in seine mystische Gemütsstimmung sich versenkte. Nach seiner Rückkehr wurde er Leibarzt des Herzogs von Württemberg-Öls in Öls und lernte daselbst die Streitigkeiten der strenglutherischen Theologen kennen, die freilich oft genug in dürren Buchstabenzänkereien bestanden und darum auf ihn einen widerlichen Eindruck machten. Er sprach sich darüber öffentlich aus und griff die lutherische Kirche und ihre Satzungen vielfach an. Die Folge davon war, dass er mit den lutherischen Geistlichen in Öls in heftigen Streit geriet und endlich im Jahre 1653 zur katholischen Kirche übertrat. Bei dieser Gelegenheit legte er sich von einem spanischen Mystiker Johann ab Angelis den Namen Johann Angelus bei und setzte auch oft Silesius, d. h. der Schlesier, hinzu, um seine Heimat zu bezeichnen. Er trat nun als Arzt in die Dienste des Kaisers Ferdinand III. und setzte seine Angriffe auf die von ihm verlassene Kirche mit großer Heftigkeit fort. Dadurch erhielt er in der katholischen Kirche bald so großes Ansehen, dass er die katholische Priesterweihe empfing und Rat des katholischen Bischofs zu Breslau wurde. Gegen das Ende seines Lebens zog er sich jedoch in das Jesuitenkloster St. Matthias zu Breslau zurück und starb dort im Jahre 1677.